E-Book, Deutsch, 433 Seiten
Howell / Hartmann Die Geliebte des Earls
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96655-250-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, 433 Seiten
ISBN: 978-3-96655-250-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Hannah Howell, geboren 1950 in Massachusetts, kann ihren amerikanischen Familienstammbaum bis in das frühe 17. Jahrhundert zurückverfolgen - liebt aber vor allem die Geschichte Englands und Schottlands; auf einer Reise dorthin lernte sie auch ihren späteren Ehemann kennen. Hannah Howell hat in ihrer schriftstellerischen Karriere über 60 Liebesromane veröffentlicht, darunter den großangelegten Zyklus über die Familie Murray, in dem sie mitreißend vom Schicksal mehrerer Generationen einer weitverzweigten schottischen Highlander-Dynastie erzählt. Hannah Howell wurde für ihr Werk mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Golden Leaf Award und dem Preis des Romantic Times Bookclub Magazine. Bei dotbooks erschienen die folgenden Romane von Hannah Howell: HIGHLAND HEROES Das Schicksal des Highlanders Die Lust des Highlanders Das Schwert des Highlanders HIGHLAND DESIRE Die Hoffnung des Highlanders Der Wunsch des Highlanders Das Herz des Highlanders HIGHLAND ROSES Im Zeichen des Highlanders Die Spur des Highlanders Die Sehnsucht des Highlanders HIGHLAND LOVERS Der Fürst der Highlander Der ungezähmte Highlander Der Held der Highlands HIGHLAND DREAMS Das Begehren des Highlanders - auch als Hörbuch bei SAGA erhältlich Das Sehnen des Highlanders - auch als Hörbuch bei SAGA erhältlich Der Stolz des Highlanders - auch als Hörbuch bei SAGA erhältlich Die Versuchung des Highlanders Der Mut des Highlanders Der Traum des Highlanders Bei den folgenden beiden Romanen handelt es sich um Einzelbände: Der Kuss des Schotten Die Geliebte des Earls
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Banner flatterten laut knatternd im kühlen Frühlingswind. Botolf Corwine Lavington stieß einen Fluch aus und strich sich eine rabenschwarze Haarlocke aus dem Gesicht, wobei sein finsterer Blick sich nicht eine Sekunde von der Menge löste. Die Schilde und Farben der Ritter prangten vor jedem einzelnen Zelt. Die, die er suchte, waren nicht darunter, doch das verwunderte ihn nicht. Sein Feind hielt sich zunehmend bedeckt. Der Earl of Caindale und seine Gäste schickten sich an, die besten Plätze zu suchen, um das Turnier zu genießen. Damen lachten, schäkerten und beschenkten ihre auserwählten Kämpen mit ihrer Huld, unter deren Eindruck sie in den Schaukampf eintreten würden. Botolf wußte, daß er sich den Rittern bald würde anschließen müssen. Als Baron of Merewood und neuer Earl of Regenford erwartete man von ihm vollen Einsatz im Turnier.
Einen Augenblick blieb er noch vor seinem Zelt stehen und verfolgte das Treiben aus schmalen Augen. Auf seinen Befehl hin behielten auch seine Vasallen und engen Freunde Sir Roger Vane und Sir Wesley DesRoches die umtriebige, fröhliche Menge streng im Auge. Irgendwo unter den farbenfroh gekleideten Festgästen trieb sich ein Mann, der Mordgedanken hegte, herum. Botolf wußte, daß ein Mörder sich den heiteren Tumult eines solchen Ereignisses wohl zunutze machen konnte.
»Paß auf dich auf, Botolf.«
Botolf wandte den Kopf und schenkte Lady Mary, seiner zierlichen Mutter, ein flüchtiges Lächeln. »Das tu ich. Immer. Suche dir einen Platz, Mutter, und sorge dich nicht um mich.«
Lady Mary seufzte. »Werden Männer denn niemals klug? Dreimal schon wollte dir jemand ans Leben, und trotzdem sagst du noch immer, ich solle mich nicht um dich sorgen.«
»Und dreimal ist der Versuch fehlgeschlagen.«
»Aye, aber einmal, beim letzten Mal, war es für meinen Geschmack entschieden zu knapp. Dieses böse Trachten eines Unbekannten …«
»Wir wissen beide, wer mich tot sehen will.« Er bezwang seinen Zorn, als er sah, wie seine Mutter erbleichte.
»Ich kann es nicht glauben«, sagte sie matt. »Cecil ist dein Bruder.«
»Mein Halbbruder.«
»In euren Adern fließt das gleiche Blut, das Blut eures gemeinsamen Vaters.«
»Wir haben auch den Tag, den Monat, das Jahr, die Stunde, ja sogar den Augenblick der Geburt gemeinsam. Es tut nichts zur Sache. Wir wissen beide, warum Cecil mir nach dem Leben trachtet.« Zärtlich strich er über die noch immer faltenfreie Wange seiner Mutter. »Geh jetzt. Genieße das Fest. Mir wird nichts geschehen. Und wir werden nicht mehr über diese Angelegenheit reden. Es bringt dir nur Kummer.«
»Sie ist nicht willens, die Wahrheit hinzunehmen«, sagte Sir Roger leise, als Lady Mary gegangen war, und seine blauen Augen verrieten Mitleid mit der Frau.
»Diese Wahrheit ist auch zu schmerzhaft, um sie hinnehmen zu können. Sie hat Cecil an die Brust genommen, hat ihn gehalten wie ihren eigenen Sohn. In ihren Augen wiederholt sich hier die Geschichte von Kain und Abel.«
»Aye. Er hatte ein besseres Leben als mancher andere, doch er will alles.«
»So ist der Lauf der Dinge. Aber wer ist dieser Junge?« Botolf bedachte den Burschen, den ein weiterer seiner Vasallen, Sir Talbot Yves, ihm zuführte, mit einem kurzen Lächeln.
»Pitney Todd, Mylord«, erwiderte Talbot. »Euer Knappe Farold hat sich den Knöchel verletzt und kann Euch nicht zu Diensten sein. Pitney wird für ihn einspringen.«
»Wie alt bist du, Pitney?«, fragte Botolf, dem es kaum gelang, den erstaunten Blick vom Haar des Jungen zu lösen. Es war silberblond, nahezu weiß.
»Achtzehn, Mylord«, antwortete der Junge.
»Du kommst aus dem Norden?«
»Aye, Mylord. Sir Chad Brainard, Euer Kastellan auf Regenford, schickte mich letzte Woche her. Ihm stehen genug Jungen zur Verfügung, und er war der Meinung, hier könnte ich Euch besser zu Diensten sein, sofern es Euch recht ist, Mylord. Ich habe eine gründliche Ausbildung genossen, Mylord.«
Leicht belustigt über den Eifer in den hellblauen Augen des Jungen, sagte Botolf: »Anders kann es gar nicht sein, wenn Sir Chad dich ausgebildet hat. Wie viele Jungen hat er denn jetzt?«
»Nach dem letzten Stand waren es siebzehn, Mylord.«
»Gütiger Gott! Will der Mann sich eine ganze Armee heranziehen?«
»Sie sind nicht alle seine Söhne, Mylord. Zwei seiner Söhne befinden sich in Eurer Obhut. Außerdem bildet Sir Chad vier von den Kipps aus Ricadene aus, dazu drei Brinks aus Upwode, drei Jagers ? meine Vettern, Mylord ? aus Wolfhill, zwei Kirkleys, zwei Rowans, zwei Verges und einen Torans. Sir Brainard ist ein gesuchter Ausbilder.«
»Den Eindruck habe ich auch.« Botolf tauschte mit Roger einen lachenden Blick über die Gesprächigkeit des Burschen.
»An den Grenzen besteht Bedarf an gut ausgebildeten Männern. Die Schotten begreifen es einfach nicht, wenn sie geschlagen sind«, setzte Pitney noch hinzu.
Die Männer lachten, und Botolf wies den Jungen an, seine Waffen fürs Turnier bereit zu machen. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so eifrig, so voller Lebensfreude gewesen zu sein wie dieser junge Knappe. Zwar war er erst siebenundzwanzig, doch oft genug fühlte er sich doppelt so alt. Tief im Inneren sehnte er sich nach Frieden, doch sobald die Festlichkeiten Caindales zu Ende waren, mußte er nach Regenford zurückkehren. Es war an der Zeit, daß er sich seinen Verpflichtungen als Grenzlord stellte. Da würde er nur wenig Frieden finden. Obwohl Botolf sich bewußt war, daß zu ausgedehnte Friedenszeiten ihm möglicherweise mißfallen würden, wünschte er sich doch wenigstens eine Kostprobe.
»Wie um alles in der Welt kommt der Junge an solches Haar?«, platzte Sir Roger heraus, als Pitney außer Hörweite war.
»Ah, die Familie Todd ist sächsischer Abstammung«, erklärte Sir Talbot. »Ihr Ahnherr war einer der wenigen, die ihr Land nach der Eroberung halten konnten, wenngleich es nur ein kleiner, nicht allzu ertragreicher Besitz ist. Er saß aber unverrückbar drauf, während sich um ihn herum die Männer des Eroberers festsetzten. Falls Baron Alhric nach diesem Ahnherrn schlug, waren es sein Kampfgeschick und seine Schläue, die ihn schützten.«
»Wo ist Baron Alhric jetzt?«, wollte Botolf wissen.
»Tot, Mylord. Er kam in Eurem letzten Grenzkampf bei Regenford ums Leben. Man erzählt sich, der Baron wäre unter den Leichen von einem Dutzend toter Schotten gefunden worden und hätte immer noch sein Schwert umklammert gehalten.«
»Der Bengel sieht viel zu zart aus, um aus solch grimmiger Zucht zu stammen.«
»Lord Alhric war hübsch und zierlich, aber ich hätte es mir lange und gründlich überlegt, ob ich mich ihm im Schwertkampf stellen wollte. Brainard sagt, der Junge schlägt nach ihm.«
Ein Page kam und unterbrach sie in ihrer Unterhaltung. Mit gerunzelter Stirn sah Botolf, daß der Junge ihm ein zart besticktes Tuch entgegenhielt. Es war Lady Odella Alansons Busentüchlein. Widerwillig nahm Botolf es entgegen und gab dem Pagen die angemessenen Dankesworte für die Dame mit auf den Weg. Anders zu handeln wäre eine grobe Beleidigung gewesen. »Eine schöne Blume«, bemerkte Sir Roger leise.
»Aye. Schön, vornehm, und von meiner Mutter favorisiert.« Botolfs unterkühlter Tonfall stellte sicher, daß seine Männer sich weiterer Bemerkungen über die schöne Odella enthielten. Lady Mary und selbst der König verlangten, daß er wieder heiratete. Seine Mutter wagte es nicht, ihn zu sehr zu drängen, und der König hatte bisher noch kein Machtwort gesprochen. Botolf war es nur recht so. Im Augenblick durfte sich die Grafschaft Regenford noch keinen Hoffnungen auf einen Erben hingeben. Botolf trat in sein Zelt, um sich auf seinen Auftritt im Turnier vorzubereiten, und hoffte inständig, daß sich der Tag seiner neuerlichen Verheiratung noch etwas hinauszögern möge. Schon sehr bald erkannte Botolf Pitneys Wert als Knappe. Der Junge schien jede Bewegung, jeden Befehl Botolfs vorwegzunehmen. Überrascht stellte Botolf fest, daß er sich Pitney an Stelle des ungeschickten Farold als Knappen wünschte. Sogleich überkam ihn ein schlechtes Gewissen. Farold war der jüngste Sohn seines Vetters. Der Junge bemühte sich nach besten Kräften. Es war nicht Farolds Schuld, daß seine Fähigkeiten einiges zu wünschen übrig ließen. Botolf seufzte bedauernd, legte das letzte Stück seiner Rüstung an und machte sich auf den Weg zum Turnierplatz. Hoffentlich gelang es ihm, Farolds Rückkehr in seine Dienste gelassen hinzunehmen.
Flink und geschickt absolvierte Botolf seine Übung auf dem Turnierplatz und verließ diesen danach unter begeistertem Applaus. Um ein Haar hätte er den kleinen Pitney richtiggehend angestrahlt, als er bei seiner Rückkehr ein heißes Bad vorfand. Erst als er mit einem Seufzer des Behagens seine schmerzenden Knochen in das lindernde heiße Wasser getaucht hatte, kam ihm in den Sinn, daß er Annehmlichkeiten wie einen Badezuber gar nicht im Gepäck mitführte. Er schaute sich nach Pitney um und erkannte, daß der Junge genau wußte, wann es angebracht war, sich unsichtbar zu machen. Mit einem leisen Lachen begann Botolf, sich den Schweiß und den Staub des Schaukampfes abzuwaschen.
Er lachte lauter, als er einen seiner vorherigen Gegner, Sir Walter Trapp, brüllen hörte: »Welcher Schuft hat mir meinen Badezuber gestohlen? Du da, Bursche, wohin schleppst du das Wasser?«
»Das Wasser, Sir?«, fragte Pitney übertrieben unschuldig.
»Aye, das Wasser.«
»Zu Lord Botolf, damit er den Staub abspülen kann, den Ihr aufgewirbelt habt, als er Euch aus dem Sattel hob.«
»Unverschämter Bengel«, knurrte Sir Walter. »Komm, wir schauen mal nach, worin er sich den Staub abspült.«
»Sir«,...




