Howzell Hall | The Last One (Schicksalsberührt, Band 1) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1, 624 Seiten

Reihe: Schicksalsberührt

Howzell Hall The Last One (Schicksalsberührt, Band 1)

Must-Read Romantasy voller Magie, Götter und einer prickelnden Strangers-to-Lovers-Romance
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7320-2507-7
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Must-Read Romantasy voller Magie, Götter und einer prickelnden Strangers-to-Lovers-Romance

E-Book, Deutsch, Band 1, 624 Seiten

Reihe: Schicksalsberührt

ISBN: 978-3-7320-2507-7
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Vergessen. Verloren. Verraten. Ohne jegliche Erinnerung erwacht Kai in einer Welt, die vom Tod gezeichnet ist. Sie weiß weder, woher sie kommt, noch wer - oder was - sie eigentlich ist. Nur einer Sache ist sich Kai sicher: Sie muss unbedingt ihr gestohlenes Amulett zurückerlangen, ohne das sie sich taub und leer fühlt. Als der attraktive Schmied Jadon ihr seine Hilfe anbietet, zieht dieser sie sofort in seinen Bann. Doch die Suche nach Antworten birgt tödliche Gefahren. Und noch tödlichere Geheimnisse ... Der Auftakt der Must-Read Romantasy-Reihe! The Last One von New York-Times-Bestsellerautorin Rachel Howzell Hall ist Band 1 einer spannenden Romantasy-Dilogie - voller Magie, Götter, Liebe, Geheimnissen und Gefahren. Mit einer prickelnden Strangers-to-Lovers-Romance, die einen sofort in den Bann zieht!

Rachel Howzell Hall ist die von der Kritik gefeierte Autorin vom Amazon-Charts-Bestseller We Lie Here, vom Thriller These Toxic Things, der für den International Thriller Award, Anthony Award und Strand Award nominiert war, und And Now She's Gone, nominiert für den Los Angeles Times Book Prize sowie für den Lefty Award, Barry Award, Shamus Award und Anthony Award. Rachel ist ehemaliges Vorstandsmitglied der Mystery Writers of America und eine Feature-Autorin für die gefeierte Crime in the City-Reihe von National Public Radio (NPR) und für den wöchentlichen Podcast von National Endowment for the Arts. Rachel lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Los Angeles.
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Ich öffne die Augen und entscheide mich für Gewalt.

Ich liege auf dem Rücken und eine Frau kniet auf mir. Mit ihrer blassen Hand umschließt sie meinen Hals. Sie riecht seltsam und widerlich süß. Das eigentlich Weiße ihrer großen blauen Augen ist gelb wie Stroh. Ihrer glatten Haut nach könnte sie neunzehn oder zwanzig sein. Ist sie eine Diebin? Eine Mörderin?

So oder so: Sie muss von mir runter. Also schlage ich mit einer Hand nach ihrem Ohr und greife mit der anderen nach ihren Fingern.

»Oh!« Sie reißt die Augen auf und weicht meinem Schlag erfolgreich aus. Bei dem Versuch, sich wegzudrehen, fällt sie auf mich. Sie schnappt nach Luft und ihr fauliger Atem steigt mir in die Nase.

Igitt! Ich muss würgen, dann presse ich ihre Hand zusammen.

Und breche ihr den kleinen Finger. Aber selbst da verzieht sie keine Miene. Nichts. Mit ihrer freien Hand greift sie rasch an meinen Hals. »Ha«, sagt sie grinsend. »Jetzt hab ich’s doch gekriegt.«

Was hast du doch gekriegt?, will ich fragen, aber meine Zunge hängt schlaff in meinem Mund wie eine welke Lilie. Ich bringe kein Wort heraus, erst recht nicht fünf.

Die Diebin hält eine dicke, glänzende Goldkette hoch. Daran hängt ein goldener Nachtfalter mit rubinbesetzten Flügeln. Der Stein auf der Brust des Nachtfalters ist so groß wie ein Rotkehlchenei und dunkel wie die dunkelste Nacht.

Der Verschluss der Kette ist so kaputt wie ich und meine Brust fühlt sich kalt an ohne den juwelenbesetzten Nachtfalter, seltsam leer, als wäre mir mehr als ein Amulett genommen worden.

Die Diebin schafft es, sich mit einem Ruck aus meinem Griff zu befreien. Sie versucht zu lachen, aber Tränen schimmern in ihren Augen, als sie mit schmerzverzerrtem Gesicht ihre verletzte Hand bewegt. »Musstest du mir unbedingt gleich einen Finger brechen?«

Ich öffne den Mund, um zu antworten – Was fällt dir ein, so mit mir zu sprechen? –, doch in meinem Hinterkopf pocht es und meine Zunge rührt sich immer noch nicht.

»Aber ich nehme diese Halskette als Entschuldigung an«, sagt die Diebin und rappelt sich auf. »Danke.« Sie verzieht wieder das Gesicht, als sie ihre wunde Hand strecken will, schwingt sich dann einen Rucksack über die Schulter und zwinkert mir zu. »Stimmt so.«

Und schon ist sie wie der Blitz zwischen den Bäumen verschwunden.

Hat sie gerade …? Ja, das hat sie. Und … Stimmt so?

Mit brodelnder Lava im Bauch drücke ich mich von der Schicht aus Zweigen, vergilbten Blättern und grauer Baumrinde hoch, um ihr zu folgen –, aber meine Beine knicken unter mir ein und ich lande wieder auf dem trockenen Laub.

Was ist hier los? Warum kann ich nicht aufstehen?

In meinem Kopf dreht sich alles, ich bin ganz benommen und orientierungslos. Gerade haben meine Füße doch noch funktioniert. Glaube ich. Denn was habe ich gerade gemacht, bevor ich mit einer Diebin über mir aufgewacht bin? Ähm … Daran erinnere ich mich nicht.

Das rasche Pulsieren in meinem Inneren lässt mich nach unten auf meine bebende Brust schauen, die von meinem scharlachroten Lieblingsbrustband bedeckt ist und …

Moment. Warum zum Henker kann ich auf mein Brustband schauen?

Mein Blick gleitet zu dem Streifen mahagonifarbener Haut an meinem Bauch und dann weiter nach unten. Meine Zehen und Knöchel sind mit aschgrauem Matsch besprenkelt, der sich von meinen braunen Füßen so deutlich abhebt wie winzige Pünktchen Sternenlicht vor dem samtenen Nachthimmel.

Ich sollte keine graue Erde sehen. Ich sollte nicht meine Zehen sehen.

Wo sind meine Stiefel? Warum ist mir so kalt? Wo ist mein Umhang?

Ich drücke gegen meine schmerzende Nasenwurzel.

Warum sehe ich nackte Hände? Wo sind meine Handschuhe?

Verdammt.

Die Diebin hatte ein blutrotes Lederwams, einen blutroten Kapuzenumhang, schwarze Lederhandschuhe und schwarze Wildlederstiefel an. Alles hing an ihr herunter wie tote Haut.

Warum? Weil das mein blutrotes Lederwams war, darum. Und das waren mein blutroter Kapuzenumhang, meine schwarzen Lederhandschuhe und meine Wildlederstiefel, die ich endlich – endlich – eingelaufen hatte.

Diese Diebin hat mir die Klamotten geklaut. Hat mich mit nichts als dem Brustband und den schwarzen ledernen Kniehosen zurückgelassen.

Ich brauche meine Sachen, vor allem mein Amulett, und je länger ich hier sitze, desto schwächer wird das Pulsieren in meinem Inneren. Es fühlt sich an, als würde etwas – meine Halskette – mich auffordern, der Gaunerin zu folgen.

»Du Diebin, bleib stehen!«, will ich rufen, aber ich sehe sie nicht mehr – sie ist in das niedrige Wäldchen mit den grauen Birken gelaufen. Aus meinem Mund kommen immer noch keine Wörter, und wenn ich versuche zu sprechen, wird mir schwindelig. Aber um eine Diebin zu fangen, brauche ich keinen Mund und keine Wörter. Nur meine Füße.

Noch etwas wackelig drücke ich mich wieder von meinem Blätternest hoch und diesmal gelingt es mir. Ich mache einen Schritt … und dann noch einen … und noch einen.

Wohin ist sie verschwunden? Ich kann sie zwar nicht sehen, aber immer noch riechen. Dieser unverkennbare, widerlich süße Gestank bedeutet …

Sie wird sterben.

Ja, der Tod stinkt. Sie hatte keine sichtbaren Verletzungen – bis auf die von mir zugefügten –, aber irgendwas stimmt nicht mit ihr. Sie sah aus, als hätte sie seit Tagen nichts gegessen. Und ihr Mundgeruch. Irgendeine Krankheit frisst sie von innen auf.

In dem Moment bemerke ich es: Eine golden-bernsteinfarbene Spur windet sich zwischen den gespenstischen Bäumen hindurch, wabert über rosa Granitblöcke und trübt die Luft. Eine golden-bernsteinfarbene Spur, die dem Weg der Diebin durch den Wald folgt.

Ich blinzle … Sehe ich diesen Lichtstrom, weil er wirklich da ist, oder sehe ich ihn, weil ich mich am Kopf verletzt habe?

Ich kneife die Augen zu, hole mehrmals tief Luft und öffne sie wieder.

Nichts anderes leuchtet, nicht die Bäume, die herabgefallenen Blätter oder die Erde. Aber das goldene Licht ist noch immer da, schwebt in der Luft, lädt mich ein, der Spur zu folgen.

Bernstein muss hier die Farbe des Todes sein.

Aber wo ist »hier«?

Ich presse die Finger gegen meine Schläfen, als könnte ich damit noch eine Erinnerung – irgendeine Erinnerung – heraufbeschwören. Aber nichts geschieht. Es sind keine mehr da.

Ich erinnere mich nicht, durch diesen Wald gelaufen zu sein. Ich erinnere mich nicht an die Ereignisse, die mich so sehr betäubt haben, dass eine Diebin es wagen konnte, mir fast sämtliche Kleider vom Leib zu reißen.

Über diese Gedächtnislücken werde ich mir später Gedanken machen, hoffentlich bei etwas Gebäck und einem Fässchen Rum. Manche Dinge, wie Rum und Kuchen, vergisst man anscheinend weniger leicht als andere. Aber ich höre auf, von Köstlichkeiten zu träumen, denn gerade habe ich ein größeres Problem: Das kalte und seltsam leere Gefühl, das ich vorhin beim Aufwachen gespürt habe, breitet sich jetzt in meiner Brust und bis hinunter in meinen Bauch aus.

»Kalt« und »leer« ist nie gut. »Kalt« und »leer« bedeutet Gefahr. Selbst das einfachste Lebewesen spürt Gefahr.

Ich bin zwar fast nackt, aber alles andere als einfach gestrickt.

Auf jeden Fall brauche ich meine Klamotten zurück. Und mein Amulett.

Ich bewege mich schneller und meine Beine werden fester. Bald renne ich, sodass Kiesel, spitze Steine und abgebrochene Zweige mich in die nackten Fußsohlen stechen. Schmerz durchzuckt meine Fersen und Knöchel, aber ich bleibe nicht stehen. Eine wandelnde Leiche hat meine Sachen geklaut. Und ich werde mir zurückholen, was mir gehört.

Während ich zwischen den Birken hindurcheile, fällt mir auf, dass fast jeder Baum Löcher und Risse in der Rinde hat. Dünne, absterbende Äste ragen in den Himmel und die Blätter rascheln unter meinen Füßen – mehr brüchig-braun als sattgrün, mehr tot als lebendig. Die schroffen Felsbrocken auf dem Waldboden haben größere Hoffnung auf Leben als diese Bäume.

Wo bin ich? Eine so karge Landschaft müsste ich doch wiedererkennen. Aber es kommt kein »Aha!«-Moment.

Regenwolken jagen über den Himmel und ihre Schatten verdunkeln den sterbenden Wald. Schwärme von hungrigen Stechmücken schweben durch die heiße, trockene Luft und pieksen mich. Sie wollen noch ein Häppchen vor dem Gewitter. Was ich natürlich verstehen kann. Wer mag schon bei einer solchen Hitze keinen leckeren Honigkuchen? Dafür müssen mich die fliegenden Mistviecher aber erst mal erwischen.

Ich bleibe nicht stehen, solange ich diese Diebin nicht in die Finger kriege und ihr den Hals umdrehe, bis sie ihren letzten Atemzug tut …

Ich sehe nur noch ein Flimmern, dann wird mir schwarz vor Augen und ich stolpere und falle auf die harte Erde. Mein Magen schlägt Purzelbäume, ich zittere und möchte mich in die trockenen Laubhaufen übergeben. Mir pocht der Schädel und ich betaste meinen Hinterkopf. Autsch! Wund. Leicht geschwollen. Ich halte mir zwei Finger vor die Augen. Blut. Nicht viel, aber schon einiges. Ich starre auf meine blutigen Finger und warte, dass die Welle der Übelkeit abebbt.

Was ist mit mir passiert? Hat mir jemand gegen den Kopf getreten? Hat mir die Diebin gegen den Kopf getreten? Wurde ich geschubst? Bin ich ausgerutscht? Kann man in einem so trockenen Wald...



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