Hübner | Menschlicher Geist und Künstliche Intelligenz | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 440 Seiten, GB

Hübner Menschlicher Geist und Künstliche Intelligenz

Die Entwicklung des Humanen inmitten einer digitalen Welt
Novität
ISBN: 978-3-7725-4355-5
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Entwicklung des Humanen inmitten einer digitalen Welt

E-Book, Deutsch, 440 Seiten, GB

ISBN: 978-3-7725-4355-5
Verlag: Freies Geistesleben
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Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In der gegenwärtigen Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, bei der Fähigkeiten des menschlichen Denkens mehr und mehr auf Computer übertragen werden, bindet sich der Mensch immer stärker an ein sich selbst steuerndes, autonom lernendes System. Mit den damit verbundenen Utopien des Transhumanismus, das menschliche Bewusstsein an ein universal vernetztes Computerwesen anzuschließen, wird auch das Überleben des Menschen in seiner bisherigen Form infrage gestellt. Kann sich der menschliche Geist im Zeitalter der KI weiterentwickeln und zu sich selbst finden oder wird er von der Maschinenintelligenz übernommen? Anders gefragt: Kann sich der Mensch als geistiges Wesen in der Zukunft behaupten? Oder geht er in einer globalen artifiziellen Intelligenz auf? In einer umfassenden Studie setzt sich der Medienpädagoge Edwin Hübner mit den heute brennenden Fragen der Künstlichen Intelligenz und des Transhumanismus auseinander. An vielen anschaulichen Beispielen skizziert er aktuelle Tendenzen und künftige Gefahren und zeigt, dass sich uns damit auch die Frage nach dem Wesen des Menschen, nach seinem Selbstverständnis neu stellt.

Edwin Hübner, geboren 1955, studierte Mathematik und Physik in Frankfurt/Main und Stuttgart. Von 1985 bis 2015 war er Lehrer an der Freien Waldorfschule Frankfurt/Main. Er promovierte über anthropologische Medienpädagogik und habilitierte sich zum Thema 'Individualität und Bildungskunst'. Derzeit hat er den von-Tessin-Lehrstuhl für Medienpädagogik an der Freien Hochschule Stuttgart - Seminar für Waldorfpädagogik inne.
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Inhalt Vorwort 1. Das Ende des Menschen? 2. Menschliche und Künstliche Intelligenz 3. Der Transhumanismus – ein Pseudomythos 4. Der Mensch 5. Tod und Unsterblichkeit 6. Entwicklungsstufen des Denkens 7. Das Erscheinen der modernen Sphinx: die Inkarnation Ahrimans Anmerkungen Literatur


Vorwort


Übermenschliche Wesen werden im Laufe des 21. Jahrhunderts entstehen – so jedenfalls der transhumanistische Glaube. Andere Überlegungen gehen noch weiter und prognostizieren eine zukünftige Evolution ohne den Menschen: Künstliche Intelligenzen würden sich zu göttlicher Potenz aufschwingen und den Menschen weit hinter sich lassen. In vielen Science-Fiction-Romanen und -Filmen wird dieser trans- und posthumanistische Glaube schon vorweggenommen, er ist der Hintergrund, vor dem sich die Handlungen abspielen. Beispielsweise beschreibt Al Robertson in dem Science-Fiction-Roman eine Menschheit, die von KI-Göttern regiert wird; diese ziehen im Hintergrund des Lebens die Fäden.

Solche Gedanken sind alles andere als neu. Als 1859 Charles Darwin (1809 – 1882) sein epochales Werk veröffentlichte, kam alsbald die Idee auf, dass auch Maschinen eine solche Evolution vollziehen könnten. In deren Verlauf würde der Mensch verschwinden, so wie einst die Saurier. Samuel Butler (1835 – 1902) veröffentlichte 1863 diesen Gedanken und beschrieb ihn später ausführlich in seinem sehr bekannt gewordenen Roman .1 Rund hundert Jahre später, 1964, griff der polnische Philosoph und Schriftsteller Stanislav Lem (1921 – 2006) dieses Motiv in seinem meisterhaft erzählten Roman auf.2 Auch in der seit 1961 wöchentlich erscheinenden Science-Fiction-Kultserie – mit über einer Milliarde verkaufter Exemplare die erfolgreichste Heftroman-Serie der Welt – wird mit der Beschreibung der extraterrestrischen Posbis eine rein maschinelle Evolution beschrieben. Solche Beispiele ließen sich beliebig vermehren.

Der Philosoph Günther Anders (1902 – 1992) machte in seinen scharfsinnigen Analysen auf eine in der Science-Fiction-Literatur liegende Signatur aufmerksam. Er bezeichnete die Science-Fiction-Autoren als Herolde – als Boten eines Lehnsherrn –, welche die Ideen von den Reißbrettern der Ingenieure stehlen und die Menschen auf die von den Technikern gerade entwickelte Zukunft vorbereiten.3

In der Tat sind trans- und posthumanistische Gedanken die Leitideen bei vielen Forschungsprojekten. Larry Page und Sergey Brin, die beiden Gründer von Google, sahen von Anfang an ihre Suchmaschine als embryonische Form einer Künstlichen Intelligenz. Betrachtet man die Forschungsfelder, auf denen Google – jetzt Alphabet – Gelder investierte, so kann man daran leicht ablesen, dass eine transhumanistische Auffassung dahintersteht.4

Ist man davon überzeugt, dass übermenschliche Intelligenzen die Zukunft der Erdevolution bedeuten, dann zählt der Mensch nicht mehr viel. Er ist bloß ein Zwischenwesen. Schon 1990 spekulierte der Roboterforscher Hans Moravec, dass nicht viel verloren ginge, wenn der Mensch verschwinden würde. Er könne sich doch stolz schätzen, wenn die von ihm geschaffenen maschinellen Kinder, die ihn weit überflügeln würden, sich als seine Nachkommen bezeichneten.5 Vor dreißig Jahren war dies noch die skurrile Auffassung einzelner Wissenschaftler. In den letzten Jahren gewann dieser Glaube zunehmend an Verbreitung und wird heute ernsthaft diskutiert. Zudem sind Forschern auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz entscheidende Durchbrüche gelungen. Viele Geräte verfügen heute über eine derart selbstständige Funktionalität, dass sich ihre Erbauer Sorgen zu machen beginnen, ob diese neuen Technologien noch vom Menschen beherrschbar bleiben. Ja, mehr sogar, sie fragen sich, ob die Geräte vielleicht den Menschen vernichten können. Die ernsthafte Sorge um dessen Zukunft vereint viele Wissenschaftler. «Es soll in 50 Jahren noch Menschen geben», so der gemeinsame, aus Befürchtungen heraus formulierte Wunsch von KI-Forschern auf einer internen Tagung im Frühjahr 2018.6 Die Schöpfungen drohen ihren Schöpfer zu vernichten.

Hinter all diesen Entwicklungen steht eine zentrale Frage: Wer ist der Mensch? Was ist das Wesen des Menschen? Was unterscheidet den Menschen von seinen Schöpfungen?

Gegenwärtig ist die Auffassung weit verbreitet, dass der Mensch nur ein organisches Wesen sei. Alle seelischen und geistigen Prozesse betrachtet man als bloße Epiphänomene leiblicher Vorgänge. Dass diese Sichtweise zu unlösbaren Widersprüchen führt, wird zwar von einzelnen Wissenschaftlern festgestellt, aber in ihrer Relevanz zu wenig gewürdigt, und erst recht werden keine Konsequenzen daraus gezogen. Dass sie darüber hinaus der fruchtbare Nährboden ist, auf dem transhumanistische Visionen gedeihen, wird kaum gesehen.

Anthroposophie hat – und das wohlbegründet – eine andere Sicht auf den Menschen. Sie sieht ihn als ein mit einem Leib begabtes seelisch-geistiges Wesen. Geht man von dieser Hypothese aus, die sich einem phänomenologischen Blick auf den Menschen als sinnvoll erweisen kann, so lösen sich die durch die materialistische Auffassung entstandenen Widersprüche. Darauf wird vor allen Dingen im vierten Kapitel dieses Buches eingegangen werden.

Von ihrem Standpunkt aus hat Anthroposophie einen wichtigen Beitrag zur Erkenntnis des menschlichen Wesens zu leisten. Und es ist auch die Pflicht der anthroposophischen Bewegung, sich an der Diskussion über die Zukunft des Menschen zu beteiligen, denn sie hat Wesentliches zu seinem Verständnis zu sagen – und es steht in deutlichem Kontrast zu der Vision von Google, die im Darwinschen Sinne die Evolution durch die Schaffung einer überlegenen Rasse, die den Menschen überflügeln soll, verändern will.7

Der Transhumanismus tritt zwar im Gewand der Wissenschaft auf, aber im Kern hat er eine religiöse Grundstruktur; eine Heilserwartung durchzieht seine Weltsicht. In der Schaffung übermenschlicher maschineller Intelligenzen sieht er die Lösung der gegenwärtigen menschlichen Probleme. Ja, mehr sogar: Im Transhumanismus treten, in materiell-technische Vorstellungen verwandelt, uralte religiöse Motive auf, die seit Jahrtausenden weltweit in spirituellen Strömungen verfolgt wurden. Transhumanismus ist daher nichts anderes als in technischen Begriffen formulierte Spiritualität, die zugleich alles Spirituelle verleugnet.

Dies aufzuzeigen ist im Wesentlichen das Thema der ersten drei Kapitel dieses Buches. Zunächst werden gegenwärtige Entwicklungstendenzen und ihre historischen Wurzeln beschrieben, um dann aufzuzeigen, wie sich transhumanistische Grundüberzeugungen als neuer Mythos, als neue Metaerzählung an die Stelle der untergegangenen «großen Erzählungen»8 setzen wollen.

In der Mitte dieses Buches wird der Mensch aus anthroposophischer Sicht beschrieben. Das bildet die Basis, auf der die Frage nach der Unsterblichkeit, die der Transhumanismus für den menschlichen Geist auf technischem Weg erreichen möchte, geklärt werden kann.

Dabei steht die Frage des Denkens im Zentrum. Der Transhumanismus möchte auf technisch-maschinelle Weise, also durch die Verschmelzung des menschlichen Gehirns mit Computern, eine bedeutende Erweiterung des Bewusstseins erreichen. Das bewusst geführte Denken ist auch in der anthroposophischen Sicht das Fundament, auf dem alle menschliche Entwicklung ruht. Die geduldige Vertiefung und Verstärkung der menschlichen Denkintensität durch meditative Übungen ist ein zentraler methodischer Aspekt aller anthroposophischen Bemühungen. Die Entwicklung der inneren Seelenkräfte ist das Zentrum der Anthroposophie. Aus ihr ergeben sich die Erkenntnisse über Bereiche der Welt, die jenseits der leiblichen Sinne liegen.

Zunächst sind diese Erkenntnisse im Wesentlichen nur von Rudolf Steiner beschrieben worden. Es mehren sich gegenwärtig aber die Menschen, die wenigstens die elementaren Steinerschen Beobachtungen selbstständig erfahren und erforschen können.9 Auch die Fruchtbarkeit der Steinerschen Ideen in der Lebenspraxis – vor allem in der Pädagogik, der Landwirtschaft, der Medizin, aber auch in weiteren Bereichen – weisen darauf hin, dass den im ersten Moment zuweilen merkwürdig erscheinenden Gedankengängen doch eine tiefere Realität zugrunde liegt.

Fasst man die geistigen Hintergründe, die Rudolf Steiner vor allem in seinem Spätwerk beschreibt, ins Auge, dann wird der geistige Kern des Trans- und Posthumanismus sehr deutlich. Vor allem in den letzten beiden Kapiteln dieses Buches werden die diesbezüglichen Schilderungen Steiners beschrieben. Aus ihnen geht hervor, dass in jedem Menschen, egal ob er Atheist ist oder sich einer bestimmten religiösen Glaubensrichtung zugehörig fühlt, ein höheres Menschheitswesen anwesend ist, das Menschen über Kontinente hinweg umfasst. Rudolf Steiner bezeichnete dieses Wesen gelegentlich als «Menschheitsrepräsentant», auch wenn er vielfach den Namen «Christus» gebrauchte. Er wies jedoch immer wieder darauf hin, dass in der Gegenwart die Aufgabe besteht, dieses Menschheitswesen über alle Konfessionen hinweg zu erkennen. Denn nur im...


Hübner, Edwin
Edwin Hübner, geboren 1955, studierte Mathematik und Physik in Frankfurt/ Main und Stuttgart. Von 1985 bis 2015 war er Lehrer an der Freien Waldorfschule Frankfurt/Main. Er promovierte über anthropologische Medienpädagogik und habilitierte sich zum Thema »Individualität und Bildungskunst«. Von 2015 bis zu seiner Emeritierung 2022 hatte er den von-Tessin-Lehrstuhl für Medienpädagogik an der Freien Hochschule Stuttgart – Seminar für Waldorfpädagogik inne.

Edwin Hübner, geboren 1955, studierte Mathematik und Physik in Frankfurt/Main und Stuttgart. Von 1985 bis 2015 war er Lehrer an der Freien Waldorfschule Frankfurt/Main. Er promovierte über anthropologische Medienpädagogik und habilitierte sich zum Thema "Individualität und Bildungskunst". Derzeit hat er den von-Tessin-Lehrstuhl für Medienpädagogik an der Freien Hochschule Stuttgart – Seminar für Waldorfpädagogik inne.



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