E-Book, Deutsch, Band 3, 496 Seiten
Reihe: Loving You Reihe
Hughes The Time I Stayed With You
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7363-1921-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 496 Seiten
Reihe: Loving You Reihe
ISBN: 978-3-7363-1921-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit ihr zusammen zu sein war so, als würde jemand meinen Namen singen, nachdem ich ein Leben in absoluter Stille verbracht hatte.
Nachdem Bay in einer Nacht vor sechs Jahren aus dem Bett und dem Leben ihrer ersten Liebe Dare verschwunden ist, kann dieser sie immer noch nicht vergessen. Er versteht, weshalb Bay nicht bei ihm bleiben konnte: Zu tief sind die Wunden, die Dares Verhalten in der Vergangenheit auf Bays Seele hinterlassen hat. Doch er glaubt fest daran, dass sie gemeinsam ihre gebrochenen Herzen heilen können und dass er nur mit Bay die Chance auf eine glückliche Zukunft hat. Da greift das Schicksal erneut ein und lässt die beiden wieder aufeinandertreffen. Aber werden Bay und Dare dieses Mal den Mut haben, für ihr Happy End zu kämpfen?
»Bay und Dare sind das perfekte Paar, und ich habe jede Minute ihrer zu Tränen rührenden, bewegenden und spannenden Geschichte geliebt.« @JOREADSROMANCE
Abschlussband der LOVING-YOU-Trilogie
Maya Hughes lässt sich gerne inspirieren: von ihrem Ehemann, einem Lied im Radio oder einem Tagtraum. Sie liebt Cupcakes, Zimtschnecken, einen Lachanfall,und mit ihrer Familie zu verreisen.
Weitere Infos & Material
1
Bay
Die Busse hielten neben dem Hotel, das direkt am Strand lag und in dem Maddy und die Band sich anscheinend am liebsten einquartierten, wenn sie in L.?A. waren. Mein Magen zog sich zusammen, als der Bus quietschend zum Stehen kam und die Abdichtung der Tür laut zischte.
Vor fünfundzwanzig Tagen hatte ich diesen Ort verlassen. Vor fünfundzwanzig Tagen hatte ich ihn verlassen. Vor fünfundzwanzig Tagen hatte mich die Angst übermannt, und ich war geflohen. Damit hatte ich es so eilig gehabt, dass ich seit dem Tag, an dem das Fuhrwerk des Flugzeugs von der Rollbahn des Flughafens abgehoben hatte, der sich zwanzig Minuten Fahrtweg entfernt befand, nicht mehr zu Atem gekommen war. Vor fünfundzwanzig Tagen hatte ich den größten Fehler meines Lebens begangen.
Ich hatte geglaubt, dass ich mich ein für alle Male von der Gitarre neben mir verabschiedet hätte, als ich sie in der Mülltonne vor meinem Haus in Greenwood entsorgt hatte. Doch nun war sie zwischen die Sitzbank und den festgeschraubten Tisch im vorderen Bereich des Tourbusses geklemmt.
Als sie bei mir angekommen war, hatte ich nicht anders gekonnt, als mir die Hand vor den Mund zu halten, während meine Finger ganz taub geworden waren. Irgendwie hatte er es geschafft, sie zu reparieren. Die blassen Linien des gesplitterten Holzes waren auf dem glänzenden schweren Korpus der Gitarre kaum noch zu erkennen. Sie hörte sich jetzt anders an, besaß einen satteren, tieferen Klang. Das Stück, das ich vor der Abfalltonne bewahrt hatte, steckte nach wie vor im Gitarrenkoffer, der mich nun überallhin begleitete.
Meine Hände zitterten, und ich starrte aus dem Fenster in Richtung Campus. Mein Handy lag auf meinem Schoß, und das Leuchten des Bildschirms strahlte mir entgegen, während ich versuchte, Worte zu finden. Andere Worte als die, die ich geschrieben hatte, bevor ich fortgegangen war. Oder die, die ich Hunderte Male getippt und dann doch wieder gelöscht hatte, weil ich mich davor fürchtete, sie abzuschicken.
Regentropfen sprenkelten die getönte Scheibe.
»Bay, hier ist deine Schlüsselkarte.« Maddy schob sie mir über den Tisch zu. Ich öffnete den laminierten Pappordner. Darin befand sich mittlerweile eine ganze Sammlung. Eine Sammlung, von der ich nicht wusste, warum ich sie besaß. Vielleicht als Andenken. Als Erinnerung an diese Zeit. Ich war mit einer der weltgrößten Bands unterwegs gewesen. Hatte meinen Augenblick im Rampenlicht gehabt, auf den ich würde zurückblicken können, wenn ich auf der Tribüne saß und ihn anfeuerte.
Doch Maddy ging nicht an mir vorbei, um den Jungs ihre Karten zu geben.
»Holden, kannst du die hier für mich verteilen?« Sie reichte ihm den Stapel, der von einem Gummiband zusammengehalten wurde.
Der Bus leerte sich, und ich starrte auf die Schlüsselkarte auf dem Tisch, als hätte ich vergessen, worum es sich dabei handelte und wofür man sie benutzte.
»Wie fühlst du dich, Bay?«
Mein Blick zuckte nach oben, begegnete ihrem, und ich zuckte die Achseln, um so zu tun, als würde ich nicht gerade innerlich völlig aus den Fugen geraten. Als stünde ich nicht kurz vor einem Nervenzusammenbruch – genau wie schon die letzten vier Wochen über.
»Gut. Bin nur müde.« Ich hatte noch nie einen so auslaugenden Monat erlebt wie den letzten. So hatte ich mir das Leben auf Tour nicht vorgestellt. Die Aufregung eines Auftritts jagte mir das Adrenalin direkt ins Herz, doch alles darum herum fühlte sich gedämpft und ausgeblichen an. So als würde ich das Leben von jemand anderem führen. Als wäre mir ein Teil meines Ichs gestohlen worden, nein, als hätte ich es verloren. Und dies ließ meine Sinne abstumpfen und nahm mir das, was meine Leidenschaft entfacht hatte. Dare und Keyton – ein und dieselbe Person, nicht länger an meiner Seite.
Die Monotonie des Reisens war definitiv ungewohnt gewesen. Vor jedem Auftritt hatte ich mich übergeben müssen. Nachdem Holdens Schuhe dem Desaster einmal knapp entkommen waren, hatte er stets einen Mülleimer bereitgehalten. Wenn wir nicht in einem Hotel übernachtet hatten, hatte ich mich im Anschluss an die Auftritte immer in meiner Kabine im Tourbus zusammengerollt. Und ich hatte geschrieben. Ich hatte so viel geschrieben, dass mir die Finger vom Halten des Stifts und dem Anschlagen meiner Gitarre wehgetan hatten. Ich hatte mein Notizbuch gefüllt, als würden die Körner in der Sanduhr bald verrinnen. Und möglicherweise taten sie das auch.
»Du wirkst mehr als nur müde.« Maddy setzte sich neben mich und stupste mich mit dem Ellenbogen an.
»Es ist seltsam, so bald schon wieder hier zu sein.«
»Es fühlt sich ganz anders an, obwohl weniger als ein Monat vergangen ist, oder?«
Ich nickte nur, da meine Kehle wie zugeschnürt war. Keyton befand sich irgendwo da draußen in der Stadt. Ich hatte die Spiele verfolgt. Und obwohl sein Name kein einziges Mal gefallen war, hatte ich stets die Seitenlinie nach ihm abgesucht. Die Neuigkeit, dass Vince aus dem Team geworfen worden war, nachdem er unter Einfluss von Drogen gefeiert und nach einem Unfall Fahrerflucht begangen hatte, hatte es in die Nachrichten geschafft. Das war also ein Problem weniger, mit dem Keyton sich im Team würde herumschlagen müssen. Allerdings würde ich dafür möglicherweise ein anderes in sein Leben zurückbringen – mich.
»Hat das hier vielleicht gerade was damit zu tun, dass du morgen für den Rest der Tour nicht wieder in diesen Bus steigen möchtest?«
Mein Kopf schnellte hoch. »Was? Nein! Ich weiß, dass das hier eine Gelegenheit ist, für die andere töten würden.« War es so offensichtlich gewesen? Schwebten meine Gedanken etwa in einer Sprechblase über meinem Kopf, ohne dass ich etwas davon wusste?
»Aber du bist nicht ›andere‹, Bay.« Ihr Blick wurde weicher, und sie faltete die Hände auf dem Tisch. »Es gibt eine lange Liste mit Gründen für das, was wir tun. Der Lohn für all die Mühe ist unvorstellbar und aufregend, doch wenn du nicht mit ganzem Herzen dabei bist – wenn dein Herz woanders ist, dann wird es dir nie das geben, was du dir wünschst.«
Das Brennen in meiner Brust nahm zu und fühlte sich an, als könnte es mich in Sekundenschnelle versengen. Ich dachte jede Nacht an ihn. Träumte von ihm.
»Was ist, wenn mein Herz nicht haben kann, was es sich wünscht? Wenn ich die einzige Chance, es zu bekommen, zerstört habe?«
Sie öffnete den Mund und griff nach meinen Händen. »Mach dir keinen Vorwurf, weil du diese Gelegenheit wahrgenommen hast, Bay. Ich weiß, wie schwer so was sein kann. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man in die Augen von jemandem blickt und glaubt, er könnte einem die Welt zu Füßen legen. Aber so läuft das nicht immer. Und wenn du darauf wartest, dass jemand genau das tut oder genau diese Person für dich ist, dann kannst du nur enttäuscht werden.
Du bist zweiundzwanzig. In deinem Leben kann sich noch vieles ändern, aber du musst dir sicher sein. Du musst das hier wirklich wollen, denn es ist kein leichter Job, und das wird es auch nie sein. Egal, wie du dich entscheidest, ich stehe hinter dir. Der Bus fährt morgen früh um sieben ab. Ich hoffe, du wirst da sein und mitfahren, könnte es allerdings absolut verstehen, wenn es nicht so wäre.« Sie erhob sich und ging auf den Ausgang des Busses zu.
»Bay?«
Ich lehnte mich zur Seite, um ihr durch den Gang hinterherzublicken.
»Wenn er nicht für dich da ist, kannst du dich immer noch für die Musik entscheiden. Ich habe gesehen, was du erschaffen kannst. Und es ist ein Geschenk, dem du dich nicht verschließen solltest.« Sie verschwand auf der Treppe, und ich blieb allein in der Stille zurück.
Die Angst, die in mir aufstieg, wenn ich daran dachte, was er in mir sah, wurde von der Panik aufgewogen, die bei dem Gedanken hochkam, ihn nie wiederzusehen. Felicia hatte mir Dads Gitarre zugeschickt und eine Nachricht beigefügt, dass sie von Keyton war. Und das hatte mich gebrochen. Ich strich mit den Fingern über die Risse und Splitter, die durch den glatten Lack wirkten, als würde man sie durch Museumsglas betrachten. Als wäre die Gitarre konserviert worden, damit sie für immer bei mir bleiben konnte. So hatte ich mich gefühlt, als ich sie zum ersten Mal wieder in Händen gehalten hatte, wobei meine Finger so sehr gebebt hatten, dass ich die Gitarre aus Angst, sie kaputt zu machen, indem ich sie fallen ließ, hastig zurück in den Koffer gelegt hatte.
Ein Teil unserer Vergangenheit war wieder zusammengesetzt worden, und ich hatte uns aufs Neue auseinandergerissen.
Direkt nach dem Auftritt hatte ich mich mit Eiscreme und einer Wärmeflasche im Hotelzimmer eingeschlossen und mich gefühlt, als würde ich an meinen Tränen ersticken. Sie hatten mir die Kehle zugeschnürt und in meinen Augen gebrannt. Meine Haut war so heiß gewesen, dass ich gedacht hatte, das Wasser müsste einfach auf meinen Wangen verdampfen, was natürlich nicht geschehen war. Der Schmerz war jedoch geblieben.
Und nun war ich zurück. Doch was erwartete mich hier?
In einem Monat konnte sich vieles verändern. Die komplizierten Gefühle, die ich für Keyton hegte, hatten sich vertieft, ausgedehnt und die Lücken in meiner Seele auf eine Art und Weise ausgefüllt, wie ich es vorher noch nie erlebt hatte. Allerdings fürchtete ich mich auch vor ihnen – so sehr hatte ich mich noch nie vor etwas gefürchtet. Diese Angst war größer als damals, in dem Moment, als er mit den Splittern von Dads Gitarre um uns herum über mir gestanden hatte. Oder als ich ihn am Tag unseres Abschlusses auf dem Feld hatte stehen lassen. Und so viel...




