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E-Book, Deutsch, Band 83, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Huiskes Perry Rhodan Neo 83: Callibsos Fährte
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-4783-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Staffel: Protektorat Erde 11 von 12
E-Book, Deutsch, Band 83, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-4783-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond auf ein havariertes Raumschiff der Arkoniden gestoßen ist. Im Dezember 2037 ist die Erde kaum wiederzuerkennen. Die Erkenntnis, dass die Menschheit nur eine von unzähligen intelligenten Spezies ist, hat ein neues Bewusstsein geschaffen. Die Spaltung in Nationen ist überwunden, ferne Welten sind in greifbare Nähe gerückt. Eine Ära des Friedens und Wohlstands scheint bevorzustehen. Doch als Perry Rhodan von einer beinahe einjährigen Odyssee zwischen den Sternen zurückkehrt, stellt er fest: Das Große Imperium hat das irdische Sonnensystem annektiert, die Erde ist zu einem Protektorat Arkons geworden. Die Herrschaft Arkons scheint unerschütterlich. Doch Rhodan glaubt einen Weg zu kennen, die Freiheit der Erde wiederzugewinnen. Er führt über die geheimnisvollen Puppen Callibsos zum Herrscher von Derogwanien selbst ...
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2.
Grand Canyon, 12. Dezember 2037
Als Perry Rhodan das Fenster öffnete, stellte er fest, dass die Nacht einen Hauch Kälte gebracht hatte. Es war eine trockene, gar nicht einmal unangenehme Kälte; vielmehr erfrischte sie ihn, denn Staub und Trockenheit waren wie weggewischt. Das Enteron, das sich wie ein schmaler Kragen um seinen Hals gelegt hatte, zitterte leicht und blähte sich auf, als könne es dadurch der Kälte entgehen.
Kein Vergleich mit den Sommermonaten, in denen Temperaturen um dreißig Grad Celsius keine Seltenheit waren. Ein Blick auf das Thermometer verhalf ihm zu der Erkenntnis, dass es an der Außenwand des aus Kunststoffen täuschend echt nachgebildeten und mit Holz originalverkleideten Blockhauses exakt ein Grad Celsius – also 33,8 in Fahrenheit – kühl war.
»Wieso machst du das Fenster auf?«, meldete sich Thora. Sie lag unter den drei dünnen Decken, die sie spät in der Nacht über sich gehäuft hatte, sodass sie wie ein merkwürdiges Panzertier wirkte. »Ist die Klimaautomatik kaputt?«
Perry Rhodan lachte. Er fühlte sich – nicht zuletzt dank der vorangegangenen Nacht – munter und beschwingt. Wo war diese Frau sein ganzes Leben über gewesen? Und wie hatten sie beide sich anfangs so sehr über ihre wahren Gefühle selbst belügen können?
»Komm her!« Er winkte ihr zu, trat mit zwei raschen Schritten neben das Bett und zog sie am linken Arm hoch. »Das musst du sehen.«
Das weiße Haar fiel ihr wirr ins Gesicht, weit entfernt von der strengen, ordentlich zurechtgemachten Frisur, die sie außerhalb des Schlafzimmers stets trug. Die roten Augen fixierten Perry unter halb geschlossenen Lidern.
Mit diesem Blick sieht sie aus wie eine silberne Katze, dachte Rhodan.
Sie rutschte vollends unter den Laken hervor, stieg aus dem Bett und präsentierte Perry ihren schlanken weißen Körper. Ihm wurde bewusst, dass sie beide nackt waren. Nun ... jedenfalls bis auf das Enteron. Aber das hatte sie auch in der vergangenen Nacht nicht gestört.
»Wenn du das siehst, weißt du, warum ich meine Heimat liebe. Hoffe ich.«
Sie hielt ihn fest bei der Hand, während sie nebeneinander ans offene Fenster traten. Er sah sie frösteln, aber ihr Gesicht blieb weich, viel weicher als zu den meisten anderen Zeitpunkten. Sie holte tief Luft, sog die Morgenkühle auf.
Ihr silberweißes Haar wurde allmählich lachsfarben, dann rot. Sie blieb am Fenster stehen, den Blick weit hinaus gerichtet über das unvergleichliche Panorama des Grand Canyon, den die Sonne gerade aus seinem Schlaf riss: ockerfarbene, rostfarbene, gelbliche und rötliche Gesteinsschichten, die wie mit sanftem Pinselstrich aufgetragen erschienen, darüber ein blauer, kalter Himmel. Alles wirkte, als ob es dorthin gehöre und allem Platz böte, was sich näherte. Es war ein so ... willkommen heißendes Bild, das ein Gefühl von Freiheit geradezu erzwang.
»Ich weiß, wie sehr du deine Heimat liebst. So, wie ich meine«, sagte sie leise. »Aber bei diesem Anblick glaube ich, ich könnte mich auch an deine gewöhnen. Die Erde ist so vielfältig.«
»Und dabei hast du nicht einmal besonders viel davon gesehen.«
Sie küsste ihn sanft auf die Wange. »Das brauche ich nicht. Aber wir sind nicht hierhergekommen, um sentimental zu werden. Wie gehen wir weiter vor?«
Perry Rhodan seufzte. Obwohl Thora recht hatte, bedauerte er den abrupten Kurswechsel sehr. Sie hatten die Great Plains ungeschoren hinter sich gelassen, trotz der unverhofften Begegnung mit Fürsorger Satrak, dem von Arkon eingesetzten Gouverneur der Erde, und mit einer Gefangenen, von der sie sich erhofften, Antworten auf ihre drängenden Fragen zu erhalten – und mehr noch, einen Weg.
Sie hatten am vorigen Abend gute neunhundert Kilometer entfernt zwei Hütten dieser Hotelanlage voller rustikaler Lodges am nördlichen Grand Canyon bezogen, um etwaige Verfolger abzuschütteln. Einfache Tarnung und falsche Identitäten allein genügten trotz der erfolgreichen Operation Greyout nicht, sie mussten in Bewegung bleiben, solange die Arkoniden über die Erde herrschten.
Er ging langsam zurück zum Bett, um sich anzuziehen. »Wir müssen mit Jenny Whitman sprechen oder Stacy Allan, wie sie sich jetzt nennt. Mit dem Ding, das sie in sich trägt oder mit dem sie verschmolzen ist. Callibsos Puppe.«
»Du glaubst, sie wird reden?«
»Wenn sie wirklich eine Puppe ist, wird sie es tun«, sagte er fest. »Denk an Taylor. Sie musste reden. Die Einsamkeit und das Wissen, versagt zu haben, hatten ihr arg zugesetzt.«
»Whitman hat es bisher nicht zugegeben. Und falls sie eine Puppe ist, dann keine gewöhnliche, jedenfalls, wenn ich die Maßstäbe meiner Erfahrung anlege.«
»Du warst auf Derogwanien, du weißt da mehr als ich«, gab er zu. »Aber instinktiv gebe ich dir recht.«
»Sei vorsichtig!«, bat sie. »Vertrau ihr nicht.«
»Das tue ich nicht. Aber sie ist unsere Verbindung zu Callibso, sie kann uns vielleicht zu ihm bringen.«
»Erwarte nicht zu viel von Callibso!«, ermahnte ihn Thora.
»Er ist ein Akteur im Ringen«, sagte Rhodan. »Er hat es dir selbst gesagt.«
»Das ist richtig. Aber Callibso ... er ist nur ein kleiner Fisch, wie ihr Menschen sagen würdet. Er kann nicht viel ausrichten.«
»Er hat mir Puppen auf den Hals geschickt. Sie haben meine Mutter übernommen, Freunde, Bekannte, Kollegen. Alles, damit ich nicht Astronaut werde und mit der STARDUST zum Mond fliege – wo ich unter anderem dich getroffen habe. Er wollte es verhindern. Wieso? Die Antwort kann nur er mir geben. Er hat sie seinen Puppen nicht gesagt.«
»Und angenommen, diese Puppe Whitman würde uns einen Weg nach Derogwanien eröffnen. Glaubst du, Callibso würde dir seine Gründe mitteilen?«
»Wieso nicht? Sein Plan ist gescheitert. Und wie sich herausgestellt hat, hat er Ernst Ellert damals nach Snowman geschickt, um mich zu ihm zu bringen.«
»Wozu auch immer. Vielleicht, um dich doch noch zu erledigen.« Thora versteifte sich. Callibso hatte sie und ihre Gefährten auf Derogwanien um ein Haar umgebracht. Das hatte sie nicht vergessen.
»Möglich, aber du vergisst, dass mir gar keine andere Wahl bleibt.«
»›Folge den Puppen!‹« Thora sagte es ohne Betonung, als stamme der Satz nicht von ihr.
Das Enteron, das wie ein schwarzes Tuch auf Rhodans Rücken lag, zitterte bei Thoras Worten. Sie stammten von dem Mann, der den Symbionten zur Erde gebracht und ihn kurz vor seinem Tod Rhodan geschenkt hatte: Rhodanos.
»Ja, Rhodanos hat mich angefleht. Und ich kann mich seiner Bitte nicht verwehren. Er war mein Bruder.«
Sein Bruder – und mehr. Rhodanos war ein Duplikat, eine exakte Kopie Rhodans, erstellt aus einer Schablone, die man ohne sein Wissen auf der Elysischen Welt gefertigt hatte. Nur, dass dieser Rhodanos, der lediglich mit seinen Kleidern am Leib und einem Gehstock auf der Erde erschienen war, eine gequälte Kreatur gewesen war. Ein alter – womöglich vorzeitig gealterter – Mann, der nur ein Ziel kannte: zu verhindern, dass Rhodan nach Arkon aufbrach und die Elysische Welt aufsuchte. Aus der Schablone hatte man eine Vielzahl von Rhodans erschaffen, jeder von ihnen zu einem Leben in Pein verurteilt.
Doch Rhodanos, der offenbar nicht nur den Raum, sondern auch die Zeit durchquert hatte, war zu spät gekommen. Die Schablone war bereits in Betrieb.
Der alte Mann hatte Rhodan angefleht, die Elysische Welt so schnell wie möglich aufzusuchen, um die Schablone zu vernichten – vielleicht war es nicht zu spät, vielleicht hatte man noch keine Duplikate erstellt.
Doch wie war das zu schaffen? Das Große Imperium hatte die Erde besetzt, Rhodan war ein gesuchter Mann. Seine Aussichten, auf einem arkonidischen Raumer heimlich nach Arkon zu gelangen, waren gleich null.
In dieser Situation gab es nur eine Möglichkeit: die Puppen Callibsos. Sie waren heimlich zur Erde gekommen – also musste es einen entsprechenden Transportweg geben.
Rhodan musste diesen Weg finden. Und über diesen Weg würde Rhodan hoffentlich mehr über das Ringen erfahren. Über die Rolle, die die Menschheit darin spielte, seine eigene.
Sein Weg würde ihn nach Derogwanien führen, zu Callibso.
Von dort würde sich ein weiterer Weg ergeben, nach Arkon, zur Elysischen Welt.
Das Enteron rollte sich zusammen und floss dann wie ein Faden sein Rückgrat hinunter. Es kitzelte.
Ein anderer Satz seines Duplikats ging Rhodan nicht mehr aus dem Kopf: »Im kosmischen Maßstab sind die Arkoniden nur eine flüchtige Erscheinung.«
Für ihn, Rhodan, waren die Folgerungen daraus klar: Seine Aufgabe war nicht der Kampf gegen das Protektorat. Er musste das Rätsel des Ringens lösen – das Problem der Arkoniden würde sich von selbst erledigen.
Falls Rhodanos die Wahrheit gesprochen hatte.
War es in Perry Rhodans eigenem und im übergeordneten Menschheitsinteresse, Rhodanos zu vertrauen? Oder war dieser Rhodanos eine Falle? Doch wer sollte sie gestellt haben?
Wem kann ich vertrauen?
Er beantwortete sich die Frage selbst: Reg. Und mittlerweile auch Thora. Adams und Crest, vielleicht, aber diese hatten andere Prioritäten. Allen anderen ... eingeschränkt.
Perry Rhodan hatte eine klare Vorstellung davon, was er selbst wollte: Freiheit und Selbstbestimmtheit für die Menschen im friedlichen Nebeneinander mit anderen Kulturen der Milchstraße. Nur der Weg dorthin wand und krümmte sich vor seinen Augen und unter seinen Füßen, und manchmal glaubte er, für jeden Schritt vorwärts mindestens drei zurück zu machen.
Rhodan sah zu der Frau an seiner Seite. »Ich werde...




