Hunter | Eine tapfere Lady | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 420 Seiten

Reihe: Medieval Roses

Hunter Eine tapfere Lady

Roman | Medieval Roses 1
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96898-340-0
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Medieval Roses 1

E-Book, Deutsch, Band 1, 420 Seiten

Reihe: Medieval Roses

ISBN: 978-3-96898-340-0
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Sie ist tief gefallen - wird er sie wieder aufbauen? England im 13. Jahrhundert: Einst trug sie feine Kleider und hatte eine glänzende Zukunft vor sich - dann zerstörte der grausame Lord Mortimer ihre Familie und ihr Leben. Verarmt und schutzlos bleibt der schönen Joan keine andere Wahl, als mit ihrem jüngeren Bruder in einen der armen Bezirke Londons zu ziehen und sich fortan als Ziegelbrennerin und Töpferin zu verdingen. Dort begegnet sie dem Freimaurer Rhys, der sie vor Lakaien eines Edlen und aufdringlichen Männern rettet. Als er sie jedoch bei ihrem Herrn freikauft, ist Joan alles andere als erleichtert: denn der hilfsbereite Steinmetz arbeitet für Mortimer, deshalb kann sie ihm niemals voll vertrauen. Doch dass ihr Herz schneller schlägt, wann immer sie in seiner Nähe ist, kann sie nicht verleugnen ...  Eine prickelnde Mittelalter-Romance voller Dramatik, die auch Fans von Margaret Mallory begeistern wird! Alle Bände der Reihe:  Band 1: Eine tapfere Lady  Band 2: Eine leidenschaftliche Lady  Band 3: Eine wilde Lady Die Bände sind unabhängig voneinander lesbar.

Madeline Hunter studierte Kunstgeschichte und arbeitet heute als Lehrerin an einem College. Seit einigen Jahren schreibt sie außerdem mit großem Erfolg historische Liebesromane. Ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und sind regelmäßig auf den Bestsellerlisten der »New York Times« und »USA Today« vertreten. Bereits zweimal hat sie den begehrten RITA-Award der »Romance Writers of America« gewonnen. Madeline Hunter lebt mit ihrer Familie in Pennsylvania. Die Autorin im Internet: www.madelinehunter.com Madeline Hunter veröffentlichte bei dotbooks ihre »Regency Flowers«-Reihe mit den Bänden: »Regency Flowers - Ein skandalöses Rendezvous« »Regency Flowers - Die widerspenstige Braut« »Regency Flowers - Eine Lady von zweifelhaftem Ruf« »Regency Flowers - Lady Daphnes Verehrer« Sowie ihre »Regency Darlings«-Reihe mit den Bänden: »Regency Darlings - Ein Lord zum Küssen« »Regency Darlings - Ein Lord zum Verführen« »Regency Darlings - Eine Lady zum Verlieben« »Regency Darlings - Ein Marquis zum Träumen«
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Kapitel 1


»Sollte Euer Bruder davon erfahren, kann ich von Glück sagen, wenn ich meinen Kopf behalte, von meiner Manneskraft ganz zu schweigen«, knurrte Thomas.

Bleiches Mondlicht zauberte Schatten an die Mauern der Läden entlang der Straße. Zur Rechten und Linken huschten zwielichtige Gestalten im Dunkeln umher, doch Christiana brauchte sich in dieser Nacht nicht vor Räubern zu fürchten, denn Thomas Holland, einer der Ritter der Königin, hielt sich dicht an ihrer Seite, und im Schein der Fackel in seiner Hand war sein Langschwert deutlich zu sehen. Obwohl sie nach der Sperrstunde in der Stadt unterwegs waren, würde diese bedrohliche Waffe mit Sicherheit alle Ganoven abschrecken.

»Er wird nichts davon erfahren, das verspreche ich Euch«, beruhigte Christiana ihren Begleiter. »Kein Mensch wird etwas davon erfahren.«

Insgeheim musste sie zugeben, dass Thomas sich zu Recht Sorgen machte. Falls ihr Bruder Morvan herausfand, dass der Ritter ihr geholfen hatte, Westminster nach Einbruch der Dunkelheit heimlich zu verlassen, würde er ihnen die Hölle heiß machen. Doch in diesem Fall würde sie die alleinige Verantwortung übernehmen. Verschlimmern konnte ihre gegenwärtige Situation sich sowieso kaum noch ...

»Dieser Kaufmann, den Ihr aufsuchen wollt, muss reich sein, wenn er nicht über seinem Laden wohnt«, bemerkte Thomas. »Es geht mich natürlich nichts an, Mylady, aber dies ist eine sehr ungewöhnliche Zeit für einen Besuch, von dem überdies niemand etwas wissen darf. Hoffentlich ist es kein Liebhaber, zu dem ich Euch bringe, sonst wird der König mich höchstpersönlich zur Rechenschaft ziehen.«

Unter normalen Umständen hätte Christiana über eine solche Vermutung amüsiert gelacht, doch jetzt waren ihre Nerven so angespannt, dass sie die Bemerkung des Ritters gar nicht spaßig fand. »Nein, es ist kein Liebhaber, und ich suche den Mann nur deshalb zu dieser späten Stunde auf, weil ich mir ganz sicher sein wollte, ihn zu Hause anzutreffen.« Sie hoffte, dass Thomas auf weitere Fragen verzichten würde, denn ihr Repertoire an Lügen war restlos erschöpft.

Der vergangene Tag hatte zu den schlimmsten in ihrem ganzen Leben gehört. War es wirklich erst gestern Abend gewesen, dass Königin Philippa sie zu sich gerufen und ihr mitgeteilt hatte, ein Freier habe um ihre Hand angehalten, und der König habe diesen Antrag angenommen? Seitdem hatte sich für Christiana jede Minute zu einer Ewigkeit von Höllenpein und ohnmächtiger Wut gedehnt.

Dabei hatte sie im Prinzip nichts gegen eine baldige Eheschließung einzuwenden. Schließlich war sie schon achtzehn, und die meisten Mädchen heirateten in jüngerem Alter. Doch der Mann, der sie heiraten wollte, war nicht Stephen Percy, jener Ritter, an den sie ihr Herz verloren hatte. Es war nicht einmal irgendein anderer Ritter oder Lord, die immerhin standesgemäße Partner für die Tochter von Hugh Fitzwaryn gewesen wären.

Nein, König Edward hatte beschlossen, Christiana, die einer alten Adelsfamilie entstammte, mit David de Abyndon zu verheiraten, dem sie nie zuvor begegnet war.

Mit einem gewöhnlichen Kaufmann!

Einem gewöhnlichen und alten Kaufmann, wenn sie ihrer Anstandsdame Lady Idonia Glauben schenken wollte, die sich daran erinnerte, in ihrer Jugend Seide bei diesem Master David gekauft zu haben.

Natürlich wollte der König sie auf diese Weise bestrafen ... Sie war seit dem Tod ihrer Eltern sein Mündel und lebte zusammen mit seiner ältesten Tochter Isabele und seiner jungen Cousine Joan of Kent bei Hofe. Er musste über ihre Schandtat völlig außer sich gewesen sein, wenn er zu derart drastischen Maßnahmen griff, um sie möglichst schnell unter die Haube zu bringen.

Stephen! Der attraktive blonde Stephen, der endlich Sonne in ihr behütetes, aber einsames Leben gebracht hatte! Er war der erste Mann, der es wagte, ihr den Hof zu machen, obwohl ihr Bruder gedroht hatte, jeden zu töten, der ihr vor einer offiziellen Verlobung zu nahe kam. Morvans imposante Statur und sein Waffengeschick sorgten dafür, dass diese Warnung ernst genommen wurde: im Gegensatz zu den anderen Mädchen bei Hofe hatte Christiana keine Verehrer. Immerhin brauchte Morvan sie nicht vor Mitgiftjägern zu beschützen, denn es gab keine Mitgift ... Das schien Stephen jedoch nicht zu stören. Er liebte sie eben, das hatte er oft genug glaubhaft beteuert.

Lady Idonia hatte Christiana und den unerschrockenen Ritter im Bett ertappt, und jetzt wollte der König sein Mündel mit dieser demütigenden Ehe bestrafen. Aber das würde sie nicht hinnehmen! Und der alte Kaufmann würde sie bestimmt auch nicht mehr heiraten wollen, wenn er erfuhr, dass der König ihn nur benutzte.

Christiana und Thomas folgten dem blonden Lehrling, den sie im Laden aus dem Bett geholt hatten und der sich bereit erklärt hatte, sie zum Haus seines Meisters zu bringen. Er führte sie am Rathaus vorbei, blieb vor einem Torbogen stehen und klopfte leise an.

Die schwere Tür wurde von einem Riesen geöffnet, der eine Fackel in der Hand hielt. Christiana hatte noch nie einen so großen und breitschultrigen Mann gesehen, dessen schulterlange weißblonde Haare ein grimmiges Gesicht umrahmten.

»Andrew, bist du das?« Die tiefe Stimme sprach mit schwedischem Akzent. »Was zum Teufel machst du hier? Wenn die Wachposten dich wieder nach der Sperrstunde draußen erwischen ...«

»Diese Herrschaften sind zum Laden gekommen, Sieg. Ich musste ihnen doch den Weg zeigen, oder etwa nicht?« Sieg hielt die Fackel höher, um die späten Besucher besser sehen zu können. »Er erwartet Euch ... allerdings hatte er mir zwei Männer angekündigt«, knurrte er misstrauisch. »Also gut, folgt mir. Ich bringe Euch in den Söller und sage ihm Bescheid, dass Ihr hier seid.«

»Ich begleite Euch nach oben«, flüsterte Thomas Christiana zu. »Falls etwas passieren sollte ...«

»Nein, ich muss das allein erledigen«, widersprach sie. »Mir droht hier keine Gefahr.«

Thomas stieß einen schweren Seufzer aus. »Wie Ihr wollt... Dann warte ich hier auf dem Hof. Beeilt Euch aber bitte – und schreit, falls Ihr Hilfe brauchen solltet.«

Christiana folgte dem Riesen. Sie durchquerten den Hof, betraten eine Halle mit Bänken und Tischen, bogen in einen Seitenflügel ab und stiegen eine schmale Treppe hinauf.

In der ersten Etage öffnete Sieg eine Tür und machte eine einladende Geste. »Ihr könnt hier warten. Master David hat sich schon schlafen gelegt, deshalb wird es wohl eine Weile dauern, bis er bei Euch ist.«

Christiana hob eine Hand, um den Mann zurückzuhalten. »Ich wollte ihn nicht stören. Vielleicht komme ich lieber ein anderes Mal ...«

»Er hat gesagt, dass ich ihn wecken soll, wenn Ihr kommt.«

Dies war bereits das zweite Mal, dass er andeutete, man habe sie erwartet. »Ich glaube, hier liegt ein Irrtum vor ...«, murmelte sie, aber der Riese hatte den Raum schon verlassen.

Sie schaute sich in dem großen Zimmer um. Im Kamin verglühte ein Feuer, und durch die hohen Fenster mit Spitzbögen flutete genug Mondlicht, um die Umrisse schwerer Möbel erkennen zu können. Christiana trat an die Fensterfront heran und betastete die Einfassung aus Blei und die Butzenscheiben. Glas! Teures Glas! Dieser Master David hatte es im Laufe der Jahre offenbar zu großem Wohlstand gebracht.

Das war nicht weiter verwunderlich. Christiana wusste, dass manche Londoner Kaufleute genauso reich wie Lords mit riesigen Ländereien waren und dass einige von ihnen wegen ihrer Reichtümer sogar in den Adelsstand gehoben wurden. Der Londoner Bürgermeister wurde bei Hofe genauso ehrerbietig behandelt wie Mitglieder des Hochadels, und auch die Ratsherren standen in hohem Ansehen. Es ließ sich nicht leugnen – die Londoner Kaufleute genossen viele Privilegien und Freiheiten, waren stolz und einflussreich, weil König Edward auf ihr Geld angewiesen war und sie deshalb genauso oft zu Rate zog wie seine Barone.

Sieg kehrte zurück, schürte das Feuer im Kamin, legte Holzscheite nach, zündete mehrere Kerzen auf einem Tisch an und entfernte sich wieder. Christiana blieb in der dunklen Ecke neben den Fenstern stehen, die etwas Schutz vor neugierigen Blicken bot.

Eine Tür in der Wand neben dem Kamin wurde geöffnet, und ein Mann betrat den Raum. Er sah sich suchend um, erspähte die Silhouette seiner Besucherin und kam einige Schritte auf sie zu.

Im hellen Schein des neu entfachten Kaminfeuers sah Christiana eine große, schlanke Gestalt mit goldbraunen Haaren und markanten Gesichtszügen. Eine Woge von Demütigung schwappte jäh über sie hinweg: sie war am falschen Ort gelandet!

»Mylady?« Die Stimme war ein weicher Bariton – eine angenehme Stimme, der man gern zuhören würde, selbst wenn sie nur Unsinn von sich gab.

Christiana suchte vergeblich nach Worten.

»Habt Ihr etwas für mich?«, fragte er ermutigend.

Vielleicht konnte sie das Haus verlassen, ohne dass dieser Mann erfuhr, wer sie war. »Es ... es tut mir leid«, stammelte sie verlegen. »Wir ... wir haben uns wohl in der Adresse geirrt ...«

»Wen sucht Ihr denn?«

»Master David, den Stoffhändler.«

»Der bin ich.«

»Es ... es muss sich um einen anderen Master David handeln. Mir wurde gesagt, er sei ... er sei viel älter.«

...



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