Hunter | Einsame Jäger | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 768 Seiten

Hunter Einsame Jäger

Thriller
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86552-444-7
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller

E-Book, Deutsch, 768 Seiten

ISBN: 978-3-86552-444-7
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Bob Lee Swagger, der Meister-Scharfschütze aus dem Hollywood-Blockbuster SHOOTER mit Mark Wahlberg ist wieder da! Als in den Bergen von Idaho ein Mann erschossen und die Frau, die ihn begleitet, tödlich verwundet wird, holt den Kriegsveteranen Bob Lee Swagger seine Vergangenheit ein. Denn der Schütze schien es in Wahrheit auf ihn abgesehen zu haben. Die Suche nach einer Erklärung konfrontiert ihn mit schmerzhaften Erinnerungen an seine Einsätze in Vietnam. Steckt der geheimnisvolle Russe Solaratov dahinter, der schon damals Jagd auf ihn machte? Welche Rolle spielen seine eigene Frau Julie und ihr Ex-Verlobter Donny, für dessen Tod an der Front sich Bob persönlich verantwortlich fühlt? Im Umfeld der US-Friedensbewegung stößt Bob auf eine Verschwörung, die sein Vertrauen in den amerikanischen Militärapparat auf eine harte Probe stellt. Nelson Demille: »Stephen Hunter ist eine Klasse für sich.« Rocky Mountain News: »Der beste lebende Autor knallharter Thriller.« Stephen King: »Ich liebe die Romane von Stephen Hunter.« Phillip Margolin: »Einer der besten Thriller-Autoren der Welt.« New York Daily News: »Nur wenige moderne Autoren können Hunter in Sachen Vorstellungskraft das Wasser reichen und dem Leser einen derartigen Adrenalinkick verpassen.« Publishers Weekly: »Einer der talentiertesten im Thrillergeschäft.«

Stephen Hunter ist vielfacher Bestsellerautor und Filmkritiker (ausgezeichnet mit dem Pulitzer Prize). Er wurde 1946 in Kansas City, Missouri, USA, geboren. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin und zwei Söhnen in Baltimore. Anfang der 90er-Jahre begann er mit einer Serie von Thrillern, die sich um die Familiengeschichte des Swagger-Clans ranken. In Point of Impact, dem ersten Band der Saga, wird der ehemalige Marine-Scharfschütze Bob Lee Swagger dazu bestimmt, bei einer Verschwörung als Sündenbock für den Mord an dem Präsidenten zu dienen. Der Roman wurde 2007 als Shooter mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle verfilmt und bescherte alleine den Produzenten einen Gewinn von über 150 Millionen Dollar. Für viele ist Stephen Hunter der beste lebende Thriller-Autor. Stephen King: »Ich liebe die Romane von Stephen Hunter.«
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Prolog


Wir befinden uns in der Gegenwart eines meisterhaften Scharfschützen.

Fast übernatürlich ruhig liegt er auf dem harten Felsuntergrund. Die Luft ist dünn, immer noch kühl; er fröstelt oder zittert nicht.

Die Sonne wird bald aufgehen und die Kälte aus den Bergen vertreiben. Ihr Licht breitet sich aus und enthüllt dabei märchengleiche Schönheit. Hohe Gipfel, in Schnee gehüllt; ein makelloser Himmel, der bald die Farbe eines blauen Rohdiamanten annehmen wird; ferne Almen von so intensivem Grün, wie man es in der Natur nur selten antrifft; Bäche, die sich durch den Nadelwald schlängeln, der die Hänge wie ein Teppich bedeckt.

Der Scharfschütze nimmt nichts davon wahr. Ihn darauf hinzuweisen, würde keinerlei Reaktion auslösen. Schönheit – egal ob die der Natur, die der Frauen oder selbst die der Waffen – ist ein Konzept, mit dem er nichts anfangen kann. Nicht nach all den Orten, an denen er gewesen ist, und all den Dingen, die er getan hat. Sie ist ihm schlicht und einfach egal. Sein Verstand orientiert sich nicht an solchen Bezugspunkten.

Stattdessen sieht er das Nichts. Er spürt eine starke, kalte Taubheit. Kein Gedanke hat in dieser Situation irgendeine Bedeutung für ihn. Sein Geist ist fast leer, als ob er sich in Trance befindet.

Er hat einen kurzen Hals, wie so viele legendäre Schützen. Obwohl seine Sehschärfe laut Snellen-Index mit 20/10 aberwitzig hoch ausfällt, wirken seine blauen Augen stumpf und offenbaren ein beinahe erschreckendes Ausmaß mentaler Gleichgültigkeit. Sein Puls ist praktisch nicht messbar. Manches an ihm ist kurios – Eigenheiten, die man bei vielen Männern als Tick einstufen würde, die aber zu einem Scharfschützen perfekt passen. Er hat extrem gut ausgebildete, schnell kontrahierende Unterarmmuskeln, die für sein Alter jenseits der 50 immer noch geschmeidig und definiert sind. Seine Hände sind groß und stark. Das Durchhaltevermögen sprengt jede Skala, ebenso die Reflexe und die Schmerztoleranz. Er ist kräftig, agil und genauso energiegeladen wie jeder Spitzenathlet. Sein Verstand ist sowohl zu technischem als auch zu kreativem Denken in der Lage und sein Wille so geradlinig wie ein Laserstrahl.

Aber nichts von alldem kann ihn wirklich erklären, genauso wenig, wie solche Analysen einen Williams oder einen DiMaggio entschlüsseln könnten. Da ist einfach etwas an ihm: eine fast schon autistische Art von Genie, die ihm außergewöhnliche Kontrolle über Körper und Verstand verleiht, über Hände und Augen. Sie segnet ihn mit schier unendlicher Geduld, einem gewieften taktischen Verständnis und vor allem völliger Hingabe an seine mysteriösen Künste, die wiederum den Kern seiner Identität darstellen und ihm ein Leben verschaffen, wie es für viele unvorstellbar wäre.

Aber jetzt gibt es für ihn nichts: nicht seine Vergangenheit, nicht seine Zukunft, nicht den Schmerz, den es bereitet, eine lange Nacht hindurch reglos in der Kälte auszuharren. Nicht die Aufregung angesichts der Tatsache, dass dies der große Tag sein könnte. Keine Vorfreude, kein Bedauern, einfach gar nichts.

Neben ihm liegt sein Handwerkszeug, seitwärts auf einem harten Sandsack abgelegt. Er kennt es in- und auswendig, denn er hat sich zur Vorbereitung auf die 30 Sekunden, die heute, morgen oder übermorgen kommen werden, gründlich damit vertraut gemacht.

Es ist eine Remington 700 mit einem Fiberglasschaft von H-S Precision und einem Leupold-Zielfernrohr mit zehnfacher Vergrößerung. Ein Büchsenmacher hat sie modifiziert, um noch das letzte Promille an Leistung auszureizen: Der Verschluss ist ausgerichtet, geschliffen und mit maximalem Drehmoment im Metallblock in der Mitte des Schafts verschraubt; der neue, freiliegende Krieger-Lauf hat eine Tieftemperaturbehandlung verpasst bekommen. Der Abzug, Marke Jewell, löst bei einem Abzugsgewicht von 1,81 Kilogramm mit dem knackigen Klirren eines brechenden Glasstabs den Schuss aus.

Der Scharfschütze hat mehrere Wochen mit der Munition experimentiert und nach einer exakten Harmonie gesucht, die bestmögliche Resultate erzielt: die perfekte Balance zwischen dem Geschossgewicht, dem Sitz der Patrone im Lager und der bis aufs letzte Gran handvermessenen Menge des ausgewählten Pulvers. Nichts wurde dem Zufall überlassen: Die Rillen im Patronenhals wurden gedreht und getempert, die Zündlöcher entgratet, die Tiefe der Zündhütchen perfektioniert, die Zündhütchen selbst nach Verlässlichkeit ausgewählt. Die Laufmündung ist mit dem neuesten Schrei ausgestattet, dem Ballistic Optimizing System von Browning – einer Art anschraubbarem Stutzen, der detailliert justierbar ist, um für das optimale Schwingungsverhalten im Sinne der Präzision zu sorgen.

Er verwendet kein Militärkaliber, sondern eins aus dem zivilen Bereich: eine Remington Magnum 7 Millimeter, eine Patrone, die eine Zeit lang bei Jägern weltweit im Trend lag. Ein Bock oder ein Hirsch lässt sich damit aus erstaunlich großer Entfernung erlegen. Obwohl sie darin von einigen hipperen Patronen übertroffen wird, ist sie dennoch ein leistungsfähiges Flachgeschoss, das beim Flug durch die dünne Bergluft kaum an Geschwindigkeit verliert und auf Distanzen jenseits der 500 Meter noch fast 2700 Joule Geschossenergie mitbringt.

Aber all diese Daten interessieren den Scharfschützen nicht – oder zumindest nicht mehr. Er kannte sie einmal, aber in dieser Situation hat er sie vergessen. Der Zweck der endlosen ballistischen Experimente war einfach: Es ging darum, Büchse und Ladung zur absoluten Perfektion zu treiben, um nicht mehr darüber nachdenken zu müssen. Das ist das Prinzip guten Schießens: Man bereitet alles optimal vor und verschwendet dann keinen Gedanken mehr daran.

Als das Geräusch kommt, ist er weder erschrocken noch überrascht. Er wusste, dass es früher oder später kommen musste. Es erfüllt ihn nicht mit Zweifel oder mit Reue. Es bedeutet bloß eins: dass es Zeit wird, an die Arbeit zu gehen.

Es ist ein Lachen, mädchenhaft und hell, voller Begeisterung. Es wird von den steinernen Wänden des Canyons zurückgeworfen, schwirrt aus den Schatten einer kleinen Schlucht fast 1000 Meter weit durch die dünne Luft zu dieser hohen Felsbank hinauf.

Der Scharfschütze schüttelt die Finger, wärmt sie auf. Seine Konzentration steigt um noch eine Stufe. Er zieht das Gewehr mit einer fließenden Bewegung zu sich heran, in der die Übung Hunderttausender Schüsse aus Training und Missionen steckt. Wie von selbst hebt sich der Gewehrschaft an seine Wange. Während eine Hand zum Kolbenhals schnellt, stützt die andere den Vorderschaft. Sein Arm trägt das Gewicht des leicht angehobenen Oberkörpers und baut eine Knochenbrücke zum Stein, auf dem er liegt. Die Büchse ruht auf einem prall gefüllten Sandsack. Er findet den idealen Haltepunkt, der eine Platzierung der Wange am  Schaft und den perfekten Augenabstand zum Zielfernrohr bietet, damit das kreisrunde Zielbild so hell und klar wie eine Kinoleinwand vor ihm erscheint. Sein adductor magnus, ein langer Muskel im inneren Oberschenkel, spannt sich, als er den rechten Fuß um eine Winzigkeit schräg stellt.

Über ihm gleitet ein Habicht im Wind, segelt durch den blauen Morgenhimmel.

Eine Bergforelle springt.

Ein Bär sucht etwas zum Fressen.

Ein Reh huscht durch das Unterholz.

Der Scharfschütze nimmt nichts davon zur Kenntnis. Es ist ihm egal.

»Mami«, ruft die achtjährige Nikki Swagger. »Nun komm schon.«

Nikki kann besser reiten als ihre Eltern. Sie wurde praktisch auf dem Pferderücken großgezogen, denn ihr Daddy, ein Unteroffizier der Marines im Ruhestand mit landwirtschaftlicher Vergangenheit, hatte beschlossen, sich als Pferdepfleger mit eigenem Mietstall in Arizona selbstständig zu machen – dort, wo Nikki zur Welt gekommen ist.

Nikkis Mutter, eine hübsche Frau namens Julie Fenn Swagger, bleibt etwas zurück. Julie bringt nicht die natürliche Anmut ihrer Tochter mit, aber sie ist in Arizona aufgewachsen, wo Pferde zum Leben gehören, und sie reitet seit ihrer Kindheit. Ihr Mann hat bereits als Farmerjunge in Arkansas geritten, danach jahrzehntelang nicht mehr. Später fand er zu den Tieren zurück, und jetzt liebt er ihre Integrität und Loyalität so sehr, dass er fast ohne nachzudenken den Entschluss gefasst hat, ein anständiger Reiter zu werden. Es gehört zu seinen angeborenen Talenten.

»Okay, okay«, ruft Julie, »sei vorsichtig, Schätzchen.« Aber sie weiß, dass Nikki nichts ferner liegt, als vorsichtig zu sein. Sie hat die Persönlichkeit einer Heldin, mit dem Willen, alles aufs Spiel zu setzen, und einer völligen Abwesenheit von Furcht. In dieser Hinsicht gleicht sie einer Indianerin – und ihrem Vater, der ein Kriegsheld gewesen ist.

Sie dreht sich um.

»Nun komm schon«, drängt Julie und äfft ihre Tochter nach. »Du willst doch das Tal sehen, wenn die Sonne drüber wegzieht, oder nicht?«

»Japp«, ruft die Reiterin zurück, die nach wie vor von den Schatten der Vertiefung im Gelände verborgen wird.

Nikki prescht voran, heraus aus den Schatten und in das helle Licht. Ihr Pferd, das den Namen Calypso trägt, ist ein Vollblutwallach – ein ziemliches Biest, aber Nikki hat ihn lässig im Griff. Sie reitet englisch, da ihre Mutter davon träumt, dass sie einmal ein College im Osten besuchen wird. Und die Fähigkeiten, die als Kennzeichen der eleganten Reitkunst gelten, werden sie im Leben weiter bringen als das rowdyhafte Vermögen, wie ein Cowboy zu reiten. Ihr Vater hält nicht viel vom englischen Sattel, der kaum auszureichen scheint, um das Mädchen vor den Muskeln des...



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