Hunter | Im Visier des Snipers | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 596 Seiten

Hunter Im Visier des Snipers

Thriller
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-86552-896-4
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller

E-Book, Deutsch, 596 Seiten

ISBN: 978-3-86552-896-4
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Mit Präzisionsschüssen aus großer Entfernung werden in aller Öffentlichkeit kurz hintereinander vier Berühmtheiten der amerikanischen Antikriegsbewegung getötet. Das Medieninteresse ist enorm und das FBI steht unter gewaltigem Druck. Schnell rückt der Kriegsheld Carl Hitchcock in den Mittelpunkt ihrer Ermittlungen. Nach einer landesweiten Fahndung findet man Hitchcock in einem Motelzimmer. Tot durch die eigene Waffe. Der Fall scheint abgeschlossen. Perfektes Motiv, eindeutige Beweise. Und genau das macht den Chef der Sniper-Sonderkommission misstrauisch. Er bittet den Ex-Marine und Scharfschützen Bob Lee Swagger, einen letzten Blick auf die Sache zu werfen. Und schnell wird klar: Um einen Scharfschützen zu kriegen, braucht man keine Special Agents, sondern einen Scharfschützen. Und Bob der Henker ist immer noch der beste. Bestsellerautor Stephen Hunter ist ein Meister seines Fachs. Garantierte Spannung bis zur letzten Seite! Stephen King: »Ich liebe die Romane von Stephen Hunter.« Nelson DeMille: »Stephen Hunter ist eine Klasse für sich«.  Phillip Margolin: »Einer der besten Thriller-Autoren der Welt.« New York Daily News: »Nur wenige moderne Autoren können Hunter in Sachen Vorstellungskraft das Wasser reichen und dem Leser einen derartigen Adrenalinkick verpassen.« Publishers Weekly: »Einer der talentiertesten im Thrillergeschäft.«

Stephen Hunter ist vielfacher Bestsellerautor und Filmkritiker (ausgezeichnet mit dem Pulitzer Prize). Er wurde 1946 in Kansas City, Missouri, USA, geboren. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin und zwei Söhnen in Baltimore. Anfang der 90er-Jahre begann er mit einer Serie von Thrillern, die sich um die Familiengeschichte des Swagger-Clans ranken. In Point of Impact, dem ersten Band der Saga, wird der ehemalige Marine-Scharfschütze Bob Lee Swagger dazu bestimmt, bei einer Verschwörung als Sündenbock für den Mord an dem Präsidenten zu dienen. Der Roman wurde 2007 als Shooter mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle verfilmt und bescherte alleine den Produzenten einen Gewinn von über 150 Millionen Dollar. 2016 startete USA Network die TV-Serie. Für viele ist Stephen Hunter der beste lebende Thriller-Autor. Stephen King: »Ich liebe die Romane von Stephen Hunter.« Andreas Pflüger: »Stephen Hunters Bob Lee Swagger ist die coolste Socke unter den einsamen Helden.« Die Bob-Lee-Swagger-Serie: SHOOTER - Point of Impact (1993, Festa Verlag 2014) NACHTSICHT - Black Light (1996, Festa Verlag 2014) EINSAME JÄGER - Time to Hunt (1998, Festa Verlag 2016) DER 47. SAMURAI - The 47th Samurai (2007, Festa Verlag 2017) NACHT DES DONNERS - Night of Thunder (2008) IM VISIER DES SNIPERS - I, Sniper (2009) Dead Zero (2010) Sniper's Honor (2014) G-Man (2017) Game of Snipers (2019)
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2

Politik. Immer geht es um Politik. Selbst bei einem Mord. Es würde sicher noch ein Gerangel mit dem Chicago Police Department geben. Sie würden den Ruhm für sich beanspruchen wollen, und unter normalen Umständen war ein Mord auch die Angelegenheit der lokalen Behörden. Das FBI hatte keinen generellen Anspruch auf diese Fälle. Aber es würde sich als leitende Ermittlungsbehörde durchsetzen, weil das Gesetz besagte, dass ein Auftragsmord, bei dem Staatsgrenzen überschritten wurden, im Zuständigkeitsbereich des Bundes lag. Und da die äußerste Professionalität der Schüsse Auftragsmorde nahelegte, war es ein Fall fürs FBI.

Nick Memphis galt beim FBI immer noch als Senkrechtstarter, weil er vor einem Jahr bei der Vereitelung eines brutalen Banküberfalls in Bristol, Tennessee, triumphiert hatte. Er hatte den Plan aufgedeckt, die Spuren verfolgt, die Strippenzieher ausfindig gemacht und hochgenommen, wobei die Zahl der zivilen Opfer gering blieb. Momentan stand er kurz vor einer Beförderung zum stellvertretenden Direktor. Obwohl andere sich sehr um diesen Posten bemühten, wurde Nick zum leitenden Agenten der »Sonderkommission Sniper« ernannt, sobald die Brisanz des Falls deutlich geworden war – was beim FBI so viel bedeutete wie: »Alle beobachten dich.« Angesichts des hohen öffentlichen Interesses, der Größe und Leuchtkraft der auf ihn gerichteten Scheinwerfer, der endlosen Spekulationen und der allgemeinen Faszination des Ganzen waren seine Aussichten auf den Posten des stellvertretenden Direktors ziemlich gut, wenn er den Fall schnell zum Abschluss brachte. Er versuchte, nicht daran zu denken. Darum war es ihm nie gegangen. Ihm war es wichtig, seine Talente, seine Arbeitsmoral, seine Intelligenz und seinen Mut einzusetzen, um etwas Gutes in der Welt zu erreichen, sie zu einem besseren Ort zu machen. Also versuchte er zu verdrängen, wie verdammt viel ihm diese Beförderung bedeutete.

Am ersten Morgen nachdem er den Auftrag erhalten hatte – am Tag nach Jack und Mitzi, als das »Muster« plötzlich abwich –, stellte er die nötigen Kontakte her. Zuerst setzte er sich mit den FBI-Büros in Chicago und New York in Verbindung (denen es natürlich widerstrebte, plötzlich einem hohen Tier aus Washington, D. C. unterstellt zu sein, auch wenn Nick bekannt und beliebt war) und durch sie mit den zuständigen Polizeidienststellen. Weil East Hampton klein war, überließen die Leute aus Long Island die administrative Kontrolle bereitwillig den Bundesagenten, die sie weniger verachteten als die New York State Police; das war also kein Problem. In Chicago war man verbittert, aber nach einer Weile hatte Nick auch diese Behörde an Bord geholt – sein Ruf als guter Diplomat eilte ihm voraus und war völlig gerechtfertigt. Das Hauptquartier der Operation ließ er im Chicago Police Department einrichten (statt das Chicagoer FBI-Büro zu nutzen, was dem dortigen befehlshabenden Agenten natürlich gar nicht gefiel, was wiederum ihm aber herzlich egal war) und machte sich an die Arbeit. Umgehend wurden Teams zu beiden Tatorten entsandt, um die Beweise zu sichern. Einige der besten Forensiker des FBI wurden von weniger dringlichen Fällen abgezogen und diesem zugewiesen. Schusswaffenspezialisten vom ATF wurden hinzugezogen, um die Bemühungen des FBI nach Kräften zu unterstützen. Special Agents trafen ein, um die Vorgänge vor Ort zu überwachen und auf rücksichtsvolle Weise zu evaluieren, was verbessert werden konnte, was wiederholt werden musste und was ausgezeichnete Arbeit war. Gegen 16 Uhr hatten die Bundesagenten die Chicagoer praktisch vom Thron gestoßen und die Ermittlungen übernommen.

Aber Nick musste noch etwas anderes tun, bevor er nach Chicago fahren konnte, um das Kommando zu übernehmen. Als ehemaliger Scharfschütze konnte er den Presseberichten entnehmen, dass es sich um einen äußerst fähigen Schützen handelte, und das war etwas, das bei Kriminalfällen selten vorkam. Weder seine Leute in East Hampton noch die in Chicago konnten feststellen, von wo genau der Täter geschossen hatte. Aber die fehlenden Schussgeräusche bei allen Tatorten legten nahe, dass die Distanz groß gewesen war oder der Schütze einen Schalldämpfer verwendet hatte. Dies alles stützte seine Hypothese: Sie hatten es mit einem Profi zu tun. Eine Kugel, die man im Ellbogen des persönlichen Assistenten von Joan Flanders gefunden hatte und die so verformt war wie ein hübscher Champignon, stellte sich als das berühmte 10,9-Gramm-Boat-Tail-Hohlspitzgeschoss heraus, das in der Federal- oder Black-Hills-Variante die meisten SWAT-Scharfschützenteams und beinahe alle Präzisionsschützen von Army, Marine Corps, Air Force und Navy einsetzten, ob im Gefecht oder bei anderen Operationen. Die Kugel hatte Joan durchbohrt, war dann ins Schulterfleisch des Assistenten eingedrungen und hatte den Knochen getroffen. Dort hatte ihr die nötige Energie gefehlt, um diesen zu durchschlagen, stattdessen war sie von der harten Fläche abgeprallt, hatte sich an der Außenseite seines Arms entlangbewegt und dabei überraschend wenig Schaden verursacht. Es war jene magische Bohne, die im April 2009 in einem einzigen wohlkoordinierten Moment dem Leben dreier somalischer Piraten ein Ende gesetzt hatte. Also wies Nick seine eigenen Ermittler aus D. C. sowie deren per E-Mail benachrichtigte Mitarbeiter in allen 50 Bundesstaaten an, mit dem schwersten und zähsten Teil der Jagd zu beginnen: dem Klinkenputzen.

Alle Militäreinheiten, die Scharfschützen einsetzten, mussten kontaktiert werden; dasselbe galt für alle Polizeieinheiten, zu deren Teams Präzisionsschützen gehörten. Dann waren da noch all die Kader und Schüler der vielen Scharfschützenschulen – nicht nur der professionellen wie etwa der Marine Sniper School in Quantico, sondern auch der privaten Schulen, von denen es buchstäblich Dutzende gibt. In letzter Zeit hatte das Präzisionsschießen eine Art glamouröse Aura angenommen, und viele Privatpersonen wollten sich in dieser Kunst ausbilden lassen. Aber hinter der Scharfschützenkultur lag noch die breiter gefasste Schützenkultur selbst. Dazu gehörten die vielen Hochleistungsgewehr-Teams der Schützenvereine, die auf irgendeiner Ebene von der NRA verwaltet wurden, die in jedem Spätsommer in Camp Perry, Ohio, die nationalen Meisterschaften ausrichtete. Es gab Schießschulen, die auch Jagdtechniken lehrten, und innerhalb der Jägergemeinschaft existierte eine Nische für Männer, die die Fähigkeit erworben hatten, Wild aus großer Distanz zu erlegen. Es gab auch Jäger, die bei der Schädlingsbekämpfung auf weite Distanzen schossen und wirklich hervorragende Schützen waren. Nach vielen Verbesserungen an ihren Waffen und viel Zeit am Schießstand waren sie in der Lage, 30 Zentimeter große Präriehunde aus Entfernungen von mehr als 900 Metern zu treffen. Es gab eine Kultur des Auflageschießens, bei dem Männer mit individuell angepassten Gewehren aus mehr als 900 Metern Schussgruppen mit möglichst geringem Streukreis erzeugten (der amtierende Meister in dieser Disziplin hatte aus dieser Distanz mit einer Streuung von nur 11,43 Zentimetern getroffen). Mit all diesen Leuten mussten sie sprechen, alle mussten dieselben Fragen beantworten.

Ist jemand innerlich zerrüttet? Ist jemand verbittert, irrational, beinahe außer Kontrolle? Ist jemand wütend? Redet jemand viel darüber, dass die Linken den Krieg in Vietnam verloren haben? Hat sich seine Gesundheit plötzlich verschlechtert? Nimmt er Drogen? Ist seine Ehe zerbrochen, ist eins seiner Kinder gestorben, hat er seinen Job verloren? Ist irgendjemand von der Bildfläche verschwunden? Ist jemand verärgert über etwas, das im Irak passiert ist? Gab es irgendwelche Zuckungen, Macken, Pannen, Anomalien in der Gemeinde? Es war eine gewaltige Aufgabe. Es gab viele Menschen in den USA, die auf große Entfernung gut schießen konnten, und für eine Weile schien es, als müssten sich die Ermittler jeden davon einzeln vornehmen.

In den Medien hingegen fiel der Verdacht sofort auf ihn: den großen amerikanischen Waffennarren.

Das war von Anfang an das Narrativ. Man kannte diesen Kerl; jeder kannte ihn. Irgendetwas an ihm war ein wenig »merkwürdig«, nicht wahr? Seine Bürokollegen fühlten sich etwas unbehaglich in seiner Gegenwart, vor allem die Frauen. Zu den meisten Themen schien ihm nichts einzufallen, aber wenn es um Waffen ging, erstrahlte er plötzlich wie ein Weihnachtsbaum. Man sah ihn ständig über die Computertastatur gebeugt, aber er schaute sich nicht etwa heimlich Nacktfotos japanischer Teenager an, sondern Gewehre. Immer wenn vom zweiten Zusatzartikel zur Verfassung die Rede war, steigerte er sich ziemlich in die Sache hinein, und mit der Zeit lernten die anderen, das Thema zu meiden, wenn er in der Nähe war. Vielleicht hatte er ein Haus voller Jagdtrophäen oder ein Regal, auf dem kleine goldene Männer thronten, die Waffen in den Händen hielten. Iiih, wie gruselig. Vielleicht kannte er den Unterschied zwischen den Kalibern 30-06 und 308 oder wusste, dass mit einer Patrone »Kaliber 30« eine 30-06, eine .308, eine .300 Win Mag, eine .300 Remington Ultra Mag, eine .307, eine 7,62 × 39 Millimeter und so weiter gemeint sein konnte. Vielleicht verbrachte er in seinem Keller viel Zeit mit kleinen, mechanischen Vorrichtungen und war in der Lage, seine eigenen Patronen herzustellen, wie eine Art finsterer Alchemist aus dem Mittelalter. Vielleicht war er ein Amateurbüchsenmacher, der einen schaurigen Pakt mit den cleveren Mechaniken geschlossen hatte, diesem Geflecht aus Stiften, Hebeln, Federn, Ventilen und Rohren, die das Innenleben der Feuerwaffen bildeten. All diese Dinge wurden plötzlich verdächtig, und irgendwann begannen die Reporter sogar damit, das Internet nach Waffengeschäften zu durchsuchen und dort...



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