E-Book, Deutsch, Band 1, 512 Seiten
Reihe: Shadow Falls Camp
Hunter Shadow Falls Camp - Geboren um Mitternacht
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-10-401047-2
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band 1
E-Book, Deutsch, Band 1, 512 Seiten
Reihe: Shadow Falls Camp
ISBN: 978-3-10-401047-2
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schon als Kind liebte C.C. Hunter Glühwürmchen, lief am liebsten barfuß und rettete mögliche Märchenprinzen in Form von Fröschen vor ihren Brüdern. Auch wenn sie heute meist Schuhe trägt, ist sie immer noch von Glühwürmchen fasziniert. Sie rettet inzwischen nicht mehr nur Frösche, sondern auch andere Tiere, und hat einen Märchenprinzen gefunden. Mit ihm, drei Katzen und einem Hund lebt sie in Texas - und wenn sie nicht gerade liest, schreibt oder Zeit mit ihrer Familie verbringt, fotografiert sie gerne.
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2. Kapitel
Eine Stunde später kam Kylie mit Rucksack und Handtasche über der Schulter die Treppe herunter.
Ihre Mutter fing sie am Eingang ab. »Alles okay bei dir?«
Wie konnte alles okay sein? »Ich lebe noch«, gab Kylie zurück. Das konnte sie von ihrer Großmutter nicht behaupten. Plötzlich hatte Kylie wieder den lila Lippenstift vor Augen, den der Bestatter ihrer Großmutter aufgetragen hatte. , hörte Kylie ihre Oma fragen.
Der Gedanke ließ Kylie schaudern. Schnell sah sie zu ihrer Mutter.
Die starrte auf Kylies Rucksack, und die steile Sorgenfalte erschien wie üblich zwischen ihren Augen. »Wo gehst du hin?«, wollte sie wissen.
»Du hast doch gesagt, ich kann bei Sara übernachten. Oder hast du das vergessen, weil du zu sehr damit beschäftigt warst, Dads Unterhosen zu grillen?«
Ihre Mutter ignorierte den Kommentar. »Was macht ihr denn heute Abend?«
»Bei Mark Jameson ist heut ’ne Party, weil endlich Ferien sind.« Nicht, dass Kylie deswegen nach Feiern zumute gewesen wäre. Nachdem Trey mit ihr Schluss gemacht hatte und ihre Eltern sich scheiden ließen, war Kylies Sommer sowieso im Arsch. Und wie es aussah, würde bestimmt noch jemand vorbeikommen und noch eins draufsetzen.
»Sind seine Eltern zu Hause?« Ihre Mutter zog eine dunkle Augenbraue hoch.
Kylie zuckte innerlich zusammen, aber äußerlich blinzelte sie nicht einmal. »Sind sie das nicht immer?«
Gut, hatte sie eben gelogen. Normalerweise ging sie genau aus diesem Grund nicht zu Mark Jamesons Partys. Aber egal, brav zu sein hatte sie offensichtlich auch nicht weitergebracht. Sie hatte auch mal etwas Spaß verdient, oder?
Mal davon abgesehen: hatte ihre Mutter nicht auch gelogen, als ihr Vater sie nach seinen Unterhosen gefragt hatte?
»Was, wenn du wieder einen deiner Träume hast?« Ihre Mutter berührte Kylies Arm. Eine kurze Berührung. Das war alles, was Kylie derzeit von ihrer Mutter bekam. Keine langen Umarmungen wie die ihres Vaters. Keine Mutter-Tochter-Ausflüge. Nur Unnahbarkeit und kurze Berührungen. Sogar als Oma, die Mutter ihrer Mutter, gestorben war, hatte sie Kylie nicht umarmt. Und Kylie hatte damals wirklich eine Umarmung gebraucht. Aber es war ihr Dad gewesen, der sie in den Arm genommen und es zugelassen hatte, dass sie Wimperntusche auf sein Jackett geschmiert hatte. Und jetzt war Dad fort – er und all seine Jacketts.
Kylie holte tief Luft und umklammerte ihre Handtasche. »Ich habe Sara schon gewarnt, dass ich laut schreiend aufwachen könnte. Sie meinte, sie würde mich dann einfach mit einem Holzkreuz pfählen und mich wieder ins Bett schicken.«
»Vielleicht solltest du alle Kreuze verstecken, bevor ihr schlafen geht.« Ihre Mutter bemühte sich um ein Lächeln.
»Das werd ich tun.« Für einen kurzen Moment zögerte Kylie, ihre Mutter allein zu lassen, wo Dad sie doch heute verlassen hatte. Aber wem machte sie eigentlich etwas vor? Ihrer Mutter würde es schon gutgehen. Nichts konnte der Eiskönigin etwas anhaben.
Vor dem Rausgehen warf Kylie noch einen Blick aus dem Fenster. Nur um sicherzugehen, dass sie nicht gleich von einem Typ in Armeeklamotten angefallen werden würde.
Der Garten schien frei von Stalkern zu sein. Kylie lief aus dem Haus, in der Hoffnung, dass die Party sie vergessen lassen würde, wie beschissen ihr Leben gerade war.
»Hier, für dich. Musst es ja nicht trinken, halt dich einfach dran fest.« Sara Jetton drückte Kylie ein Bier in die Hand und verschwand sofort wieder.
Mit mindestens dreißig anderen Teenagern, die alle auf einmal redeten, stand Kylie in Mark Jamesons Wohnzimmer gequetscht und hielt sich tatsächlich an der eiskalten Flasche fest. Als sie sich umsah, erkannte sie fast alle aus der Schule. Und wieder ging die Türklingel. Offensichtlich war das die coolste Party des Abends. Dieser Meinung schienen jedenfalls all ihre Mitschüler von der Highschool zu sein. Jameson war dafür bekannt, dass er die wildesten Partys der Stadt schmiss. Er war im Abschlussjahrgang, und seinen Eltern war anscheinend alles egal.
Schon zehn Minuten später war die Party in vollem Gange – und von Sara immer noch keine Spur zu sehen. Zu blöd, dass Kylie nicht danach war, mitzufeiern. Sie betrachtete missmutig die Flasche in ihrer Hand.
Jemand rempelte sie an, so dass ihr das Bier auf das weiße Shirt spritzte und ihr in den Ausschnitt lief. »Ach, verdammt!«
»Oh, sorry«, sagte eine dunkle Stimme.
Kylie blickte auf und sah in Johns sanfte braune Augen. Sie versuchte zu lächeln. Hey, zu einem süßen Kerl nett zu sein, der sich in der Schule nach ihr erkundigt hatte – da fiel ihr das Lächeln gar nicht so schwer. Aber die Tatsache, dass John ein Freund von Trey war, schmälerte ihre Begeisterung enorm.
»Schon okay«, lenkte sie ein.
»Ich hol dir ein neues.« Offensichtlich nervös, eilte er davon.
»Nee, lass mal«, rief ihm Kylie hinterher. Aber bei der lauten Musik und dem Stimmengewirr hörte er sie nicht mehr.
Wieder klingelte es an der Tür. Ein paar Leute vor ihr bewegten sich und gaben den Blick auf den Eingang frei. Genauer gesagt, den Blick auf Trey, der gerade hereinkam. Neben ihm – oder sollte man besser sagen: an ihn geklebt? – stolzierte seine Neue.
»Na toll.« Sie schnellte herum und hätte sich am liebsten nach Tahiti gebeamt – oder noch besser nach Hause, besonders dann, wenn ihr Dad dort gewesen wäre.
Durch ein Fenster entdeckte sie endlich Sara auf der Terrasse, und Kylie machte sich auf den Weg zu ihr.
Sara schaute in ihre Richtung. Offenbar sah sie die Panik in Kylies Gesicht, denn sie rannte gleich auf sie zu. »Was ist passiert?«
»Trey und sein neues Sexspielzeug sind da.«
Sara zog die Augenbrauen hoch. »Na und? Du siehst heiß aus, geh und flirte mit ein paar Typen, dann bereut er seine Entscheidung.«
Kylie rollte mit den Augen. »Ich will aber nicht hierbleiben und zusehen, wie die zwei rummachen.«
»Sind sie etwa schon zugange?«, fragte Sara.
»Noch nicht, aber sobald Trey ein Bier intus hat, kann er nur noch an eines denken – wie er einem am schnellsten an die Wäsche gehen kann. Ich muss es ja wissen, ich immerhin die mit der Wäsche.«
»Entspann dich mal.« Sara zeigte auf den Tisch hinter ihnen. »Gary hat Margaritas gemixt. Trink mal eine, und es wird dir bessergehen.«
Kylie biss sich auf die Zunge, um nicht laut herauszuschreien, dass es ihr nicht bessergehen werde. Ihr Leben war, wie man es auch drehte und wendete, einfach beschissen.
»Hey«, Sara stupste sie kurz an. »Wir wissen doch beide, dass du dir Trey nur angeln und mit ihm nach oben verschwinden müsstest, um ihn zurückzubekommen. Er ist immer noch verrückt nach dir. Er hat mich heute in der Schule abgepasst und nach dir gefragt.«
»Wusstest du etwa, dass er hierherkommt?« Misstrauen nagte am letzten Rest seelischer Gesundheit, der noch übrig war.
»Ich war mir nicht sicher. Aber entspann dich mal.«
Entspannen? Kylie starrte ihre beste Freundin an, und es fiel ihr wie Schuppen von den Augen, wie sehr sie sich in den letzten sechs Monaten voneinander entfernt hatten. Es war nicht nur Saras Vorliebe für Partys oder die Tatsache, dass sie ihre Jungfräulichkeit verschenkt hatte. Okay, vielleicht waren es doch hauptsächlich diese zwei Dinge, aber es kam ihr so vor, als sei da noch mehr.
Mehr in dem Sinne, dass Kylie den Verdacht hatte, Sara würde alles daransetzen, sie auch in die Party-machende-Entjungferten-Gruppe zu bekommen. Was konnte Kylie denn dafür, dass Bier für sie nur nach Hundepisse schmeckte? Oder dass sie keine Lust auf Sex hatte?
Okay, das war eine Lüge, sie hätte schon gern Sex gehabt. Als sie und Trey so richtig rumgeknutscht hatten, war sie schon in Versuchung gekommen – und wie. Aber dann hatte sie immer daran denken müssen, wie sie mit Sara darüber geredet hatte. Sie hatten beide gewollt, dass das erste Mal etwas ganz Besonderes sein sollte.
Außerdem erinnerte sie sich daran, wie Sara sich Brads »Bedürfnissen« gefügt hatte. Brad, Saras große Liebe, der nach zwei Wochen genug von ihr gehabt hatte und ihr den Laufpass gab. Was war daran nun besonders?
Seitdem war Sara mit vier anderen Typen zusammen gewesen und mit zweien davon auch im Bett gelandet. Jetzt hatte sie aufgehört, von Sex als etwas Besonderem zu reden.
»Okay, ich weiß, das mit deinen Eltern zieht dich runter«, lenkte Sara ein. »Aber genau deshalb musst du dich mal locker machen und Spaß haben.« Sara strich sich ihr langes braunes Haar hinters Ohr. »Ich hol dir jetzt eine Margarita, und ich sag dir, du wirst begeistert sein.«
Sara ging zu dem Tisch mit den Cocktails. Kylie wollte ihr gerade folgen, als ihr Blick auf den Soldaten fiel, der – unheimlich und seltsam wie immer – bei der Margarita trinkenden Clique stand.
Kylie wirbelte herum und wollte flüchten, stieß dabei aber mit einem Typ zusammen. Und, verdammt, natürlich schwappte wieder Bier aus ihrer Flasche genau in ihren Ausschnitt. »Na toll. Meine Brüste riechen bald wie ’ne ganze Brauerei.«
»Der Traum eines jeden Mannes«, sagte eine raue männliche Stimme. »Trotzdem, sorry.«
Sie erkannte Treys Stimme noch bevor sie seine breiten Schultern oder seinen unverkennbaren männlichen Geruch wahrnahm. Sie hatte Angst vor dem Schmerz, den sein Anblick ihr bereiten würde, und hob dann den Kopf. »Schon okay. John ist das vorhin auch passiert.«
Sie versuchte, ihn nicht anzustarren: seine hellbraunen Haare, die ihm über die Augenbrauen fielen, seine grünen Augen, die sie in ihren Bann ziehen wollten,...




