E-Book, Deutsch, 190 Seiten
Reihe: Warrior Cats
Hunter Warrior Cats - Die Welt der Clans. Das Gesetz der Krieger
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-407-75986-3
Verlag: Beltz eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 190 Seiten
Reihe: Warrior Cats
ISBN: 978-3-407-75986-3
Verlag: Beltz eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erin Hunter ist ein Autor:innenteam und inspiriert von der Liebe zu Katzen und der Faszination von der Wildnis. Immer mit dem größten Respekt gegenüber der Natur in all ihren Formen, findet Erin Hunter mystische Erklärungen für das Verhalten der Tiere und erschafft magische Welten.
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FISCHE FANGEN
Nicht alle Katzen halten sich immer an das Gesetz. Wo junge Katzen auf Regeln stoßen, die man brechen kann, braut sich oft Unheil zusammen …
»Autsch! Du trittst mir auf die Pfote!«
»Entschuldigung!«, keuchte Tupfenschweif. »Ich dachte, das wäre ein Kiesel.«
»Seit wann haben Kiesel ein Fell?«, erkundigte sich Weißauge, während sie ihre Pfote schüttelte. Sie drehte sich um, worauf sich in ihrem einen Auge die Sterne spiegelten. Das andere war blind, weil ein Dachs es ihr ausgekratzt hatte, als sie noch Schülerin war.
Tupfenschweif eilte an ihre Seite – die Seite, auf der Weißauge sehen konnte. »Sind wir am Fluss?«, miaute sie.
Weißauge machte ihr Platz unter den Farnwedeln. »Ja. Sieh her!«
Kleine graue Steinchen bedeckten vor ihnen die Böschung bis zum pechschwarzen Wasser hinunter, das lautlos vorbeifloss und im hellen Sternenschein funkelte.
»Irgendwie ist es gruselig heute Nacht«, flüsterte Tupfenschweif und kuschelte sich an Weißauges kräftige Schulter.
Weißauge knuffte sie. »Uns passiert schon nichts«, versicherte sie ihr. Auf keinen Fall würde sie jetzt ins Lager zurückkehren. Dies war das größte Abenteuer, das sie jemals erlebt hatte! Genau genommen war es wahrscheinlich das größte Abenteuer, das je eine DonnerClan-Katze erlebte. Nötig hatten sie es nicht, FlussClan-Beute zu stehlen – es war Blattgrüne und in den Wäldern wimmelte es nur so von saftigen Vögeln und Eichhörnchen –, aber Weißauge wollte unbedingt wissen, wie Fische schmeckten und warum der FlussClan so hochnäsig behauptete, seine Beute sei die beste im Wald.
Tupfenschweif sprang auf einen flachen Stein am Flussufer und spähte ins Wasser hinab. »Ich kann gar keine Fische sehen«, flüsterte sie. »Bist du sicher, dass sie nicht schlafen gegangen sind?«
Ungeduldig schnaubend quetschte sich Weißauge neben ihr auf den Stein. »Fische schlafen nicht!«
»Müssen sie aber doch«, widersprach Tupfenschweif. »Sonst wären sie ziemlich müde.«
»Na ja, ein paar sind bestimmt noch wach.« Weißauge schob sich vorwärts, bis ihre Vorderpfoten über dem Wasser verharrten.
Tupfenschweif beäugte sie misstrauisch. »So fangen die FlussClan-Katzen Fische? Das sieht so aus, als würdest du gleich reinfallen.«
»Pass auf!« Weißauge reckte den Hals, ihre Schnurrhaare zitterten vor Anstrengung. »Da drüben ist was!« Sie spannte die Hinterläufe an, und bevor Tupfenschweif noch etwas sagen konnte, sprang sie mit ausgestreckten Vorderpfoten ab und plumpste mit einem lauten Platsch ins Wasser.
Blinzelnd machte Tupfenschweif einen Satz zurück, als ihr ein paar Tropfen in die Augen spritzten. Sie schüttelte sich und starrte in den Fluss. Die Strömung floss genauso schnell wie vorher, trug jetzt allerdings Weißauge mit sich, die prustend und strampelnd den Kopf über Wasser zu halten versuchte.
»Weißauge!«, jaulte Tupfenschweif. »Komm zurück!«
»Ich … versuche es …«, kam die erstickte Antwort. Es platschte noch einmal, und Weißauge tauchte mit dem Kopf unter, als sie von einer Welle um einen Felsen herumgespült wurde.
Vor Entsetzen sträubte sich Tupfenschweifs Schwanzfell. »Hilfe!«, jaulte sie.
Weißauge tauchte flussabwärts wieder auf. »Du darfst … niemandem verraten … dass wir … hier sind«, stotterte sie. »Gibt … Schwierigkeiten …«
»Aber du ertrinkst!«, miaute Tupfenschweif. »Hilfe!«
Irgendwo im Wald schrie eine Eule, aber von Katzen, die zu Hilfe hätten eilen können, war kein Laut zu hören. Tupfenschweif blickte gebannt in den sprudelnden Fluss, dann holte sie tief Luft und stürzte sich in die Fluten. Das Wasser war so kalt, dass sie kaum Luft bekam. Die Wellen schwappten um sie herum, trieben sie immer weiter vom Ufer weg und verstopften ihr die Ohren mit betäubendem Rauschen.
Schwimmen ist das Gleiche wie Laufen, bloß im Wasser, oder?
Sie sortierte ihre Beine und versuchte sie so zu bewegen, als würde sie über eine Wiese laufen, aber kaum hatte sie sich im Wasser aufgerichtet, ging sie auch schon wieder unter und musste sich erneut an die Oberfläche strampeln, um nach Luft zu schnappen. Das war die schlimmste Idee, die Weißauge jemals gehabt hatte!
»Was im Namen des SternenClans geht hier vor?«
Eine wütende Stimme ertönte über Tupfenschweifs Kopf, und sie drehte sich strampelnd herum, um zu sehen, wer da gesprochen hatte. Ein braun-weißer Kater stand auf einem Felsen am FlussClan-Ufer, die Augen weit aufgerissen wie zwei Monde.
»Hilfe!«, jaulte Tupfenschweif, bevor ihr die nächste Welle ins Maul schwappte.
Noch eine Katze tauchte neben der ersten am Ufer auf. »Eulenpelz, sie sieht nicht so aus, als ob sie freiwillig ein nächtliches Bad nehmen würde. Du solltest sie herausfischen, bevor sie ertrinkt.«
Der braun-weiße Kater ließ sich ins Wasser gleiten, dann bewegte sich sein kleiner Kopf auf- und abtauchend stetig auf Tupfenschweif zu. Sie hielt den Mund fest geschlossen und versuchte mit den Pfoten paddelnd an einer Stelle zu bleiben. Als der Kater sie fest im Genick packte, zuckte sie zusammen, dann ließ sie sich durch das Wasser zum Ufer schleppen. Ihre Pfoten streiften Kies, und sie taumelte an Land, während sich der halbe Fluss aus ihrem Pelz ergoss.
»Meine Clangefährtin!«, keuchte sie und schnippte mit der Schwanzspitze flussabwärts. »Sie ist immer noch da drin!«
»Mäusehirne!«, fauchte der zweite Kater. Er straffte seine pelzigen Schultern und stürzte zum Fluss. »Eulenpelz, du bleibst hier und sorgst dafür, dass dieser Federkopf nicht versucht, mir zu folgen.« Er rannte los und stürzte sich ins Wasser.
»Ihr seid vom DonnerClan, nicht wahr?«, miaute Eulenpelz missbilligend.
Mit tropfenden Schnurrhaaren nickte Tupfenschweif.
»Lass mich raten. Ihr wolltet versuchen, unsere Fische zu stehlen.«
Tupfenschweif ließ den Kopf noch tiefer nach unten hängen. »T-tut mir leid«, stammelte sie.
Der braun-weiße Kater fauchte, dann hob er den Kopf. »Sieht so aus, als ob Jubelstern deine Freundin gefunden hätte«, miaute er.
Jubelstern? Na, großartig. Wir sind vom Anführer des FlussClans gerettet worden.
»Tupfenschweif! Sieh doch!«
Weißauge kam aus dem Wasser gestolpert mit Jubelstern hinter sich, der sie vor sich herschob. Das Fell klebte ihr am Körper und die Ohren an ihrem nassen Kopf wirkten riesig, aber ihre Augen leuchteten, als sie einen zuckenden, silbrigen Fisch auf die Steine fallen ließ.
»Ich habe einen Fisch gefangen!«
Jubelstern verdrehte die Augen. »Du hast ihn an einen Felsen gequetscht«, korrigierte er sie. »Und vor allem hättest du ihn gar nicht fangen dürfen.« Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen. »Du hast die Grenze übertreten und gestohlen. Was hast du dazu zu sagen?«
»He! Sind das unsere vermissten DonnerClan-Kriegerinnen?« Der Ruf kam von der anderen Seite des Flusses. Am fernen Ufer standen Kiefernstern und Abendsonne, sein Zweiter Anführer, an der Wasserkante, ihre Pelze schimmerten im Sternenlicht.
»Wir haben heute Nacht seltsame Beute gemacht«, rief Jubelstern zurück. »Warum kommt ihr nicht rüber und seht nach, ob sie euch vielleicht besser schmeckt?«
Die DonnerClan-Katzen rannten am Ufer entlang und über die Trittsteine, die im seichten Wasser der Blattgrüne gut zu erkennen waren. Tupfenschweif warf Weißauge einen Seitenblick zu, während sie auf die Ankunft ihres Anführers warteten.
»Ich werde nie, nie wieder auf dich hören!«, fauchte sie wütend.
Die vier älteren Katzen blieben in einer Reihe vor Tupfenschweif und Weißauge stehen und betrachteten sie.
»Wie viele Kriegergesetze wolltet ihr heute Nacht eigentlich brechen?«, hob Kiefernstern an. »Grenzübertritt, Beute stehlen, Beute nur für sich fangen …«
»Ich wollte wissen, wie Fisch schmeckt«, stammelte Weißauge.
Kiefernstern beugte sich über sie. »Wir gehören zum DonnerClan«, knurrte er. »Wir. Essen. Keinen. Fisch.«
Eulenpelz trat vor. »Warte, ich habe eine Idee. Nachdem diese Mäusehirne so wild entschlossen ...




