Hunter | Warrior Cats - Short Adventure - Distelblatts Geschichte | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 97 Seiten

Reihe: Warrior Cats, Short Adventure

Hunter Warrior Cats - Short Adventure - Distelblatts Geschichte


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-407-74704-4
Verlag: Beltz eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 97 Seiten

Reihe: Warrior Cats, Short Adventure

ISBN: 978-3-407-74704-4
Verlag: Beltz eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Aus lauter Verzweiflung greift sie Aschenpelz an, um zu verhindern, dass dieser ihr Geheimnis verrät, und flüchtet anschließend Hals über Kopf in ein unterirdisches Tunnelsystem. Von allen totgeglaubt, lebt Distelblatt von nun an unter der Erde. Doch die Sehnsucht nach ihren Gefährten wird immer größer und 'der verschollene Krieger' kehrt wieder zu seinem Clan zurück ...

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1. Kapitel


Der Donner krachte lauter als alles, was Distelblatt je gehört hatte. Über ihr bröckelte und knackte es seltsam. Der Himmel stürzt ein! Und dann wurde Distelblatt mit voller Wucht umgeworfen und zu Boden gedrückt. Ich kann nicht mehr atmen! Sie scharrte panisch und riss sich dabei die Krallen aus, aber der Himmel war zu schwer und zu kalt, und so ließ sie sich von der unendlichen Schwärze davontragen.
Distelblatt stand am Rand einer Klippe. Hinter ihr gähnte die Senke wie ein hungriger Schlund. Flammen, orangerot und zischelnd, erfüllten die Luft mit Qualm und bitterer Asche. Distelblatts Wurfgefährten, Löwenglut und Häherfeder, kauerten neben ihr, sie spürte ihr Zittern an ihrem Pelz. Vor ihnen stand Aschenpelz am Ende eines Asts, über den sie durch das Feuer geführt werden sollten. Eichhornschweif hatte sich vor ihm aufgebaut, ihre Augen glühten vor Wut. Distelblatt starrte ihre Mutter an und wartete darauf, dass sie Aschenpelz aus dem Weg jagte.
»Genug, Aschenpelz«, fauchte Eichhornschweif. »Dein Zorn richtet sich gegen mich. Diese jungen Katzen haben dir nichts getan. Mach mit mir, was du willst, aber gib ihnen den Weg aus dem Feuer frei.«
Aschenpelz blickte sie überrascht an. »Du verstehst immer noch nicht. Nur so kann ich dich die gleichen Schmerzen spüren lassen, die du mir zugefügt hast. Du hast mir das Herz ausgerissen, als du Brombeerkralle vor mir den Vorzug gegeben hast. Alles, was ich dir antun würde, könnte niemals so wehtun. Aber deine Jungen … Wenn du zusehen musst, wie sie sterben, dann wirst du wissen, wie weh du mir getan hast.«
Eichhornschweif hielt seinem Blick stand. »Töte sie doch. Damit kannst du mir nicht wehtun.« Sie entfernte sich einen Schritt von ihm, dann drehte sie sich nach ihm um. »Wenn du mir wirklich wehtun willst, musst du dir etwas Besseres ausdenken. Sie sind nicht meine Jungen.«
Der Boden unter Distelblatts Pfoten schwankte. Eichhornschweif ist nicht meine Mutter? Sie war keine Clan-Katze, sie war eine Katze ohne Gesetz. Vielleicht war sie eine Streunerin oder sogar ein Hauskätzchen. Distelblatt durfte auf keinen Fall zulassen, dass Aschenpelz den vier Clans berichtete, was Eichhornschweif gestanden hatte. Ihre Wurfgefährten und sie würden verbannt werden! Ihre Loyalität gegenüber dem Gesetz der Krieger und alles, was sie bisher für die Clans getan hatten, würden da nicht helfen.
Die Stille war betäubend, drückte mehr auf Distelblatts Ohren als die Steine, die sie auf den kalten Boden pressten. Staub verstopfte ihr Mund und Nase, und in einem Bein pochte ein stechender Schmerz. Ich bin lebendig begraben! Distelblatt stieß und stemmte sich verzweifelt gegen die schweren Steine. Kein einziger Lichtstrahl drang zum Tunneleingang herein. Sie war in der Finsternis gefangen.
»Hilfe! Helft mir! Ich stecke fest!«
Sie verstummte. Nach wem sollte sie rufen? Sie hatte jetzt keine Clan-Gefährten mehr. Dieses Leben hatte sie hinter sich gelassen – hinter den Felsen, so weit weg wie der Mond. Ihre Brüder und Blattsee wussten, dass sie Aschenpelz getötet hatte. Und jetzt dachten Häherfeder und Löwenglut wahrscheinlich, dass sie bei dem Einsturz umgekommen war. Das ist vielleicht auch besser so. So würden sie wenigstens nicht nach ihr suchen. Distelblatt schloss die Augen.
Distelblatt war Aschenpelz bis zur WindClan-Grenze gefolgt. Sie war ihm nachgeschlichen wie einem Beutestück, lautlos, mit eingezogenen Krallen, um nicht an den Brombeerranken hängen zu bleiben oder an Steinen zu kratzen. Als er das Ufer des sprudelnden Bachs erreichte, sprang Distelblatt auf seinen Rücken, drehte seinen Kopf zur Seite und grub ihre Zähne in seinen Pelz und in die Haut, wobei sie sich wieder und wieder sagte: Das ist die einzige Lösung! Aschenpelz brach zusammen, und Distelblatt sprang zurück, als er in den Bach rollte. Sie wusch sich das Blut von den Pfoten, ließ sich vom kalten Wasser die Beine kühlen, die Flanken und den ganzen Körper bis zu ihrem Herzen hinauf.
Ich hab’s für meinen Clan getan!
Schaudernd verjagte Distelblatt die Bilder aus ihrem Kopf. Sie holte tief Luft, kämpfte ihre Vorderpfoten frei und stieß die schweren Steine von ihrer Brust. Dann schleppte sie sich mit letzter Kraft aus den Trümmern heraus. Als sie das eine Hinterbein bewegte, fauchte sie laut. Das Bein tat so weh, dass es gebrochen sein musste. Distelblatt dachte an den Heilerbau, wohlgefüllt mit Beinwell, womit Brüche heilten, und Mohnsamen, die ihr helfen würden, die schlimmste Zeit zu verschlafen. So weit weg wie der Mond, ermahnte sie sich. Mit zusammengebissenen Zähnen zerrte sie den restlichen Körper aus dem Steinhaufen, wobei ihr verletztes Bein qualvoll am Boden aufschlug.
»Großer SternenClan, tut das weh!«, knurrte Distelblatt. Laut zu sprechen schien zu helfen, also miaute sie weiter: »Ich bin schon mal hier unten gewesen. Ich weiß, dass es andere Ausgänge gibt. Komm weiter, eine Pfote vor die andere.« Trotz ihrer Angst, trotz der Schmerzen in ihrem Bein kehrten die Erinnerungen immer wieder zurück.
»Ich bin deine Mutter, Distelblatt«, hatte Blattsee geflüstert. Distelblatt schüttelte den Kopf. Das war nicht möglich. Wie konnte sie die Tochter einer Heiler-Katze sein, wenn Heilerkatzen doch keine Jungen bekommen durften? Das war schlimmer als Streuner oder Hauskätzchen, denn ihre Geburt war ein Verstoß gegen das Gesetz der Krieger.
Distelblatt fuhr die Krallen aus, um Halt auf dem Steinboden zu finden. Bestürzt stellte sie fest, dass sie sich bei ihrem Befreiungskampf mehrere abgebrochen hatte und ihre Ballen nass und klebrig waren. Sie roch Blut und dachte an die Spur, die sie beim Kriechen im Tunnel hinterlassen würde. Wenn Löwenglut und Häherfeder an der Einsturzstelle gruben, würden sie wissen, dass sie überlebt hatte, und würden der Spur folgen, um sie zu suchen.
Plötzlich stießen ihre Vorderpfoten gegen eine Wand. Sie jaulte auf vor Schmerz und änderte die Richtung, um der Kurve zu folgen. Es war so dunkel, dass sie die Augen gar nicht aufzumachen brauchte. Wenn ich nur ein bisschen Licht finden könnte. Wenn, wenn, wenn 
Häherfeder hatte herausgefunden, wer ihr Vater war. »Es ist Krähenfeder.« Distelblatt hatte ihn ungläubig angestarrt. »Dann sind wir Halb-Clan?«
»Gelbzahn ist mir im Traum erschienen«, erklärte Häherfeder. »Sie sagte, es sei Zeit, dass wir die Wahrheit erführen.«
Für Distelblatt war nichts geblieben. Halb-Clan? Sie stand in der Tunnelöffnung, atmete den Geruch der Felsen ein und spürte, wie sich ihr gesträubter Pelz glättete. Hier unten konnte sie verschwinden und irgendwo weit weg von den Clans wieder auftauchen. Sie konnte ein neues Leben beginnen, ohne all die Lügen und gebrochenen Versprechen.
Distelblatt drehte sich um und rannte in den Tunnel. Sie hörte Häherfeder hinter sich rufen – dann krachte der Donner und der Himmel stürzte ein und sie wurde von der verwirrenden Schwärze verschluckt.
Distelblatt lief weiter. Atmen, Pfote vor, Schritt, immer weiter. Sie sehnte sich nach einer Pause, nach Schlaf, nach einem Kriegerahnen, der sie zum SternenClan mitnahm. Aber wusste der SternenClan überhaupt, dass sie hier war? Ihre Geburt war ein Verstoß gegen das Gesetz der Krieger. Sie hatte eine Katze getötet. Und sie hatte ihren Platz beim DonnerClan verlassen. Die Kriegerahnen würden sie nicht beschützen. Hatten sie zugesehen, als sie alle Clan-Geheimnisse auf der Großen Versammlung verraten hatte?
»Wartet!« Distelblatt sprang auf. »Ich habe etwas zu sagen, das alle Clans hören sollten.« Nun war es auf der Lichtung so still, dass Distelblatt eine Maus im Laub unter der alten Eiche rascheln hörte. »Ihr denkt, ihr kennt mich«, hob sie wieder an, »und meine Brüder, Löwenglut und Häherfeder aus dem DonnerClan. Ihr denkt, ihr kennt uns, aber alles, was man euch über uns erzählt hat, war eine Lüge! Wir sind nicht Brombeekralles und Eichhornschweifs Junge.«
»Was?« Zwischen den Wurzeln der Großen Eiche, wo die Zweiten Anführer saßen, schoss Brombeerkralle auf die Pfoten. Seine bernsteinfarbenen Augen glühten. »Eichhornschweif, warum redet sie einen solchen Unfug?«
»Es tut mir leid, Brombeerkralle, aber es stimmt. Ich bin nicht ihre Mutter und du bist nicht ihr Vater.«
Der Zweite Anführer des Clans starrte Eichhornschweif an. »Und wer ist es dann?«
Eichhornschweif richtete ihren traurigen, grünen Blick auf die Katze, von der sie immer behauptet hatte, sie wäre ihre Tochter. »Sag es ihnen, Distelblatt. Ich habe das Geheimnis so viele Blattwechsel lang bewahrt, dass ich es nun auch nicht preisgeben werde.«
»Feigling!«, funkelte Distelblatt sie an. Ihr Blick jagte über die Lichtung und sah die Augen jeder einzelnen Katze auf sich gerichtet. »Ich fürchte mich nicht vor der Wahrheit! Blattsee ist unsere Mutter, und Krähenfeder – ja, Krähenfeder aus dem WindClan – ist unser Vater.«
Schockiertes Jaulen wurde auf ihre Worte hin laut, doch Distelblatt rief darüber hinweg: »Diese beiden Katzen schämten sich so sehr für uns, dass sie uns weggaben und jeden Einzelnen von euch belogen, um zu vertuschen, dass sie gegen das Gesetz der Krieger verstoßen hatten. Es ist alles ihre Schuld.« Dabei zeigte sie mit dem Schwanz auf Blattsee. »Wie können die Clans überleben, wenn sie voller Feiglinge und Lügner sind?«
Ihre Worte schienen von den Tunnelwänden widerzuhallen. Distelblatt wünschte, sie könnte die Große Versammlung noch einmal von vorn beginnen, die schreckliche Wahrheit zurücknehmen, die sie verkündet hatte, ihren...



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