E-Book, Deutsch, 93 Seiten
Hunter Warrior Cats - Short Adventure - Rabenpfotes Abschied
Deutsche Erstausgabe
ISBN: 978-3-407-81273-5
Verlag: Beltz eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 93 Seiten
Reihe: Warrior Cats, Short Adventure
ISBN: 978-3-407-81273-5
Verlag: Beltz eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erin Hunter ist ein Autor:innenteam und inspiriert von der Liebe zu Katzen und der Faszination von der Wildnis. Immer mit dem größten Respekt gegenüber der Natur in all ihren Formen, findet Erin Hunter mystische Erklärungen für das Verhalten der Tiere und erschafft magische Welten.
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1. KAPITEL
»Schneller, Rabenpfote! Halt durch!« Graupfote sah kurz über die Schulter, bevor er sich ins Farnkraut stürzte.
Rabenpfote grub die Krallen in den Boden und stieß sich kräftig ab. Vor ihm verschwand Graupfotes getigerter Pelz in den Büscheln, davor blitzte noch Feuerpfotes orange-rotes Fell auf. Rabenpfote sprang durch den Farn und raste seinen Clan-Kameraden hinterher. Alle drei rannten jetzt so schnell, dass der Wald zu grün-braun-blassgoldenen Schlieren verschwamm.
Sie flitzten durchs Unterholz, schlugen immer schmalere Pfade ein, ließen sich nicht einmal durch das dichteste Brombeergestrüpp bremsen. Große, graue Silhouetten ragten auf, waren im nächsten Moment schon wieder verschwunden. Ich wusste gar nicht, dass wir zu den Schlangenfelsen unterwegs sind, dachte Rabenpfote verwundert. Als sie am Donnerweg vorbeischossen, röhrten neben ihnen die Monster, doch die Schüler waren so schnell, dass sie die heulenden Riesen mit den gelben Augen bald hinter sich ließen.
Nun rasten sie am Fluss entlang, braun und aufgewühlt und voller Schaumkronen. Der Pfad am Ufer war kaum breiter als ein Schilfrohr und schlüpfrig vom feuchten Moos. Doch das konnte sie nicht aufhalten, und auch nicht die steifen, grünen Stängel, die ihnen durchs Fell peitschten.
So möchte ich immer weiterrennen!, dachte Rabenpfote. Er spürte keinerlei Müdigkeit in den Läufen, die Pfoten waren leicht wie trockenes Laub, und er atmete so ruhig, als läge er im Nest.
Feuerpfote war als Erster bei den Sonnenfelsen. In unvermindertem Tempo erklomm er die großen, grauen Felsen am Fluss. Als Graupfote und Rabenpfote den Gipfel nur einen Herzschlag später erreichten, blickten sie gemeinsam über die Bäume hinweg.
»Nirgends lebt es sich besser als im DonnerClan!«, verkündete Feuerpfote.
»DonnerClan!«, bekräftigte Graupfote.
Als Rabenpfote das Maul aufriss, um einzustimmen, traf ihn ein Regentropfen. Wo kam der Regen denn so urplötzlich her? Der Himmel war blau und wolkenlos, die Sonne brannte ihm auf den schwarzen Pelz, dennoch fielen immer mehr Tropfen.
»Du wirst nass!«, knurrte jemand neben ihm und stieß ihm eine Pfote in die Rippen. Als Rabenpfote sich zur Seite rollte, stand sein Freund Mikusch über ihm. Dahinter war durch einen Spalt im Scheunendach ein Stückchen blassgrauer Himmel zu sehen. Wieder bekam Rabenpfote einen Regentropfen ab, diesmal in den Nacken. Fauchend sprang er aus dem Nest.
»Ich dachte, du hättest das Dach überprüft, bevor wir uns gestern Abend das Nest gebaut haben.« Noch immer hielt ihn der Traum gefangen, er hatte sogar den Geruch seiner alten Freunde in der Nase.
»Hör auf zu meckern! Soll ich etwa jeden Abend übers ganze Dach laufen, bevor du dich hinlegst, damit du ja nicht nass wirst?«, fragte Mikusch. »Komm auf meine Seite, da ist es trocken.«
Mit der Pfote tippte er neben sich aufs Heu. Doch Rabenpfote war einen Moment lang von stechenden Bauchschmerzen wie gelähmt.
Mikusch spitzte die Ohren. »Was ist mit dir?«
»Nichts«, miaute Rabenpfote. »Liegt wohl an der Maus, die du vor zwei Sonnenaufgängen gefangen hast. Ich hab dir gleich gesagt, dass die komisch aussah.«
Mikusch sah blinzelnd zum Scheunendach. »Es hört sicher gleich auf zu regnen. Hast du Lust, in den Wald zu gehen? Wir sind schon seit ein paar Monden nicht mehr dort gewesen, und wenn das Wetter erst umschlägt, kommen wir da nicht mehr so leicht hin.«
Rabenpfote schmeckte die Luft. Die Blattleere lag schon in der Luft, knackig kalt wie Stein. »Au ja!« Er streckte die Vorderläufe und bog den Rücken durch, bis sein Schwanz die Ohren berührte. Im Bauch war jetzt bloß noch ein dumpfer Schmerz spürbar. Nach einem Spaziergang im Wald würde er hoffentlich vollends vergehen.
Sie sprangen von den Heuballen und holten die Überreste der Taube aus dem Versteck, die Mikusch letzten Sonnenaufgang gefangen hatte. Eigentlich hatte Rabenpfote keinen Hunger, denn sein Magen fühlte sich seltsam aufgebläht an, aber unter Mikuschs bohrenden Blicken nagte er an einem Flügel. Nachdem Mikusch sich die Schnurrhaare geputzt hatte, schlüpften sie durch ein Loch in der Scheunenwand nach draußen und tappten durchs hohe Gras. Es hatte aufgehört zu regnen und zwischen den Wolken zeigten sich bereits schmale, blaue Streifen.
An einem bleichen Steinpfad blieb Mikusch stehen und lauschte. Von den Feldern hinter den Zweibeinernestern drang nur schwaches Gebell herüber, also waren die Hunde weit genug weg und die Katzen konnten unbesorgt ihren Weg fortsetzen. Mikusch ging voraus und hinterließ große Pfotenabdrücke in der feuchten Erde. Rabenpfote versuchte, in seinen Spuren zu laufen, doch Mikusch hatte viel längere Läufe. Um mit ihm mitzuhalten, musste er sich richtig ins Zeug legen.
Als sie über die Weide trabten, schauten manche der Kühe auf. Zuerst hatte Rabenpfote schreckliche Angst vor den schwarz-weißen Riesen gehabt, doch mittlerweile waren sie ihm fast ans Herz gewachsen. Er hatte sich so an ihren Anblick gewöhnt, dass sie ihm fast wie Clan-Gefährten vorkamen.
Sein Traum kam ihm in den Sinn, der Blick von den Sonnenfelsen auf den Wald, in dem er geboren worden war. Wo Feuerstern und Graustreif jetzt wohl sind? Ihre gemeinsame Zeit als Schüler lag lange zurück. Nachdem Rabenpfote den DonnerClan damals verlassen hatte, waren sie ihn anfangs noch oft besuchen gekommen, doch dann war der gewaltige Donnerweg aufgetaucht und Feuerstern hatte alle vier Clans aus dem Wald geführt. Graustreif war schon davor verschwunden, von Zweibeinern verschleppt. Einmal hatte Rabenpfote ihn nach dem Weggang der Clans noch gesehen. Da war er den Zweibeinern entkommen und suchte nach dem DonnerClan, Rabenpfote hatte ihm die Richtung gewiesen. Ob er seine Clan-Gefährten wohl wiedergefunden hatte?
Rabenpfote zitterte. Ich hoffe, ihr seid jetzt irgendwo in Sicherheit und habt zu fressen. Möge der SternenClan stets eure Wege erleuchten.
»Komm schon!« Mikusch kam zurückgelaufen. »Lass uns nach dem Tunnel sehen. Nicht dass er vollgelaufen ist.«
Rabenpfote hatte den Donnerweg schon als Schüler überquert, doch da war dieser längst noch nicht so breit gewesen. Die Zweibeiner hatten sogar den Hügel auf der anderen Seite halb abgetragen, sodass riesige Wunden in der Erde klafften. So kurz vor Morgengrauen schossen die Monster schon wie glitzernde Fische über den Donnerweg. Für Katzen war es unmöglich, ihn zu überqueren, deshalb nutzten Mikusch und Rabenpfote einen schmalen Tunnel. Darin war es allerdings dunkel und feucht. Und so eng, dass gerade mal ein Dachs durchpasste. Zum Glück war Rabenpfote noch keinem von Schnauze zu Schnauze begegnet.
Bei starkem Regen füllte sich der Tunnel manchmal mit Wasser, aber heute floss nur ein schlammiges Rinnsal hindurch. Mikusch holte einmal tief Luft und tauchte hinein. Rabenpfote folgte ihm mit zusammengebissenen Zähnen, er konnte diesen engen Tunnel gar nicht leiden. Da drinnen vibrierte es vom Lärm der Monster, die über ihre Köpfe hinwegrasten. Unmöglich, an etwas anderes zu denken als daran, sich schnellstmöglich zu der klaren, kühlen Luft auf der anderen Seite vorzuarbeiten.
Rabenpfote stürmte ins Freie und wäre fast auf Mikusch geprallt. Vor ihnen lag Brombeergestrüpp, so undurchdringlich, dass ihnen nichts anderes übrig blieb, als daran entlangzulaufen. Es ging steil bergauf. Für die neuen Steinwege war überall Erde abgetragen und anderswo aufgeschüttet worden – in der weiten Moorlandschaft war ein schroffer Abhang entstanden, auf dem das Röhren der Monster noch in weiter Ferne zu hören war.
Mit angelegten Ohren kletterte Rabenpfote Stück für Stück nach oben, und je höher er kam, desto mehr ließ der Lärm nach. Windgepeitschtes Gras zog sich bis zum Wald. Hier oben wehte eine stärkere Brise, zerzauste Rabenpfotes schwarzes Fell. Vertraute Gerüche stiegen ihm in die Nase und brachten Erinnerungen mit sich: die Schlucht, die Große Versammlung, der Duft des Heilerbaus, das Training mit Tigerkralle …
Rabenpfote schüttelte sich. Er hatte den Wald nicht ohne Grund verlassen.
Dann trat er an eine Senke, die von Ginster und kleineren Findlingen umwachsen war. Sein Gefühl sagte ihm, dass hier einmal das Lager des WindClans gewesen sein musste, aber seine Erinnerungen waren verschwommen und jetzt gab es keinerlei Anzeichen von Katzen mehr. Plötzlich knurrte Mikusch. Er war von einer Böe fast umgeworfen worden.
»Komm in den Wald, da ist es geschützter.« Mikusch sauste übers Gras, sein schwarz-weißes Fell zeichnete sich deutlich gegen das Grün ab. Rabenpfote warf noch einen...




