Hurst | Die Rheintal-Saga - Im Feuer des Lebens | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 397 Seiten

Reihe: Die Rheintal-Saga

Hurst Die Rheintal-Saga - Im Feuer des Lebens

Historischer Roman | Band 2 der großen Saga über drei Schicksale inmitten des Dreißigjährigen Krieges
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-112-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Historischer Roman | Band 2 der großen Saga über drei Schicksale inmitten des Dreißigjährigen Krieges

E-Book, Deutsch, Band 2, 397 Seiten

Reihe: Die Rheintal-Saga

ISBN: 978-3-98690-112-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein unzertrennliches Band: Der historische Roman »Die Rheintal-Saga - Im Feuer des Lebens« von Heidrun Hurst als eBook bei dotbooks. Das Rheintal im Dreißigjährigen Krieg: Als die junge Bärbel von ihren Verwandten nach Straßburg geschickt wird, um dort als Magd bei einer reichen Familie zu arbeiten, ist sie voll zarter Hoffnung - doch stattdessen stürzen sie bald Verrat und Intrigen ins Elend. In ihrer schwärzesten Stunde steht ihr einzig der junge Pfarrer Sebastian bei. Er träumt davon, in der Stadt ein Findelhaus zu gründen, das all den Kriegswaisen und Straßenkindern Obdach bieten könnte, aber dafür braucht es mehr als nur ein mutiges Herz. Wird Bärbel hier endlich ihre Bestimmung finden? Währenddessen muss sich ihr Bruder Jakob als Söldner im Heer verdingen - Blut und Schrecken werden schon bald zu seinem Alltag. Einzig der Gedanke an Elisabeth, das Dorfmädchen, dem er einst sein Herz schenkte, hält ihn am Leben ... aber werden sie einander je wiedersehen? Jetzt als eBook kaufen und genießen: »Die Rheintal-Saga - Im Feuer des Lebens« von Heidrun Hurst ist der zweite Band ihrer historischen Familiensaga - voller Glanz und voller Schrecken. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Heidrun Hurst, geboren 1966 in Kehl am Rhein, ging schon als Kind gerne mit Hilfe von Büchern auf Reisen in fremde Welten und ferne Zeiten. Ihr Hunger nach geschriebenen Abenteuern und Literatur wurde schließlich so groß, dass sie sich einige Jahre später selbst dem Schreiben widmete. Seitdem veröffentlicht sie historische Romane, für die sie mit Leidenschaft und Neugier tief in die Recherche längst vergangener Zeiten eintaucht. Die Autorin im Internet: heidrunhurst.de facebook.com/heidrun.hurst instagram.com/heidrunhurst Bei dotbooks veröffentlichte Heidrun Hurst ihre dreibändige STRASSBURG-SAGA, die im eBook und Print erhältlich ist und als Hörbücher bei Saga Egmont. Bei dotbooks veröffentlichte sie im eBook auch ihre dreibändige RHEINTAL-SAGA sowie ihre zweibändige VIKING KINGDOM-Saga, die als Hörbücher bei Saga Egmont erhältlich ist. Bei dotbooks erscheint außerdem im Print und eBook »Die Tochter der Kelten«, der erste Roman in ihrer großen KELTEN-SAGA.
Hurst Die Rheintal-Saga - Im Feuer des Lebens jetzt bestellen!

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Kapitel 1
Auf in den Krieg


Mai 1626

Wenn im März die Sonne damit beginnt, das Land in ihr warmes, goldenes Licht zu tauchen, erwacht die Natur zu neuem Leben. Kröten wandern zu ihren Laichgewässern, Zugvögel kehren aus fernen Ländern zurück, und die Buschwindröschen verwandeln den Waldboden in ein weißes Blütenmeer.

Nun war es Mitte Mai, der Wald roch nur noch schwach nach Bärlauch, dessen würziger Duft in den letzten Wochen durchdringend in der Luft lag, und das Rheintal hatte sich in einen Rausch aus Farben, Formen und Fruchtbarkeit verwandelt, die Jakob in sich aufsog wie trockenes Moos den Morgentau. Er prägte sich alles ein, was sich schon so viele Male vor seinen Augen vollzogen hatte. Zumindest versuchte er es. Bis zu diesem Zeitpunkt war ihm dies noch nie wichtig erschienen, nun konnte es aber gut sein, dass er dieses Wunder zum letzten Mal erlebte. Es war Zeit, Abschied zu nehmen, und er wusste nicht, ob er jemals wieder zurückkehren würde.

Ein Geräusch ließ Jakob zur Seite blicken. Sein Hund Aaron, der eben noch einem Wasservogel hinterhergejagt war, kam japsend und mit hängender Zunge zu ihm zurück. Er war lange Jahre Kettenhund auf dem Bauernhof seines Oheims gewesen. Nun genoss er seine Freiheit in vollen Zügen und schien instinktiv zu wissen, dass er seit seiner Freilassung selbst für einen vollen Magen sorgen musste. Eine Verpflichtung, der er allzu gerne nachkam, auch wenn er dieses Mal keinen Erfolg gehabt hatte.

Missmutig schüttelte Aaron sein zotteliges Fell, aus dem es Wassertropfen, zusammen mit Blättern und kleinen, abgerissenen Zweigen, regnete. Dann seufzte er, ergab sich in sein Schicksal und reihte sich neben Jakob in die Kolonne der Männer ein, deren Marsch vom gleichförmigen Takt einer Trommel begleitet wurde.

Peter, der neben Jakob marschierte, beäugte den Hund misstrauisch. Für seinen Geschmack war er viel zu groß. Noch dazu sah er nicht besonders vertrauenerweckend aus. Obwohl Peter selbst ein langer Kerl war, reichte der massige Körper des Tieres bis über sein Knie. Das struppige Fell, dessen Farben von einem hellen Braun bis zu düsterem Schwarz reichten, hatte etwas Räudiges, ja sogar Wölfisches an sich, das Peter einen leisen Schauder über den Rücken jagte. Eine lange, dunkle Nase und große Stehohren vervollständigten das Bild. Er mochte ihn nicht besonders, obwohl er seinem Herrn treu ergeben zu sein schien.

Der Hund schenkte ihm einen argwöhnischen Blick aus bernsteinfarbenen Augen, als ob er seine Gedanken erraten hätte, und Peter senkte irritiert den Kopf. Der Boden unter seinen Stiefeln war schlüpfrig und feucht. Er konzentrierte sich darauf, nicht in eines der sumpfigen Löcher zu geraten, die hin und wieder ihren Weg kreuzten.

Sie folgten dem Flusslauf des Rheins, der sich immer wieder zu flachen Strömen und seeähnlichen Gebilden verzweigte, zwischen denen sich eine Fülle aus bewaldeten Inseln, sumpfigen Wiesen und Riedflächen befand. Weiden säumten vielerorts das Ufer und streckten ihre langen, schlangenförmigen Wurzeln dem feuchten Untergrund entgegen. Ein wahres Paradies für jemanden, der untertauchen wollte, doch ein Albtraum für denjenigen, der sich nicht darin auskannte. Doch sie hatten einen Führer dabei, der sie durch das Gewirr aus Wasserläufen, Bäumen, Sträuchern, Sumpf und Ried führte.

Peter wischte sich den Schweiß von der Stirn. Dies war kein vergnüglicher Spaziergang, und er beglückwünschte sich, dass es endlich auf den Abend zuging. Die Schnaken und winzige Kriebelmücken, die ihn seit einer Weile wie eine Wolke umkreisten, schienen es jedoch ebenfalls zu wissen. Regelmäßig zu vorgerückter Stunde machten sie ihm das Leben schwer. Er wedelte hektisch mit der Hand, doch es dauerte nur wenige Sekunden, bis sich die widerlichen Viecher erneut auf ihm niederließen.

»Wie lange wird es dauern, bis wir den Musterplatz erreichen?«, fragte Jakob plötzlich. Noch waren sie keine richtigen Söldner. Sie waren Bewerbsmänner, die man angeworben und in Listen eingetragen hatte. Auf dem Musterplatz wurde ihre körperliche Tauglichkeit überprüft. Erst dann gehörten sie der kaiserlichen Soldateska an.

Peter schnaubte und reckte sein langes Kinn vor. »Kommt ganz darauf an, wohin uns der Weibel führt.«

Sie waren erst wenige Tage unterwegs, zu einem Ort, den nur der Feldweibel kannte, der das Kommando innehatte. Fünfhundert Mann, die alle dem gleichen Ziel folgten und in ihrem Unterbewusstsein den immerwährenden Takt der Trommel in sich aufnahmen, um im Gleichschritt über unwegsames Gelände zu marschieren. Einige Packpferde folgten ihnen, neben mehreren berittenen Söldnern, die dafür zu sorgen hatten, dass sie vollständig an Ort und Stelle eintrafen. Ganz gleich, wo dies sein mochte.

»Auf jeden Fall bringt er uns zu den Kaiserlichen. – Dort wo wir am dringendsten gebraucht werden. – Nehme ich an«, fügte Peter hinzu.

Oberst Ossa, der sie angeworben hatte, verfügte über kein eigenes Regiment, das die Männer aufnehmen konnte, doch seine Treue galt dem katholischen Kaiser Ferdinand II.

Wie seltsam, dachte Jakob. Er war katholisch getauft und erzogen worden, dann hatte er viele Jahre bei den Lutheranern gelebt und musste sich wie einer von ihnen benehmen. Er war sogar konfirmiert worden. Und nun, nachdem er sich an diese andere Glaubensform gewöhnt hatte, sollte er plötzlich wieder katholisch sein?

Peter hatte indessen seine eigenen Sorgen. »Auf einem Schiff wäre die Reise schneller und bequemer gewesen.« Er verzog sein Gesicht zu einer angestrengten Grimasse und sah dabei aus wie ein unglückliches Pferd.

Sein sehnsuchtsvoller Blick fiel auf Jakobs bloße Füße. Dieser hatte seine Holzpantinen ausgezogen, weil sie sich nicht für lange Märsche eigneten, und stapfte geradezu leichtfüßig über den schmatzenden Boden. Peters Stiefel hingegen saugten sich darin fest. Er hatte Mühe, sie aus der schweren Erde zu ziehen und sie dabei nicht zu verlieren. Die Haut an seinen Fersen warf an einigen Stellen bereits Blasen, doch die Stiefel entsprachen der neuesten Mode, und es kam nicht infrage, sie auf dem Rücken durch die Gegend zu schleppen.

Jakob sprang leichtfüßig über eine Pfütze hinweg – was Peters Qualen noch vergrößerte –, während sein Blick Aaron folgte, dem ein Schwan in die Quere gekommen war. Ein wildes Fauchen erklang aus dem aufgesperrten Schnabel des Tieres, und Aaron beschloss, dass es klüger war, sein Heil in der Flucht zu suchen.

Ganze Scharen von Wasservögeln nisteten im Dickicht der Inseln. Der Schwan, der Aaron in die Flucht geschlagen hatte, bewachte ein beachtliches Nest aus Gräsern und Zweigen auf einer kleinen Erhebung aus Kies und Geröll mitten im Wasser. Seine Gefährtin hatte wie eine Königin darauf Platz genommen und brütete vermutlich ihre Eier aus.

Aaron hatte in der Zwischenzeit einen neuen Zeitvertreib gefunden. Er schreckte Reiherenten, Haubentaucher und Blesshühner aus dem Wasser, was einen allgemeinen Aufruhr verursachte, bis Jakob den Hund zurückpfiff.

Wie es Elisabeth wohl jetzt ging? Sacht glitten seine Finger über ihr Brusttuch an seinem Hals, das sie wie einen letzten Gruß um Aarons Nacken geknotet hatte. Es war sein kostbarster Besitz, ein stilles Versprechen, dass sie auf ihn warten würde. – Ganz gleich, wie lange es dauerte, bis er zurückkam. Seine Gedanken waren fast ständig bei ihr. Würde sie zurechtkommen? Würde sie den Hof nach der Plünderung durch die Landsknechte retten können? Würde sie wirklich auf ihn warten? All dies waren Dinge, auf die er jetzt keinen Einfluss mehr hatte.

Am liebsten wäre er zurückmarschiert, hätte sie an sich gerissen und wäre nie mehr fortgegangen. Doch das konnte er nicht tun, auch wenn er schier daran verzweifelte. Oberst Ossa, der so unverhofft bei seiner bevorstehenden Hinrichtung aufgetaucht war, hatte die Todesstrafe in einen zehnjährigen Dienst beim Heer umgewandelt. Falls er dieses Versprechen nicht einhielt, war er ein Deserteur, dem wiederum der Tod drohte, und man würde wissen, wo er zu finden war.

Und dann war da noch Bärbel, seine Schwester. Jedes Jahr an Martini hatte er sie in Straßburg besucht, doch nun lag auch diese Stadt bereits einige Meilen hinter ihm. Was würde sie tun, wenn er dieses Jahr nicht kam? Würde sie nach ihm suchen? Und würde sie erfahren, was er getan hatte?

Er schämte sich schrecklich bei dem Gedanken an ein Wiedersehen. Wie sollte er ihr erklären, dass er für den Tod ihres Oheims verantwortlich war? – Falls er sie überhaupt jemals wiedersah! Die Fragen begannen in seinem Kopf zu kreisen, machten ihn fast schwindelig vor lauter Grübelei. Doch es war zum Verzweifeln, er wälzte sie hin und her und fand trotzdem keine Antwort. Eine einfache Lösung war nicht sehr wahrscheinlich. Nur die Zeit konnte Rat bringen.

In alle Verzweiflung, die in Jakob tobte, mischte sich aber auch ein anderes Gefühl, wie der unerwartete Ton in einem Lied. Seit Tagen rumorte es schon in seinem Innern. Er genierte sich, als er es sich eingestand. Es knisterte in ihm wie ein frisch entzündetes Feuer. Und nicht nur in ihm, sondern auch in all den anderen, die sich zum Dienst verpflichtet hatten und nun vereint zum Musterplatz strebten. Es hatte sich ausgebreitet wie ein Fieber, das von einem Mann zum nächsten übersprang. Die Erwartung von etwas völlig Neuem. Die Verlockung des Abenteuers, das sie erwartete.

Die Sonne stand wie ein goldener Feuerball knapp über dem Horizont, als sie ihr Lager aufschlugen. Es war nicht viel, das für Bequemlichkeit hätte sorgen können. Zumindest besaß jeder eine Decke, um sich nachts auf einem behelfsmäßigen Bett aus Blättern und Zweigen...



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