E-Book, Deutsch, Band 1, 480 Seiten
Reihe: Kalifornische Träume
Inusa Wintervanille
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-641-24380-7
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 480 Seiten
Reihe: Kalifornische Träume
ISBN: 978-3-641-24380-7
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit viel Liebe führt Cecilia ihre Vanillefarm im kalifornischen Napa Valley. Sie handelt aber nicht nur mit dem Gewürz, sondern stellt auch leidenschaftlich gern köstliche Produkte damit her. Leider lässt ihre Passion Cecilia kaum Zeit für ihre beste Freundin Julia, geschweige denn für ein Liebesleben. Ein TV-Bericht über Cecilias Plantage und ihre besonderen Vanillekreationen weckt das Interesse von Richard Banks, dem Inhaber eines luxuriösen Hotels, der sie prompt einlädt, dort an einem Gewürzseminar teilzunehmen und selbst Vorträge zu halten. Cecilia ist begeistert, denn das Resort liegt am verschneiten Lake Tahoe – die perfekte Gelegenheit, echte Winterstimmung zu erleben! Sie ahnt nicht, dass Richard nicht nur ihre Vanillekekse zuckersüß findet ...
Die zauberhafte »Kalifornische Träume«-Reihe bei Blanvalet:
1. Wintervanille
2. Orangenträume
3. Mandelglück
4. Erdbeerversprechen
5. Walnusswünsche
6. Blaubeerjahre
Alle Bände können auch unabhängig gelesen werden.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
»Und, wie schmeckt dein Kaffee?«, fragte CeCe Julia, ihre beste Freundin seit Jugendtagen. Sie standen zusammen am Pier 39, lehnten sich auf das hölzerne Geländer und sahen den Hunderten von Seelöwen dabei zu, wie sie sich auf den Stegen in der Sonne aalten, die an diesem Dezembertag wunderbar warm schien. Wäre nicht der ganze Pier weihnachtlich geschmückt, käme man überhaupt nicht darauf, dass die Feiertage vor der Tür stehen, dachte CeCe. Es hätte genauso gut September sein können. Doch die vielen Touristen, die auch an diesem Nachmittag mit ihren Weihnachtsmützen, ihren rentierbestickten Pullovern und den Tüten voller Geschenke umherliefen, verhießen etwas anderes: Das Fest der Liebe war nah, hier in San Francisco und überall auf der Welt.
»Zimtig«, antwortete Julia. »Lecker. Und deiner?«
»Seeehr süß. Und ich erkenne sofort, dass sie keine echte Vanille verwendet haben.« Mit Vanille kannte CeCe sich aus, da konnte ihr niemand etwas vormachen.
»War doch klar. Denkst du, die können sich echte Vanille leisten bei einem Vier-Dollar-Kaffee?«
CeCe zuckte die Schultern. Als sie an dem Coffeeshop vorbeigekommen waren, hatte sie unbedingt die neue Weihnachtssorte mit Vanille und Kardamom probieren wollen. Ein Fehler. Laien schmeckte das Getränk wahrscheinlich gar nicht mal schlecht, aber jetzt, da sie wusste, dass da nur ein Ersatz ihres Lieblingsgewürzes drin war, mochte sie nicht mehr weitertrinken. Sie stellte den Becher an den Fuß des Geländers und beobachtete einen besonders kecken Seelöwen, der immer wieder den Hals langstreckte und laute heulende Geräusche von sich gab.
Der Pier 39 war neben der Golden Gate Bridge wahrscheinlich San Franciscos meistbesuchte Attraktion. Die Seelöwen waren 1990 nach einem Erdbeben hergekommen und hatten sich hier angesiedelt, jegliche Boote verdrängt und die Stege für sich eingenommen. Sie lockten jedes Jahr Millionen von Leuten an, die das Phänomen mit eigenen Augen sehen wollten. CeCe war als Kind manchmal mit ihrem Vater hier gewesen, dann, wenn er sich mal für einen Tag von seiner geliebten Vanillefarm hatte trennen können, was nicht allzu häufig vorgekommen war.
Sie war im Napa Valley aufgewachsen, einem Gebiet, in dem sonst nur Wein angebaut wurde. Auch die Vanilleplantage war einmal ein kleines Weingut gewesen, das ihr Vater von seinem Großvater geerbt hatte. Jedoch hatte er selbst jahrelang nichts angebaut und dort lediglich ab und zu ein Wochenende verbracht, um aus der hektischen Stadt herauszukommen und ein wenig durchzuatmen. Joseph Jones war Staubsaugervertreter gewesen, war von Haus zu Haus gefahren und hatte versucht, den Leuten ein viel zu teures Gerät aufzuschwatzen. Bis er eines Tages an der Haustür einer jungen Frau klingelte, in die er sich auf den ersten Blick verliebte … CeCe hatte zu Hause ein Foto ihrer Eltern, auf dem sie zusammen hier am Pier standen und glücklich in die Kamera lächelten. An diesem Ort fühlte sie sich den beiden immer ganz nah.
»Hast du Louis mal wiedergesehen?«, hörte sie ihre Freundin fragen und riss sich aus den Gedanken an ihre Eltern.
»Können wir bitte nicht über Louis sprechen?«, bat sie. Sie wollte gerade wirklich nicht an diese enttäuschende Episode ihres Lebens denken, sondern viel lieber den schönen Nachmittag mit Julia genießen. Ihren gemeinsamen Freitag. Seit sie nach der Highschool getrennte Wege gegangen waren, war der Freitag der Tag, an dem sie sich immer sahen, komme, was wolle.
»Okay, okay. Worüber willst du denn dann sprechen?«
CeCe überlegte. Dann fiel ihr etwas ein, über das es sich zu sprechen lohnte, und sie musste lachen.
»Was ist so lustig?«
»Benedict.«
»Benedict ist lustig? Was hat er denn gemacht?«
Seit einiger Zeit war CeCe mit dem Sohn eines Winzers befreundet, der ein paar Jahre jünger war als sie. Sie hatten sich in dem Forum der Farmers of California im Internet kennengelernt. Benedict war auf einem Weingut in der Nähe von Sonoma aufgewachsen und half seit seiner Kindheit bei der Ernte und bei der Weinverkostung, die das Familienunternehmen Touristen anbot. Er hatte selbst eine besondere Vorliebe für Weine entwickelt und mutete sich dann und wann ein wenig zu viel davon zu. Doch mit Benedict wurde es wenigstens nie langweilig.
»Er hat einen Job als Santa Claus im Kaufhaus angenommen«, informierte CeCe ihre Freundin, die Benedict durch einige gemeinsame Treffen ebenfalls kannte. »Vor über zwei Wochen schon, aber erst jetzt hat er sich getraut, mir davon zu erzählen.«
Jetzt musste auch Julia lachen. »Nicht dein Ernst! Benedict? Der elegante, immer schick und teuer gekleidete Benedict, der es darauf abgesehen hat, jede Frau unter dreißig zu beeindrucken? Die Vorstellung von ihm im Santa-Claus-Kostüm ist absurd!«
»Allerdings! Und vor allem – kannst du ihn dir mit kleinen Kindern auf dem Schoß vorstellen, die ihn damit vollquatschen, was sie sich zu Weihnachten wünschen?«
»Nein. Und ganz ehrlich: Das will ich sehen! In welchem Kaufhaus ist er? Nicht etwa bei Macy’s?«
»Bei Rawley’s. Wollen wir gleich hin?«
»Was ist denn das für eine Frage? Natürlich! Nehmen wir die Cable Car?«
Da war CeCe sofort mit dabei, denn die uralten Waggons, die noch immer auf drei Linien die Hügel von San Francisco rauf- und runterfuhren, waren zur Weihnachtszeit ein ganz besonderes Erlebnis. Sie waren nämlich mit allerlei Girlanden, Tannenzweigen, Christbaumkugeln und sogar Mistelzweigen geschmückt. CeCe warf den Becher Fake-Vanille-Weihnachtskaffeedingsbums in den nächsten Mülleimer und hakte sich bei Julia ein. Fröhlich machten sie sich zu Fuß auf zur Ecke Hyde und Beach Street, wo die Cable Car abfuhr.
Als sie an den vielen Ständen in Fisherman’s Wharf vorbeikamen, an denen fangfrische Meeresspezialitäten angeboten wurden, blieb Julia abrupt stehen. »Hast du auch so Lust auf ein Fischbrötchen wie ich?«
Da musste CeCe nicht lange überlegen. »Hört sich toll an!« Schnurstracks marschierte sie auf einen der Stände zu und betrachtete die Auslage. »Was hältst du von diesen Sauerteigbrötchen mit fangfrischen Flusskrebsschwänzen?«
Ihre Freundin grinste. »Die mit dem Kilo Mayonnaise und mindestens fünftausend Kalorien?«
»Genau die.«
»Die sehen köstlich aus. Wir hätten gerne zwei davon!«, sagte Julia zu dem Mann mit der weißen Schürze und dem schwarzen Schnurrbart, der sie anlächelte.
»Eine gute Wahl«, erwiderte er, nahm nacheinander zwei vollbepackte Brötchen heraus, wickelte sie in Servietten und legte sie auf die Theke.
Bevor Julia ihr Portemonnaie aus der Handtasche holen konnte, sagte CeCe: »Das übernehme ich. Du hast schon den Kaffee ausgegeben.« So machten sie das immer, sich abwechseln. Sie hatten seit jeher eine Freundschaft, die in jeder Hinsicht ausgeglichen war.
Julia nickte und bedankte sich. Der Fischhändler wünschte ihnen noch einen schönen Tag, und sie gingen weiter.
»Oh Gott, ist das lecker«, sagte CeCe, nachdem sie in ihr Fischbrötchen hineingebissen hatte.
»Total! Du hast da übrigens Mayonnaise im Gesicht.« Julia lachte und deutete auf ihren Mund.
»Wo denn?«
»Überall.«
CeCe musste ebenfalls lachen. »Vielleicht sollten wir uns irgendwo hinsetzen und in Ruhe aufessen«, schlug sie vor und wischte sich mit der Serviette den Mund ab.
»Auf die Treppen dort?«
CeCe war einverstanden, und sie nahmen Platz und beobachteten das Treiben. Scharen von Touristen strömten in die berühmte Boudin Bakery, wo es deren allseits beliebte Sauerteigbrote in jeder nur erdenklichen Form gab. So konnte man für schlappe zwanzig Dollar eine Schildkröte aus Sauerteig oder – typisch San Francisco – sogar einen Cable-Car-Waggon bekommen. Außerdem war der Bäckerei ein Restaurant angeschlossen, wo Julia und sie schon an manchen Freitagen gewesen waren. Dort hielt man sich selbstverständlich auch an Sauerteig. Die Pizza hatte es CeCe angetan, während Julia sich jedes Mal über die leckeren Sandwiches hermachte. Ihre beste Freundin hegte nämlich eine Vorliebe für Sandwiches und hatte vor knapp zwei Jahren sogar ihren eigenen Laden, Julia’s Sandwich Heaven, aufgemacht.
»Wie läuft das Geschäft?«, erkundigte CeCe sich nun und klemmte sich eine dunkle Haarsträhne hinters Ohr, damit sie nicht in der Mayonnaise landete.
»Oh, das läuft super, danke. Ich meine, all die Studenten haben Hunger, und meine Preise sind wirklich angemessen, wie ich finde.« Julia’s Sandwich Heaven befand sich im Universitätsstädtchen Berkeley, nicht weit von San Francisco entfernt. Dort hatte sie studiert, und es hatte ihr so gut gefallen, dass sie einfach dageblieben war.
»Das freut mich für dich.« CeCe lächelte Julia an und blickte in die Ferne. Die Sonne stand bereits ganz niedrig über dem Meer und hüllte alles in ein wunderschönes Orange.
»Ja, ich freue mich auch. Wer hätte gedacht, dass das so gut funktionieren würde? Es ist ja nicht so, dass es in Berkeley sonst keine Sandwichläden gäbe.«
»Deine Sandwiches sind aber die besten. Und die Leute wissen halt, was gut ist.«
Julia strahlte. »Das ist lieb, dass du das sagst. Ich habe übrigens gerade beschlossen, dass ich ein Sandwich mit Flusskrebsschwänzen ins Sortiment aufnehmen werde. Diese kleinen Dinger sind wirklich superlecker.« Sie steckte sich den Rest ihres Brötchens in den Mund.
»Das solltest du unbedingt tun. Die Leute werden dir die Türen einrennen.« CeCe leckte sich die Finger...




