Ione | Demonica - Versuchung der Nacht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 04, 450 Seiten

Reihe: Demonica-Reihe

Ione Demonica - Versuchung der Nacht


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8025-9030-6
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 04, 450 Seiten

Reihe: Demonica-Reihe

ISBN: 978-3-8025-9030-6
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Dämon Lore ist Auftragsmörder wider Willen. Um seine Freiheit zurückzuerlangen, muss er einen letzten Mord begehen. Allerdings stellt sich ihm die schöne Idess, in deren Adern das Blut eines Engels fließt, in den Weg - denn ihre Aufgabe ist es, den Menschen zu beschützen, den Lore töten soll. Doch obwohl sie eigentlich Feinde sind, erwacht zwischen Engel und Dämon eine unbezähmbare Leidenschaft.



Mit der Demonica-Serie gelang Larissa Ione der große internationale Durchbruch. Zu ihren Lieblingsautoren gehören Stephen King, Robert Jordan und Marion Zimmer Bradley.

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2

Idess war dem Ende nah. Sie konnte es fühlen. Konnte es praktisch schmecken, und wie sie da auf dem Gipfel des Mount Everest stand und in den Himmel emporblickte, konnte sie es sich in allen Einzelheiten ausmalen.

Ein eisiger Sturm wirbelte den Schnee um sie herum auf, aber sie bemerkte es nicht einmal, obwohl sie lediglich mit einer tief sitzenden Tarnhose mit abgeschnittenen Beinen, einem bauchfreien Tanktop und Wanderstiefeln bekleidet war. Als eine Memitim die einzige Klasse von Engeln, die als solche geboren und nicht durch die Hand Gottes dazu gemacht wurden war sie den Elementen gegenüber unempfindlich. Genauer gesagt war sie den meisten Dingen gegenüber unempfindlich, die anderen Schaden zufügen konnten. Und schon bald würden selbst diese wenigen Dinge, die sie jetzt noch verletzen oder töten konnten, keine Bedrohung mehr sein. Schon bald würde sie aufsteigen, würde sich ihre Flügel verdienen und sich zu ihrer Engelmutter, ihren Brüdern und Schwestern im Himmel, die die Aszension bereits hinter sich hatten, gesellen.

Nicht, dass sie sich unbedingt nach ihnen sehnte. Mit Ausnahme ihres Bruders Rami kannte sie nur wenige ihrer Geschwister gut, die meisten allerdings gar nicht. Aber sie konnte es kaum erwarten, Rami zu sehen, nachdem sie die letzten fünfhundert Jahre, seit er aszendiert war, einsam und allein verbracht hatte.

Die einzigen Gelegenheiten, bei denen sie Kontakt mit anderen hatte, war, wenn sie einkaufen ging eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen und wenn sie sich nährte ein notwendiges Übel, das sie verabscheute. »Uns nähren zu müssen, ist der Fluch unseres Vaters«, hatte Rami gesagt. »Es erinnert uns daran, dass niemand perfekt ist und dass wir den Versuchungen des Fleisches widerstehen müssen, um jeglicher Verderbtheit Einhalt zu gebieten, die unsere Seelen besudeln würde.«

Rami hatte gefürchtet, dass sie den körperlichen Kontakt genießen könnte, zu dem es notwendigerweise kam, wenn sie sich von den Primori nährte. Und dass sie allmählich der Sünde erliegen würde.

Er war zu Recht besorgt gewesen. Blut zu trinken, bedeutete weitaus mehr als nur die kurze Infusion von Energie, die Memitim benötigten, um ihre Fähigkeit, sich zu blitzen, aufrechtzuerhalten. Es bewirkte außerdem eine zeitweise psychische Verbindung zu ihrem Wirt, der die Memitim dazu zwang, über Stunden zu fühlen, was die Primori fühlten sei es Wut, Trauer oder Lust.

Oh, Idess konnte den Tag ihrer Aszension kaum noch erwarten. Dann wären derartige Intimitäten nicht mehr nötig. Unter den gegebenen Umständen verabscheute sie es dermaßen, sich nähren zu müssen, dass sie dazu neigte, es bis zum letztmöglichen Zeitpunkt aufzuschieben.

»Bald hat das ein Ende!«, schrie sie in den Himmel.

Der Wind verschluckte ihre Worte, doch sie wusste, dass sie gehört worden waren. Der Himmel hörte alles.

Bei diesem Gedanken fuhr ihr ein Stich der Angst ins Herz, denn in Wahrheit hoffte sie, dass es nicht der Fall war. Sie war nicht unbedingt ein Engel gewesen.

Dennoch stand sie kurz davor, einer zu werden. Sie musste nur zwei Primori bewachen, und einer von ihnen war die absolute Krönung.

Kynan Morgan war ein gezeichneter Hüter, ein Mensch, der von einem Engel gesegnet worden war. Hüter konnten nur von einem Wesen engelhaften Ursprungs verletzt oder getötet werden, was für gewöhnlich bedeutete, dass sie keine Memitim nötig hatten, die über sie wachten. Aber aus irgendeinem Grund war das bei ihm anders, und sie war auserwählt worden, ihn zu beschützen, für den höchst unwahrscheinlichen Fall, dass jemand in der Lage war, seinen Segen zu umgehen. Andererseits war er unsterblich. Darum mussten sie ihn Hunderte, ja vielleicht sogar Tausende Jahre überwachen.

Aber davon ging sie nicht aus. Ihr anderer Primori, ein Werwolf, war langlebig, aber nicht unsterblich, und wenn er erst einmal starb oder die Rolle gespielt hatte, die ihn für das Schicksal der Welt unverzichtbar machte, blieb nur noch Kynan übrig und jeder wusste doch, dass Memitim niemals nur einen einzigen Primori beschützten.

Sicherlich würde die Ehre, für Kynans Sicherheit zu sorgen, dann an eines ihrer Geschwister fallen, und sie würde sich endlich ihre Flügel verdienen, weil sie ihren Pflichten auf vorbildliche Weise nachgekommen war.

Sie konnte es kaum erwarten.

Die Erde war echt scheiße, wie die Menschen es heutzutage auszudrücken pflegten.

Sie seufzte. Dann stellte sie sich das Wohnzimmer ihrer italienischen Villa vor und blitzte sich von dem Berg in ihr Haus. Sie war ganz in der Nähe auf die Welt gekommen, und selbst nach Tausenden von Jahren spürte sie immer noch die Anziehungskraft, die sie Tag für Tag nach Hause führte.

Die Sohlen ihrer Stiefel klickten auf den beige- und goldfarbenen Fliesen, als sie auf die Küche zuging. Normalerweise würde sie jetzt die Anlage aufdrehen und sich ein bisschen Mozart zu Gemüte führen, aber die Aufregung versetzte ihr Blut in Wallung, und Hunger ließ ihren Magen knurren.

Sie musterte die Obstschüssel auf dem Esszimmertisch und den Teller voll feinster italienischer Pralinen auf dem Küchentresen. Nach kurzem Schwanken griff sie nach einem Granatapfel.

Obst ist ein Segen der Natur, wie Rami zu sagen pflegte. Wir sollten die Körper, die Gott uns schenkte, nicht mit geistigen Getränken und ungesunden Süßigkeiten entweihen.

Sicher, nichts davon vermochte ihr etwas anzuhaben, aber Rami war so gottesfürchtig und rein gewesen. Er war es sogar schon gewesen, bevor er im üblichen Alter von neunzehn aus seinem menschlichen Leben herausgeholt worden war, um Memitim zu werden. Und als ihr Lehrer in allem, was heilig war, hatte er sich als strenger Zuchtmeister erwiesen. Was, dachte sie, während sie sich eine Praline nahm, umso mehr Grund war, der Versuchung hin und wieder einmal nachzugeben. Genau genommen freute sie sich schon auf die Vorhaltungen, die er ihr machen würde, wenn sie ihn endlich wiedersah.

Ein plötzlicher Schmerz an ihrem rechten Handgelenk ließ sie zusammenzucken. Seltsam. Sie verdrehte den Arm, um sich die beiden Primori-Male von der Größe eines Vierteldollars auf der Unterseite anzusehen. Chases heraldi befand sich schon seit acht Jahren dort; es hatte dieselbe Farbe wie ihre Haut, und die zarten Linien waren leicht erhaben, wie ein Brandmal oder der Umriss eines frischen Tattoos. Doch Kynans war neu, erst drei Wochen alt, und sie hatte sich immer noch nicht daran gewöhnt, es zu sehen. Sie musterte es mit gerunzelter Stirn. Die Ränder waren rötlich verfärbt und schwollen zusehends an es begann zu brennen, zu glühen, und sie ließ die Schokolade mit einem Aufschrei fallen.

Kynan, einer der wenigen unantastbaren Menschen auf der Erde, befand sich in Gefahr.

Lore stand mit geballten Fäusten an der Eingangstür zu einer Villa im Norden des Bundesstaats New York und beobachtete Kynan. Der war dabei, das riesige, protzige Wohnzimmer zu durchsuchen, das s-förmige S’teng in der einen Hand, Weihwasser in der anderen. Offensichtlich hatten sich ein paar Hocker-Dämonen häuslich eingerichtet, und Kynan hatte vor, ihnen den Garaus zu machen, ehe die reiche Familie, die dort lebte, ausplaudern konnte, was vor sich ging. Und ehe jemand verletzt wurde.

Die Aegis dein Freund und Helfer.

Ein Haufen heuchlerischer, selbstgerechter Weltretter. Lore hatte die Wächter noch nie besonders gemocht, aber vor zwei Jahrzehnten hatte sich diese Abneigung in regelrechten Hass verwandelt: Eines seiner Zielobjekte war ein Wächter gewesen, der sich mit dem falschen Dämon angelegt hatte. Und dieser Wächter hatte sein Handwerk so gut verstanden, dass er den Spieß fast umgedreht hätte.

Doch beinahe selbst zum Opfer geworden zu sein, war es nicht, was Lore so verärgert hatte das hatte er verdient, weil er nicht gut genug aufgepasst hatte. Was Lore wirklich sauer gemacht hatte, war die Tatsache, dass die Wächter ein paar ziemlich hinterlistige, schäbige Methoden angewandt hatten, um Dämonen anzulocken und zu töten. Eine davon war, Dämonenbabys in einem Käfig gefangen zu halten und zu foltern, bis Erwachsene kamen, um die Kleinen zu retten.

Lore hatte nicht sehr viel für Dämonen übrig, aber es gab ein paar Dinge, die man einfach nicht machte. Ähm na ja. Das sagte gerade der Richtige. Einige der Dinge, die man nicht machte, hatte Lore während seiner Höllenjahre als Assassine selbst getan. Er warf Kynan einen Blick zu. Okay, er hatte jedenfalls keine Gewissensbisse, diesen Kerl auszuschalten. Sie waren Feinde, seit sie im anderen einen Konkurrenten um die Zuneigung derselben Frau erkannt hatten. Also seit dem ersten Augenblick. Damals hatte Lore auf eine Gelegenheit gehofft, dem Kerl seinen hässlichen Kopf abzureißen. Das ließ die Tatsache, dass Lore Kynan ins Leben zurückgeholt hatte, nachdem dieser verblutet war, besonders ironisch erscheinen. Andererseits hatte er Kynan ja auch nur wiederbelebt, weil er gesehen hatte, wie sehr Gem litt.

Dieses Mal würde er es nicht sehen müssen.

Das Sklavenmal auf Lores Brust pulsierte es maß die Zeit bis zum Ablauf seiner Frist wie ein Countdown , und es hatte keinen Sinn zu warten. Lore betrat das Gebäude. Seine Stiefel trafen lautstark auf den schwarzen, rotgeäderten Marmor und verkündeten seine...


Ione, Larissa
Mit der Demonica-Serie gelang Larissa Ione der große internationale Durchbruch. Zu ihren Lieblingsautoren gehören Stephen King, Robert Jordan und Marion Zimmer Bradley.

Mit der Demonica-Serie gelang Larissa Ione der große internationale Durchbruch. Zu ihren Lieblingsautoren gehören Stephen King, Robert Jordan und Marion Zimmer Bradley.



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