Ione Eternal Riders - Reseph
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8025-9330-7
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 420 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-8025-9330-7
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jillian Cardiff rettet einem attraktiven Fremden das Leben, der keine Erinnerung an seine Vergangenheit hat. Er kennt nur noch seinen Namen: Reseph. Zwischen beiden entbrennt schon bald eine tiefe Leidenschaft. Doch sie ahnen nicht, dass Reseph in Wahrheit der gefährlichste der Reiter der Apokalypse ist, der in der Vergangenheit Tod und Verderben über die Welt gebracht hat.
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Es war kalt. So verdammt kalt.
Er öffnete die Augen und sah … nichts. Mit einem Stöhnen drehte er sich um, da er allem Anschein nach mit dem Gesicht nach unten lag. Na klar, er lag mitten auf der Fresse. Aber wo war er eigentlich? Das Einzige, was er sehen konnte, war Schnee. Nein, das stimmte nicht ganz; was er sah, waren Bäume, die mit Schnee bedeckt waren. Und Schneewehen, die mit Schnee bedeckt waren. Und Schnee, auf dem sich noch mehr gottverdammter Schnee türmte.
Also befand er sich wohl in einem Wald … voller Schnee. Aber wo? Warum?
Und wer zur Hölle war er eigentlich?
Der Name hallte leicht verwischt durch seine Ohren, als ob ein Betrunkener ihn gelallt hätte.
Kam ihm irgendwie bekannt vor. Reseph. Okay, damit konnte er arbeiten. Vor allem, da ihm aktuell keine anderen Namen in den Sinn kamen.
Er versuchte, sich auf die Knie zu erheben, doch ihm fehlte die Kraft; seine Arme zitterten, als ob sie aus Gummi wären, und er fiel immer wieder aufs Gesicht. Nach vier Fehlversuchen gab er auf und blieb einfach liegen, keuchend und zitternd.
Irgendwo über ihm schrie eine Eule, und ein paar Minuten später heulte ein Wolf in die zunehmende Dunkelheit hinein. Diese Geräusche trösteten Reseph, da sie bedeuteten, dass er nicht allein war. Sicher, die Eule könnte über ihn hinwegfliegen und ihm auf den Kopf scheißen, und der Wolf könnte ihn bei lebendigem Leibe zum Abendbrot verspeisen, aber zumindest hatte er etwas Gesellschaft.
Er wusste nicht allzu viel über sich selbst, aber eines wusste er definitiv: Er war nicht gern allein.
Außerdem mochte er Schnee nicht.
Nur komisch, dass er hier so ganz allein im Schnee lag. Ob ihn jemand hier liegen gelassen hatte? Ein Beben der Furcht ließ ihn innerlich ebenso heftig erschauern wie die Kälte ihn äußerlich zittern ließ. Es musste ihn doch sicherlich jemand suchen.
An dieser Hoffnung hielt er fest, während er sich nach und nach eines nagenden Schmerzes in seinen Knochen bewusst wurde, der von stechenden Schmerzen in seinem Kopf begleitet wurde. Wie es aussah, kam da eine kleine Ohnmacht auf ihn zu. Cool. Denn in diesem Augenblick schien er gleichzeitig zu erfrieren und zu verbrennen, ihm tat alles weh, während er zugleich eine seltsame Taubheit spürte. Genau, es wäre echt gut, mal kurz das Bewusstsein zu verlieren.
Sogar echt verdammt gut.
Jillian Cardiff verfluchte innerlich den Meteorologen, der das Timing dieses Blizzards total vergeigt hatte. Sie hatte überhaupt nichts gegen Wetterleute; ganz im Gegenteil, schließlich hatte sie bei der FAA, der Federal Aviation Administration – der Bundesbehörde für die zivile Luftfahrt – jahrelang mit ihnen zusammengearbeitet. Aber das hier, das war einfach nur lächerlich.
Jetzt hatte sie es verdammt eilig, zu ihrem Blockhaus zurückzukommen, ehe sie überhaupt nichts mehr sehen konnte und ihr Arbeitspferd – Sam – unruhig wurde.
»Komm schon, mein Junge.« Sie gab dem großen Fuchs einen liebevollen Klaps auf die Schulter. »Das restliche Feuerholz kann warten.«
Sam folgte ihr, ohne dass sie ihn an dem Strick führen musste, das an seinem Halfter befestigt war. Er kannte den Heimweg und freute sich genauso wie sie darauf, endlich in den Schutz eines warmen, behaglichen Gebäudes zu gelangen. Der Schlitten, auf dem nicht mal ein Kubikmeter Feuerholz lag, glitt hinter ihm her, schnitt durch die anderthalb Meter Neuschnee, die vor ein paar Tagen gefallen waren. Dieses neue Unwetter würde vermutlich noch mal einen Meter hinzufügen, und Ende Dezember würde hier so viel Schnee liegen, dass sie nicht mehr wissen würden, wohin damit.
Der Wind heulte wie ein Lebewesen, und Schneeflocken bombardierten ihr Gesicht wie kleine Geschosse. Jillian rückte ihr Gewehr zurecht, das über ihrer Schulter hing, neigte den Kopf und stemmte sich gegen den Sturm. In Zeiten wie diesen vermisste sie Florida schon sehr. Nicht, dass sie je zurückgehen würde. Manche Dinge vergaß man einfach nie.
Wie wenn man von Dämonen in Stücke gerissen wurde.
Als sie erschauerte, hatte das diesmal nichts mit der Temperatur zu tun. Sie würde nicht dorthin zurückkehren. Der Angriff lag hinter ihr, und solange sie weder fernsah noch ins Internet ging oder ihre Narben betrachtete, musste sie auch nie wieder darüber nachdenken.
Ein langes, schwermütiges Heulen durchdrang die Dunkelheit des Nachmittags. Das musste ganz in ihrer Nähe sein, wenn sie es trotz des Windes hören konnte. Sam schnaubte und warf den Kopf zurück. Sie verlangsamte ihre Schritte, um den Führstrick zu nehmen und ihm den Kopf mit der weißen Blesse zu tätscheln.
»Ist schon gut, Kumpel. Die Wölfe tun uns nichts.« Nein, im Allgemeinen ließen Wölfe Menschen in Ruhe. Wenn überhaupt, musste man sich wegen der Berglöwen Sorgen machen. In den vergangenen Wochen waren zwei Jäger aus der Gegend tot aufgefunden worden – besser gesagt, sie waren in Stücke gerissen worden. Das Blutbad hatten wohl die Großkatzen angerichtet.
Mit einem Puma konnte sie fertigwerden. Womit sie nicht fertigwurde, war die Dunkelheit. In der Dunkelheit lauerten Dämonen.
Sam bäumte sich plötzlich auf, und ein verzweifeltes Wiehern drang aus seinem gewaltigen Brustkorb. Jillian wurde der Strick aus der Hand gerissen, und sie hätte beinahe in dem eisigen Schnee den Halt verloren, als sie versuchte, ihn erneut zu packen. Sams Vorderhufe trafen auf dem Boden auf und er rammte sie mit der Schulter, sodass sie den Hang hinuntergestoßen wurde. Ihr Aufschrei verstummte abrupt, als sie gegen einen Baumstamm prallte.
Schmerz breitete sich spinnwebförmig im rechten Teil ihres Brustkorbs aus. , das würde morgen noch echt wehtun!
»Verdammt noch mal, Sam«, murmelte sie, als sie den schneebedeckten Abhang hinaufkletterte. Sie hielt kurz inne, um ihr Gewehr aufzuheben, das in einer Schneewehe gelandet war.
Sam schnaubte wie verrückt und drohte komplett durchzudrehen, während er mit einem Huf in einer Schneewehe scharrte. Jillian zog Eisstücke aus Orten, an denen Eis nichts zu suchen hatte, während sie durch den Schnee stapfte und sich fragte, was in aller Welt Sam dermaßen aufgeregt hatte und ihn jetzt noch so nervös machte.
»Ich hoffe nur, das ist ein Topf voller Gold, was du da gerade ausgräbst, du räudiges –« Mit einem Schreckenslaut verstummte sie.
Ein Mann … ein nackter Mann … lag mit dem Gesicht nach unten und mit einer dünnen Schneedecke bedeckt gleich neben dem Pfad, als ob er dort zusammengebrochen wäre.
»Oh mein Gott.« Ihre Hände zitterten, als sie sich einen Handschuh auszog und sein langes platinblondes Haar zur Seite strich, um ihm die Finger an den Hals zu legen. Seine Haut fühlte sich eisig an, was sie erwartet hatte, aber als sie unter ihren Fingerspitzen das regelmäßige Pochen seines Pulses fühlte, erschrak sie fast zu Tode. Er war noch am Leben. Mit einem starken Puls. Wie war das nur möglich?
Okay, dann … denk nach. Sie musste Hilfe holen, aber sie befanden sich mitten in einem Schneesturm, der immer schlimmer wurde, und es führte kein Weg vom Berg hinab, es sei denn mit dem Schneemobil. Das konnte sie in diesem Unwetter allerdings nicht riskieren; außerdem würde es Stunden dauern, um in die nächste Stadt zu gelangen. Inzwischen könnte er längst tot sein.
Sie führte Sam ein Stück den Pfad entlang, bis der Schlitten genau neben dem Mann stand, während sie betete, dass dieser Kerl kein Serienmörder war, und versuchte, nicht allzu viel darüber nachzudenken, warum er sich mitten im Winter splitterfasernackt in den Bergen befand. So schnell sie konnte, räumte sie ihr Feuerholz auf die andere Seite des Pfades und steckte die Axt dann in die Schlinge an Sams gepolstertem Geschirr.
Den Mann auf den Schlitten zu wälzen, war leider nicht so einfach, wie sie gedacht hatte. Der Kerl war so schwer wie ein Felsbrocken und . Und … gut aussehend. Und sehr, sehr nackt.
»Ach, wirklich?«, murmelte sie an sich selbst gewandt. »Ausgerechnet jetzt musst du bemerken, wie heiß er aussieht?«
Zugegeben, es war unmöglich, diese Dinge nicht zu bemerken; dennoch fühlte sie sich ein wenig schuldig, als sie ihn auf Verletzungen hin abtastete. Abgesehen davon, dass er bewusstlos und tiefgefroren wie ein Fischstäbchen war, schien er unverletzt.
Allerdings hatte er ein interessantes Pferdetattoo auf dem rechten Unterarm. Als sie mit den Fingern darüberstrich, fühlte sie ein leises Vibrieren, als ob die hennafarbenen Linien unter Strom stünden. Nur schade, dass der Strom keine Wärme mit sich brachte. Sie hätte schwören können, dass die Temperatur in den paar Minuten, die es gedauert hatte, sich den Kerl näher anzusehen, um zehn Grad gefallen war.
Der eisige, beißende Wind nahm weiter an Stärke zu, als ob Mutter Natur einen besonderen Groll gegen sie hegte; und der Schnee, den sie für gewöhnlich liebte, wurde zum Feind. Es war vermutlich ziemlich dämlich von ihr, doch sie zog ihren Mantel aus und legte ihn über den Kerl, vergaß auch nicht, die Ärmel sorgfältig unter ihn zu schieben. Die Schichten aus diversen T-Shirts und Hemden sollten sie für eine Weile schützen können, solange sie sich nur beeilten.
»Los, Sammy.« Sie drängte den Wallach, sich rascher vorwärtszubewegen, als ihr normalerweise lieb gewesen wäre, doch an dieser Situation war nichts normal.
Als sie...




