E-Book, Deutsch, 384 Seiten
Ireland Star Wars: Die Hohe Republik - Aus den Schatten
Neuauflage 2021
ISBN: 978-3-7367-9865-6
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 384 Seiten
Reihe: Star Wars: Die Hohe Republik - Aus den Schatten
ISBN: 978-3-7367-9865-6
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Neue Gesichter und alte Bekannte treffen aufeinander, wenn es darum geht, die Republik und ihre Bewohner zu beschützen. Etwa 200 Jahre vor Eine dunkle Bedrohung, während einer Blütezeit der weisen Jedi-Ritter, begeben wir uns in die Hohe Republik. Und damit erneut in das mehrjährige, verlagsübergreifende Literatur- und Comicprojekt unter der kreativen Führung großartiger Künstler, wie auch der New York Times Bestseller Autorin Justina Ireland, die den Leser mitnimmt in das nächste aufregende Abenteuer der epischen Saga - im goldenen Zeitalter der Republik, das von einer Hyperraum-Katastrophe jäh unterbrochen wird ...
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PROLOG
Sylvestri Yarrow versuchte, nicht vor Frustration zu schreien, als sie die Zahlen vor sich anstarrte. Warum hatte niemand sie gewarnt, dass es so teuer war, ein Schiff zu besitzen? Sie und ihre Mannschaft kamen kaum über die Runden. Zum einen waren da die steigenden Treibstoffpreise und zum anderen mussten sie wegen der Bedrohung durch die Nihil andere, längere Routen nehmen. Selbst nachdem ihre aktuelle Ladung ausgeliefert war – Gnostrabeerenwein, die lukrativste Fracht, die sie seit Monaten transportiert hatten –, würden sie noch immer tief in den roten Zahlen stecken, weil sie bei Port Haileap hatten auftanken müssen. Nicht zu vergessen die offenen Rechnungen, die auf Batuu warteten. Wenn das so weiterging, würde sie schon bald in der halben Galaxis Schulden haben.
Syl lehnte sich auf ihrem Sitz im Cockpit der Switchback zurück – ihr ganzer Stolz und aktuell auch die Quelle ihres enormen Frusts – und blickte in das friedliche Blau des vorbeirasenden Hyperraums hinaus. Das Cockpit war dunkel genug, dass sie ihre eigene Reflexion auf dem Sichtfenster sehen konnte, und das dunkelhäutige Gesicht, das ihr entgegenblickte, war weit mehr als nur besorgt – es wirkte regelrecht verzweifelt. Falls ihr Co-Pilot Neeto sie so sah, würde er sofort wissen, wie schlimm die Lage war. Also atmete Syl tief durch, schloss die Augen und dachte angestrengt nach.
Es musste eine Antwort geben. Wären sie noch immer Teil der Byne-Gilde, hätten sie einen gewissen Schutz vor ihren Kreditgebern, aber die Gilde war aufgelöst worden, nachdem sie Piloten durch Knebelverträge gezwungen hatte, riskante Flüge zu übernehmen. Ohne die garantierten Aufträge und die Gewinnverteilung der Gilde war Syl auf ihren eigenen Geschäftssinn angewiesen – und genau deswegen tat sie sich gerade so schwer, eine Antwort auf ihre Finanzprobleme zu finden. Sie hatte ihr ganzes Leben als Frachtpilotin verbracht, doch sie fühlte sich nicht länger wie eine. Die Galaxis hatte sich verändert, nur leider nicht zum Besseren. Und natürlich waren es die gerade so über die Runden kommenden kleinen Leute, die es am schwersten traf.
Was sollte sie tun? Längere Routen in Rechnung stellen? Passagiere transportieren? Ihre Preise weiter anheben, obwohl sie das erst letztes Jahr schon getan hatte? Wie lautete die magische Gleichung, die sie in die Gewinnzone führen würde, gerade jetzt, da die Nihil – Weltraumpiraten ohne jeglichen Sinn für Ehre oder Selbsterhalt – die Schifffahrtsrouten unsicher machten? Wie sollte sie den Berg von Schulden abtragen, bevor man ihr Schiff pfändete?
Denn genau das würde passieren, wenn ihre Kreditgeber die Nase voll hatten. Sie würden ihr die Switchback wegnehmen, und Syl stünde vor dem absoluten Nichts, genauso wie Neeto und M-227. Allein der Gedanke bereitete ihr Magenschmerzen. Sie musste einen Weg finden, sich über Wasser zu halten – ihre Mutter hatte ihrerzeit schließlich auch einen gefunden. Nur wie dieser Weg aussehen sollte, das wusste sie nicht, und die Suche danach ließ ihr den Kopf dröhnen.
„Emzwo“, sagte sie, als sie die Augen wieder öffnete und den Droiden anblickte, der im Co-Pilotensessel saß. „Ich glaube, wir stecken in Schwierigkeiten.“ Der Sicherheitsdroide drehte den Kopf mit einem schrillen Quietschen, das Syl zusammenzucken ließ. „Und wir müssen aufhören, immer nur das billige Schmieröl für dich zu kaufen.“ Sie griff nach der nahen Ölkanne und widmete sich den Gelenken der Maschine.
Mit mehr als zweihundert Jahren auf dem metallenen Buckel war M-227 der älteste Droide, dem Syl je begegnet war – so alt, dass er seine Sicherheitsfunktionen kaum noch erfüllen konnte. Sie hatte ihn gemeinsam mit der Switchback geerbt, als die Nihil-Plünderer ihre Mutter ermordet hatten. Das machte ihn zu einem der wenigen Dinge, die tatsächlich ihr gehörten. Vermutlich hätte sie ihn verkaufen sollen, nachdem sich die Schulden während der letzten Wochen aufgetürmt hatten, aber sie konnte sich einfach nicht dazu durchringen. Er gehörte schließlich zur Familie. Und er erinnerte sie daran, dass es früher einmal bessere Zeiten gegeben hatte.
Tatsächlich waren diese Zeiten gerade einmal ein paar Monate her, trotzdem dachte Syl nur noch als früher von ihnen. Früher … Bevor die Nihil die Hauptstadt von Valo zerstört hatten und Hunderttausende Wesen gestorben waren. Bevor die Republik erkannt hatte, dass diese Gruppe eine echte Bedrohung darstellte. Syls Mutter, Chancey Yarrow, hatte von Anfang an gewusst, dass die Nihil gefährlich waren – schon damals, als sich ihre Gewalt nur auf den Rand der Galaxis beschränkt hatte. Gemeinsam mit einigen anderen Frachtpiloten hatte Chancey verlangt, dass sich die Grenzplaneten zusammentaten und die Verkehrswege nach der Auflösung der Byne-Gilde besser gegen die Nihil schützten. Nicht, dass es viel gebracht hatte. Chancey hatte trotzdem ihr Leben an die Weltraumpiraten verloren. Syl blinzelte sich unerwartete Tränen aus den Augen.
„Bitte, sorgen Sie sich nicht“, sagte M-227 mit seiner verzerrten Stimme. Der Vocoder des Droiden hätte schon vor Jahren ersetzt werden sollen und in den letzten Monaten war die Störung immer stärker geworden. Ein weiteres Problem, das Syl vor sich herschieben musste, bis sie irgendwo Geld auftrieb.
„Zu spät“, sagte Syl mehr zu sich selbst. Sie stützte das Kinn auf die Hand und atmete tief durch, dann strich sie sich mit den Fingern durchs Haar, bis ihr die dunklen, krausen Locken sogar noch mehr als üblich vom Kopf abstanden. Sie liebte die Switchback. Sie liebte es, durch die Schwärze des Alls zu fliegen und in das kühle Blau des Hyperraums zu springen. Sie liebte es, neue Leute zu treffen und Orte zu besuchen, die unglaublich fremd und aufregend wirkten. Und mehr als alles andere liebte sie die Tatsache, dass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen konnte. Sie bezweifelte, dass viele andere Achtzehnjährige in der Galaxis so viel Freiheit genossen wie sie. Doch so, wie die Dinge aktuell standen, würde sie Neeto nicht mehr lange halten können. Und ihren Plan, den Hyperantrieb zu verbessern, könnte sie ebenfalls vergessen.
Die Switchback fiel mit einem Ruck aus dem Hyperraum zurück und sämtliche Annäherungsalarme schrillten gleichzeitig los.
„Da geh ich nur ein paar Minuten nach hinten, und schon läuft alles aus dem Ruder“, grollte Neeto Janajana, als er den Korridor von der Bordküche herabmarschiert kam. Der Sullustaner rannte nicht, er streckte die Beine nur ein wenig mehr als üblich. Seine feucht glänzenden schwarzen Augen spiegelten nie auch nur den leisesten Anflug von Sorge wider, und dass sich seine Miene besorgt anspannte, kam auch nur höchst selten vor. Manchmal fragte Syl sich, ob er die Bedeutung des Wortes „Eile“ überhaupt kannte oder ob das eines der Dinge war, die für ihn einfach nicht existierten, genauso wie die Privatsphäre anderer Personen. „Was hast du gemacht?“, fragte er.
„Nichts! Wir waren gerade noch im Hyperraum. Und bevor du fragst, ich habe nichts gedrückt. Es hat uns einfach rausgerissen.“ Syl beugte sich über die Anzeigen und legte ihr Datapad mit dem Display nach unten auf den Rand der Konsole. Neeto wusste natürlich, dass sie pleite waren, aber er brauchte nicht zu wissen, dass sie immer noch mehr Schulden anhäuften.
Der Sullustaner mochte absolut unerschütterlich wirken, aber ihre finanzielle Lage konnte jeden in Panik versetzen, und Neeto wusste, wo so etwas enden konnte. Er war ein Opfer ausbeuterischer Schuldenverträge gewesen, die ihn zur Arbeit für die Byne-Gilde gezwungen hatten. Weder Chancey Yarrow noch ihre Tochter hatten etwas davon geahnt, als er zu ihnen an Bord gekommen war. Nun, wo Syl darüber nachdachte, musste sie zugeben, dass längst nicht alles an der Gilde perfekt gewesen war.
M-227 stand mit einem metallischen Knirschen auf, damit Neeto den Platz des Co-Piloten einnehmen konnte. Der Sullustaner runzelte die Stirn, und die Falten unter seinen großen schwarzen Augen zogen sich zusammen, während die großen Ohren zuckten. „Nun, wir haben nichts gerammt, andernfalls hätten wir jetzt deutlich weniger Sauerstoff für diese Unterhaltung.“
Syl nickte. „Ich führe gerade eine Systemanalyse aus, um rauszufinden, was passiert ist.“
„Gute Idee“, brummte Neeto. „Glaubst du, es ist vielleicht doch was an den Gerüchten dran, die wir in Port Haileap aufgeschnappt haben?“
Beim Einladen ihrer Fracht hatten Syl und Neeto Geschichten gehört, wonach in letzter Zeit mehrere Schiffe auf den Hyperraumrouten verschwunden sein sollten, und viele Raumfahrer befürchteten, die Nihil könnten dahinterstecken. „Ihr habt ja gesehen, was sie bei der Republik-Schau auf Valo angerichtet haben“, hatte Migda mit klackenden Mandibeln gekrächzt. „Was, wenn Machtnutzer unter ihnen sind?“
„Das würden die Jedi niemals zulassen“, hatte Neeto entgegnet, und Syl hatte nachdrücklich genickt. Es war vollkommen ausgeschlossen, dass die stärksten Machtnutzer der Galaxis einfach danebenstanden, während die Nihil die Macht für Gewalttaten missbrauchten. Wenn man den Holos glauben durfte, kämpften die Jedi gerade im Namen der Republik gegen die Nihil, eine koordinierte Operation, die hoffentlich schon bald das Ende dieser Bedrohung einläuten würde.
Syl bezweifelte noch immer, dass eine zusammengewürfelte Bande von Piraten etwas so Ausgeklügeltes durchziehen konnte. „Vielleicht hat uns einfach nur eine Sonneneruption erwischt“, mutmaßte sie.
Neeto brummte, ohne dass klar wurde, ob das Geräusch zustimmend oder abweisend war. „Irgendwas stimmt...




