E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Irvine Batman: Arkham Knight - Der Schachzug des Riddlers
Neuauflage 2016
ISBN: 978-3-8332-3387-6
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Vorgeschichte zum Videogame
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-8332-3387-6
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Tod des Jokers hat einen tiefen Riss in Gotham Citys Unterwelt hinterlassen. Nun versuchen die verbliebenen kriminellen Masterminds - allen voran der Riddler die Situation für sich auszunutzen, indem sie die Stadt mit Chaos überziehen. Zu allem betritt nun ein weiterer gefährlicher Spieler die Bühne: Der Arkham Knight. Die offizielle Vorgeschichte zum populären Videogame!
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2
Bruce Wayne misstraute der Stille.
In Gotham City herrschte seit dem Tod des Jokers vor einigen Monaten Ruhe. Das passte nicht zum Charakter der Stadt. Irgendwo schwelte immer ein Brand. Doch alle Verbrecher, von den Kleinkriminellen auf der Straße bis hin zu den mächtigen Mafiafamilien, waren weniger aktiv als sonst. Es kam Bruce so vor, als würde die Stadt um den Wahnsinnigen trauern und aus Respekt eine Weile auf Gewalt und Chaos verzichten.
Wenn man die Schrecken bedachte, mit denen der Joker in den letzten Jahrzehnten Gotham City heimgesucht hatte, dann erschien das bizarr, aber es war so. Fakten lügen nicht, wie man so schön sagte, und Fakt war, dass Batman seit der Verbrennung des Jokers auf keinen kostümierten Schurken mehr gestoßen war. Ob sie trauerten oder abwarteten, wer das Machtvakuum ausfüllen würde, war unklar.
Auf einer persönlicheren Ebene, die fast ebenso irrational wie die scheinbare Kollektivtrauer der Stadt war, rang Bruce mit den psychischen Konsequenzen, die der Tod des Jokers mit sich brachte. Sie hatten sich so lange bis aufs Blut bekämpft, dass er diesen Tod auf eine seltsame Weise als Verlust empfand.
Und er kämpfte auch mit den körperlichen Konsequenzen seiner Kämpfe in und um Wonder City. Er war zwar in hervorragender Verfassung, aber selbst Bruce Wayne wurde nicht jünger. Er erholte sich nicht mehr so schnell wie früher.
Die Verbrechenspause kam ihm da gelegen. So konnte er seinem geschundenen Körper Ruhe gönnen und seine Spezialausrüstung endlich vernünftig warten. Zusammen mit Alfred und Robin verbrachte er viel Zeit in der Bathöhle. Sie füllten die Vorräte auf, reparierten beschädigte Ausrüstung und ersetzten, was sich nicht reparieren ließ. Lucius Fox, CEO von Wayne Enterprises und genialer Ingenieur, versorgte sie mit Ersatzteilen und Werkzeug.
Wenn die Pause endete – und er war sich sicher, dass das nur eine Frage der Zeit war –, würde Batman bereit sein.
„Sie sind nicht ganz Sie selbst, Master Bruce, wenn ich das sagen darf“, bemerkte Alfred.
„Wie meinen Sie das?“
„Nun, Sir, Sie waren noch nie redselig, aber in den letzten Tagen wirken Sie besonders wortkarg und fast schon in sich gekehrt. Ich fühle mich gezwungen, Sie zu fragen, ob es Ihnen gut geht.“
„So gut wie möglich“, antwortete Bruce. „Ich misstraue dieser Ruhe.“
„Ich auch“, meldete sich Robin zu Wort, der unter dem Batmobil lag. „Aber wir können sie ja trotzdem nutzen.“
„Das stimmt allerdings, Master Tim“, sagte Alfred. Er wartete einen Moment, doch als niemand etwas hinzufügte und die Stille peinlich zu werden drohte, ging er die Treppe hinauf und verließ die Bathöhle.
„Was er sagt, stimmt“, meinte Tim Drake.
„Ist meistens so“, entgegnete Bruce.
„Du bist nicht du selbst.“
„Wer sollte ich sonst sein, Robin?“, fragte Bruce leichthin. „Du musst dir keine Sorgen machen.“
Doch Robin und Alfred hatten recht – er hatte sich wirklich verändert. Anderen wäre das vielleicht nicht aufgefallen, aber die beiden kannten ihn sehr gut. Er musste sich eingestehen, dass der Tod des Jokers ihn unerwartet tief getroffen hatte.
Trauerte er etwa?
Die Vorstellung erschien albern, aber wenn jemand so lange Teil des eigenen Lebens gewesen war – auch wenn er immer wieder versucht hatte, ebendieses Leben zu beenden –, vielleicht war es dann ganz normal, dessen Tod als Verlust zu empfinden.
Vielleicht hatte sein Zustand aber auch körperliche Ursachen. Er fühlte sich fit und stark, aber auch auf nebulöse, vage Weise … unwohl. Er hatte das als Spätfolgen des Jokergifts abgetan, und das hielt er immer noch für wahrscheinlich.
Wie auch immer, vier Monate nach dem Zusammenbruch von Protokoll 10 stimmte etwas nicht mit ihm. Früher oder später würde er das abschütteln, aber bis es so weit war, würde es ihn stören. Es gefiel ihm nicht, wenn er vor einem Problem stand, das er nicht lösen konnte – vor einem Gegner, den er nicht bekämpfen, nicht mal identifizieren konnte.
„Mir geht’s gut“, erklärte Batman. „Und wenn es nicht so wäre … Gotham City braucht Batman, auch wenn er sich nicht ganz so gut fühlt.“ Er hoffte, dass die Unterhaltung an diesem Punkt enden würde. Da Commissioner Gordon im gleichen Moment auf seiner privaten Leitung anrief, wurde ihm dieser Wunsch gewährt.
„Commissioner“, sagte er, nachdem er das System auf reine Audioübertragung umgeschaltet hatte.
„Batman, gut, dass ich Sie erwische“, sagte Gordon. „Wäre schön, wenn Sie kommen würden. Wir haben hier ein … Problem, bei dem wir Ihre Expertise brauchen könnten.“
„Ich komme“, sagte er und beendete das Gespräch.
Minuten später hatte er die Rüstung angelegt und stieg ins Batmobil. Kurz darauf dröhnte das gepanzerte Fahrzeug durch die Straßen von Gotham City – vorbei an der Theater Row, durch Chinatown, entlang an der Amusement Mile mit ihren Kasinos. Menschen drehten sich nach dem Batmobil um. Einige applaudierten. Andere fluchten und machten obszöne Gesten.
Anders gesagt: nichts Ungewöhnliches.
Elf Minuten nach Verlassen der Bathöhle traf Bruce am Polizeihauptquartier von Gotham City ein und parkte das Batmobil an der Straße. Das war eine bewusste Entscheidung. Nach der Enthüllung von Hugo Stranges TYGER-Verschwörung vier Monate zuvor hatte er beschlossen, sich öfter sehen zu lassen. Die Menschen mussten wissen, dass jemand über sie wachte – und handelte.
Es gab immer noch viele Leute, die ihn für einen gefährlichen Rächer hielten, aber immer mehr betrachteten ihn als einen Krieger, der auf der Seite von Recht und Gesetz stand. Letztere schienen leicht in der Mehrheit zu sein, doch daran hatte er auch jahrelang gearbeitet. Und er wollte nicht wieder von vorn anfangen.
Vielleicht hing der Rückgang der Kriminalität auch mit seinem öffentlicheren Auftreten zusammen. Die Stadt wirkte jedoch immer noch angespannt. Die Menschen lebten nicht unbeschwert und angstfrei, sondern schienen vielmehr auf die nächste Katastrophe zu warten.
Batman hatte vor langer Zeit gelernt, seinen Instinkten zu vertrauen, aber er gestand sich gleichzeitig ein, dass er nervös war. Hatte er Angst vor seinem eigenen Schatten?
Etwas stimmte nicht.
Was auch immer es sein mochte, er musste es erst einmal verdrängen. Absichtlich betrat er das Polizeihauptquartier durch den Vordereingang. Die Leute sollten sehen, dass Batman mit der Polizei zusammenarbeitete und kam, wenn Commissioner Gordon ihn rief.
Protokoll 10 hatte die öffentliche Ordnung erschüttert – fast schon aufgehoben. Hunderte Insassen aus Arkham City waren gestorben, darunter viele Unschuldige, die Hugo Strange im Weg gestanden hatten. Einige wirklich gefährliche Kriminelle hatten das Chaos und die Gewalt zur Flucht genutzt. Batman hatte sie so schnell wie möglich fassen wollen, aber das hatte sich als schwierig erwiesen. Seine Gegner hatten sich ruhig verhalten. Zu ruhig.
Gordon war im Atrium. Wie immer wirkte der Commissioner zerknautscht und müde. Der berufliche Stress ließ ihn vorzeitig altern, ebenso der jahrelange Kampf gegen mächtige Interessengruppen, die die Polizei zu ihrer persönlichen Schutztruppe machen wollten und denen Recht und Gesetz egal waren.
Batman und Gordon waren nicht immer einer Meinung, aber der Commissioner gehörte zu den wenigen Menschen in der Stadt, die stets taten, was sie für richtig hielten. Gordon ließ sich weder von politischem Druck noch vom Hohn der Medien beirren. In diesem Punkt ähnelten sich Batman und Gordon, und diese Gemeinsamkeit schweißte sie im Kampf gegen Korruption und Verbrechen zusammen. Sie konnten sich aufeinander verlassen, und Gordon war bereit, den Preis für diese Allianz mit Batman zu bezahlen.
Der Commissioner schüttelte Batman die Hand.
„Gut, dass Sie hier sind“, sagte er.
„Sie wissen ja, dass Sie sich auf mich verlassen können, Commissioner“, sagte Batman. Gordon hatte einen festen Handschlag und wirkte nicht ganz so erschöpft wie noch vor einigen Monaten. Vielleicht hatte sich ja doch etwas geändert.
Der Bürgermeister war Quincy Sharp, eigentlich kein besonders glücklicher Umstand für Gotham. Doch ohne TYGER war die Polizei nicht länger zur Untätigkeit verdammt. Als Sharp unter dem Einfluss von Hugo Strange stand, hatte er die Polizei durch TYGER ersetzt und Gordon damit seiner Macht beraubt. Man musste es Gordon hoch anrechnen, dass er, obwohl sich alles gegen ihn verschworen hatte, seinen Job stur weiter ausgeübt hatte.
Batman erschien es jedoch noch bemerkenswerter, dass Gordon weiterhin mit ihm zusammenarbeitete. Es gab Aspekte der Strafverfolgung, bei denen ein Polizeiabzeichen hinderlich war. Das wusste Gordon, auch wenn er Batmans Vorgehen öffentlich nicht gutheißen konnte. Dass er sich und anderen damit eingestand, dass die Welt nicht immer so funktionierte, wie seine Moralvorstellungen es vorsahen, bewies seine Charakterstärke.
„Weshalb wollten Sie mich sprechen?“, fragte Batman.
Gordon verließ das Atrium und winkte ihn heran. Gemeinsam gingen sie zu einem Treppenaufgang an der Rückseite des Gebäudes.
„Hier hinten haben wir einen privaten Besprechungsraum eingerichtet“, sagte er. „Der erschien uns angemessen für … Ach, ich zeige es Ihnen einfach.“
Sie gingen die Treppe zum dritten Stock hinauf und dann durch einen im...




