E-Book, Deutsch, 0 Seiten
Ivy Guardians of Eternity - Verlockung der Düsternis
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-13130-2
Verlag: Diana
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
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ISBN: 978-3-641-13130-2
Verlag: Diana
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
„Alexandra Ivy ist ein Geschenk für die Leserinnen von Vampirromanen.“ Romantic Times
Unter dem Pseudonym Alexandra Ivy veröffentlicht die bekannte Regency-Liebesroman-Autorin Deborah Raleigh ihre Vampirromane. Ihre international erfolgreiche Guardians-of-Eternity-Reihe umfasst bereits elf Bände und steht regelmäßig auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Alexandra Ivy lebt mit ihrer Familie in Missouri.
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KAPITEL 1
Das Stadthaus, das mitten in Mayfair in der Nähe des Hyde Parks stand, war erwartungsgemäß wunderschön.
Es verfügte über einen Säulenvorbau sowie eine großzügige Terrasse mit Blick auf einen gepflegten Garten mit einer Laube. Durch die hohen Bogenfenster fiel Licht auf die kopfsteingepflasterte Straße, die von edlen Kutschen blockiert wurde. Eine Reihe von Marmorstatuen blickte vom Dach auf die eintreffenden Gäste herab, gleichgültig gegenüber der Kälte, welche die Brise des späten Aprils erfüllte.
Das Innere des Hauses war nicht weniger elegant gestaltet.
Da gab es eine Unmenge an Marmor mit vergoldeten Zierleisten und karmesinroten Wandpaneelen. Und das Mobiliar wies unverkennbar ägyptischen Einfluss auf – eine unvorteilhafte Mode, die der Prinzregent eingeführt hatte. Die verschwenderische künstlerische Ausgestaltung war eher ausgewählt worden, um die Gesellschaft zu beeindrucken, weniger aus echter Wertschätzung.
Der Ballsaal im oberen Stockwerk erstrahlte im Lichterglanz, als die Gäste unter den leuchtenden Lüstern umherwirbelten, und der Raum war so überfüllt, dass es schien, als sei ganz England anwesend.
In Wahrheit läutete Lord Treadwells Frühlingsball den inoffiziellen Beginn der Londoner Saison ein, eine der begehrtesten Einladungen des gesamten Jahres. Mütter drohten, sich in die Themse zu stürzen, wenn ihre Töchter sich nicht unter den glücklichen Debütantinnen der Gästeliste befanden, und es war bereits vorgekommen, dass politisch ambitionierte Herren diskrete Bestechungsgelder geboten hatten, nur um über diese Türschwelle treten zu dürfen.
Die elegantesten und mächtigsten Adligen in ganz England waren hier versammelt, aber sie alle hielten geschlossen atemlos inne, als plötzlich ein neuer Gast durch die Doppeltür gerauscht kam und die Menge mit einem gelangweilten Blick betrachtete.
Victor, Marquis DeRosa, war ihrer Aufmerksamkeit durchaus würdig.
Obgleich er kein überaus groß gewachsener Herr war, verfügte er über die Art von geschmeidigen, fein gemeißelten Muskeln, die von seiner maßgeschneiderten schwarzen Jacke und seiner weißen Kniebundhose aus Satin perfekt zur Geltung gebracht wurden.
Sein Antlitz trug edle Züge. Er besaß eine breite Stirn, eine Adlernase und volle Lippen, die sich grausam verhärten, aber auch einen verheißungsvollen, sinnlichen und sanften Ausdruck annehmen konnten. Sein Haar war so dunkel und glänzend wie eine Rabenschwinge und fiel ihm bis auf die Schultern, statt dass er einen Tituskopf trug wie viele der jungen Stutzer, was einen deutlichen Kontrast zu seiner blassen Haut bildete.
Aber es waren seine Augen, die die Aufmerksamkeit der meisten Leute auf sich zogen und festhielten.
Ihre Farbe war reines Silber. Sie verfügten über eine schwarze Umrandung sowie einen so durchdringenden Blick, dass es zahlreiche Leute nicht wagten, diesem zu begegnen. Es waren die Augen eines Raubtieres. Eines unbarmherzigen Jägers, der Menschen als seine Beute betrachtete. Und ein einziger Blick reichte aus, um arme Sterbliche erzittern zu lassen.
Einige vor Furcht.
Andere vor Verlangen.
Und alle vor Respekt.
Sie mochten vielleicht nicht begreifen, aus welchem Grunde sie so stark auf den anspruchsvollen Marquis DeRosa reagierten, doch sie beugten sich instinktiv seinem Willen.
Ein kleines, spöttisches Lächeln kräuselte Victors Lippen, als er auf seinen Gastgeber und seine Gastgeberin zuschritt, die vor aufgeregtem Entzücken über sein unverhofftes Eintreffen völlig aus dem Häuschen waren.
Schließlich hatte sich Victor die vergangenen sechs Monate in Venedig aufgehalten und war erst am vergangenen Abend nach London zurückgekehrt. Niemand war sich seiner Anwesenheit in der Stadt bewusst gewesen. Darüber hinaus hatte er sich bereits, bevor er London verlassen hatte, nur selten dazu herabgelassen, solchermaßen ermüdende menschliche Partys zu besuchen.
Und weshalb sollte er das auch tun?
Als Clanchef der Vampire in London war er der mächtigste Dämon Englands. Er musste nur den kleinen Finger heben, und schon stand ein ganzer Harem, bestehend aus schönen Frauen, bereit, um seine Gelüste zu befriedigen, gleichgültig, ob es dabei um Blut oder Sex ging.
Und was die Unterhaltung betraf …
Nach sechs Jahrhunderten des Schwelgens in den exotischsten und rarsten Vergnügungen, die überall auf der Welt zu entdecken waren – angefangen damit, dass er der einzige Mann auf einer Insel voller weiblicher Waldgeister gewesen war, bis hin zu dem Kräftemessen mit dem tödlichen Yegni-Dämon –, war ein profaner Gesellschaftsball lächerlich langweilig.
Oder zumindest hätte dies eigentlich der Fall sein sollen.
Er verkniff sich seine reumütige Grimasse, während er den Blick verstohlen über die Menge gleiten ließ, bis er die einzige Frau in ganz London, vielleicht sogar auf der ganzen Welt, entdeckt hatte, die imstande war, ihn in dieses stickige, überfüllte Stadthaus zu locken.
Sie war hier. Der Duft reifer Pfirsiche war ihm bereits in die Nase gestiegen. Ja. Da war sie. Miss Juliet Lawrence.
Sein nicht schlagendes Herz machte einen Satz, und er verspürte eine Erregung, für die er nicht unbedingt dankbar war.
Diese Frau war ungemein schön. Von ihrem Koboldvater hatte sie die fein geschnittenen Gesichtszüge und eine lange Lockenmähne in den leuchtenden Farben des Herbstlaubes geerbt. Außerdem war sie mit leicht schräg gestellten Augen in einem sehr hellen Grün gesegnet. Aber im Gegensatz zu den meisten Kobolden war sie eher schlank als üppig und besaß eine angeborene Anmut, die seine Aufmerksamkeit zum ersten Mal gefesselt hatte, als sie vor zwei Jahren in London eingetroffen war.
Ihre Schönheit allein vermochte jedoch nicht zu erklären, aus welchem Grunde er so überaus fasziniert von dieser Frau war. Insbesondere, wenn man bedachte, dass ihre Mutter eine Hexe war.
Er hasste Hexen.
Nicht nur, weil Magie für ihn als Vampir eine ernst zu nehmende Bedrohung darstellte, sondern auch, weil sein Bruder Dante von einem Hexenzirkel entführt worden war und durch ihre Zauber bis in alle Ewigkeit gefesselt war.
Diese nichtswürdigen Huren.
Noch schlimmer war jedoch, dass Juliet derzeit unter dem Schutz eines mächtigen Magiers mit dem Namen Justin, Lord Hawthorne, stand.
Victor hasste Magier so gründlich, wie er Hexen hasste. Insbesondere, wenn es sich dabei um arrogante, aufgeblasene Magier handelte, die nicht genügend Verstand besaßen, sich jenen zu beugen, die ihnen überlegen waren.
Weshalb also war er zunehmend von dem wilden Drang erfüllt, Miss Lawrence für sich zu erobern?
Victor hatte sich einzureden versucht, es gehe um nicht mehr als die Tatsache, dass Juliet sich so hartnäckig weigerte, seinen Verführungsversuchen zu erliegen. Es war Jahrhunderte her, seit eine Frau Gleichgültigkeit gegenüber seinem Charme vorgetäuscht hatte. Was war verlockender als eine Beute, die geschickt genug war, Widerstand zu leisten?
Er war sogar nach Venedig gereist, um sich zu beweisen, dass die Tatsache, dass ihn diese Frau dermaßen bezauberte, nicht mehr war als ein vorübergehender Anflug von Irrsinn, den er mühelos aus seinen Gedanken verbannen konnte.
Bedauerlicherweise war er nur in der Lage gewesen zu beweisen, dass Miss Juliet Lawrence dazu ausersehen war, ihn zu quälen, ungeachtet der Distanz zwischen ihnen.
Er hatte sich die Zeit mit den faszinierendsten Frauen und den verschwenderischsten Beschäftigungen vertrieben, doch er war nicht in der Lage gewesen, sich von dem schmerzhaften Drang zu befreien, nach London zurückzukehren.
Und zu Juliet.
Er verzog die Lippen, als er beobachtete, wie sie erstarrte und sich langsam zu ihm umwandte, als sie mit einiger Verspätung seine Anwesenheit bemerkte. Ein vorhersehbarer Ausdruck der Bestürzung spielte über ihre wunderschönen Züge, bevor sie sich verstohlen durch die Menge drängte, offensichtlich, um zu fliehen.
Er bewegte sich auf sie zu, und Vorfreude flammte in ihm auf. Die Jagd war eröffnet, und sie würde ihm nicht entkommen.
Von dieser Nacht an würde Juliet dafür bezahlen, dass sie ihn zu einem Eunuchen degradierte.
»Mylord …« Lord Treadwell, der nicht bemerkte, wie nahe er damit einem raschen, blutigen Tode kam, stellte sich Victor direkt in den Weg und packte ihn am Arm. »Wir hätten niemals damit gerechnet … eine solche Freude …«
Victor bezähmte sein heftiges Bedürfnis, seinem Gastgeber die Kehle herauszureißen. Selbst wenn es Juliet gelang, sich fortzustehlen, gab es keinen Ort, an dem sie sich verbergen konnte.
Stattdessen starrte er auf die Wurstfinger hinab, die den Faltenwurf seiner Brüsseler Spitze zerknitterten, welche aus dem Saum seines Jackenärmels hervorlugte.
»Ich verstehe«, entgegnete er gedehnt mit kalter Stimme. »Mein lieber Charles, gebt Acht auf meine Spitze, wenn nicht sogar auf meinen armen, misshandelten Arm.«
Treadwell zog seine Hand mit einem Ruck zurück und griff in seine braunrote Jacke, um ein Taschentuch hervorzuziehen und damit den Schweiß von seinem geröteten Gesicht zu tupfen.
»Ich bitte tausendfach um Verzeihung.« Der Adelige räusperte sich nervös. Sein übliches Auftreten blasierter Überheblichkeit glänzte durch Abwesenheit. »Bitte gestattet mir, Euch meine Gattin vorzustellen.« Er deutete geistesabwesend mit der Hand auf eine pummelige Blondine, die weniger als halb so alt war wie er und hinter ihm stand. »Letty, dies ist Marquis...




