J. Green / Jada Green | Design of life | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 290 Seiten

J. Green / Jada Green Design of life

Julia + X = Perspektive
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7554-3219-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Julia + X = Perspektive

E-Book, Deutsch, 290 Seiten

ISBN: 978-3-7554-3219-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



»Warum?«, will ich wissen. Benjamin blickt mich an, dann schüttelt er seufzend den Kopf. »Weil du wichtig bist. Weil du etwas Besonderes bist.« Von ihrer Mutter im Stich gelassen, ohne weitere Familie, die sie unterstützen könnte, kämpft sich die sechzehnjährige Julia durchs Leben. Dabei gilt ihre Sorge nicht nur ihr selbst, sie hat sich fest vorgenommen, niemals von ihrer dreijährigen Schwester getrennt zu werden. Ganz gleich, was es sie kostet. Doch was, wenn da plötzlich jemand ist, der hinter ihre Fassade blickt? Was, wenn es jemanden gibt, der ihr eine Zukunft offenbart, von der sie nicht einmal zu träumen wagt? Und was, wenn ausgerechnet diese Person ihre größten Ängste wahr werden lassen könnte? »Design of Life« ist der erste Jugendroman der Bestsellerautorin Samantha J. Green, die hier als S. Jada Green auftritt. Als Samantha schreibt sie Liebesromane für Erwachsene ab 18, hier jedoch traut sie sich in neue Gefilde und fühlt sich in dem Genre wohler, als sie es je für möglich gehalten hätte. Design of Life ist ein Einzelband

J. Green / Jada Green Design of life jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


1 JULIA
Das Dröhnen der Schulglocke lässt mich einen Moment innehalten, und ich atme tief durch. Wie ich die Schule verachte. Wie ich es hasse, hier Tag für Tag meine Zeit zu verschwenden, mich mit Menschen zu umgeben, die mich weder kennen noch kennen wollen. Wie so oft überrollen mich diese Gefühle von Abscheu und Machtlosigkeit. Doch das ist egal. Ich muss hier sein, wenn ich nicht möchte, dass die Polizei irgendwann vor meiner Tür steht, um mich abzuholen. Und dabei Dinge über mein Leben erfährt, die ich geheim halte. Seufzend schüttle ich den Kopf und verdränge diese Gefühle. Ich ziehe den schwarzen Lidstrich noch etwas dicker und mustere mich im Spiegel. Durch meine südländische Abstammung bin ich brauner als die meisten in meiner Klasse. Das lange, fast schwarze Haar mit den pinken Strähnen habe ich am Morgen kunstvoll am Kopf entlanggeflochten. Smokey Eyes lassen meine hellblauen, fast glasigen Augen hervorstechen, was auch von den dunklen Augenringen ablenkt, die vom Schlafmangel herrühren. Gott, wie gerne ich mich jetzt einfach schlafen legen würde. Insgesamt finde ich mich schön, und das strahle ich auch aus. Zumindest an Tagen, an denen ich ausschlafen kann. Heute musste ich mich viel zu früh aus dem Bett quälen, denn am ersten Schultag nach den Sommerferien macht es sich nicht sonderlich gut, zu spät zu kommen. Den Anfang der vierten Stunde zu verpassen, ist mir dagegen völlig egal. Wir haben Mathe, und Frau Kunz, unsere altersschwache Lehrerin, interessiert sich längst nicht mehr dafür, ob wir pünktlich zum Unterricht kommen oder nicht. Also ziehe ich in aller Seelenruhe meinen kurzen schwarzen Rock zurecht, damit er über der zerlöcherten schwarzen Strumpfhose richtig sitzt. Ohne das pinke Bustier, das unter dem schwarzen Top hervorsticht, würde ich wie ein Emo aussehen. So jedoch wirke ich punkig, genau wie ich es will. Ich schnappe meine Tasche und gehe gemütlich zum Klassenraum. Noch zwei Jahre, dann kann ich den ganzen Scheiß hinter mir lassen. Wie ich diesen Tag herbeisehne! In den Gängen der großen Schule tummeln sich vereinzelt Schüler, die anscheinend eine Freistunde haben. Sieht aus, als wäre der erste Lehrer schon jetzt krank. So typisch. Ich will ja nicht motzen, doch das deutsche Schulsystem ist der größte Mist, den man sich vorstellen kann. Bereits in der Grundschule kam keiner mit mir zurecht. Anstatt mich irgendwie aufzufangen, weil ich lieber gezeichnet habe, als dem Unterricht zu folgen, hieß es, ich sei noch nicht bereit für die Schule und sollte besser die zweite Klasse wiederholen. Ich sei zu verträumt. Dass mir eigentlich nur langweilig war, darauf kam keiner. Bis heute nicht, was mir immer noch einen kleinen Stich versetzt. Die Klasse zu wiederholen, war fürchterlich, da ich mich nur noch mehr langweilte, dennoch habe ich es am Ende sogar aufs Gymnasium geschafft, nachdem mir mein Bruder immer wieder einen Tritt in den Hintern verpasst hat. Jetzt sitze ich mit meinen sechzehn Jahren in der neunten Klasse fest. Bei lauter pubertierenden Babys, die keine Ahnung von der wirklichen Welt haben. Bei Menschen, die mich schräg anblicken und nicht wissen, was in meinem Leben vor sich geht. Einem Leben, das ich mir so nie ausgesucht hätte, hätte man mir eine Wahl gelassen. Zumindest im Großen und Ganzen. Es gibt schon Dinge, die ich nicht anders haben will. Meinen großen Bruder zum Beispiel, der mir wichtiger ist, als man sich vorstellen kann. Meine kleine Schwester Rose. Meinen Hund Samy. Und meine Gabe fürs Zeichnen. Beim Gedanken an diese Menschen und mein Talent schleicht sich ein Lächeln auf meine Lippen, das ich sofort hinter meiner Maske verberge. Ich zeige meine Gefühle nicht, will mich nicht angreifbar machen. Ohne zu klopfen, gehe ich ins Klassenzimmer und setze mich in der letzten Reihe ans Fenster. Seit der fünften Klasse ist das mein Platz, wodurch er irgendwie zu mir gehört und zu niemand anderem. Keiner hat ihn mir je streitig gemacht. Keiner hat sich je mit mir angelegt, wenn ich ihn für mich beanspruchte. Das ist auch etwas, das ich meinem Bruder zu verdanken habe. Schon früh hat er mir gezeigt, wie man sich verteidigt, und mir beigebracht, dass ich mir nichts gefallen lassen darf. Zur Not auch mit den Fäusten, wobei ich keine Mädchen schlage. Ein Grundsatz, den ich von ihm übernommen habe und der mich regelmäßig zum Schmunzeln bringt. Im Klassenraum achte ich nicht auf Frau Kunz, die bestimmt wieder einmal ihren rundlichen Hintern zu uns streckt, um irgendwelche Formeln an die Tafel zu kritzeln. Formeln, die mir letztes Jahr schon zum Hals raushingen und die ich nicht noch einmal aufzufrischen brauche. Lieber nehme ich meinen Skizzenblock und die Bleistifte, um einen Entwurf zu beenden. Schon jetzt bringt mir die neue Skizze ein Hochgefühl, und meine Finger kribbeln vor Erwartung. Ich liebe das Zeichnen im Allgemeinen, doch mehr als alles andere liebe ich es, Fabelwesen aufs Papier zu bringen. Elfen, Zwerge, Trolle, Einhörner. Am meisten haben es mir die Drachen angetan. Umso glücklicher bin ich, letzte Woche eine Anfrage für einen Drachen bekommen zu haben, dessen Entwurf ich noch heute fertigstellen muss. »Schön, dass wir nun alle anwesend sind.« Eine Stimme direkt neben mir lässt mich zusammenzucken. Schnell klappe ich den Zeichenblock zu und blicke auf. Zu meiner Überraschung ist es nicht Frau Kunz, die mit ihrer dicken Nickelbrille und den kurzen dauergewellten Haaren zu mir herunterblickt. Es ist ein junger Mann, dessen intensiv blaue Augen mich mustern, während er die Stirn in Falten legt. Die blonden Haare trägt er kurz – an den Seiten abrasiert, oben etwas länger. Ein Dreitagebart lässt ihn älter wirken, als er vermutlich ist. Dennoch kann ich nicht umhin, sein gutes Aussehen anzuerkennen, und lehne mich im Stuhl zurück. Ohne ein Wort zu sagen. Dabei ignoriere ich seine Ausstrahlung, die alle anderen Mädels um mich herum mit Sicherheit sabbern lässt. »Dann bist du wohl Julia Graf?« Ich zucke betont gleichgültig mit den Schultern. »Werd ich wohl sein.« Desinteressiert blicke ich ihn an, achte darauf, mir keine Emotionen anmerken zu lassen. Er soll gleich wissen, dass ich meine Ruhe will. Dass ich meine Zeit hier absitze, anstatt irgendwo eine beschissene Ausbildung anzufangen, bei der ich weniger Zeit zum Zeichnen hätte. Er blickt mich einen Moment an, dann seufzt er. »Und dürfte ich noch erfahren, wieso du zu spät zu meinem Unterricht erscheinst?« Was ist das für eine bekackte Sprache? Warum hat er mich nicht gefragt, weshalb ich zu spät komme? Dann hätte ich ihm einen guten Spruch drücken können. So jedoch muss ich auf eine andere Tatsache aufmerksam machen und beuge mich ein Stück zu ihm nach vorne, um ihn herauszufordern. »Ich bin nicht zu spät zu Ihrem Unterricht erschienen, sondern zu dem von Frau Kunz. Außer natürlich, ich wurde in eine andere Klasse versetzt, ohne dass mir das jemand mitgeteilt hat.« Zufrieden beobachte ich, wie der Typ vor mir eine Augenbraue hochzieht. Doch auf seinem Gesicht ist keine Verunsicherung zu erkennen, keine Verachtung. Ist das wirklich Belustigung? Es kostet mich alle Mühe, nicht breit zu grinsen, und ich merke, dass es ihm ähnlich geht, bevor er sich wieder im Griff hat und mich fest fixiert. »Dann sollte ich dich vielleicht aufklären. Ich bin Herr Groß. Ihr werdet mich in meinem Referendarjahr begleiten, während ich an euch übe, wie ich alles Mögliche vermassle, um nach meinem Studium ein guter Lehrer zu sein. Lernen durch Versuch und Irrtum. Und da Frau Kunz leider längere Zeit krank ist und es so kurzfristig keinen Ersatz für sie gibt, werdet ihr mit mir allein vorliebnehmen müssen, ohne dass mich jemand berichtigt, wenn ich pädagogischen Mist baue. Daher werde ich nun meinen ersten Fehler begehen«, sagt er und zieht wieder eine Augenbraue nach oben. »Julia, steh auf, nimm deine Sachen und setz dich vorne in die erste Reihe.« Ich unterdrücke ein Lachen und schüttle siegessicher den Kopf, während ich die Arme vor der Brust verschränke. »Auch wenn Sie Groß heißen, bezweifle ich, dass Sie wirklich groß sind«, kann ich mir einen Kommentar nicht verkneifen. Vor allem, da er mir vorhin die Vorlage für das Kommen verwehrt hat. Schade nur, dass er nicht einmal zuckt, während vor mir Gekicher ertönt. »Zwingen Sie mich«, füge ich herausfordernd hinzu. Ich weiß, dass er das nicht kann. Und ich werde bestimmt nicht wie ein verschissener Streber in der ersten Reihe sitzen, nur damit er an mir ein Exempel statuieren kann. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, ist, wie schnell Mr. Big ist, wie ich ihn schon jetzt in Gedanken nenne. Noch bevor ich überhaupt bemerke, was er vorhat, greift er nach meiner Zeichenmappe, dreht sich um und geht nach vorne zu seinem Lehrerpult. Überrascht springe ich auf die Beine und balle die Hände voller Wut, aber auch Angst zu Fäusten. »Gib das sofort zurück!«, schreie ich und hechte ihm hinterher. Mein Blut kocht, denn an meinen Zeichnungen hat niemand etwas verloren! Nicht einmal so ein verschissener Referendar, der denkt, er hätte hier irgendwas zu sagen. »Das heißt: ›Geben Sie mir das bitte zurück‹«, erwidert er trocken und lässt meine Mappe tatsächlich in seiner Tasche verschwinden, bevor er sich zu mir umdreht. Ich weiß, dass alle Augen auf mich gerichtet sind. Auf den Freak, den die Lehrer in Ruhe lassen. Den Freak, mit dem sich keiner anlegt. Den Freak mit dem kaputten Bruder. Ich ignoriere die Blicke...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.