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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Jackson Dem Feuer so nah: Ein Baby für uns zwei
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95649-337-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-95649-337-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der attraktive Kinderarzt Dallas O'Rourke weckt bittere Erinnerungen in Chandra: Auch sie war einst Ärztin und wurde verklagt, als ein Kind starb, das sie behandelte. Können Dallas zärtliche Küsse sie endlich die Vergangenheit vergessen lassen?
Ihre Schwester animierte Lisa Jackson zum Schreiben. Mittlerweile zählt sie zu den amerikanischen Top-Autorinnen, ihre Romane erobern regelmäßig die Bestsellerlisten. Die Schriftstellerin hat zwei erwachsene Söhne und lebt im Bundesstaat Oregon.
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1. KAPITEL
Sam stupste Chandra mit der feuchten Nase ins Gesicht, jaulte und schleckte ihr übers Kinn.
„Lass das“, murmelte Chandra und kuschelte sich in die Decke. Hoffentlich verstand der Retriever das. Aber er blieb hartnäckig und bellte nun so laut, dass möglicherweise die Nachbarn davon aufwachten, die zehn Meilen entfernt die Straße hinunter wohnten.
Auf Chandras Weigerung, ihn zu beachten, tapste Sam die Treppe hinunter und begann erneut laut zu bellen.
Offensichtlich musste er hinaus. „Daran hättest du früher denken sollen.“ Langsam setzte sich Chandra im Bett auf. Als der Hund noch lauter bellte, überlegte sie, ihn für den Rest der Nacht auf die Veranda zu lassen. Aber da der Altweibersommer bereits in den Herbst überging, brachten die Nächte in den Vorbergen der Rocky Mountains hin und wieder Frosttemperaturen. „Aber es geschähe dir recht.“ Ungnädig warf sie einen Blick auf den Wecker auf ihrem Nachttisch. Ein Uhr dreiundvierzig. Zeit genug, noch einmal einzuschlafen, bevor der Wecker läuten würde.
Dennoch beugte sie sich hinunter und tastete unter dem Bett nach ihren Stiefeln. Da hörte sie es: Das Weinen, das bis in ihre Träume vorgedrungen war, dieses entfernte Wimmern, das sie an das hungrige Weinen eines Babys oder an das Schreien einer Siamkatze in Not erinnerte. Eine Gänsehaut überlief sie.
Du bildest dir das nur ein, sagte sie sich. Immerhin wohnte sie meilenweit von jeder Zivilisation entfernt.
Erneut unterbrach das Schweigen die Stille der Nacht. Chandra saß aufrecht in ihrem Bett. Ihr Herz schlug schneller. Rasch schwang sie die Beine aus dem Bett und ging über die abgetretenen Holzplanken zum Geländer, von wo aus sie das Erdgeschoss ihrer Hütte überblicken konnte.
Mondschein erleuchtete den Raum. Chandra konnte Sam kaum erkennen. Sein rauchfarbenes Fell vermischte sich mit den Schatten, während er winselnd und jaulend vor der Tür hin und her lief.
„Du denkst wohl, du bist Lassie, wie?“, meinte Chandra, „und willst mir mitteilen, dass draußen etwas nicht in Ordnung ist.“ Als Antwort jaulte der Hund laut auf.
„Unsinn, Sam.“ Chandras Haut prickelte. Da hörte sie es wieder, dieses Schreien, das ihre Haare zu Berge stehen ließ. Schrie da ein Baby? Unmöglich. Nicht hier in den Bergen. Ihre Fantasie täuschte sie. Sicher befand sich ein wildes Tier in Not, war verwundet – eine streunende Katze, ein Bärenjunges, das von seiner Mutter getrennt worden war …
Knurrend sprang Sam ihr die Treppe hinauf entgegen. „Ruhig, Sam, ruhig!“ Sie schlüpfte in ihre Jeans, stopfte das Nachthemd in den Hosenbund und zog wollene Socken und Stiefel an. Die alte 22er-Winchester stand in einem Winkel ihres Kleiderschranks. Sie streifte die Daunenjacke über und schloss die rechte Hand um den Stutzen der Waffe. Lieber sichergehen als es später bereuen.
Als sie endlich vor der Haustür standen, war der Retriever außer sich vor Aufregung. Er bellte und jaulte, als wollte er die ganze Welt vergraulen. „Ruhig!“, befahl Chandra. „Keine Dummheiten!“
Kalter Wind blies ihr von den Bergen entgegen. Während Chandra über den geschotterten Hof zum Pferdestall eilte, hörte sie das von Husten und Schluckauf unterbrochene Schreien immer lauter. Es schien von einem menschlichen Wesen zu kommen. Seit Jahren hatte sie kein Baby mehr weinen hören, und doch …
Leise schob sie den Riegel beiseite, öffnete die Stalltür und folgte Sam. Ein Pferd wieherte. Der Geruch nach Staub und Heu stieg ihr in die Nase. Während sie mit einer Hand das Licht einschaltete, umklammerte sie mit der anderen das Gewehr.
Das Schreien wurde lauter und eindringlicher.
Den Finger am Abzug schlich Chandra zur letzten Box am Ende des Stalles, die als einzige leer stand. „Was, zum Teufel …“ Plötzlich sah sie das schwarze Fell, nein, den dunklen Haarschopf, nein, das weiche, flaumige Haar eines Babys. Ihr Herz drohte stehen zu bleiben. Schnellstens wurde Chandra aktiv, legte die Waffe aus der Hand und kniete neben dem kleinen Bündel.
Das Neugeborene war in ein gelbes Leinentuch und eine abgetragene Armeejacke gehüllt. „Himmel“, flüsterte Chandra und hob das Bündel vom Boden. Doch das Schreien wurde nur noch schriller. Schwarzblaue Augen blinzelten Chandra an. Das vom Weinen gerötete Gesicht des Säuglings wirkte vollkommen verkrampft.
„Liebling, weine nicht“, versuchte Chandra das Kind zu beruhigen und drückte es behutsam an sich. Suchend blickte sie sich nach der Mutter um. „Ist da jemand? Bitte, so antworten Sie!“
Aber nur das Schnauben der Pferde, das Weinen des Babys, Sams Aufheulen und ihr eigenes Herzklopfen antworteten ihr. „Pst, pst!“, flüsterte sie, als könnte das Baby sie verstehen. „Wir regeln das schon.“
Überwältigt von mütterlichen Gefühlen küsste sie die Stirn des Babys, während sie die Frau verwünschte, die dieses zauberhafte Kind allein gelassen hatte. „Wer bist du? Wo ist deine Mama?“
Liebevoll hüllte sie das Bündel in ihre Daunenjacke und schaute noch einmal in jeden staubigen Winkel des Stalles, um vielleicht doch ein Zeichen von der Mutter zu finden. Sam bellte aufgeregt und sprang an ihr hoch, schien aber auch kein weiteres menschliches Wesen aufzuspüren. „Hören Sie!“, rief Chandra, „kommen Sie mit ins Haus! Keine Angst, wir reden einfach, okay?“
Erneut keine Antwort. Nun, vorrangiges Problem war die Versorgung des Säuglings. Alles andere konnte warten. Beruhigend wiegte sie das Kind im Arm, ging zum Haus zurück und legte Holzscheite aufs Feuer im Holzofen. Dann telefonierte sie.
„Hier ist Chandra Hill.“ Nachdem sich der Notdienst gemeldet hatte, rasselte Chandra ihre Adresse herunter. „Ich habe in meinem Stall ein neugeborenes Kind gefunden. Möglicherweise leidet es an Durst, sicher an Hunger. Kann sein, dass es ausgesetzt wurde. Ich weiß nicht, wem es gehört oder warum man es hierher gebracht hat.“
„Wir können die Ambulanz zu Ihnen schicken.“
„Ich wohne zwanzig Meilen von der Stadt entfernt. Sicher geht es schneller, wenn ich mich mit der Ambulanz am Alders Corner treffe, wo der Highway auf die Flaming Moss Road führt.“
„In Ordnung. Die Ambulanz wird dort sein.“
„Hören Sie, verständigen Sie bitte sofort die Notaufnahme der Klinik.“ Automatisch begann sie zu denken, wie sie es seit Jahren nicht mehr getan hatte. Sie legte das Neugeborene auf die Couch und wickelte es vorsichtig aus den Windeln. Wütend und hungrig schrie und strampelte das Baby. „Es ist ein Junge, wahrscheinlich zwei oder drei Tage alt“, berichtete sie dem Notdienst, während sie den Stummel der Nabelschnur begutachtete. Hunderte von Säuglingen hatte sie während ihrer kurzen Karriere als Kinderärztin untersucht. Aber sie weigerte sich, ihre Gedanken mit diesem verbotenen Thema zu beschäftigen und konzentrierte sich auf das Baby. „Keine besonderen Merkmale.“ Geschickt strichen ihre Hände über die weiche Haut des Neugeborenen, prüften die Muskeln und Knochen, die kleinen Finger und Zehen, die Beine, den Hals, die Wirbelsäule, die Hüften und den Kopf …
„Warten Sie …“ Nachdem Chandra eine hellere Lampe eingeschaltet hatte, bemerkte sie die gelbe Färbung der Augäpfel. „Er scheint Gelbsucht zu haben und –“, sie tastete noch einmal sorgfältig über den Haarflaum des Kindes – „und außerdem fühle ich eine Schwellung an seinem Hinterkopf. Wahrscheinlich ein Gehirnhämatom. Ja, da ist eine leichte Blutung der Kopfhaut, offensichtlich nur an der rechten Kopfseite. Nichts Ernstes, denke ich. Es ist nicht groß, Sie sollten jedoch einen Kinderarzt benachrichtigen, der das Baby sofort untersucht. Sonst kann ich nichts finden, jedenfalls nicht ohne medizinische Ausrüstung. Haben Sie alles?“
„Jedes Wort, Ihre Mitteilung wurde auf Band mitgeschnitten.“
„Gut. Benachrichtigen Sie das Sheriffbüro. Offensichtlich handelt es sich um ein Findelkind.“
„Sie kennen die Mutter nicht?“
„Ich habe keine Ahnung, wohin der Junge gehört. Der Sheriff sollte mit seinen Leuten meinen Pferdestall und den Wald in der Umgebung absuchen. Sie kann nicht weit sein. Meine Adresse kennen Sie ja.“
Chandra wartete die Antwort nicht ab und legte den Hörer auf. Sie holte ein Laken aus dem Schrank und wickelte das Baby. Wie schön es ist, dachte sie. Dieser weiche schwärze Haarflaum und die Stimme, so durchdringend. Aber warum wurde es verlassen? War die Mutter wohnungslos und überließ den Kleinen dem relativ warmen Schutz des Stalles, während sie etwas zu essen suchte? Es hätte doch unbemerkt bleiben und sterben können. Chandra schüttelte sich bei dem Gedanken. Warum hatte sie nicht an Chandras Haus geklopft? Jede verantwortungsvolle Mutter hätte an die Tür geklopft und niemals ihr Kind im Stich gelassen. „Komm, Kleines“, flüsterte Chandra. „Es gibt eine Menge zu tun. Du kannst hier nicht herumliegen und schreien.“
Sie holte weitere Laken, legte das Kind in einen Wäschekorb und brachte ihn zu ihrem Wagen. Dort sicherte sie den Korb sorgsam auf dem Rücksitz und stellte den Motor an. Noch immer wartete sie, eine Frau aus dem Schatten des Waldes treten zu sehen, aber es erschien niemand, und Chandra trat auf das Gaspedal.
„Dr. O’Rourke! Dr. Dallas O’Rourke! Bitte rufen Sie in der Notaufnahme an!“
Dallas O’Rourke notierte einige Instruktionen für einen Patienten im dritten Stock, als die Durchsage erfolgte. Mit finsterer Miene trat er zum nächsten Haustelefon und wählte die Nummer der Zentrale der Riverbend-Klinik. Ein Blick auf die Uhr vor dem Schwesternaufenthaltsraum machte ihm...




