E-Book, Deutsch, 352 Seiten
Reihe: Politthriller
Jacobsen Der Kalif
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7751-7304-9
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, 352 Seiten
Reihe: Politthriller
ISBN: 978-3-7751-7304-9
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Clay Jacobsen arbeitet seit über 30 Jahren als Fernsehregisseur, zur Zeit für die Samstagabend-Show 'Jeopardy!'. Gleichzeit produziert er christliche Filme und schreibt erfolgreich Romane. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kalifornien.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
National Studios, Hollywood, Kalifornien
9.14 Uhr
Russell schloss die Tür seines Büros. »Nun gut, Mark, ich versteh dich nicht. Das ist doch der Traum jedes Reporters. Was ist dein Problem?«
»Ich weiß nicht, Frank«, antwortete Mark ehrlich. Er wunderte sich selber, dass dieses Interview mit Sa’id ihm so zuwider war. Er wartete, bis Russell sich auf Ross’ Stuhl gesetzt hatte, dann fuhr er fort: »Dass wir Sa’id Sendezeit geben wollen, damit er für seinen perversen Dschihad Propaganda machen kann, das ist …«
»Das hatten wir eben schon«, unterbrach Russell ihn. »Schau her, Mark, du piesackst mich seit Monaten, dass du etwas über die Gefahr des militanten Islam machen willst, und jetzt hast du deine Chance!« Er hielt inne, um Marks Reaktion zu beobachten. »Da steckt noch mehr dahinter, oder?«
Mark atmete tief ein und wieder aus. »Ja. Das hat damit zu tun, wie unsere Branche mit diesem Krieg gegen den Terror umgeht. Als unsere Sender dieses erste Bin-Laden-Band live von Al-Jazeera übernahmen, ohne darüber nachzudenken, ob nicht womöglich ein versteckter Aufruf für weitere Anschläge enthalten war – das war unglaublich dumm. Dann dieses ganze Gerede darüber, dass Journalisten neutral zu sein haben, damit uns ja keiner nachsagen kann, dass wir Propaganda für das Weiße Haus machen. Neutral, Frank? Propaganda fürs Weiße Haus? Wir stehen im Krieg mit kriminellen Verrückten, die unser Land zerstören wollen, und bezeichnen uns stolz als neutral, als ob wir über Scharmützel irgendwo weit weg berichten. Das ist doch irrsinnig.«
Russell seufzte. Diese Diskussion hatten sie in den vergangenen Jahren schon mehrere Male geführt.
»Entschuldige, Frank«, fuhr Mark fort. »Aber jetzt schickt halt der nächste Verrückte seine Leute über den Ozean, um sich selber und so viele Amerikaner wie möglich umzubringen …«
»Ich verstehe«, sagte Russell, »aber was du da gerade sagst, bestätigt mir nur, dass du der richtige Mann für dieses Interview bist.«
Mark hatte, die Hände vor den Lippen zusammengelegt, die Fotowand in Russells Büro angestarrt. Er drehte sich zu seinem Boss und hob die Augenbrauen. »Wie bitte?«
Russell stand auf und ging um seinen Schreibtisch. »Na, seit dem 11. September hast du doch bald zehn Jahre mit Islam-Recherchen verbracht.«
Mark nickte leicht. Russell fuhr fort: »Du bringst genau die richtigen Voraussetzungen für so ein Interview mit. Wenn du wirklich Angst hast, dass das Gespräch zu Propagandazwecken missbraucht wird oder dass unsere Presse so neutral ist, dass sie das Land verrät – wer ist dann besser dazu geeignet, in die Höhle des Löwen zu gehen, als du?« Er beugte sich über den Schreibtisch, um Mark direkt anzusehen. Marks Stirn runzelte sich.
»Mark, ein Journalist muss bestimmte Dinge unterscheiden können, um unparteiisch zu bleiben, und das ist momentan das Schwierigste bei diesem verdammten Terrorkrieg. Aber wir machen das Interview. Wir müssen es machen – weil es unserem Land dient. Unser Job ist, die Wahrheit herauszufinden, was sie auch sein mag, aus Sa’ids Perspektive und aus der unserer Regierung. Dann ist die Demokratie an der Reihe, unser System filtert die Lügen heraus, und wir kommen zu einem Konsens.«
»Theoretisch ist mir das alles klar, Frank, aber eine solche Situation sollte eine Ausnahme sein.«
»Es gibt keine Ausnahmen.« Frank sagte es ernst, dann wurde seine Miene weicher. »Aber schau her, Mark. Du kannst deine Reportage doch so machen, wie du willst. Stell ihn als den gefährlichen Terroristen dar, als die Ausgeburt des Bösen selber, wenn du das willst.« Russell ließ sich lachend in seinen Sessel fallen. »Mach’s mit seinen eigenen Worten!«
Van Nuys, Kalifornien
9.21 Uhr
Tracy melde sich bei der Sprechstundenhilfe an und setzte sich dann ins Wartezimmer. Nervös ließ sie ihren Blick durch den Raum schweifen und schaute durch den Stapel Illustrierte, der auf dem niedrigen Tisch vor ihr lag. Sie entschied sich für das Time-Magazin. People und Vogue interessierten sie seit den letzten Terrorattacken nicht mehr.
Nach einer Weile blickte sie auf und schaute sich um. Um sie herum saßen lauter schwangere Frauen mit mehr oder weniger dicken Bäuchen. Verrückt. Noch vor ein paar Tagen wäre ihr das gar nicht aufgefallen. Sie merkte, wie ihre Angst vor einer Schwangerschaft langsam zurückging und durch eine wachsende Begeisterung ersetzt wurde.
»Mrs Taylor?« Die junge Sprechstundenhilfe erschien in der Tür. Tracy stand auf und folgte ihr den Flur hinunter. Sie ließ die Routineuntersuchungen über sich ergehen. Gewicht, Blutdruck, Urinprobe, Temperatur. Dann die üblichen Gesundheitsfragen. Die Assistentin bat sie, einen Augenblick zu warten.
Das gab ihr etwas Zeit, nachzudenken. Was für ein Wunder, dass sie Marks Kind in sich trug. Wenn sie denn wirklich schwanger war. Sie schaute zu den Wandplakaten hoch, die die Entwicklungsstufen eines Fötus zeigten. Was mochte gerade in ihrem Bauch vorgehen? Was lag alles noch vor ihr?
Ihr Blick blieb beim letzten Bild der Reihe hängen. Es zeigte, wie das Baby durch den Geburtskanal in die Welt rutschte. Tracys Augen wurden groß. Mann! Das tut bestimmt weh! Schnell war sie zurück in der Wirklichkeit. Ihr Traum vom juristischen Examen und einer Anwaltskarriere … wie sollte sie das mit einem Baby schaffen?
Ein zweimaliges kurzes Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken. Die Tür ging auf. Es war die Ärztin, und sie grinste breit. »Sind sie bereit für gute Nachrichten?«
National Studios
9.30 Uhr
»Und so darf ich euch also mitteilen, dass Ahmad Hani Sa’ids erstes Interview überhaupt auf unserem Sender ausgestrahlt wird – in unserer Sendung Across the Nation am Sonntagabend.« Frank Russell schaute in die erwartungsvollen Gesichter vor ihm. Die gesamte Mannschaft war im Besprechungsraum versammelt. »Und interviewt wird er von einem von uns – von Mark Taylor.«
Eine halbe Sekunde Stille, dann spontaner Applaus, Pfiffe, Glückwünsche und aufmunternde Rufe in Marks Richtung. Mark nickte lächelnd und versuchte, das Wechselbad seiner eigenen Gefühle nicht zu zeigen. Er musterte die Gesichter der anderen und sah lauter Zustimmung. Bis auf Tad Forrest, einen der anderen Reporter. Dessen Lächeln sah gequält aus, als wollte er sagen: Warum hab ich das nicht gekriegt? Vielleicht hatte er recht.
»Sag was, Mark!«, schrie jemand bei der Tür. Dann wurde der Raum wieder ruhiger, und Russell sah Mark an.
»Ich weiß nicht recht, was ich sagen soll«, begann Mark. »Ich habe null Ahnung, warum ich dieses Interview gekriegt habe, aber so ist es und ich düse jetzt wohl in den Nahen Osten. Wenn's nach mir ginge, würde ich ja nach dem Interview eine schöne amerikanische Handgranate unter seinen Turban schmuggeln.«
Allgemeines Gelächter, Rufe, Beifall.
»Nett gesagt.« Russell lächelte. »Also, Mark und Ross fliegen noch heute Abend. Wann sie zurückkommen, wissen wir nicht, was bedeutet, dass wir Übrigen einen Zacken zulegen müssen, um die Arbeit der beiden zu übernehmen.«
Russell beauftragte einen anderen Reporter mit dem Interview mit Senatorin Boxer und gab seine Anweisungen für die Sendung am Donnerstagabend. Die anderen Projekte, an denen Mark und Ross gerade arbeiteten, wurden bis zu ihrer Rückkehr auf Eis gelegt. Einleitung und Zusammenfassung des Interviews sollte Mark gleich vor Ort formulieren und aufnehmen, sodass das ganze Interview komplett per Satellit nach Los Angeles geschickt werden konnte, wo es am Sonntag auf Sendung gehen würde.
Van Nuys, Kalifornien
10.14 Uhr
»War Ihnen heute Morgen übel?«, fragte Dr. Alice Hoyt. Tracy saß ganz still auf dem Untersuchungstisch, damit das Papiertuch unter ihr nicht so raschelte.
»Nein. Ich war nur müde.«
»Das ist normal«, lächelte Dr. Hoyt. Sie zog eine runde Pappscheibe aus ihrer Tasche und begann sie zu drehen. »Wenn wir von Ihrer letzten Periode ausgehen, sind Sie nach unserer Tabelle seit sechs Wochen schwanger, was bedeutet, dass der Wonneproppen am … 8. September auf die Welt kommt.«
Tracy schaute schweigend auf den Fußboden hinunter. In ungefähr acht Monaten also würde sie ein Kind mit nach Hause nehmen.
»Weiß es Ihr Mann schon?«
»Nein.« Tracy blickte auf. »Ich wollte erst ganz sicher sein.«
»Also, ich bin hundert Prozent sicher. Sie werden Mutter.«
»Das ist alles noch so … unwirklich.« Tracy schüttelte den Kopf.
»Ich würde gerne noch eine Ultraschalluntersuchung machen. Dann könnten wir das Datum noch genauer festlegen. Wenn Sie wollen, können wir das gleich jetzt machen.«
»Jetzt?«, japste Tracy.
»Nur wenn Sie wollen, natürlich.« Die Ärztin hielt inne, dann trat sie an den Untersuchungstisch, setzte sich neben Tracy und legte ihre Hand auf ihren Arm. »Kommen Sie zurecht?«
»Was?« Tracy legte den Kopf schräg. »Doch, sicher, ich meine, das ist alles ein bisschen plötzlich, aber doch, ich freue mich. Ich habe immer ein Kind gewollt, und Mark wird bestimmt ein toller Vater.« Sie dachte nach, dann begann ihr Gesicht zu strahlen. »Doch, damit komme ich wirklich gut zurecht.«
»Gut. Also, wie wär’s mit dem Ultraschall?«
»Könnten wir damit vielleicht warten, bis Mark dabei sein kann? Das wäre schön.«
Die Ärztin lächelte. »Natürlich. Das ist eine sehr gute Idee. Rufen Sie an, wenn es Ihnen passt, dann machen wir einen Termin.«
»Ginge es morgen?«, fragte Tracy.
Dr. Hoyt lachte. »Doch, wir schieben Sie...




