E-Book, Deutsch, 544 Seiten
Jae-Jones Zhara – Hüter der Morgenröte
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8458-5944-6
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 544 Seiten
ISBN: 978-3-8458-5944-6
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Mädchen. Verbotene Magie. Dunkle Dämonen.
Zhara hat magische Kräfte. Leider lebt sie in einer Welt, in der Magie als Fluch angesehen wird und ihr Geheimnis tödlich enden kann. Zharas Leben wird bestimmt von den Launen ihrer Stiefmutter und der Fürsorge für ihre Schwester. Doch als eine schreckliche Seuche um sich greift, die Magier in Monster verwandelt, gerät Zhara in Gefahr. Sie schließt sich den Hütern der Morgenröte an, einer verborgenen Gesellschaft, die die Balance zwischen Gut und Böse zu bewahren sucht. Mit Han an ihrer Seite, einem Jungen, der ebenfalls Magie in sich trägt, sucht sie nach dem Ursprung der gefährlichen Seuche. Zharas Magie wird stärker – doch kann sie die Hüterin des Feuers in sich erwecken, bevor das Chaos die Welt verschlingt?
- Perfekter Lesestoff: Spannendes Abenteuer für Jungen und Mädchen ab 12 Jahren
- Wie eine richtig gute, actiongeladene Serie: Ein Jugendbuch über Fabelwesen, Female Empowerment, Freundschaft und Magie
- So macht Lesen Spaß: Fantastische Welten, starke weibliche Charaktere, verblüffende Plot Twists und atemlose Spannung
- Zeitloses Märchen-Retelling mit Sogwirkung: Fans von „Keeper of the Lost Cities“, „Das Mädchen, das in den Wellen verschwand“ und „Land of Stories“ werden dieses Buch lieben
– Marissa Meyer, Nr.-1-New-York-Times-Bestsellerautorin
Zhara. Hüter der Morgenröte Roshani Chokshi, New-York-Times-Bestsellerautorin
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Die Miete war fällig, Ratten hatten sich über den Reis hergemacht und Zhara hatte gerade einen Beutel Salz in die Cremefüllung fallen lassen.
»Mutter der Dämonen!«, fluchte sie und versuchte vergeblich, das überschüssige Salz mit den Fingern aus der Rührschüssel zu klauben. Geschlagenes Ei und Mehl kleckerten über ein offenes Buch, das auf der Arbeitsfläche lag, und Zhara heulte auf, während sie hektisch mit ihrem Ärmel über die Schweinerei wischte. »Nein, nein, nein, nein, nein, nein«, stöhnte sie und tupfte an den Flecken. »Meister Cao wird mich umbringen.«
Auf den Vorratsregalen über ihr saß ein kleiner, zerzauster roter Kater und schnaubte belustigt.
»Sei still, Sajah«, sagte Zhara gereizt, während sie versuchte, die Buchseite zu glätten. Seit vielen Jahren durfte sich Zhara von dem kleinen Buchhändler unten in den Gruben so viele Bücher ausleihen, wie sie wollte, vorausgesetzt, sie gab alle in tadellosem Zustand wieder zurück. »Die Maid, die vom Tod geliebt wurde«, sagte sie klagend und wischte den Bucheinband ab. »Und heute kommt der nächste Band raus.«
Die Maid, die vom Tod geliebt wurde war die beliebteste romantische Buchreihe im Reich des Morgens – so begehrt, dass Meister Cao und seine Schreiber kaum die Nachfrage bedienen konnten, sobald ein neuer Band erschien. Jeder Schreiber konnte nur eine begrenzte Anzahl Bücher mit der Hand abschreiben, und jede kleine, billig gebundene Kopie war so viel wert wie eine Prachtausgabe. Nichts, was sich Zhara leisten konnte.
Prrrrt, sagte der Kater. Das winzige Glöckchen um seinen Hals klingelte, als er von seinem erhöhten Sitz heruntersprang und an dem Münzbeutel, der um ihre Hüfte gebunden war, schnupperte.
»Ich weiß, ich weiß.« Zhara wog den Beutel in ihrer Hand. In letzter Zeit war das Geld knapp, weil alles für Astrologen, Kosmetiker, Schneider und Kuppler ausgegeben wurde, in der Hoffnung, für Zharas kleine Schwester Suzhan eine gute Partie zu ergattern. Fast das gesamte Gehalt, das Zhara als Apothekengehilfin verdiente, verschwand in dem stetig wachsenden Berg an Schulden, und doch schaffte sie es jeden Monat, ein paar Münzen für sich selbst und ihre kleine Sammlung an gebrauchten Liebesromanen abzuzweigen. Nur so viel, dass sie sich hin und wieder eine kleine Freude machen konnte.
Nicht so viel, dass ihre Stiefmutter Verdacht schöpfte.
Zhara zählte die Münzen und schaute auf ihre fadenscheinigen Leinenschuhe, die neben der Küchentür standen. Sie brauchte dringend ein neues Paar, aber andererseits konnte sie auch die Nähte selbst reparieren und stattdessen Meister Cao bezahlen. Ein neues Buch kostete mehr als zwei Paar Schuhe von dem Schuster unten am Hafen. Lesen war Luxus, und zwar ein Luxus, den sie sich nur selten leisten konnte.
Miau, sagte Sajah und klopfte mit der Pfote an die Schale mit der versalzenen Cremefüllung.
»Verdammt«, rief Zhara erschrocken. »Die Cremebrötchen!« Sie hatte gehofft, dass sie Suzhan dazu bringen konnte, etwas zu essen – irgendetwas –, bevor sie später an diesem Vormittag bei der Kupplerin ihren zukünftigen Ehemann kennenlernen würde. Die Nervosität verdarb ihrer Schwester den Appetit, dabei brauchte Suzhan all ihre Kraft.
Sie brauchten Suzhans Kraft.
»Vielleicht kann man die Creme noch retten.« Zhara tauchte einen Finger in die Mischung und probierte. Sie musste würgen. »Keine Chance.« Sie hustete.
Niang, sagte der Kater und putzte sich gründlich die Schnurrhaare.
Verzweifelt ließ Zhara ihren Blick über die dürftigen Zutaten ihres Vorratsregals gleiten. Es war noch zu früh, die Läden hatten noch nicht geöffnet, und außer zwei verschrumpelten Zwiebeln, einem Bund getrockneter Pfefferschoten, einer Flasche mit Öl zum Kochen, einem Krug mit Paste aus fermentierten schwarzen Bohnen und einem undichten Gefäß mit Sojasoße war nichts mehr übrig. Und obwohl Zhara über die alchemistische Fähigkeit verfügte, aus einer Mahlzeit zwei oder drei oder sogar fünf Mahlzeiten zu machen, hatte ihre Kreativität Grenzen. »Ich kann zaubern«, murmelte sie, »aber ich kann keine Wunder wirken. Obwohl …« Sie verstummte und schaute zu der Holztafel an der Wand über dem Herd. Darauf stand der Name Jin Zhanlong.
Miau, warnte Sajah.
Ein schwaches Glühen schimmerte an der Stelle, an der Zharas Haut die Schale berührte. Die eindringliche Stimme ihres Vaters klang ihr noch in den Ohren. Sei brav, kleines Elstermädchen. Sei brav und sei ehrlich.
»Nur eine kleine Magie, Baba«, sagte sie zu der Todestafel von Jin Zhanlong. »So klein, dass niemand sie bemerken wird.«
Miau, sagte Sajah noch einmal, aber Zhara ignorierte ihn, schloss die Augen und fand das Licht in ihrem Inneren. Sie hatte sich ihre Magie immer als eine stetige Flamme vorgestellt, die in ihr und in der Welt, die sie umgab, brannte. Jetzt zum Beispiel in dieser Küche. Elemente waren Zutaten, mit denen man spielen konnte, wie Teig zwischen ihren Händen. Zhara hielt die Luft an, konzentrierte sich und ließ ihre Magie in die Schale in ihrer Hand strömen, wie Hitze in einen Topf mit Wasser.
Ein plötzlicher, heller Lichtstrahl erschreckte sie, sodass sie beinahe die Schale fallen gelassen hätte. Aber Zhara fing sie auf und stellte sie vorsichtig auf die Arbeitsplatte. Sie tauchte ihren Finger noch einmal in die Mischung und leckte ihn vorsichtig kostend ab.
Süß.
»Tja«, murmelte sie mit einem zufriedenen Lächeln. »Vielleicht kann ich doch hin und wieder ein kleines Wunder wirken.«
Der Kater schniefte.
»Also wirklich«, protestierte Zhara. »Wenn man bedenkt, dass ich keine Ahnung habe, wie Magie eigentlich funktioniert, war das doch ganz schön beeindruckend, finde ich.« Sie ließ die Creme aus geschlagenen Eiern, Milch, Zucker und Reisstärke auf dem Herd stocken. »Als würde man ohne Rezept kochen!«
Früher hatte es Bücher mit Rezepten im Reich des Morgens gegeben – Bücher mit Zaubersprüchen –, aber genau wie ihr Vater und alle anderen Magier im Land waren sie in den Flammen, die dem Gerechten Krieg gefolgt waren, ausgelöscht worden. Magier zu sein war nicht nur selten – es war auch gefährlich. Nicht nur, weil jemand sie bei dem Falkner verraten konnte, sondern auch wegen des Schadens, den sie versehentlich mit ihrer Macht anrichten konnte.
Versehentlich angerichtet hatte.
Nachdem die Creme angedickt war, zog Zhara den Topf vom Herd und griff nach der Teigkugel, die sie beiseitegelegt hatte, teilte sie in handtellergroße Stücke und rollte sie zu dünnen Scheiben aus. Sajah schmiegte sein Köpfchen an ihren Arm und schnurrte vielsagend.
»Das ist nicht für dich«, sagte sie und löffelte Creme in die Mitte jeder Scheibe. »Wir haben ja kaum genug für uns zu essen, geschweige denn für einen Streuner.«
Der Kater schaute sie böse an und schlug mit ausgefahrenen Krallen nach ihren Fingerknöcheln.
»Aiyo!«, zischte Zhara. Mit einer geschickten Drehung ihrer Finger schloss Zhara die Teigtaschen und setzte sie in den Dampfkorb. »Du hast wenigstens noch eine andere Zuflucht.« Katzen waren dem Wächtertier von Zanhei, dem Löwen des Südens, heilig, und es brachte Unglück, sie abzuweisen. »Anders als wir anderen«, setzte sie leise hinzu und betrachtete die Todestafel ihres Vaters.
»Sajah ist kein Streuner, Nene«, sagte eine Stimme hinter ihr. »Er gehört zur Familie.«
Zhara drehte sich um. Ihre Stiefschwester stand in der Küchentür. »Suzhan!«, rief sie, eilte zu ihr und nahm die Hand des Mädchens. »Ich habe dich gar nicht kommen hören.«
»Ich habe meinen Stock oben gelassen«, sagte Suzhan mit einem ironischen Unterton. »Ich wollte Mama nicht mit dem Klopfen wecken.« Ihre Augen wurden unsicher. »Du weißt ja, wie sie ist, wenn sie so spät aus der Taverne nach Hause kommt.«
In der Tat, das wusste Zhara. Die beiden waren schon oft mit blauen Flecken aufgewacht, die auf die schlechte Laune ihrer Mutter zurückzuführen waren. »Du bist früh auf, Mimi«, sagte sie stattdessen, holte den niedrigen Schemel aus der Ecke und stellte ihn vor ihre Schwester. »Es dämmert erst in etwa einer Stunde.«
»Ich konnte nicht schlafen. Zu nervös.« Suzhan tastete nach dem Schemel, verfehlte ihn und warf stattdessen einen Stapel mit Büchern neben Zharas Bett um. »Was ist das?«
»Ach … nichts«, sagte Zhara schnell und schob die Bücher unter ihr Bett. »Nur ein paar Notizen für Lehrerin Hu.«
Ihre Schwester grinste, als sie sich auf den Schemel setzte. »Du meinst wohl eher Das Mädchen mit der toten Liebe, Nene.«
»Die Maid, die vom Tod geliebt wurde«, verbesserte Zhara mit leichtem Trotz in der Stimme. »Ich meine«, stammelte sie dann, während Panik in ihr aufstieg,...




