Jäger | Unser aller Erbe. Island-Krimi | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 218 Seiten

Jäger Unser aller Erbe. Island-Krimi


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96152-082-4
Verlag: Schardt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 218 Seiten

ISBN: 978-3-96152-082-4
Verlag: Schardt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seinen wohlverdienten Urlaub hat sich Kommissar Heinz Kelchbrunner anders vorgestellt: Erst stößt er beim Graben in seinem Garten auf menschliche Gebeine, dann beschäftigt ihn ein weitaus aktuellerer Todesfall in seiner freien Zeit: Anna Einsdóttir wird beim Spaziergang von einem Ast erschlagen – und das ist, wie sich herausstellt, nicht dem stürmischen Wetter geschuldet. Kelchbrunner und seine Kollegin Katharina Juvanic nehmen die Ermittlungen auf. Die Spur führt schließlich nach Island, die Heimat der Toten, und zum geplanten Bau eines Staudammes, der eine wertvolle Naturfläche akut gefährdet. Dass Kelchbrunner von oberster Stelle dorthin beordert wird, um weitere Nachforschungen anzustellen, kommt dem umweltbewussten Kommissar gerade recht.
Vielleicht gelingt es ihm, nicht nur Licht ins Dunkel zu bringen, sondern gleichzeitig seine eigenen Schlafstörungen und einen schmerzhaften Verlust zu überwinden. Kaum in Island angekommen, muss er sich jedoch gleich mit störrischen Behörden und verstockten bis feindseligen Einheimischen auseinandersetzen. Es scheint, als sei niemandem hier an der Auflösung des Falles gelegen …

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Kapitel 1


Der Schweiß brannte ihm in den Augen und klebte in seinem Gesicht. Er wischte sich zum x-ten Mal über die Stirn. Frust und Trotz kämpften in seiner Brust, denn er hatte sich viel vorgenommen. Vielleicht zu viel? Seit annähernd drei Stunden hob er, mit Spitzhacke und Spaten bewaffnet, ein Erdloch aus. Das war inzwischen mehr als groß genug, um darin einen Menschen zu bestatten. Doch diese Größe reichte ihm noch nicht aus. In dem geplanten Erdloch konnten gleich mehrere Menschen ihre letzte Ruhestätte finden.

Verbissen verdrängte er den Gedanken, es für heute gut sein zu lassen. Es war ein sehr warmer Augusttag, doch die Flamme in seinem Inneren loderte heißer. Widerspenstig stieß er umso fester mit dem Spaten in die lehmige Erde.

Plopp.

Der Hieb prallte an etwas ab.

„So ein Mist aber auch!“, fluchte er, beugte sich nach vorn. Er griff nach etwas Rundlichem und ... blickte in schockierend schwarze Höhlen. Angeekelt warf er das Fundstück in hohem Bogen weit durch den Vorgarten. Es verfehlte das „Zielgebiet Erdhaufen“, rollte über das Stück Rasen. Dann kullerte es gegen den Zaun und blieb dort aufrecht liegen, die Augenhöhlen zum Gehweg gerichtet.

„Morje“, sagte die alte Frau Schaubruch, die dort schier in diesem Moment ging. Und sie beschleunigte beim Anblick des Funds kommentarlos verblüffend ihre Schrittgeschwindigkeit.

„Was zur Hölle ...?“ Er erkannte im Erdloch Teile vom Unterkiefer des zuvor weggeschleuderten menschlichen Schädels. Ein kalter Schauer lief ihm den Rücken runter. Flugs verließ er die Grube, zog die schmutzigen Schuhe aus, ging zum Telefon und wählte die altbekannte Nummer.

„Kelchbrunner hier! Ich bräuchte bei mir mal Rechtsmedizin und SPUSI. Ich hab grad was gefunden, was definitiv nicht in meinen Garten gehört.“

Es dauerte nicht lang, und die Kollegen standen vor der Tür. Heinz Kelchbrunner hatte die Zeit genutzt, um sich gründlich die Hände zu waschen. Das hieß, er wusch sie noch immer, als die Kollegen ankamen. Beim Blick in den Spiegel entdeckte er lehmige Erde, die an den Stoppeln seines Dreitagebartes klebte, und wusch sich das Gesicht. Irgendwie wirkte sein Haar heute noch graumelierter als sonst.

Dann ging er in den Garten und sah, wie der Rechtsmediziner Kunze den gefundenen Totenkopf bereits inspizierte.

„Und?“

„Hm ... Warten Sie, lassen Sie mich noch mal schauen ...“ Er begutachtete den Fund von allen Seiten.

„Also, wenn mich nicht alles täuscht, würde ich sagen, er ist tot.“

„Nein, das ist ja brillant. Ich wusste schon immer, dass Sie ein Genie sind.“

Kunze hob den Zeigefinger. „Das heißt, ganz so klar ist das jetzt nicht.“

„Ich will Ihnen ja nicht den Tag versauen, aber ein Totenschädel lebt nicht mehr, wie der Name schon sagt.“

Kunze verdrehte die Augen. „Es ist nicht klar, ob der Schädel von einem Er oder einer Sie stammt.“

„Tja, dann sollten wir einfach mal weitergraben. Vielleicht finden wir eine Handtasche, und dann wissen wir Bescheid.“

Kunze strich durch seinen dicken, schwarzen Schnauzbart. Bisher hatte er nur ein einziges Mal über Kelchbrunner geschmunzelt. Und das war, als dieser bei Eis und Schnee ordentlich auf den Hintern gefallen war. Über einen seiner Witze zu lachen – diese Genugtuung wollte er ihm nicht geben.

„Die SPUSI wird weitergraben müssen. Aber ich hab schon immer geahnt, dass Sie eine Leiche im Keller haben.“

„Was heißt denn hier eine? Das sind gleich mehrere. Und wissen Sie, was die alle gemeinsam haben? Es waren Rechtsmediziner, die glaubten, dumme Sprüche loswerden zu müssen.“

„Ja, ja, ja ...“ Kunze schlurfte unbeeindruckt davon.

„Wenn die SPUSI schon mal beim Graben ist, kann sie gerne die Form des Teiches noch ein bisschen mehr rausarbeiten. Willi wird sich freuen.“

„Was träumt der denn nachts?!“, rief ein Kollege der SPUSI, die gerade eingetroffen war. Bei näherem Hinsehen wollte es keiner von ihnen gewesen sein. Allerdings drehte Kunze um und ging zurück zum Kommissar. „Der ist ja richtig gut angekommen! Also, ich glaub, ich kann mir die weiteren Untersuchungen sparen. Ich hab die Todesursache schon herausgefunden.“ Er streckte Kelchbrunner den Totenschädel entgegen. „Ich glaube, Sie haben einen Witz erzählt, und er hat sich totgelacht!“

„Suchen erst mal nach der Handtasche, ehe Sie Hypothesen aufstellen!“

Kunze winkte ab und verabschiedete sich.

Kelchbrunner beobachtete, wie die Kollegen der Spurensicherung in das Erdloch kletterten. Seine Arbeit am Teich musste nun erst mal ruhen, bis alle Spuren gesichert waren. Und irgendwie kam ihm das gar nicht so ungelegen bei dieser Affenhitze. Andererseits hoffte Kelchbrunner, dass er sein erstes größeres Naturschutzprojekt bald fertigstellen konnte. Es standen bereits einige Wasserpflanzen in den Startlöchern. Und auch Willi, der Goldfisch, sollte bald nicht nur ein deutlich größeres Terrain, sondern auch einige Artgenossen bekommen. Jener Fisch, den er nach dem berühmt-berüchtigten Bienenmord-Fall bei sich aufgenommen hatte.

Seit dem Tod seines Neffen Patrick waren einige Wochen vergangen. Die Wunde auf Kelchbrunners Seele wandelte sich zunehmend zur Narbe. Eine Narbe, die regelmäßig schmerzte, wenn ihn etwas an den jungen Patrick erinnerte. Wenn Kelchbrunner mit seiner Schwester sprach, in deren Ehe es schon während der Leukämieerkrankung ihres Sohnes gekriselt hatte ... Oder wenn man in den Medien mal wieder die Atomenergie als Klimaretter pries. Wie konnte denn über Jahrtausende strahlender und krebserregender Abfall eine Lösung für ein Umweltproblem darstellen? Gehäufte Krebserkrankungen rund um Atomkraftwerke und Kinder, die an Leukämie erkrankten und starben, konnten nach Kelchbrunners Meinung selbst durch die gewieftesten Fürsprecher der Atomenergie nicht mehr als Zufall abgetan werden.

„Ich mach bei diesem ganzen perversen Spiel um Geld und Profit nicht mehr mit“, hatte er seiner Schwester während einem ihrer Gespräche geschworen. Er war zum Ökostromanbieter gewechselt, hatte sich übers Energiesparen informiert. Und er hatte sich zudem den aktiven Naturschutz auf die Fahnen geschrieben, hatte es sich nach dem Tod seines Neffen geschworen: Schluss mit dem grünen Rasen, her mit einem Feuchtbiotop.

„Du hast bald viel mehr Platz“, sagte er entschlossen zu Willi im Goldfischglas.

Die Spurensicherung hatte nach zwei Stunden Arbeit alle Knochen beisammen. Wirkliche Spuren hatte sie allerdings nicht finden können. Auch keine Handtasche ... Dafür aber jede Menge Aufmerksamkeit. In Nackenheim sprach sich ein Knochenfund schnell herum. Vor allem, wenn man die Knochen auf dem Grundstück eines Kriminalkommissars gefunden hatte. Die , wie man die Tratschen hier nannte, kreisten wie die Geier um den Ort des Geschehens. Immer auf der Suche nach einem Stück speckigen Fleisches eines Skandals. Viele wetzten sicher schon ihre Zungen, um mögliche Täter und Opfer in passende Stücke zu zerreden.

Kelchbrunner warf einen Blick auf die Uhr. Es war bereits nach vier. Die Geschehnisse des Donnerstags, gepaart mit der noch immer unerträglichen Hitze, führten zu einem klaren Entschluss: Er würde es für heute gut sein lassen und morgen am Teich weiterarbeiten.

Am Freitagmorgen hatte Rechtsmediziner Kunze noch keine Ergebnisse vorzuweisen. Die Tratschen Nackenheims waren ihm hierbei um Längen voraus und hatten ihre Theorien bereits überall verbreitet. Beim Bäcker, in Kelchbrunners Nachbarschaft und im Zeitschriftenladen.

Die einen glaubten sich an eine überlieferte Geschichte über einen alten Fischer zu erinnern, der im Sommer 1910 plötzlich verschwunden war. Sein Fischerboot war am Rheinufer festgemacht gewesen, der Fang hatte sich unberührt an Bord befunden. Nur der Fischer selbst war wie vom Wasser verschluckt gewesen. Vielleicht hatte Kelchbrunner ja tatsächlich dessen Gebeine ausgegraben?

Andere, sie waren in der Mehrheit, spekulierten über die alte Frau Becker, von der Kelchbrunner das Haus nach ihrem Tod geerbt hatte. Ihr Mann, so hatte sie immer erzählt, sei vom Zweiten Weltkrieg nicht mehr zurückgekommen, sondern in Russland gefallen. Doch einst hatte man auch gemunkelt, Frau Becker habe nur auf Druck ihrer Eltern geheiratet. Alles, um das Hab und Gut des Mannes und seiner Familie zu erhaschen. Mit der Treue habe sie es nicht sehr ernst genommen und sei in noch jungen Jahren mit einem Burschen aus Mommenheim in flagranti im Heuhaufen erwischt worden. Zunächst habe sie sich nicht an der Empörung gestört. Doch plötzlich sei der Bursche über Nacht verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Schier zu der Zeit, als die ersten Soldaten aus russischer Gefangenschaft heimkehrten ...

An dieser Stelle gingen nun die Theorien auseinander: Die einen mutmaßten, Kelchbrunner habe gestern die sterblichen Überreste des unerwünschten Ehemanns gefunden, der doch aus dem Krieg heimgekommen war, um dann den Tod durch den Rivalen zu finden. Und der Mörder aus Mommenheim habe sich aus dem Staub...



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