Jager | Frozen Queen. Das Lied des Winters | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 299 Seiten

Jager Frozen Queen. Das Lied des Winters

Romantische Märchenadaption über die Magie der Schneekönigin
21001. Auflage 2021
ISBN: 978-3-646-60828-1
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Romantische Märchenadaption über die Magie der Schneekönigin

E-Book, Deutsch, 299 Seiten

ISBN: 978-3-646-60828-1
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Ein wahres Highlight!« »Atmosphärisch und bildgewaltig.« »Absolut gelungen!« (Leser*innenstimmen) **Ein Herz aus Eis** Die Schneekönigin beherrscht ihr kaltes Reich mit eiserner Hand. Wer sich nicht an ihre Gebote hält, wird mit Vergessen gestraft. Auch Malin wurden all ihre Erinnerungen genommen. Ohne zu wissen, wer sie ist oder welchem Verbrechen sie sich schuldig gemacht hat, führt ihr Weg sie ausgerechnet ans Schloss der Königin. Und damit zurück zu dem Mann, der ihre Erinnerungen stahl: dem geheimnisvollen Achatkrieger. Doch obwohl er sein Gesicht hinter einer Maske verbirgt, bringt etwas in seinem eiskalten Blick Malins Herz zum Schmelzen ... »Frozen Queen. Das Lied des Winters« ist eine Adaption des Wintermärchens »Die Schneekönigin« von Hans Christian Andersen.   Dieser Roman ist ein in sich abgeschlossener Einzelband. Weitere märchenhafte Romane der Bestseller-Autorin Jennifer Alice Jager bei Impress: -- Sinabell. Zeit der Magie -- Being Beastly. Der Fluch der Schönheit -- Secret Woods 1: Das Reh der Baronesse -- Secret Woods 2: Die Schleiereule des Prinzen -- Prinzessin Fantaghiro. Im Bann der Weißen Wälder -- Schneeweiße Rose. Der verwunschene Prinz (Rosenmärchen 1) -- Blutrote Dornen. Der verzauberte Kuss (Rosenmärchen 2) -- Die Nacht der fallenden Sterne//

Jennifer Alice Jager schrieb ihr erstes Buch während der Ausbildung zur Mediengestalterin. Schnell erlangte sie Bekanntheit durch ihre erfolgreichen Märchenadaptionen und Fantasyromane bei Carlsen Impress. Nachdem sie eine Zeit lang in Japan lebte, wohnt sie heute wieder in ihrer Heimat, dem Saarland. Dort widmet sie sich hauptberuflich dem Schreiben und verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihren Tieren in der Natur.
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Kapitel 1


An klaren Tagen konnte man das Schloss der Schneekönigin oben auf den hohen Bergen thronen sehen. Ähnlich einer Krone aus Kristall ragte es zwischen den schneebedeckten Gipfeln hervor und glänzte wie klares Eis im Schein der tiefstehenden Sonne – prachtvoll und unnahbar, genau wie die Herrin des Winters selbst.

Als ich am Morgen aufgebrochen war, um gemeinsam mit Alina und Navena Wurzeln im Wald zu suchen, hatte das Schloss noch hinter Nebelschwaden gelegen. Nun zeichnete es sich deutlich vor dem blauen Himmel ab und ich war trotz der Kälte stehengeblieben, um es zu bewundern. Ich zog mir meinen fadenscheinigen Überwurf enger um die Schultern, schaute hinauf zu den fernen Türmen und fragte mich, was dort hinter den Fenstern geschah, wer das Schloss bewohnte und ob sie genauso auf mich hinunterschauten wie ich zu ihnen hinauf.

»Immer wieder beeindruckend, nicht wahr?«, fragte Alina und versuchte vergebens, sich ihr strohblondes Haar hinter die Ohren zu streichen. Mir huschte ein flüchtiges Lächeln über die Lippen, weil es ein bisschen lustig aussah, wie sie das mit ihren dicken Fäustlingen versuchte. Im Gegensatz zu mir waren die Schwestern bestens für die Kälte ausgerüstet. Beide trugen sie Wollschals, Fellmützen und gefütterte Mäntel.

Ich nickte und rieb mir die frierenden Hände. Der Anblick des Schlosses flößte mir immer wieder Ehrfurcht ein. Und doch konnte ich die Augen nicht von ihm lassen. So häufig, wie es schneite, kam es schließlich selten genug vor, dass sich mir die Gelegenheit bot, es zu sehen.

»Aus dem Weg!«, blaffte jemand.

Wir wichen auf das angrenzende Feld aus, als auch schon ein Pferdekarren an uns vorbeipreschte. Der Kutscher hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, sein Tempo zu drosseln. Alina wäre beinahe gestürzt und Navena ließ ihren Korb fallen. »Der Blödsack hätte uns auch früher warnen können!«, fluchte sie.

Navena nahm selten ein Blatt vor den Mund, was im starken Kontrast zu ihrem puppenhaften Aussehen mit den goldenen Locken und rosigen Pausbäckchen stand. Sie schnaufte mürrisch, sah dabei eher niedlich als böse aus, und sank auf die Knie. Ihre gesammelten Wurzeln lagen überall auf dem Weg verteilt.

Ich ging ihr beim Aufsammeln zur Hand. »Vielleicht bringt er Nahrung«, mutmaßte ich und schaute dem Karren nach.

Der unfreundliche Mann war auf dem Weg nach Embird, unserer Heimatstadt. Die Waren, die er mit sich führte, hatte er unter einer Plane abgedeckt, sodass man nicht erkennen konnte, worum es sich dabei handelte. Mit etwas Glück war es Korn, vielleicht Brot oder Fleisch. Hauptsache etwas zu essen, denn das ging den Bewohnern des kleinen Städtchens allmählich aus.

»Schön wär’s«, murrte Navena.

»Oder Stoffe«, überlegte Alina und schaute dem Karren ebenfalls nach. »Stellt euch vor, die Schneekönigin gibt einen Winterball und lädt alle jungen Mädchen Avendars ein! Wir tanzen und schwingen die Röcke unserer neuen Kleider. Vielleicht lernt eine von uns einen Prinzen aus einem fernen Land kennen. Wäre das nicht schön?«

Sie hob ihren Mantel an, drehte sich im Kreis und begann leise zu summen. Mir versetzte das einen Stich. Ich sprang auf, packte Alina und drückte meine Hand auf ihren Mund.

»Schhh!«, zischte ich eindringlich. »Das ist verboten.«

Alina riss sich von mir los und stieß mich grob von sich. Ich verlor den Halt und stürzte in den Schnee.

»Lass deine Finger von mir!«, beschwerte sie sich und spuckte. »Du bist voller Erde und jetzt habe ich das Zeug im Mund. Das ist eklig.«

Mein Blick wanderte zu meinen ausgemergelten Händen. Sie waren vom Ausgraben der Wurzeln verschmutzt, rau und in der Kälte rissig geworden. Der Hunger tat sein Übriges, um sie wie dürre Äste aussehen zu lassen.

»Tut mir leid«, entschuldigte ich mich. »Aber du weißt, was passiert, wenn man gegen die Gesetze der Schneekönigin verstößt. Es ist nun mal verboten, zu singen und zu tanzen.«

»Malin hat recht«, stimmte mir Navena zu. »Was, wenn jemand gesehen hätte, wie du hier so blöd rumhüpfst?«

»Aber mich hat niemand gesehen«, entgegnete Alina gereizt. »Und ich hüpfe auch nicht blöd!«

Navena streckte ihrer großen Schwester die Zunge raus. »Bäääh!«

»Du benimmst dich wie ein Kleinkind!«, blaffte Alina.

Mein Blick wanderte wieder zum Schloss. Tanzen, wallende Kleider, königliche Bälle … allein der Gedanke daran war abwegig und doch hatte ich ein klares Bild davon vor Augen.

Vielleicht war ich früher einmal auf einem Ball gewesen? Immer wieder kam es vor, dass ich glaubte, mich an etwas aus meiner Vergangenheit erinnern zu können. Doch das verging schnell und verlor sich, wie ein Traum, der bereits kurz nach dem Aufwachen zu schwinden begann. Was zurückblieb, war Leere in meinem Kopf, wo die Erinnerungen an mein bisheriges Leben sein sollten.

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Königin keine Tanzbälle gibt«, meinte Alina und riss mich damit aus meinen Gedanken. »Worum wetten wir, dass man am Schloss singen, tanzen und musizieren darf?«

Navena lachte hämisch. »Wahrscheinlich hat sie es nur dem Volk von Avendar verboten, weil sie unser Gequake nicht ertragen kann.«

»Dann müsste sie uns auch das Lachen verbieten, denn du klingst dabei wie ein alter Esel!«

»Das ist überhaupt nicht wahr!«, beschwerte sich Navena. Sie sprang auf, verteilte dabei die aufgesammelten Wurzeln auf dem Boden und stürzte auf Alina zu. Die ließ ihren Korb fallen und suchte fluchtartig das Weite. Lachend rannten die beiden Schwestern über das verschneite Feld und bewarfen sich mit Schneebällen.

Zumindest das war nicht verboten. Lachen durfte das Volk von Avendar noch. Allerdings gab es nicht viele Gründe dafür. Nicht bei der Armut, die überall vorherrschte, bei dem Hunger und dem Verbot, auch nur zu Summen. In einem Land zu leben, das unter Eis und Schnee bedeckt lag, war für niemanden leicht. Dabei mochte ich den Winter. Ich liebte es, wie der Schnee bei jedem meiner Schritte leise knirschte. Wenn die Sonne ihn zum Glitzern brachte und die Welt aussah, als wäre sie von Diamantenstaub bedeckt. Jede Schneeflocke war ein einzigartiges Kunstwerk. Auf den ersten Blick mochten sie zart und vergänglich sein und doch waren sie in ihrer Masse eine unüberwindbare Streitmacht, die jeden Feind in die Knie zwingen konnte. Der ewige Winter war voller Wunder und Schönheit, die man ihm trotz seiner tödlichen Gefahren nicht absprechen konnte.

Ich schaute ein letztes Mal zum Schloss, dann sammelte ich die heruntergefallenen Wurzeln ein, nahm alle drei Körbe und machte mich auf den Heimweg. Es dämmerte allmählich und Wolken zogen sich am Himmel zusammen.

»Alina, Navena, kommt ihr?«, rief ich den beiden zu.

Die Mädchen lachten und jagten einander noch immer. Erst kurz bevor wir Embird erreicht hatten, schlossen sie zu mir auf.

»Jetzt hast du alles allein schleppen müssen«, entschuldigte sich Alina schwer atmend und griff sich ihren Korb.

Navena nahm mir ihren ab.

Wir durchquerten das beschauliche kleine Städtchen, mit seinen strohbedeckten Fachwerkhäusern und gepflegten Vorgärten. Hier und dort behaupteten sich darin ein paar Rosen, Veilchen und Krokusse Kamelien gegen die eisige Kälte. Die Bewohner Embirds taten alles, um die einstige Schönheit ihrer Heimat zu bewahren. Dennoch konnte man den beginnenden Verfall nicht verleugnen.

Als wir den Marktplatz passierten, sahen wir den Händler mit seinem Pferdekarren. Die Waren darauf hatte er mittlerweile enthüllt und pries nun Töpfe und Pfannen bester Qualität an. Viel Aufmerksamkeit bekam er jedoch nicht. Die Stadtbewohner konnten sich kaum das Brot auf ihren Tellern leisten, geschweige denn Eisenwaren.

Vom Hof des Pferdewirts hörte man eine Glocke schlagen.

»Es gibt schon Essen!«, stellte Navena freudig fest.

»Ich habe so einen Hunger!«, jammerte Alina.

Die beiden beschleunigten ihre Schritte und hatten es so eilig, dass sie nicht bemerkten, wie ihnen immer wieder ein paar Wurzeln aus den Körben fielen. Ich folgte ihnen und klaubte eine Wurzel nach der anderen vom Boden auf. Wir konnten es uns nicht leisten, auch nur auf eine davon zu verzichten.

Am Hof angekommen stand die Hausherrin in der offenen Tür und schlug die Glocke. Marisol war eine stattliche Frau, mit eiserner Mimik, aber warmherzigen Augen. Der Pferdewirt gehörte zu den wohlhabenderen Bewohnern Embirds, was man seiner Gattin auch ansah. Trotz der vorherrschenden Armut trug sie stets ihre besten Kleider und steckte sich ihr Haar mit hübschen Spangen hoch.

»Ab rein mit euch, Mädchen!«, rief sie ihren Töchtern zu. »Lasst mal sehen, was ihr gefunden habt.«

»Was gibt es zu essen, Mutter?«, fragte Alina. Sie stellte ihren Korb an der Tür ab und klopfte sich den Schnee von den Stiefeln. Die Frau warf einen flüchtigen Blick auf die gesammelten Wurzeln der Mädchen. Ihre Enttäuschung über die karge Ausbeute des Tages konnte sie nur schwer...



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