E-Book, Deutsch, 118 Seiten
Jaggi Burnout praxisnah
3. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96543-066-2
Verlag: Lehmanns Media GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 118 Seiten
ISBN: 978-3-96543-066-2
Verlag: Lehmanns Media GmbH
Format: EPUB
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In einer aktuellen Stellungnahme spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezüglich Burnout von einem Faktor, der die Gesundheit beeinträchtigen kann. Das Gefühl des Ausgebranntseins resultiert demnach aus chronischem Stress am Arbeitsplatz, der unter anderem zu einer negativen Einstellung zum Job und zu geringerer Leistungskraft führen kann. Waren Diagnostik, Therapie und Prävention des Burnout bisher nur in Umrissen festgehalten worden, versucht der Autor die Krankheit wirkungsvoll auf Bewältigungsstrategien zu konkretisieren, wobei er sich besonders intensiv an der Wirkungsweise von Resilienz orientiert. Bezeichnet wird damit die psychische Widerstandsfähigkeit, um belastende Lebenssituationen gelassen bewältigen zu können. Die aktualisierte und erweiterte Neuauflage bietet kurz und prägnant die wesentlichen Informationen, die für Fachärzte und Psychologen zum tieferen Verständnis notwendig sind. Aber auch für Patienten und deren persönliches Umfeld, für Personalmanager (human resources), Gesundheitspolitiker, Betriebswirtschafter, Juristen und Sozialarbeiter werden die Ausführungen von hohem Nutzen sein.
Autoren/Hrsg.
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4 Forschung und diagnostische Werkzeuge
Um 1974 interessierte sich Christina Maslach, Sozialpsychologin an der Universität Berkeley, Kalifornien, für zwei Phänomene: „Detached concern“, distanzierte Anteilnahme: ideale Grundhaltung in medizinischen Berufen. Der Profi hält mit traumwandlerischer Sicherheit die Balance zwischen Empathie und eigener seelischer Ausgeglichenheit.
„Dehumanisierung“: Zustand ausgeprägter emotionaler Distanz gegenüber den Mitmenschen. Die Verfilmung des „Stanford-Gefängnis-Experimentes“ veranschaulicht sehr eindrücklich diesen Zustand. Philip Zimbardo, Psychologe an der Universität Stanford, Kalifornien, ließ bei diesem Experiment in einer Art Abenteuerurlaub zwölf gesunde Studenten die Rollen von Gefangenen und deren Wärtern übernehmen. Das Experiment geriet nach nur fünf Tagen außer Kontrolle: Die ursprünglich wohlerzogenen, anständigen Studenten-Wärter mutierten zu Bösewichten, die auch vor Folter und Misshandlung nicht zurückschreckten (Entkleidung, Fesselung etc.). Das Experiment musste abgebrochen werden. In einem Gespräch mit einem Anwalt stellte dieser fest, dass ein solches Phänomen auch unter seinen Kollegen verbreitet sei. Man bezeichne das als „Burnout“. Auch bei Krankenpflegepersonal wurde dieses festgestellt. In der Folge erarbeitete Christina Maslach als Instrument zur Untersuchung des Burnouts in größeren Personengruppen das 25 Fragen umfassende „Maslach-Burnout-Inventar“ (MBI). [52] [51] Das Original Maslach-Burnout-Inventory (MBI)
Im „Maslach-Burnout-Inventory“ [51, S. 102 f.] (s. unten) werden Aussagen zu arbeitsbezogenen Gefühlen und Gedanken analysiert. Es erlaubt so eine mehrdimensionale Darstellung des Burnouts bezüglich der folgenden Merkmale: Emotionale Erschöpfung (9 Aussagen) Depersonalisierung (5 Aussagen) Persönliche Leistungsfähigkeit (8 Aussagen) Involviertheit (3 Aussagen): In der deutschen Übersetzung des MBI integriert, aber in der Grundversion von C. Maslach ursprünglich nicht enthalten. Das MBI erlaubt nur: Eine Selbsteinschätzung Die Ableitung einer Tendenz für ein Burnout. Vorteile des MBI: Auswertung innerhalb von 10 Minuten (ökonomisch) Gute Reproduzierbarkeit (Reliabilität). Nachteile des MBI: Lange Dauer zur Beantwortung (10 bis 15 Minuten) Ursprüngliche Zielgruppe: Gesundheitsberufe (Ärzte, Pflegefachpersonen, Angestellte in Pflegeheimen) Nur im Zusammenhang interpretierbar. Zusätzlich notwendig sind Verhaltensbeobachtungen durch Kollegen, Vorgesetzte, Supervisoren: Gibt es mehr Arbeitspausen? Ist die Arbeitsleistung reduziert? Wie ist die Arbeitszufriedenheit? Fehltage? Stellenwechsel? Neue medizinische (psychische und somatische) Diagnosen? Maslach-Burnout-Inventory (MBI) Sie finden 25 Aussagen über arbeitsbezogene Gefühle und Gedanken. Bitte lesen Sie sorgfältig jede Aussage. Wenn das dort angesprochene Gefühl manchmal bei Ihnen auftaucht, beantworten Sie bitte, wie oft Sie es erleben, indem Sie die entsprechende Zahl (1–6) ankreuzen. Wenn es nicht auftaucht, kreuzen Sie „0“ an und gehen zur nächsten Aussage über.
Wie oft ereignet sich das? 0. nie 1. einige Male im Jahr 2. einmal im Monat 3. einige Male im Monat 4. einmal pro Woche 5. einige Male pro Woche 6. täglich Aussagen 1. Ich fühle mich von meiner Arbeit ausgelaugt. 0 1 2 3 4 5 6 2. Am Ende des Arbeitstages fühle ich mich erledigt. 0 1 2 3 4 5 6 3. Ich fühle mich müde, wenn ich morgens aufstehe und wieder einen Arbeitstag vor mir habe. 0 1 2 3 4 5 6 4. Es gelingt mir gut, mich in meine Klienten hineinzuversetzen. 0 1 2 3 4 5 6 5. Ich glaube, ich behandle einige Klienten, als ob sie unpersönliche „Objekte“ wären. 0 1 2 3 4 5 6 6. Den ganzen Tag mit Leuten zu arbeiten, ist wirklich eine Strapaze für mich. 0 1 2 3 4 5 6 7. Den Umgang mit Problemen meiner Klienten habe ich gut im Griff. 0 1 2 3 4 5 6 8. Durch meine Arbeit fühle ich mich ausgebrannt. 0 1 2 3 4 5 6 9. Ich glaube, dass ich das Leben anderer Leute durch meine Arbeit positiv beeinflusse. 0 1 2 3 4 5 6 10. Seit ich diese Arbeit mache, bin ich gleichgültiger gegenüber Leuten geworden. 0 1 2 3 4 5 6 11. Ich befürchte, dass diese Arbeit mich emotional verhärtet. 0 1 2 3 4 5 6 12. Ich fühle mich voller Tatkraft. 0 1 2 3 4 5 6 13. Meine Arbeit frustriert mich. 0 1 2 3 4 5 6 14. Ich glaube, ich strenge mich bei meiner Arbeit zu sehr an. 0 1 2 3 4 5 6 15. Bei manchen Klienten interessiert es mich eigentlich nicht wirklich, was aus/mit ihnen wird. 0 1 2 3 4 5 6 16. Mit Menschen in der direkten Auseinandersetzung arbeiten zu müssen, belastet mich zu sehr. 0 1 2 3 4 5 6 17. Es fällt mir leicht, eine entspannte Atmosphäre mit meinen Klienten herzustellen. 0 1 2 3 4 5 6 18. Ich fühle mich angeregt, wenn ich intensiv mit meinen Klienten gearbeitet habe. 0 1 2 3 4 5 6 19. Ich habe viele wertvolle Dinge in meiner derzeitigen Arbeit erreicht. 0 1 2 3 4 5 6 20. Ich glaube, ich bin mit meinem Latein am Ende. 0 1 2 3 4 5 6 21. In der Arbeit gehe ich mit emotionalen Problemen sehr ruhig und ausgeglichen um. 0 1 2 3 4 5 6 22. Ich spüre, dass Klienten mich für einige ihrer Probleme verantwortlich machen. 0 1 2 3 4 5 6 23. Ich fühle mich meinen Klienten in vieler Hinsicht ähnlich. 0 1 2 3 4 5 6 24. Von den Problemen meiner Klienten bin ich persönlich berührt. 0 1 2 3 4 5 6 25. Ich fühle mich unbehaglich bei dem Gedanken daran, wie ich einige meiner Klienten behandelt habe. 0 1 2 3 4 5 6 Das MBI untersucht drei Dimensionen: Erschöpfung, Depersonalisierung und persönliche Leistungsfähigkeit. Berufliche Erschöpfung:
Fragen 1, 2, 3, 6, 8, 13, 14, 16, 20
0-17 : leichtgradiges Burnout 18-29 : mittelgradiges Burnout >30 : schweres Burnout Depersonalisierung:
Fragen 5, 10, 11, 15, 25 < 5 : leichtgradiges Burnout >12 : schweres Burnout Persönliche Leistungsfähigkeit:
Fragen 4, 7, 9, 12, 17, 18, 19, 21 ... > 40 : leichtgradiges Burnout




