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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 7, 288 Seiten
Jagusch Eifelbande
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98707-250-5
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 7, 288 Seiten
Reihe: Hotte Fischbach, Jan Welscher
ISBN: 978-3-98707-250-5
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Rudolf Jagusch, 1967 geboren, arbeitet als freier Schriftsteller in der Nähe von Köln. www.rudijagusch.com
Autoren/Hrsg.
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Von Kommern aus waren es nur wenige Minuten bis zur Nachbargemeinde Sinzenich, ein Ortsteil von Zülpich. Fischbach genoss den Abstecher. Jetzt, am frühen Morgen, war die Luft angenehm klar und frisch. Er fuhr durch den Ort und bog dann rechts in die Lizenicher Straße ein.
Ein Stück weiter stellte er seine Maschine auf dem kleinen Platz vor dem steinernen Kreuz mit der Marienstatue ab. Direkt daneben parkte ein silber-blauer Polizeiwagen. Rundherum standen Einfamilienhäuser, Stellplätze vor den Haustüren, einige Gärten durch Hecken von der Straße abgeschirmt.
Die Fahrertür des Streifenwagens schwang auf, und Thomas Gilles stieg aus. Mit diesem Kollegen hatte Fischbach bereits einige bizarre Situationen erlebt. Gilles war ein fähiger Beamter, doch neigte er zur Selbstgefälligkeit und klopfte manches Mal Sprüche, die nicht mehr in die Zeit passten und den Adressaten daher immer häufiger aufstießen. Einmal hätte ihn das sogar fast seinen Job gekostet. Immerhin hatte Gilles ein Einsehen gehabt und versuchte mittlerweile, sich zu ändern. Was ihm mal mehr, mal weniger gut gelang.
Fischbach sah über einige Eskapaden des Kollegen hinweg, da er wusste, dass unter der ungehobelten Schale, die Gilles im Dienst gern an den Tag legte, ein feinfühliger Kerl steckte. Gilles half ehrenamtlich auf dem Gnadenhof seines gebrechlichen Onkels aus. Ohne seinen Einsatz wäre das Tierwohl dort nicht mehr gewährleistet. Das war ihm hoch anzurechnen.
Fischbach schaute durch die Heckscheibe in den Wagen. »Du bist alleine unterwegs?«, fragte er und begrüßte Gilles mit einem festen Handschlag.
Üblicherweise waren die Streifenpolizisten zu zweit auf Achse, um sich bei Gefahr in Verzug gegenseitig Beistand leisten zu können.
»Habe die Kollegin zur Wache gefahren. Sie soll schon mal die Berichte tippen. Die Frauen können das ja auch besser mit ihren flinken …«
Fischbach unterbrach die Ausführung mit einem vernehmlichen Räuspern.
Gilles’ Wangen färbten sich rot. »Was? Ach so, ja. Okay … also … ähm, blöd von mir. Dachte nur, weil wir ja hier unter uns …«
»Auch dann nicht.«
»Verstehe, verstehe, dann vergiss das mal rasch.«
Fischbach nickte gönnerhaft. Er selbst hatte auch so seine liebe Not damit, sich dem Zeitgeist entsprechend auszudrücken. Daher wusste er die Herausforderung, der Gilles gegenüberstand, bestens einzuordnen. Um festgefahrene Gepflogenheiten zu ändern, bedurfte es großer Anstrengung. »Zurück zum Wesentlichen. Was ist los? Warum hast du mich hierhergerufen?«
»Es geht um die Sache da.« Gilles wies auf die Straße.
Fischbach war schon bei seiner Ankunft aufgefallen, dass sich hier ein Verkehrsunfall ereignet hatte. Bremsspuren waren mit Kreide gekennzeichnet worden, und der dunkle Fleck auf dem Asphalt deutete auf wenigstens eine bei dem Unfall schwerwiegend verletzte Person hin. »Dann wäre ein Anruf beim Verkehrsunfallaufnahmeteam die richtigere Wahl gewesen. Ich habe doch damit nichts zu tun.«
»Die Jungs waren schon hier. Sind vor einer Stunde wieder abgerauscht.«
»Waren keine Frauen dabei?«
»Was … ach so, ja … klar, ein Mädel … äh … Kollegin meine ich … Die war auch dabei.«
»Was für eine schwierige Geburt«, brummte Fischbach. »Ob das Umdenken bei dir irgendwann von Erfolg gekrönt sein wird, da habe ich Zweifel.«
»Divers war aber niemand«, ergänzte Gilles mehr an sich selbst gewandt, nahm seine Dienstmütze vom Armaturenbrett und setzte sie schwungvoll auf. »Widmen wir uns jetzt wieder den wichtigen Themen im Leben. Es war kein Unfall.«
»Bitte? Etwa etwas für uns? Warum hat uns denn dann keiner benachrichtigt?«
»Sah ja zunächst nach Routine aus. Inzwischen zeigt sich aber ein anderes Bild. Bestimmt wirst du gleich offiziell benachrichtigt. In aller Freundschaft habe ich den kurzen Dienstweg gewählt und dich direkt angerufen. Ich hoffe, das ist dir recht. Komm mal mit.«
Während sie über die Straße gingen, berichtete Gilles. »Der Unfall ereignete sich heute Nacht um kurz vor zwei. Eine Frau wurde dabei lebensbedrohlich verletzt und ins Krankenhaus nach Mechernich gebracht.« Er deutete mit der Hand vage die Richtung an. »Der RTW und der Notarzt waren zwar rasch zur Stelle, doch es gibt wohl leider wenig Hoffnung, dass sie es übersteht.«
»Scheiße«, knurrte Fischbach und meinte damit nicht nur den kritischen Status des Opfers, sondern auch das, was die Kolleginnen und Kollegen letzte Nacht demnach zu sehen bekommen hatten. Die Leichen, derer er bei seinen Fällen ansichtig wurde, reichten ihm voll und ganz. Er war froh, keine Streife mehr zu fahren.
Sie steuerten auf ein Haus auf der anderen Straßenseite zu.
»Habt ihr den Fahrzeugführer?«, fragte Fischbach.
»Nein«, antwortete Gilles. »Der ist längst über alle Berge. Er öffnete das Tor, ging zur Haustür und klingelte.
Beinahe sofort wurde die Tür aufgerissen. Ein schlaksiger Teenager stand vor ihnen. Er trug ein T-Shirt mit einem riesigen »K« auf der Brust, drum herum konnte Fischbach »Kraftklub« lesen. Vermutlich die Bezeichnung eines ortsansässigen Fitnessstudios. Der junge Mann trat zappelig von einem Bein auf das andere, deutete in den Flur und nuschelte etwas.
»Habe kein Wort verstanden«, raunte Fischbach.
»Wir sollen mitkommen«, übersetzte Gilles. »Seine Eltern sind bei der Arbeit. Wir dürfen aber trotzdem mit ihm sprechen, habe ich vorhin mit denen abgeklärt.«
Über eine steile Treppe ging es in das oberste Stockwerk. Sie betraten ein großes Zimmer. Routiniert verschaffte sich Fischbach einen Überblick. Offenbar war dies das Reich des jungen Mannes. Das Bett war zerwühlt, der Kleiderschrank stand offen. Darin sah es aus, als hätte jemand die Wäsche mit einer Kanone hineingeschossen. Bügel schien es für die Kleidungsstücke nicht zu geben. In einer Ecke stand ein Kleintierkäfig, ein Meerschweinchen fiepte aufgeregt. An der Wand hing ein Kalender. Das Blatt zeigte einen Rennwagen, die Initialen »JP« waren in fetten Lettern in der linken oberen Ecke abgedruckt. Fischbach assoziierte damit »John Player«. In jungen Jahren war er öfters am Nürburgring und fasziniert von dem Design der mit goldenem Schriftzug versehenen schwarzen Wagen des Rennteams gewesen. Allerdings war er sich fast sicher, dass es richtigerweise »JPS«, »John Player Special« hätte heißen müssen. Es schien sich um einen Fehldruck zu handeln. Er überlegte kurz, den jungen Mann darauf hinzuweisen, ließ es aber bleiben. Er war nicht hier, um solche Lappalien richtigzustellen.
Dominiert wurde der Raum von einem Schreibtisch, auf dem drei Monitore standen. An der vorderen Kante klemmte ein Lenkrad, ein Satz Pedale stand unter der Tischplatte auf dem Boden. Auf den Monitoren lief ein Autorennspiel. Im Mülleimer lagen etliche geleerte Energydrinks, was das zappelige Verhalten des Jungen erklärte.
Ein normales Jugendzimmer, schloss Fischbach.
Der Teenager wies auf das große Fenster seitlich des Schreibtischs. »Da.«
Fischbach trat näher.
Gilles stellte sich an seine Seite. »Von hier oben hast du die gesamte Straße im Blick. Der Junge heißt übrigens Zacharias Bäumler.«
Es bedurfte keiner großen Kombinationsgabe, um zu wissen, worauf das hier hinauslief, daher sagte Fischbach: »Er hat alles gesehen.«
»Fast alles, ja.«
Sie drehten sich um.
Zacharias hatte auf dem Bett Platz genommen. In der Hand hielt er eine Dose, auf der zwei rote Bullen mit gesenkten Köpfen aufeinander losgingen.
Während Fischbach überlegte, ob er den jungen Mann siezen sollte, eröffnete Gilles das Gespräch.
»Erzähl bitte meinem Kollegen, was du mir vorhin berichtet hast.«
Zacharias nahm einen Schluck aus der Dose, nuschelte dann temporeich einen Satz.
»Was?«, hakte Fischbach nach. »Es tut mir leid, ich habe wieder nichts verstanden.«
Der junge Mann verdrehte die Augen, rülpste und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. »Immer das Gleiche mit eurer Altersklasse«, beschwerte er sich, diesmal klar und deutlich. »Wenn ich mal so werde, dann erschieße ich mich.«
»Wie freundlich«, entgegnete Fischbach ein wenig düpiert.
Gilles ließ sich mit einem Lacher auf den Schreibtischstuhl fallen und umfasste das Lenkrad. »Da haben sich ja zwei gefunden«, rief er. »Wie funktioniert das hier eigentlich?«
Zacharias sprang auf, ergriff die Maus und bewegte den Cursor über den Bildschirm. Es schien ihm zu gefallen, dass sich jemand für das Spiel interessierte. »Arcade-Modus«, sagte er. Ein Countdown erschien. »Einfach drauflos. Gangschaltung steht auf Automatik. Nur lenken, bremsen und Gas geben.«
»Krieg ich hin«, verkündete Gilles. »Habe schon unzählige Fahrsicherheitstrainings gehabt. Das hier ist garantiert ein Witz dagegen.«
Zacharias hob skeptisch die Augenbrauen. »Hm, okay, da bin ich aber jetzt wirklich gespannt, was ihr Bullen so draufhabt.«
»Dann pass mal auf.« Gilles trat das Gaspedal durch. »Und übrigens: ›Bullen‹ sagt man nicht.« Sein Wagen schoss über die virtuelle Fahrbahn und rammte das Heck eines Vorausfahrenden.
»Geht ja gut los«, lästerte Zacharias.
»Alles Absicht«, erklärte Gilles. »Mit einem gezielten Hecktreffer kannst du Flüchtige aus der Spur bringen und somit stoppen. Oder dir einen Vorsprung verschaffen. Lass mich mal machen. Und berichte dem Kollegen bitte solange, was du gesehen hast.«
Zacharias verfolgte noch einige Sekunden skeptisch, was Gilles da trieb, wandte sich dann aber folgsam Fischbach zu. »Weißer Lieferwagen, ein Transit,...




