E-Book, Deutsch, 308 Seiten
Jamison Secret - Der geheime Verehrer
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96089-559-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 308 Seiten
ISBN: 978-3-96089-559-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Du verdienst all die Küsse, die du willst ... Benji, Ich möchte, dass du weißt, wie großartig du bist. Du wirst es mir nicht glauben, weil ich nur der beste Freund deines Bruders bin, aber es ist wahr. Jeden Tag wachsen meine Gefühle für dich, verwirrend aber unbestreitbar. Mit ein paar anonymen Liebesbeweisen habe ich endlich ein Ventil für all die Dinge, die ich nicht aussprechen kann. Und mit jedem Geschenk und jeder Notiz lächelst du. Für mich. Nicht für den Heterofreund deines Bruders, es ist etwas Neues. Etwas mehr. Etwas, das alles verändern wird, wenn wir beide den Mut finden, daran zu glauben. Ich muss dir nur gestehen, wer ich wirklich bin: Dein geheimer Verehrer ?
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Kapitel 1
Benji
Ich spielte mit den Filmtickets in meiner Hand und suchte den Block nach meinem Date ab.
Mein erstes Date auf dem College. Mein erstes Date überhaupt.
Mein Magen zog sich zusammen. Ich war nicht gut in diesen Dingen, selbst unter den besten Umständen – und das hier waren bestimmt nicht die besten Umstände. Mein Date war zu spät. Viel zu spät.
Auf der Highschool war ich der einzige schwule Junge gewesen – zumindest der einzige geoutete – also hatte ich keinen zwingenden Druck gehabt, jemanden zu daten. Es hatte einfach keine Optionen gegeben. Das hätte einige Jungs vielleicht deprimiert. Mich aber nicht. Der Junge, auf den ich stand, war sowieso unerreichbar. Also bin ich die meisten Abende in meinem Zimmer geblieben, habe gezeichnet, Animes geschaut und die Welt durch Geschichten und Kunst erlebt.
Aber ich war nicht mehr auf der Highschool. Ich war auf dem College und versuchte, ein neues Leben anzufangen als der ältere, reifere, elegantere Benjamin McKenzie.
Ich wollte den ängstlichen Benji zurücklassen und endlich als freier Künstler meine Flügel ausbreiten. Eine Vision, die mein älterer Bruder mir in den Kopf gesetzt hatte, um mich dazu zu bringen, das kleine College zweihundert Meilen von Zuhause zu besuchen.
Natürlich hätte Jeremy hier sein sollen, um mir das Fliegen beizubringen. Aber er hatte in letzter Minute ein Angebot für ein Stipendium in Chicago erhalten – zu gut, um es abzulehnen, nur um seinem kleinen Bruder die Hand zu halten. Ich war nicht sauer gewesen. Es war eine super Gelegenheit für ihn. Aber Jeremy war derjenige, der mich überredet hatte, hier zu studieren. Er hatte mir versprochen, mein Sicherheitsnetz zu sein. Und jetzt war er nicht hier.
Nur sein bester Freund. Sein umwerfender, unerreichbarer bester Freund.
Denk nicht an Ace, denk an Kaleb.
Kaleb, der nirgendwo zu sehen war, egal, wie angestrengt ich in die Menge der Leute starrte, die sich zwischen den Restaurants und Bars bewegte. Ich war nicht direkt auf dem Campus, aber nah genug, dass die Straßen mit Leuten Mitte zwanzig gefüllt waren, die abhängen oder vögeln wollten. Oder beides. Vielleicht hätte ich etwas Besseres vorschlagen sollen. Ein Konzert, oder … sich bei ihm zu treffen für das Offensichtliche. Aber ich war so unerfahren, dass es schon peinlich war. Stattdessen hatte ich mich für die sichere Variante entschieden: einen Film.
Langweilig, oder? So viel zum Thema Reife. Ich hätte eine Kunstausstellung vorgeschlagen, aber wir hatten mehrere Nachmittage zusammen an Kunstprojekten gearbeitet. Es fühlte sich ein bisschen so an, als hätten wir das alles schon hundertmal gesehen. Außerdem liebte ich das historische Kino. Es war elegant. Und es hätte perfekt zu einem Filmstudenten wie Kaleb gepasst, aber … Vielleicht war ich der Einzige, der so dachte, denn Kaleb war – immer – noch – nicht – hier!
Hinter mir ragte ein großes Vordach mit einem roten Schriftzug auf. Innen gab es Marmorböden, samtbezogene Sessel und Detailarbeiten aus Messing, die das historische Kino von den anderen, moderneren abhob. Es war wunderschön. Edel.
Einsam.
Ich sah zum millionsten Mal auf mein Handy. Keine Anrufe. Keine Nachrichten. Meine Augen wanderten über die Worte, die ich ihm geschrieben hatte: von ruhig, über fragend, bis zu fast schon verzweifelt. Unfähig, noch eine Nachricht zu schreiben, drückte ich stattdessen auf das Anrufsymbol.
Die Mailbox sprang sofort an. Ich wartete fünf Minuten und versuchte es noch einmal, mit demselben Ergebnis. Als ich die Nachrichten erneut durchging, merkte ich, dass nur die Hälfte als zugestellt markiert war.
Omfg! Hat er mich geblockt?
Ich starrte auf mein Handy mit dem Gefühl, verraten worden zu sein. Duzende kleine Hinweise machten auf einmal Sinn. Kalebs verführerische Einladung, dass wir zusammen an unseren Kunstprojekten arbeiten können. Seine Frustration mit seinem Projekt, seine Sorge um die Noten, sein mildes Lächeln, als ich ihm ein bisschen zu sehr geholfen habe.
Ich bin verarscht worden, oder? Natürlich.
Ich ballte die Faust so sehr, dass die Tickets zerknickten.
Warum sonst hätte ein so süßer Typ wie Kaleb mich um ein Date gebeten? Er war eine ganz andere Liga. Mit seinem weichen roten Haar und den Sommersprossen im Gesicht, die ein bisschen zu … sommersprossig waren, war ich im Gegenzug alles andere als ein Hauptgewinn. Irgendwo tief in mir hatte ich geahnt, dass er mich vielleicht nur als eine Art Dankeschön um ein Date gebeten hatte. Dass er nicht wirklich an mir interessiert war. Aber das hier war so viel schlimmer. Er hatte kein Date zum Dank geplant; er hatte überhaupt kein Date geplant.
Ich war so, so dumm.
„Benji?“
Und jetzt war meine Erniedrigung komplett.
Ace Collins, der unmöglich perfekte beste Freund meines Bruders lief auf mich zu, ein breites Lächeln auf seinem hübschen Frat-Boy Gesicht. Sein karamellblondes Haar – eine natürliche Farbe, die ihn nicht wie ein bunter Hund aussehen ließ – war vorne stylisch zerzaust. Seine haselnussbraunen Augen mit goldenen und grünen Sprenkeln reflektierten seine schlichte Freude.
Von allen Menschen, die ich jetzt hätte treffen können…
Mein Gesicht wurde warm und ich wusste, dass ich mein Erröten nicht verstecken konnte. Ich senkte meinen Kopf und starrte auf unsere Füße. Aces Schuhe waren etwas abgewetzt und seine Jeans ausgefranst, aber bei ihm sah es gut aus. An ihm sah alles gut aus.
„Schaust du dir einen Film an?“
Ich zuckte mit den Schultern.
„Heute kein Hoodie“, sang er und zupfte an den Ärmeln meines Hemdes. „Warte, hast du ein Date?“
Ich hielt es nicht aus. Ich drehte mich auf dem Absatz um und ging schnellen Schrittes den Block hinunter. Er konnte leicht mit mir Schritt halten, selbst als ich mich ins Zeug legte. Scheißkurze Beine. Er war gute zehn Zentimeter größer als ich, und ich war einfach winzig. Ich wartete immer noch auf einen Wachstumsschub, der wohl nie kommen würde.
„Hey, warte, was ist los?“
Meine Hand ballte sich zur Faust und zerdrückte die Tickets. Wenn das so weiterging, waren sie am Ende nicht weiter als ein Klumpen aufgelöstes Papier. Ace griff nach meiner Hand, öffnete sie und offenbarte meine Schande. Zwei Tickets für einen Film, der vor vierzig Minuten begonnen hatte.
Ich hatte die ganze Zeit hier herumgestanden, wie ein Idiot. Ich hätte nach Hause gehen sollen, nicht warten und hoffen wie ein Blödmann.
Ace nahm die Tickets und las die Details. Er warf einen Blick zurück zum Kino. Er stellte keine Fragen.
„Los, lass uns ins Ice House gehen“, sagte er. Ich blickte überrascht auf und sah, wie er die Tickets in seine Jeanstasche stopfte. „Männerprobleme verlangen nach Eiscreme.“
Meine Kehle schnürte sich zu. Ich wollte verschwinden, aber ich konnte seine Bitte nicht abschlagen, wenn ich mich so miserabel fühlte. Dark Chocolate-Eis mit Karamell war Pflicht. „Okay.“
Ace legte seinen Arm um meine Schultern und zog mich an sich, während wir gingen, und da hätte ich fast nachgegeben. Sich an seiner Schulter auszuweinen würde sich gut anfühlen. Er würde da sein, eine ruhige Präsenz, die alles akzeptiert, egal was ich loswerden würde. Ace war schon immer gut darin gewesen. Ich hatte ihn drei lange Jahre nicht gesehen, nachdem er mit meinem Bruder den Highschool-Abschluss gemacht hatte, aber als ich auf dem Campus aufgetaucht war, hatte er unsere alte Beziehung wiederaufleben lassen, ein seltsamer Mix aus Bruder und Freund, als ob es nie eine Unterbrechung gegeben hatte.
Wenn er über die Dinge Bescheid wüsste, die ich früher über ihn gedacht habe, würde er schreiend die Flucht ergreifen.
„Soll ich ihm in den Arsch treten?“
Ich schnaubte. „Nein.“
„Ich würde sofort.“
„Ist schon okay. Es war meine Schuld.“
„Wie deine Schuld?“
„Ich hätte niemals glauben dürfen, dass er mich wirklich mag“, murmelte ich. „Das war dumm von mir.“
„Hat er dich nach einem Date gefragt?“, wollte Ace wissen und wir blieben stehen.
„Ja, aber …“
Er unterbrach mich. „Wusste er wo und wann?“
„Ja.“
„Dann ist er ein Arsch, der dich sitzen gelassen hat, und das ist nicht cool. Aber das ist sein Problem. Du verdienst etwas Besseres.“
Ich schnaubte. „Ja, klar.“
„Und ob“, beharrte er. „Du hast eine Menge zu bieten.“
Blasse Haut und ein Klappergestell. Jep, ich war wirklich heiß.
„Du bist mit Jeremy befreundet“, sagte ich abweisend. „Du musst diese netten Dinge sagen. Das bedeutet gar nichts. Das hätte genauso gut mein Bruder sagen können.“
Ace machte einen Schritt auf mich zu, seine Augen auf mich gerichtet. „Tja, aber ich bin nicht dein Bruder. Und ich finde, du bist ziemlich cool. Schlau, süß und ein verdammt guter Künstler.“
Ich kicherte verlegen und rollte mit den Augen.
„Ich meine das ernst.“
„Okay“, sagte ich. „Eins Plus mit Sternchen für den Versuch.“
„Benji …“
„Können wir bitte einfach nur Eis essen gehen?“, bat ich und gestikulierte zu dem Laden zwei Türen weiter. „Ich brauche Schokolade gerade mehr als Komplimente.“
Aces Lächeln erstarb ein...




