E-Book, Deutsch, 420 Seiten
Janke Grenzgänger
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-5380-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Leben zwischen den politischen Welten
E-Book, Deutsch, 420 Seiten
ISBN: 978-3-8192-5380-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor Michael Janke wurde 1953 als West-Berliner geboren, verbrachte seine Kindheit und Jugend aber zu jeder Zeit gleichermaßen in West- und Ost-Berlin bzw. in der DDR. Diese Zeit als Grenzgänger zwischen den politischen Systemen hat von Anfang an sein Leben entscheidend geprägt. Im Jahre 1990 richtete er die erste Gesamt-Berliner Bumerang-Meisterschaft aus und baute in Polen eine Bumerang-Produktion auf. Im Jahre 1999 kaufte er als Miterbe einen Bauernhof in Brandenburg.
Autoren/Hrsg.
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1 Einleitung
1.1 Vorwort
Ich gehöre zu den wohl wenigen Menschen, die ihre Kindheit und Jugend zu jeder Zeit gleichermaßen in Ost- und West-Berlin verbracht haben, und das als „Normalbürger“. Berlin war geteilte Frontstadt und die Speerspitze des „Kalten Krieges“, des globalen Ost-West-Konfliktes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Zeit als „Grenzgänger“ zwischen den politischen Systemen hat mein ganzes Leben entscheident geprägt. Ich sehe das als großes Glück an. Ich hatte in Ost-Berlin eine schöne Kindheit und ein glückliches Leben, so wie viele andere auch.
Ich wünsche mir, dass meine diesbezüglichen Erlebnisse und Erfahrungen und die Menschen, die glücklich in der DDR gelebt haben, nicht in Vergessenheit geraten. Daher habe ich dieses Buch geschrieben.
Ich denke, nicht allzuviele „normale“ Personen, außer Diplomaten und Agenten, haben so intensiv zwischen den beiden politischen Blöcken gelebt. Erstens war es in dieser Form nur für West-Berliner möglich, zweitens mussten die Personen ein extrem großes Interesse daran haben, jederzeit nach Ost-Berlin reisen zu können, denn der Aufwand war erheblich. Die ersten Jahre nach dem Mauerbau durften West-Berliner nicht mehr nach Ost-Berlin und in die DDR einreisen, Bundesbürger aber schon. Somit brauchte man einen zweiten, fiktiven Wohnsitz im Bundesgebiet und einen westdeutschen Reisepass mit dieser Adresse.
Die politischen Umstände und die zwei verschiedenen Leben in den beiden politischen Blöcken haben zu kuriosen Begebenheiten und Verhaltensweisen geführt. Am Grenzübergang durfte ich beispielsweise den Funkturm nicht kennen, weil ich ja offiziell nicht in West-Berlin, sondern in Neumünster in der Bundesrepublik wohnte. In Pankow musste ich gegenüber allen Leuten außer meinen Großeltern abends so tun, als habe ich noch eine längere Reise vor mir. War ich in Ost-Berlin alleine unterwegs, so habe ich, um nicht irgendwie aufzufallen, so getan, als wären meine Großeltern meine Eltern und ich sei ein ganz normales Ost-Berliner Kind, das in Pankow wohnt.
Das Buch ist keine Autobiografie und auch kein wissenschaftlich fundiertes Fach-Buch über die DDR. Ich beschreibe eigene, persönliche Erlebnisse und Erfahrungen und somit auch einen Teil meines Lebens, aber nur, soweit etwas in irgendeiner Weise mit der DDR, dem „Kalten Krieg“ oder der deutschen Politik in Verbindung steht und meiner Meinung nach von einem gewissen allgemeinen Interesse ist. Dazu gehören meine Erlebnisse als Kind und Jugendlicher in Ost-Berlin ebenso wie später meine Bumerang-Veranstaltungen im Westen und im Osten, die Bumerang-Produktion in Polen und der Kauf des großelterlichen Bauernhofes in der Uckermark in Brandenburg.
Es soll nur insofern ein politisches Buch sein, als dass ich von meinem Alltag in der DDR, im Ostblock und in den späteren „Neuen Bundesländern“ berichte. Vielleicht können einige Leser dabei sich selbst und die teilweise verrückten Umstände in der DDR wiedererkennen. Dabei soll es auch ein in Teilen lustiges Buch sein, das Freude bereitet und die Leser, ob sie nun aus dem Osten oder aus dem Westen kommen, zum Schmunzeln bringt, auch wenn es sich oft um einen eher ernsteren Hintergrund handelt. Ich möchte als Zeitzeuge die von mir erlebte Politik in erzählerischer Weise darstellen, damit einige Dinge nicht vergessen werden.
Der kalte Krieg und insbesondere das geteilte Berlin haben von Anfang an mein Leben geprägt. Als meine Mutter mit mir ihre Wehen bekam, waren meine Eltern wie so oft bei meinen Großeltern in Pankow, direkt gegenüber einem Krankenhaus. Das scheint ein idealer Ort zu sein. Aber Berlin war keine normale, sondern eine geteilte Stadt. Pankow liegt in Ost-Berlin, meine Eltern wohnten aber in West-Berlin. Normal wäre es gewesen, hinüber in das Krankenhaus zu gehen. Dann wäre ich aber in der DDR geboren worden, das war für meine Eltern wohl ein unvorstellbarer Gedanke. Also ging es ab in’s Auto, denn egal, was in selbigem passieren mag, die Grenze zu West-Berlin auf der Bornholmer Brücke musste genommen werden, tot oder lebendig. Wir erreichten das Rudolf-Virchow-Krankenhaus im Bezirk Wedding in West-Berlin, dort wurde ich geboren, als West-Berliner und als Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Das war eine gute Übung für die kommenden 15 Jahre. Ich werde als Grenzgänger zwischen den politischen Welten nach dem Mauerbau am 13. August 1961 an die tausend Mal die Bornholmer Brücke überqueren und dort tausende Stunden an Wartezeit verbringen.
West-Berlin stand für mich für Schule, Arbeit, Pflicht und Disziplin, Ost-Berlin für Freizeit, Spaß und Freude. Im Osten fühlte ich mich frei. Natürlich standen meiner Gefühlswelt die realen politischen Verhältnisse diametral entgegen. Daher mag es sein, dass ich zuweilen Ost-Berlin und die DDR etwas verklärt darstelle. Ich versuche jedenfalls, nach bestem Wissen und Gewissen zu berichten.
Selbstverständlich war die DDR ein Unrechtsstaat, eine Diktatur, die nichts mit Demokratie zu tun hatte. Daher will ich diesen Staat in keinster Weise schönreden. Trotzdem haben dort Menschen gelebt, die dort auch glücklich gewesen sind. Deshalb darf heute niemand behaupten, es sei ein falsches Leben gewesen oder eine verlorene Zeit. So hat sich für mich als Kind und Jugendlicher der schönere Teil des Lebens in der „Diktatur DDR“ stattgefunden und nicht in der „Demokratie Bundesrepublik“.
Die DDR bestand aus einer nivellierten, weitgehend homogenen Gesellschaft, einmal abgesehen von der politischen Führungs-Elite. Ein Arzt oder ein Ingenieur verdiente kaum mehr als ein Arbeiter. Alle warteten jahrelang auf ihren „Trabi“, alle hatten ähnliche Datschen, machten ähnliche Urlaube und hatten ähnliche Interessen und Lebensgewohnheiten. Jeder konnte die Probleme des anderen verstehen. Übermäßigen Reichtum gab es kaum und selbst wenn jemand viel Geld hatte, konnte er damit nicht unbedingt viel anfangen, daher spielte Geld keine so große Rolle. Vielleicht ist das in einigen Aspekten ein wenig vergleichbar mit der Bundesrepublik der 50er oder 60er Jahre.
Nach meiner Erfahrung haben sich viele DDR-Bürger in das Private zurückgezogen und sich wenig um Politik gekümmert. Im Gegensatz zum Westen habe ich die Gesellschaft der DDR als erstaunlich unpolitisch empfunden. Jeder wusste, dass Politik gefährlich sein und überall die Stasi lauern konnte. Im Westen gab es an jedem Biertisch heftige politische Diskussionen, in der DDR gab es das nicht. Politische Gespräche und Diskussionen fanden dort im Alltag kaum statt, man redete lieber über den Ausbau der Datsche, das Faltboot oder ein Kochrezept, aber nicht über Politik. Der Bürger hat den Staat in Ruhe gelassen, dafür hat auch der Staat den Bürger in Ruhe gelassen, meistens jedenfalls und solange er nicht politisch brisant tätig wurde.
Das mag auch mit den Erfahrungen des „17. Juni 1953“ zu tun gehabt haben, als russische Panzer einen wirtschaftlich begründeten (Erhöhung der Arbeitsnormen) DDR-weiten Aufstand der Arbeiter niederwalzt haben. Bei der „Wende 1989“ war die politische Großwetterlage eine andere. Es war im Gegensatz zum „17. Juni“ im Wesentlichen eine Wende der Intellektuellen und Künstler, obwohl sich am Ende viele angeschlossen haben. Was bis heute bleibt, ist ein tiefes Misstrauen in alles, was mit dem Staat zu tun hat.
In dem Buch nimmt das Thema „Bumerang“ einen recht großen Anteil ein, das ist kein Zufall. Einerseits haben viele meiner diesbezüglichen Aktivitäten etwas mit der DDR bzw. Polen zu tun. Anderseits zieht sich der Bumerang wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben. Wer mehr darüber erfahren möchte, der sei auf mein Fach-Buch „Leicht- und Zimmer-Bumerangs“ oder auf meine Internet-WebSite „www.leicht-bumerangs.de“ verwiesen. In diesem Buch spielt natürlich auch die DDR eine wichtige Rolle.
Ich habe versucht, dieses Buch nach bestem Wissen und Gewissen zu schreiben. Doch viele Erlebnisse sind Jahrzehnte her, vieles habe ich sicherlich verklärt dargestellt, an einiges kann ich mich auch nicht mehr genau erinnern. Daher, bleiben Sie bitte immer kritisch, hinterfragen Sie alles und vertrauen Sie am Ende immer nur Ihrer eigenen Erfahrung, denn nur von ihr wissen Sie wirklich, dass sie stimmt. Und genau genommen wissen Sie nicht einmal das.
1.2 Zur Benutzung des Buches
Die Gliederung dieses Buches ist mir nicht leichtgefallen, ich habe mehrfach alles neu strukturiert. Schließlich habe ich mich an drei Zielen orientiert, denen jeweils ein Teil des Buches entspricht.
In „Teil 1 - Chronologie“ bekommen die Leser einen gewissen chronologischen Überblick, um die Ereignisse in ihrer jeweiligen Zeit einordnen zu können und einen durchgehenden Leitfaden zu haben. Einige Themen werden hier nur kurz angerissen, um in Teil 2 ausführlich behandelt zu werden.
In „Teil 2 - Themen“ stelle ich die Themen vor, die gerade auch in Hinblick auf meine Erfahrungen als Grenzgänger zwischen West und Ost für mich entscheidende Lebensereignisse sind. Sie sind so...




