E-Book, Deutsch, 390 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 225 mm
Reihe: Kultur- und Medientheorie
Jannelli / Dr. Angela Jannelli Wilde Museen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8394-1985-4
Verlag: transcript
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Zur Museologie des Amateurmuseums
E-Book, Deutsch, 390 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 225 mm
Reihe: Kultur- und Medientheorie
ISBN: 978-3-8394-1985-4
Verlag: transcript
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
. mit Angela Jannelli
1. 'Bücher, die die Welt nicht braucht.' Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Amateurmuseen sind in der Museologie ein kaum beachteter Forschungsgegenstand und werden als zugerümpelte, von hoffnungslosen Nostalgikern betriebene Räume der Gegenwartsflucht abgetan. Diese Haltung hat mich immer erstaunt, werden doch ca. 50% aller Museen von Amateuren betrieben. Was aber motiviert all diese Leute? Was ist so attraktiv am Museum? Unter einer solchen Fragestellung, die den Fokus auf das Museummachen als populäre kulturelle Praxis legt, wurden Amateurmuseen noch nie betrachtet.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
In meiner Arbeit habe ich Claude Lévi-Strauss' Theorie des ›wilden Denkens‹ auf die Museumswelt angewandt: Indem ich Amateurmuseen als ›wilde Museen‹ – also als nicht-wissenschaftliche aber der Wissenschaft gleichberechtigte Formen der Welterklärung – betrachtet habe, war es möglich, das Amateurmuseum als eigenständige kulturelle Äußerungsform zu begreifen und nicht lediglich als ›stammelnde Vorstufe‹ des wissenschaftlichen Museums abzutun. Das ›wilde Museum‹ wird so als wirkungsmächtiger symbolischer Handlungsraum sichtbar, die dem Sammeln und (An-)Ordnen innewohnenden sinn- und identitätsstiftenden Qualitäten treten deutlich hervor. Das (Amateur-)Museum zeigt sich als Raum, in dem es im buchstäblichen wie auch im übertragenen Sinn darum geht, die Dinge in Ordnung zu bringen. Die mündliche Überlieferung spielt dabei eine wichtige Rolle, werden ›die Dinge‹ doch vorwiegend in Führungen interpretiert und nicht durch Ausstellungstexte. Trotz ihrer Dingfixiertheit zeigen sich die Amateurmuseen damit als Orte der Oralität, als typische ›milieux narratifs‹ der Spätmoderne.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Für meine Untersuchung des Amateurmuseums als populäre kulturelle Praxis habe ich Forschungen aus den Bereichen Gedächtnis und Erinnerung, materielle Kultur und Narratologie, Raumsoziologie und Performanztheorie miteinander verwoben. Auf diese Weise war ein neuer Blick auf das Amateurmuseum möglich, ein Blick, der sich jenseits der Musealisierungstheorie der 1980/90er Jahre – die den Museumsboom als ein die Unsicherheiten des Fortschritts kompensierendes Phänomen interpretierte – und den Forderungen der New Museology nach einer stärkeren gesellschaftlichen Relevanz und der Integration von Laien in die Museumsarbeit bewegt. Durch meine Untersuchung konnte ich Antworten auf die Frage finden, welchen persönlichen und gesellschaftlichen ›Mehrwert‹ das Museummachen bietet. Für professionelle Museumsmacher liegt ein praktischer Nutzen meiner Arbeit darin, die häufig in der Zusammenarbeit mit Laien entstehenden Konflikte zu vermeiden, da sie für die oftmals grundverschiedenen Erwartungen der ›wissenschaftlichen‹ und der ›wilden‹ Museumsmacher sensibilisiert.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Claude Lévi-Strauss. Ich wüsste zu gerne, wie er die Anwendung seiner Theorie des ›wilden Denkens‹ auf die Museumswelt findet. Außerdem mit der Museologin Sharon Macdonald, die sich in jüngster Zeit auch mit der Bedeutung der Oralität in Museen auseinandersetzt.
5. Ihr Buch in einem Satz:
In meinem Buch geht es darum, warum das Medium Museum von so vielen Menschen genutzt wird und welche tiefen Bedürfnisse das Museummachen befriedigt.
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
1;Inhalt;7
2;Dank;11
3;DAS WILDE MUSEUM – EINE EIGENSTÄNDIGE MUSEUMSFORM;13
3.1;Warum machen Menschen Museen? Anstoß zur Arbeit und Erkenntnisinteresse;15
3.2;Begriffsklärung: Was ist ein wildes Museum?;21
3.2.1;Ein Sammelbegriff für Amateur-Museen;21
3.2.2;Lévi-Strauss Konzept des wilden Denkens als Ausgangspunkt;24
3.3;Forschungsstand;37
3.3.1;Amateure und Laien im Museum;37
3.3.2;Spuren des Wilden im Heimat- und Alltagsmuseum;41
3.3.3;Musealisierung und Kompensationstheorie;52
3.3.4;Spuren des Wilden im heritage-Konzept;54
3.3.5;Spuren des Wilden in der New Museology-Bewegung;59
3.3.6;Die Krise der Repräsentation und die Frage nach Autorität und Deutungsmacht;62
4;WILDE MUSEEN ANALYSIEREN – THEORIEN, METHODEN UND ERKENNTNISMITTEL;65
4.1;Das wilde Denken als symbolisches Denken verstehen;67
4.1.1;Museumsanalyse als Methoden-Bricolage;68
4.1.2;Ausstellungsanalyse, symbolisches Denken und Performanztheorie;73
4.2;Vorgehen und Analyseinstrumente: Theorien und Methoden;79
4.2.1;Die performativ ausgerichtete Ausstellungsanalyse;79
4.2.2;Feldforschung als „Meta-Methode“;107
5;VORSTELLUNG DER UNTERSUCHTEN WILDEN MUSEEN;115
5.1;Portraits der drei untersuchten wilden Museen;117
5.1.1;McNair-Museum;117
5.1.2;Museum Elbinsel Wilhelmsburg;119
5.1.3;Bienenmuseum Moorrege;122
6;ANALYSEN;125
6.1;McNair-Museum – ein Ort der Sammlung für eine aufgelöste Gemeinschaft;127
6.1.1;Zugang: „Off Limits to Unauthorized Personnel/Zugang nur für Befugte“;127
6.1.2;Die Museumsräume: Treffpunkt und Begegnungsstätte;132
6.1.3;Die Museumsdinge: beziehungsreiche Dinge;139
6.1.4;Das McNair-Museum: Geschichten vom „Sich-Sammeln“;163
6.2;Museum Elbinsel Wilhelmsburg ? ein Heimatmuseum ohne Heimat;171
6.2.1;Zugang: eine unerwartete Idylle;171
6.2.2;Repräsentationen einer Insel: Wohnort, Heimat oder Zuhause?;175
6.2.3;Die Museumsräume: sozialer Treffpunkt und schönes Ambiente;190
6.2.4;Die Museumsdinge: Requisiten der Erinnerung;196
6.2.5;Das Museum Elbinsel Wilhelmsburg als Gegenerzählung und Heterotopie;209
6.3;Bienenmuseum Moorrege ? „Willst du Gottes Wunder sehn, musst du zu den Bienen gehn!“;217
6.3.1;Zugang: „Wo Bienen fliegen, ist die Welt in Ordnung“;217
6.3.2;„Hier ist Leben drinne!“ – Das Bienenmuseum als ‚Kultort‘ der Wissensgemeinschaft der Imker;222
6.3.3;Die Museumsdinge: versammeltes Know-how;238
6.3.4;Das Bienenmuseum Moorrege „Schatzkästlein der Bienenfreunde“;264
7;WILDE MUSEEN UND IHRE VERWENDUNGEN;271
7.1;Das wilde Museum und der Museumsboom;273
7.1.1;Das wilde Museum als populäre kulturelle Äußerungsform;273
7.1.2;‚Es ist genug Kultur für alle da!‘;274
7.1.3;Das Museum als institutionalisierte Raumvorstellung;278
7.1.4;Das Museum als symbolische Form;279
7.1.5;Wilde Museen als Orte des Erfahrungswissens;280
7.2;Erzählen über Dinge;285
7.2.1;Wilde Museen als Orte des Erzählens zwischen Fakten und Fiktion;285
7.2.2;Das performative Potential der Dinge;294
7.2.3;Exkurs: Über das Wirken und Bedeuten von Museumsdingen;298
7.2.4;Das wilde Museum – versammeln, (sich) sammeln und ordnen;301
7.3;Wilde Museen als populäre kulturelle Äußerungsform der Spätmoderne;313
8;WILD WERDEN? ANWENDUNG DER ERGEBNISSE FÜR DIE WISSENSCHAFTLICHE MUSEUMSPRAXIS;319
8.1;Museen und die Frage nach ihrer gesellschaftlichen Relevanz;321
8.1.1;Museumsobjekte als symbolische Dinge;323
8.1.2;Die ästhetische Wirkung der Dinge oder die „Wiederkehr der Wunderkammer“;324
8.1.3;Die versammelnde Wirkung der Dinge oder das Museum als „Parlament der Dinge“;328
8.2;Museen als „Agents of Social Inclusion“;343
8.2.1;Repräsentation;345
8.2.2;Partizipation;346
8.2.3;Zugänglichkeit;351
8.3;Das Museum als symbolischer Handlungsraum;357
9;Literatur- und Quellenverzeichnis;359
9.1;Literaturverzeichnis;359
9.2;Links und Internetquellen;386




