Jansson | Briefe von Klara | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 137 Seiten, GB

Jansson Briefe von Klara

Erzählungen
Novität
ISBN: 978-3-8251-6229-0
Verlag: Urachhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erzählungen

E-Book, Deutsch, 137 Seiten, GB

ISBN: 978-3-8251-6229-0
Verlag: Urachhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Neben der alten Klara, die in ihren Briefen schonungslos offen ist, begegnen wir dem stolzen Kind, dem verschlossenen jungen Künstler, despotischen Müttern und alten Schulkameraden. Ihre Kreise überschneiden sich zufällig unterwegs oder auch geplant bei Klassentreffen oder im Sommerurlaub. Deutlich Ausgesprochenes steht neben niemals Erwähntem. Mal bewirkt Ersteres nichts, mal Letzteres alles. Doch jeder dieser Eigenwilligen scheint seinen Weg zu finden. Ein klarer Blick auf das Leben in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen und ein klares Ja dazu durchziehen die dreizehn scharfsinnigen Erzählungen dieses Bandes - und wie immer Tove Janssons feiner Humor und ihre eigensinnigen Protagonisten.

Tove Jansson (1914 - 2001) wuchs in Helsinki als ältestes Kind des Bildhauers Viktor Jansson und der schwedischen Illustratorin Signe Hammarsten Jansson auf. Mit 16 Jahren begann sie ihre Ausbildung als bildende Künstlerin in Stockholm, Helsinki und Paris. Die 'Mumin'-Bücher machten sie international berühmt, sie erhielt dafür u.a. die Nils-Holgersson- und die Elsa-Beskow-Plakette sowie den H.C.-Andersen-Preis. In den letzten beiden Jahrzehnten ihres Lebens schrieb sie Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten für Erwachsene.
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Briefe von Klara Robert Im August Der Seerosenteich Die Zugfahrt Das Gesellschaftsspiel Piratenrum Im Sommer Die Bilder Vorwarnungen Emmelina Meine Freundin Karin Die Reise an die Riviera


BRIEFE VON KLARA


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du bist gekränkt, weil ich deinen uralten Geburtstag vergessen habe. Das ist unvernünftig von dir. Im Klartext – all die Jahre hast du erwartet, dass ich dich ganz besonders feiere, nur weil ich drei Jahre jünger bin. Aber gestatte mir, dir endlich eins zu sagen – das reine Vergehen der Jahre ist nichts, worauf man sich etwas zugutehalten kann.

Du betest um höhere Weisung‹, sehr gut. Aber bevor diese dir zukommt, wäre es vielleicht angebracht, gewisse Unsitten zu erwähnen, die im Übrigen auch mir nicht fremd sind.

Liebe Freundin, eine Sache, die man stets im Kopf behalten sollte, ist, möglichst nicht zu jammern, denn dann haben die anderen sofort Oberwasser. Ich weiß, dass es dir erstaunlich gut geht, dem Himmel sei Dank, aber du hast die einzigartige Gabe, deiner Umgebung Schuldgefühle zu vermitteln, indem du jammerst, und das zahlen sie dir heim. Sie werden jovialisch und machen aus dir eine Person, die nicht mehr zählt. Das habe ich beobachtet. Was auch immer du willst oder nicht willst, wäre es doch am einfachsten, deinen Willen sehr lautstark mit kraftvollen Worten kundzutun. Dadurch würden sie endlich aufwachen und vielleicht sogar ein bisschen erschrecken. Ich kann mich daran erinnern, dass du dazu durchaus in der Lage bist – damals hast du nicht herumgemaunzt, oh nein!

Und dass man nachts nicht schlafen kann – vermutlich weil man sich im Laufe des Tages achtmal ein Nickerchen gegönnt hat? Doch, ja, ich weiß; nachts bewegt sich das Gedächtnis rückwärts und nagt sich durch alles hindurch, ohne die kleinste Einzelheit zu verschonen – dass man etwas nicht gewagt hat, dass man falsch gewählt hat, taktlos, gefühllos, kriminell unaufmerksam gewesen ist – und die vielen Kalamitäten, diese Blamagen, diese irreparablen idiotischen Äußerungen, die alle anderen schon längst vergessen haben, nur man selbst nicht! Zu so später Stunde noch mit einem blitzklaren Gedächtnis bedacht zu werden, nur rückwärtsläufig – ist das nicht ungerecht?!

Liebe Matilda, schreibe mir und erzähle, was du über die folgenden heiklen Dinge denkst. Ich verspreche, ich werde versuchen, nicht besserwisserisch zu sein – ja, ja, brauchst es nicht zu leugnen, das hast du gesagt – aber ich wüsste gern, beispielsweise, wie du dich verhältst, wenn du nicht mehr weißt, wie oft du ein und derselben Person ein und dieselbe Sache erzählt hast? Rettest du dich dann, indem du mit »Also, wie schon gesagt …« beginnst oder mit »Wie ich vielleicht bereits erwähnt habe« oder … Hast du andere Vorschläge? Verstummst du einfach?

Und lässt du Gespräche über deinen Kopf hinweg weitergehen? Versuchst du, irgendeinen sinnvollen Kommentar zu finden, und merkst dann, dass sie inzwischen schon über etwas ganz anderes reden? Tröstest du dich mit der Feststellung, dass sie dumm daherreden, über unnötiges Zeug?

Und sind wir überhaupt noch interessiert? Neugierig? Sag, dass wir das sind!

Wenn du mir wieder schreibst, verwende bitte nicht deinen vorsintflutlichen Füller, der macht den Text unleserlich und ist außerdem hoffnungslos unmodern. Die sollen dir Filzstifte besorgen, medium point 0,5 mm, gibt es überall.

PS: Habe irgendwo gelesen, dass mit Filzstift geschriebene Schrift nach ca. vierzig Jahren unleserlich wird, was sagst du dazu? Ist doch eigentlich ganz schön. Oder planst du etwa irgendwelche Memoiren – du weißt schon: »Erst nach fünfzig Jahren zu lesen.« (Hoffentlich findest du mich jetzt witzig.)

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was für eine nette Überraschung, von dir einen Brief zu erhalten. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Doch, natürlich könnten wir uns treffen, ist ja lange her, wie du so richtig bemerkst. So an die sechzig Jahre ungefähr.

Ich danke dir für die vielen schönen Worte, die du mir geschrieben hast. Aber sind sie nicht ein bisschen allzu schön, lieber alter Freund? Du bist doch auf deine alten Tage hoffentlich nicht sentimental geworden?

Aber ja, Rosen züchten, das finde ich ausgezeichnet! Im Radio kommt jeden Samstagmorgen eine, soweit ich es beurteilen kann, sehr sachliche Gartensendung, sonntags wird sie wiederholt. Hör sie dir an.

Ruf mich an und sag mir, wann es dir passt. Übrigens kann es etwas dauern, bis ich am Telefon bin. Vergiss nicht zu erwähnen, ob du immer noch Vegetarier bist, ich habe vor, uns etwas ziemlich Spezielles zu kochen.

Natürlich sollst du dein Fotoalbum mitbringen, ich hoffe, wir kommen einigermaßen mit diesem unvermeidlichen »Weißt du noch« klar, um dann endlich über alles reden zu können, was uns gerade durch den Kopf geht.

Vielen Dank für das Rindenschiff, es ist sehr schön und hat mich gefreut. Hab das Schiff in der Badewanne ausprobiert und gesehen, dass es perfekt das Gleichgewicht hält.

Über das Zeugnis solltest du dir nicht so große Sorgen machen, sag deinen Eltern, manchmal ist es viel wichtiger, dass man mit den Händen arbeiten kann und etwas Schönes zustande bringt. Das mit der Katze tut mir leid. Aber wenn eine Katze siebzehn Jahre alt wird, ist sie wahrscheinlich ziemlich müde und fühlt sich nicht mehr wohl. Deine Grabinschrift ist nicht schlecht, aber achte auf den Rhythmus. Wenn wir uns wiedersehen, können wir näher darauf eingehen.

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laut Ihrem Brief vom 27. soll ich, offenbar unrechtmäßig, eines Ihrer frühen Werke in meinem Besitz haben, ein Werk, das Sie so schnell wie möglich für eine retrospektive Ausstellung benötigen.

Ich kann mich nicht entsinnen, mir bei einem Besuch beim Sohn Ihrer Nichte das fragliche Bild »erschlichen« zu haben, viel wahrscheinlicher ist, dass er, ohne irgendwelche Vorbehalte, wünschte, ich möge es aus seiner Wohnung mitnehmen. Inzwischen habe ich die Signaturen der Werke, die mich hier umgeben, sorgfältig studiert und kann, mit gewissen Schwierigkeiten, eine entziffern, die von Ihnen stammen könnte. Das Bild stellt möglicherweise etwas zwischen Interieur und Landschaft dar, mit einem Zug ins Quasi-Abstrakte.

Das Maß, von Ihnen nicht erwähnt, ist das klassische Französische, 50 x 61.

Ich werde Ihr Werk umgehend abschicken, in der Hoffnung, dass es seinen zukünftigen Platz in Ihrer Sammlung finden wird.

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kaum bist du von deinem »unbekannten Ort« zurückgekommen (den ich im Verdacht habe, Mallorca zu sein), nun, wie dem auch sei, ich habe darüber nachgedacht, mein Testament wieder ein wenig zu ändern. Du brauchst nicht zu seufzen, ich weiß, dass dich dieses ganze Hin und Her eigentlich amüsiert. Also, ich gedenke, dem Altersheim, dessen Dienste ich mit der Zeit in Anspruch nehmen werde, eine feste jährliche Summe zukommen zu lassen. Aber nur, solange ich lebe, wohlgemerkt. Damit meine ich Bank- und Wertpapierzinsen und was ich sonst noch entbehren kann – das alles weißt du am besten. Die können dann ganz nach eigenem Belieben damit verfahren.

Die Idee dahinter verstehst du natürlich, schlau wie du bist; mit diesen Einnahmen im Blick wird das fragliche Heim bemüht sein, mich so lange wie möglich am Leben zu erhalten, ich werde deren Maskottchen sein und kann mir gewisse selbstverständliche Freiheiten herausnehmen. Das, was nach meinem Tod übrig bleibt, soll so wie früher abgemacht verteilt werden. Im Übrigen geht es mir ausgezeichnet und ich hoffe dasselbe von dir.

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wie lieb von dir, mir meine alten Briefe zu schicken. Was für ein schrecklich großer Karton, hat dir wenigstens jemand dabei geholfen, ihn auf die Post zu befördern? Es rührt mich, dass du alles aufbewahrt hast (die Briefe sind sogar nummeriert), aber, mein Schatz, das mit dem Durchlesen, also, du verstehst? Die Briefmarken alle abgeschnitten, sicherlich für irgendein Briefmarken sammelndes Kind. Falls du noch mehr Korrespondenzen vom Anfang des Jahrhunderts hast, solltest du den ganzen Umschlag aufbewahren; für einen Philatelisten z. B. wird es dann gleich viel erstrebenswerter, und auf Viererblocks musst du ganz besonders achten.

Ich nehme an, du machst gerade reinen Tisch, eine höchst natürliche und lobenswerte Beschäftigung. Ich tue desgleichen und habe nach und nach einiges gelernt, unter anderem, dass junge Leute sich von diesen Kleinodien, die man ihnen schenken will, peinlich berührt fühlen. Sie reagieren mit der Zeit immer höflicher und sind nach und nach immer peinlicher berührt. Hast du das auch schon bemerkt? Weißt...


Jansson, Tove
Tove Jansson (1914–2001) wuchs in Helsinki als ältestes Kind des Bildhauers Viktor Jansson und der schwedischen Illustratorin Signe Hammarsten Jansson auf. Mit 16 Jahren begann sie ihre Ausbildung als bildende Künstlerin in Stockholm, Helsinki und Paris. Ihre ›Mumin‹-Bücher machten sie international berühmt, sie erhielt dafür u.a. die Nils-Holgersson-, die Elsa-Beskow-Plakette und den H.C.-Andersen-Preis. Die Beliebtheit dieser Kinderbuch-Klassiker ist bis heute ungebrochen.
In den letzten beiden Jahrzehnten ihres Lebens schrieb Tove Jansson Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten für Erwachsene, die inzwischen komplett im Verlag Urachhaus erschienen sind.

Kicherer, Birgitta
Birgitta Kicherer, geboren 1939 in Stockholm, wuchs in Schweden und Deutschland auf. Nach einem Grafikstudium arbeitete sie zunächst als Buchillustratorin bevor sie Anfang der 70er Jahre ihre Tätigkeit als Übersetzerin begann. Kicherer übersetzt vorwiegend aus dem Schwedischen, ebenso jedoch auch aus dem Norwegischen, Dänischen und Englischen. Zahlreiche ihrer Übersetzungen wurden mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, 1999 erhielt sie zudem den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Gesamtwerk.
Für die Übersetzung des Romans ›Stadt der Sonne‹ von Tove Jansson erhielt Birgitta Kicherer 2017 ein Arbeitsstipendium des DÜF, zudem ist sie Trägerin des Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreises (1993).

Tove Jansson (1914 – 2001) wuchs in Helsinki als ältestes Kind des Bildhauers Viktor Jansson und der schwedischen Illustratorin Signe Hammarsten Jansson auf. Mit 16 Jahren begann sie ihre Ausbildung als bildende Künstlerin in Stockholm, Helsinki und Paris. Die "Mumin"-Bücher machten sie international berühmt, sie erhielt dafür u.a. die Nils-Holgersson- und die Elsa-Beskow-Plakette sowie den H.C.-Andersen-Preis. In den letzten beiden Jahrzehnten ihres Lebens schrieb sie Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten für Erwachsene.



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