E-Book, Deutsch, 336 Seiten
Reihe: tredition GmbH
Jechow Rrakkari
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-384-12487-6
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band 1: Freunde und Piraten
E-Book, Deutsch, 336 Seiten
Reihe: tredition GmbH
ISBN: 978-3-384-12487-6
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bereits in meiner Jugend habe ich kleine Geschichten aus dem wahren Leben aufgeschrieben. Später kamen auch Fantasy-Geschichten dazu. Als die großen Science-Fiction-Serien aufkamen, machte ich auch da erste Schreibversuche. Ebenso schaute ich gerne Krimis und schrieb verschiedene Ideen nieder. Doch es mussten rund dreißig Jahre vergehen, ehe ich den Ansporn erhielt, selbstgeschriebene Geschichten tatsächlich öffentlich anderen Interessierten zugänglich zu machen. Dies tat ich in einem Internet-Forum. Dort fand ich Gleichgesinnte, wo jeder jedem hilfreiche Tipps gab, um den eigenen Schreibstil zu verbessern. Irgendwann war der Zeitpunkt gekommen: Ich wollte mein erstes Buch veröffentlichen!
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Episode 1: Die Königin
Die 'Carina' war das größte Raumschiff der Flotte. Majestätisch stieg sie auf, war bereits nach wenigen Augenblicken nicht mehr als ein unscheinbarer Punkt am Firmament.
„Ich liebe diesen Anblick“, jubelte die Kommandantin Cari.
Danar, der Steuermann, flog auch dieses Mal nach dreihunderttausend Kilometern eine Wende links herum, kreuzte die eigene Flugbahn, um dann Rrakkarak, die bunt leuchtende Heimatwelt der Rrakkari, steuerbordseits bewundern zu können, während das Schiff sie passierte, bevor es in die Tiefen des Alls entschwand.
„Ich mache dir gerne immer wieder diese Freude, Captain“, sagte Danar, schmunzelte.
„Und du, mein lieber Danar, hast dich mal wieder selbst übertroffen. Aber das wird leider nichts ändern“, entgegnete sie mit der angemessenen Strenge.
Sie als seine Vorgesetzte hatte die Pflicht, ihn sogleich zu entmutigen, denn sie wusste, dass er sie begehrte.
Derartige Emotionen waren auf einem Raumschiff jedoch tabu. Das wusste Danar natürlich. Nach einem kurzen Blick zur rechten Seite hinter ihm, wo Aureli, die Wissenschaftlerin und Seherin saß, konzentrierte er sich wieder auf seine Arbeit.
„Volle Beschleunigung, Danar!“, befahl Cari.
Captain Cari war mit ihrer Crew nur selten in der Heimat. Die 'Carina' wurde regelmäßig auf die Reise in bislang unentdeckte Sektoren des endlosen Weltraums geschickt, um neue Kontakte mit anderen intelligenten Wesen zu knüpfen.
Es mochte noch unzählige Welten geben, die es zu entdecken galt, doch die Entfernungen waren viel zu groß, als dass man erwarten durfte, schnell erfolgreich zu sein. Vor beinahe zweitausend Jahren hatten die Rrakkari die ersten Schritte ins All gemacht. Die Geschwindigkeit steigerten sie stetig. Inzwischen konnten sie beinahe sechshundert Lichtjahre am Tag zurücklegen.
Dennoch gab es bislang keine Kontakte zu einer anderen zivilisierten Welt. Zumindest keine, zu der sie zum Zeitpunkt der Entdeckung hätten Kontakt aufnehmen wollen. Lediglich nicht sesshafte Reisende und Piraten begegneten ihnen. Heimatlose, die alle Brücken hinter sich abgebrochen hatten, nichts zu ihrer Herkunft sagen konnten oder wollten.
Dreiundzwanzig Tage waren sie bereits unterwegs.
„Unbekanntes Schiff voraus!“, meldete Patar, der neben Danar saß und für die Raumüberwachung und die Waffen zuständig war. „Es bewegt sich sehr langsam“, fügte er hinzu und vergrößerte die Ansicht auf dem Sichtschirm.
„Status?“, forderte Cari nähere Angaben. „Sieht ja sehr seltsam aus. Koli, was sagt die Kommunikation?“
„Ich habe noch keinen Kontakt herstellen können“, meinte die Kommunikationsoffizierin, während sie es weiterhin versuchte. „Okay, Cari, jetzt sollte der Universalübersetzer funktionieren. Wir werden gerufen.“ Es ertönte eine fremde Stimme, die zunächst niemand verstehen konnte. Das Übersetzungsmodul arbeitete. Nach einigen Augenblicken brachte der Lautsprecher hervor:
„Hier spricht Captain Pallto vom Raumschiff 'Batrumo', Königreich der Kroliaren. Wir haben ein Problem mit unseren Antriebssystemen, sind mächtig vom Kurs abgekommen.“
Dann baute sich auf dem Sichtschirm ein Bild auf. Ein freundlich lächelndes Gesicht blickte den Rrakkari entgegen. Sein pechschwarzes Haar bildete einen harten Kontrast zu seiner beinahe weißen Haut.
„Captain Cari der Rrakkari vom Raumschiff 'Carina'. Wie können wir helfen?“
Erneut dauerte es einige Augenblicke, bis der Übersetzer die Syntax auf beiden Seiten angepasst hatte.
Dann stellte Pallto seine offenbar drängendste Frage:
„Sind Sie im Besitz von Tronbrillium?“
„Bitte, was? Davon habe ich noch nie gehört“, äußerte sich Cari überrascht.
„Das ist der Treibstoff unseres Transraumantriebs.“
„Das klingt sehr interessant. Wir verwenden Trioliwium. Es hat eine sehr hohe Effizienz.“
„Das haben wir ebenfalls. Durch dreifache Kompression erreicht man Tronbrillium. Das steigert die Effektivität um etwa siebzig Prozent“, antwortete Pallto.
„Wie können wir Ihnen jetzt helfen?“, erneuerte Cari das Angebot.
„Etwas Trioliwium wäre sehr hilfreich, damit wir bis Verodara, das ist unsere Heimatwelt, gelangen können.“
„Damit können wir gewiss aushelfen. Wie viele Raumsektoren müssen Sie denn überbrücken?“
„Keine Ahnung. Die Kursberichtigung läuft noch. Wir hätten nichts dagegen, wenn Sie uns begleiten möchten.“
„Das können wir gerne tun. Wir sind auf der Suche nach neuen Handelspartnern. Vielleicht hätten wir auch etwas anzubieten, wenn Sie uns diese Kompressionsanlagen zeigen wollten.“
„Auch das Volk der Kroliaren ist stets auf der Suche nach neuen Partnern. Wir laden Sie herzlich ein, Captain Cari.“
„Recht großen Dank, Captain Pallto. Wir werden Ihnen Geleitschutz geben. Hier treiben sich immer wieder Piraten herum.“
Die 'Carina' transferierte mittels einer Materialboje eine respektable Menge Trioliwium auf die 'Batrumo'.
„Findest du nicht, dass das irgendwie zu glatt und unkompliziert ablief?“, unkte Danar.
„Oh, doch. Das ist mir durchaus bewusst. Wir werden uns unsere neuen Freunde ganz genau ansehen. Aber es müssen ja nicht alle so gemein und hinterhältig sein wie die Pesaken“, meinte Cari.
Die Pesaken waren ihnen in den letzten Jahren einige Male begegnet. Zuletzt vor etwa neunzig Tagen. Als die Fremden unvermittelt angegriffen hatten, setzte Patar mit ein paar gezielten Schüssen den Antrieb des fremden Schiffes außer Kraft. Darauf waren sie wohl nicht gefasst gewesen. Sie feuerten jedoch weiter, bis die 'Carina' einen ausreichenden Abstand erreicht hatte, um außer Reichweite der eher schwachen Waffen der Angreifer zu gelangen.
Nach achtzehn Tagen erreichten sie Verodara. Der Planet war mit etwa 15.000 Kilometern Durchmesser deutlich kleiner als Rrakkarak, der Heimatwelt der Rrakkari.
„Wir kommen mit dem Shuttle hinunter auf die Oberfläche“, schlug Cari Pallto vor.
„Das ist in Ordnung. Ich empfehle Ihnen jedoch, sich zumindest minimale Schutzkleidung anzulegen.“
Cari schmunzelte. Er hat erkannt, dass wir an Bord keine Kleidung tragen, dachte sie. „Wir wissen zwar nicht, warum, aber wir werden Ihrer Empfehlung folgen. Wir werden zu dritt kommen.“
Rrakkari hatten, außer im Gesicht sowie an den Händen und Füßen, ein dichtes Fell. Ihre geschlechtsspezifischen Merkmale waren darunter verborgen. Dennoch konnte man weibliche von männlichen Rrakkari sehr leicht unterscheiden. Die männlichen waren grundsätzlich etwas größer und hatten eine deutlich breitere Nase.
„Es ist nur eine Empfehlung“, wiederholte Pallto.
„Bleiben Sie bitte dicht bei uns. Ich gebe Ihnen gleich die Landekoordinaten.“
Die 'Batrumo' tauchte in die Atmosphäre des Planeten ein. Cari steuerte das Shuttle, folgte dem Kroliaren-Schiff dicht auf, wie empfohlen.
„Warum, glaubst du, sollten wir Schutzkleidung anlegen? Ich wage gar nicht, diesen Gedanken zu Ende zu führen.“
„Koli, ich habe schwache Impulse seiner Gedanken empfangen“, offenbarte Aureli, die starke telepathische Kräfte besaß. „Ich nehme an, dass sie so etwas wie unsere Sinnestraumräume nicht haben. Sie leben ihre Emotionen völlig frei aus, wo sie gerade gehen oder stehen.“
„Das ist ja barbarisch!“, schimpfte Cari. „Gerade für diese Dinge muss es doch klare Regeln geben.“
Cari schätzte die Traditionen ihres Volkes. Die untersagten vor allen Dingen, derartige Gebaren, wie sie auf Verodara üblich schienen, in der Öffentlichkeit zu äußern oder gar auszuüben. Selbstverständlich ergaben sich auch Rrakkari von Zeit zu Zeit ihren lustvollen Gefühlen mit auserwählten Partnern, doch dies hatte stets etwas Rituelles. Für die spontanen Gelüste gab es die Sinnestraumräume mit virtuellen Partnern.
„Sieh dir diese Landschaften an“, lenkte Koli ab. „Fast so schön wie bei uns auf Rrakkarak.“ Sie lachte.
Cari grinste. „Aber nur fast …“
„Ich habe die Qualität der Atemluft analysiert. Sie ist mit der unseren vergleichbar.“
„Das ist gut. Danke, Aureli.“
Captain Pallto kam aus dem Gebäude, welches das größte weit und breit war, heraus auf die Landeplattform und begrüßte die Gäste: „Es ist mir eine Freude, Sie nun angemessen willkommen heißen zu können.“
Oh, die sind ja niedlich, dachte er, denn er überragte die Rrakkari um gut zwanzig Zentimeter. Er ging zielstrebig auf Cari zu, breitete seine Arme aus.
Sie zuckte erschrocken zurück und sagte: „Von draußen aus dem All sieht Ihre Welt...




