E-Book, Deutsch, 445 Seiten
Reihe: LYX.digital
Johnson Like Gravity
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7363-1569-3
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 445 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-7363-1569-3
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manchmal ist die Anziehungskraft zu stark, um gegen sie anzukämpfen
Brooklyn Turner hat jahrelang schützende Mauern um ihr Herz errichtet - Mauern, die mittlerweile unüberwindbar scheinen. Denn seit Bee als Sechsjährige den Mord an ihrer Mutter mitansehen musste, fehlt ihr der Mut, sich emotional auf einen anderen Menschen einzulassen. Doch als auf einmal Finn Chambers in ihr Leben tritt, verschreckt ihn Bees abweisende Art nicht. Ganz im Gegenteil: Er scheint absolut fasziniert von ihr und je mehr Zeit Bee in Finns Nähe verbringt, desto stärker spürt auch sie die Anziehungskraft zwischen ihnen. Aber kann Bee es wagen, Finn zu vertrauen und ihr Herz für ihn zu öffnen?
'Julie Johnsons Bücher lassen mein Herz höher schlagen, nur um es im nächsten Moment in tausend Teile zu zerbrechen. Und doch kann ich keine ihrer Geschichten jemals wieder vergessen.' TESSA von @BLUETENZEILEN
Der neue Roman von Julie Johnson!
Julie Johnson lebt in Boston und schreibt junge, gefühlvolle Liebesgeschichten. Wenn sie nicht an ihrem Schreibtisch zu finden ist, sammelt sie mit ihrem Reisepass neue Stempel, trinkt mehr Kaffee, als ihr gut tut oder versucht, ihrer wachsenden Must-Watch-Liste Herr zu werden.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Prolog
Vierzehn Jahre vorher
»Mommy, kann ich das rosa Kaugummi haben? Bitte!« Ich hielt die Rolle hoch, damit sie einen Blick auf die runde BubbleTape-Box werfen konnte, die ich in meiner kleinen Hand hielt. BubbleTape war die beste Sorte Kaugummi. Jeder Erstklässler wusste das. Mommy antwortete nicht. Sie summte, und ein kleines Lächeln umspielte ihre Lippen, während sie der Kassiererin all die Teile aus unserem Einkaufswagen reichte.
Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf das Kaugummi und verschränkte meine dünnen Ärmchen vor meiner Brust, während ich die Auswahl an anderen Süßigkeiten begutachtete. Die Schlange an der Kasse war immer mein liebster Teil beim Einkaufen, weil man sich dort die ganzen bunt verpackten Süßigkeiten anschauen konnte.
»Mommy!«, sagte ich, dieses Mal lauter und fest entschlossen, ihre Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.
»Mmmm, was Liebling?«, murmelte sie gedankenverloren.
»Kann ich bitte die rosa Kaugummirolle haben? Alle Mädchen in meiner Klasse kauen sie nach dem Mittagessen.«
»Klar, Bee. Hier, gib sie der netten Dame, damit wir sie bezahlen können, okay?«
Ich streckte die Hand über den Kopf, um der Kassiererin das Kaugummi zu reichen. Selbst auf Zehenspitzen fiel es mir schwer, ihr Gesicht zu sehen. Sie lehnte sich vor, um mir den Behälter aus der Hand zu nehmen, und lächelte auf mich herab. Auf ihren Zähnen waren rosafarbene Streifen von ihrem Lippenstift, und ihr Gesicht war schrumpelig wie ein alter Apfel, aber sie wirkte nett.
»Und wie alt bist du?«, fragte sie.
»In ein paar Monaten werde ich sieben«, prahlte ich. »Ich bin in der ersten Klasse.«
»Oh! Wie schön.« Sie strahlte. »Sie können mächtig stolz sein«, fügte sie an Mommy gewandt hinzu.
»Oh ja, natürlich«, sagte Mommy lächelnd und reichte der Dame das letzte Teil aus dem Einkaufswagen.
Während Mommy bezahlte, spazierte ich nach vorne zu unserem vollen Einkaufswagen und lugte in der Hoffnung, den verräterischen fuchsiafarbenen Kaugummibehälter zu entdecken, in die durchsichtigen Einkaufstüten aus Plastik.
»Komm schon, Brooklyn«, sagte Mommy und lenkte den Wagen mit einer Hand in Richtung Parkplatz. Die andere Hand hielt sie mir hin, damit ich sie ergreifen konnte. Sie zog mich dicht an ihre Seite, während wir durch die Automatiktüren traten und zu unserem Auto gingen. Ich ließ meine Hand in ihre gleiten und drückte fest zu. Sie lächelte auf mich herunter und schwang sanft unsere verschränkten Finger vor und zurück.
Die spätsommerliche Luft war stickig und feucht, und mein rosafarbenes Hello-Kitty-T-Shirt schien mit meiner Haut zu verschmelzen, während wir über den Parkplatz gingen. Die Räder an unserem Einkaufswagen funktionierten nicht richtig – sie quietschten laut und sperrten sich, während Mommy damit zu kämpfen hatte, den Wagen gerade zu halten.
Ihre Bemühungen entlockten mir ein Kichern.
Sie hielt meine Finger fest umklammert, bis wir den SUV erreichten. Sie ließ den Einkaufswagen vor dem Kofferraum stehen und hob mich hoch, um mich gnadenlos an den Seiten zu kitzeln. Ich kreischte und wand mich in ihrem Griff und genoss jedes bisschen ihrer Zuwendung.
»Du denkst also, dass es in Ordnung ist, deine Mommy auszulachen, wenn sie mit dem Einkaufswagen kämpft, was?«, fragte sie lachend. »Jetzt ist es nicht mehr so lustig, nicht wahr, Bee?«
»Tut mir leid!«, quiekte ich atemlos und kicherte selbst dann noch, als die Kitzelfolter nachließ. Sie trug mich zur hinteren Tür und setze mich auf meinen Kindersitz.
»Uff! Du wirst langsam zu schwer für mich. Ich kann dich nicht mehr dauernd herumtragen«, beschwerte sie sich. »Schon bald wirst du den Kindersitz nicht mehr brauchen, so groß wie du geworden bist.« Sie legte mir den Sicherheitsgurt um, befestigte ihn und zog noch einmal prüfend daran, um sicherzugehen, dass er fest war. Dann gab sie mir einen flüchtigen Kuss auf die Stirn.
»Ich muss noch schnell die Einkäufe in den Kofferraum packen, aber wie wäre es, wenn wir uns dann auf dem Heimweg ein wenig Eiscreme besorgen, meine kleine Bee?«, fragte Mommy und benutzte erneut ihren Lieblingskosenamen für mich.
»Ja!«, rief ich und hatte bereits einen Schokoladeneisbecher mit einem Berg Schlagsahne und bunten Streuseln darauf vor Augen.
»Okay, ich bin gleich wieder da, Liebling.« Sie lächelte und zerzauste mir noch ein letztes Mal mein dunkles Haar, bevor sie die Tür schloss. Sie ging zurück nach hinten zum Einkaufswagen, und ich konnte sie summen hören, während sie die Einkäufe in den SUV lud. Plötzlich fiel mir mein Kaugummi ein. Ich drehte mich auf meinem Sitz herum und schaute in Richtung Kofferraum.
»Mommy, kann ich jetzt mein Kaugummi haben?«, rief ich und zerrte den engen Sicherheitsgurt von meinem Hals weg, um besser atmen zu können.
Als sie nicht antwortete, schnallte ich mich ab, drehte mich auf dem Kindersitz nach hinten und sah über den Kofferraum hinweg zu der Stelle, wo sie stand. Sie hatte mitten beim Einräumen der Einkäufe innegehalten, stand wie erstarrt da, die Hände in die Luft gehoben. Ohne ihr fröhliches Summen wirkte alles zu still, zu ruhig. Sie wirkte verängstigt – und Mommy wirkte nie verängstigt, nicht mal dann, wenn ich ihr erzählte, dass in meinem Schrank oder unter meinem Bett Monster waren.
Irgendetwas stimmte nicht.
Ich wollte gerade fragen, was los war, als ich den Mann entdeckte. Er stand ein paar Schritte von Mommy entfernt. Der Einkaufswagen voller Lebensmittel befand sich zwischen ihnen.
»Geben Sie mir die Schlüssel«, verlangte er in barschem Tonfall. Seine Stimme klang gedämpft, weil er eine schwarze Maske übergestülpt hatte, die seinen Mund bedeckte. Seine Augen waren der einzige Teil seines Gesichts, den die Maske nicht verdeckte, und sie blickten finster drein.
Er klang gemein, so wie einer der Bösewichte in den Zeichentrickfilmen, die ich samstagmorgens immer schaute. Ich mochte ihn nicht und konnte sehen, dass Mommy ihn auch nicht mochte. Er umklammerte mit einer Hand eine schwarze Reisetasche und trat von einem Fuß auf den anderen. Sein Blick wanderte immer wieder zu dem Schnapsladen hinter ihm, in dem Mommy manchmal die Flaschen mit dem Wein kaufte, den sie zum Abendessen trank. Ich durfte den nicht trinken. Sie sagte, dass das ein Getränk für Erwachsene sei.
Mommy schaute flüchtig zum Rücksitz und sah für eine kurze Sekunde in meine weit aufgerissenen Augen. Sie schüttelte kaum merklich den Kopf, und ich wusste, dass sie mir mitteilen wollte, dass ich mich ganz still und leise verhalten sollte. Ich wollte sie fragen, was hier passierte und wer dieser wütende Mann war, aber ich tat, was sie von mir verlangte.
»Sind Sie taub, verdammt noch mal? Ich sagte: Geben Sie mir die Schlüssel! Sehe ich aus, als würde ich Scherze machen?« Der Mann brüllte jetzt und trat näher. Er wirkte noch sehr viel wütender als zuvor. Sie löste ihren Blick von mir, straffte die Schultern und schaute den Mann wieder an.
»Nein«, sagte sie mit trauriger Stimme.
Warum war sie so traurig?
»Wie Sie wollen«, sagte er, hob eine Hand und richtete eine Waffe auf Mommys Gesicht. Bevor ich einen Laut von mir geben konnte, feuerte er eine einzelne Kugel in ihre Stirn und sah stumm zu, wie sie auf dem Betonboden in sich zusammensackte.
»Dämliches Miststück«, murmelte er.
Ich saß wie erstarrt da und war nicht...




