E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: Anymore-Duet
Johnson We don’t talk anymore
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7363-1644-7
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: Anymore-Duet
ISBN: 978-3-7363-1644-7
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn dein Herz in tausend Scherben liegt ...
Josephine Valentine und Archer Reyes sind seit ihrer Kindheit unzertrennlich, obwohl sie doch unterschiedlicher nicht sein könnten: Zwar besuchen beide die elitäre Exeter Academy, aber während Josephine als Tochter reicher Eltern mit Privilegien und Erwartungen aufwächst, muss Archer für seine Chancen und Erfolge kämpfen. Doch als sie bemerken, dass aus ihrer Freundschaft Liebe wird, ändert sich alles zwischen ihnen. Aus Angst, ihre Gefühle könnten nicht erwidert werden, halten Archer und Josephine ihre neuen Empfindungen verborgen. Zu groß ist ihre Sorge, den einen Menschen zu verlieren, der sie vervollständigt. Und dann ist da noch ein dunkler Schatten in Archers Umfeld, von dem Josephine nichts weiß und der all ihre geheimen Träume und Hoffnungen zerstören könnte
'Julie Johnsons Geschichten sind voller wundervoller, atemberaubender und teils auch schockierender Momente, in die sie viel Liebe und Weisheit gesteckt hat.' @CHAPTERSABOUTISY
Erster Band des ANYMORE-Duetts
Julie Johnson lebt in Boston und schreibt junge, gefühlvolle Liebesgeschichten. Wenn sie nicht an ihrem Schreibtisch zu finden ist, sammelt sie mit ihrem Reisepass neue Stempel, trinkt mehr Kaffee, als ihr guttut, oder versucht, ihrer wachsenden Must-Watch-Liste Herr zu werden.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Josephine
Ich starre zur Decke des Zimmers im Sommerhaus hinauf und wünsche, dass ich mich in Luft auflösen könnte. Im Zimmer über mir kann ich die verräterische Symphonie von Archer und Sienna hören – diese regelmäßigen Stöhnlaute, das gleichmäßige Pochen des Kopfteils und die quietschenden Federn in der Matratze.
Sie treiben es miteinander. Was für ein merkwürdiger Ausdruck das ist. Als wären ihre Körper Geräte, die man aus irgendeiner triebhaften Werkzeugkiste geholt und dann eher aus Notwendigkeit als aus Zuneigung miteinander verkeilt hat. Das verpasst dem Ganzen einen mechanischen Anstrich. Eine Art lästige Pflicht. Als würde man ein IKEA-Regal aufbauen und nicht Liebe machen.
Liebe machen.
Igitt. Das ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach irgendwie noch schlimmer als es miteinander treiben. Nicht dass meine unmaßgebliche Meinung von Bedeutung wäre, wenn es um Sex geht, wenn man bedenkt, dass ich noch Jungfrau bin.
Davon abgesehen bin ich »Valentine«. (Das ist mein Nachname und hat nichts mit dem Valentinstag zu tun.) Als Spitzname ist er nicht wirklich schrecklich, wenn auch nicht unbedingt einer, den ich für mich selbst ausgewählt hätte. Aber auf einer Party vor sechs Monaten sagte eine der Baseballsportskanonen: »Hey, Valentine! Reich mir mal das Bier da, ja?« Und ich schätze, dass der Name einfach hängen blieb, denn jetzt nennt mich jeder in der Schule so. Das könnte durchaus daran liegen, dass sie sich nie die Mühe gemacht haben, sich während der sechs gemeinsam verbrachten Schuljahre meinen Vornamen zu merken.
Nun ja … das gilt für alle außer Archer. Aber das liegt nur daran, dass wir schon beste Freunde sind, seit wir alt genug waren, um uns mit irgendetwas anderem anzusprechen als diesem sinnfreien Gebrabbel, das sabbernde, zahnlose, grinsende Babys in der Kindertagesstätte von sich geben. Er nennt mich Josephine – alias Jo, alias JoJo, alias Joe Shmoe –, was der Name ist, den meine Mutter auf meine Geburtsurkunde kritzelte, nachdem sie mich in dem Sommer, in dem die Wallflowers das Lied mit dem gleichen Namen während einer Hitzewelle Mitte der Neunziger herausgebracht hatten, zur Welt gebracht hatte. (Mein Vater wollte mich ursprünglich Maude nennen, nach seiner geliebten verstorbenen Großtante. Ich werde den Göttern des angstbehafteten Alternative Rock auf ewig dankbar sein, dass sie ihn umstimmten.)
Das also bin ich. Josephine Valentine. Ein Mädchen, das nach einem Lied benannt wurde, das niemand in meinem Alter je gehört hat. Was ehrlich gesagt eine ziemlich passende Auslegung meiner gesamten bisherigen Highschoolerfahrung ist.
Seit ich alt genug bin, um derartige Dinge zu bemerken, habe ich mich immer wieder am Rand wiedergefunden. Ich bin zu künstlerisch angehaucht, um mich wie selbstverständlich unter die angesagten Leute zu mischen, zu eigensinnig, um mich wie jemand zu verhalten, den sie an ihren Tischen, an denen sie in den Mittagspausen in Cliquen zusammenhocken, als angenehm empfinden würden. So wie eine Cheerleaderin. Oder eine Schulsprecherin. Oder ein Partygirl.
Ihnen wäre vermutlich alles lieber als das, was ich bin – ein ohne jeden Zweifel introvertierter Mensch, der seine Zeit lieber mit Segeln oder in irgendeiner stillen Ecke mit einem guten Fantasyroman verbringen würde, anstatt sich am Singing Beach zu präsentieren und mit Mädchen zu tratschen, die mich, zugegebenermaßen mehr als nur ein wenig einschüchtern. Und sei es auch nur zum Teil deshalb, weil sie ihre Bikinioberteile so gut ausfüllen, während mein eigener Oberkörper flacher als ein Surfbrett ist. (Ich glaube, dass der Begriff »Spätentwicklerin« irgendwo in meiner DNA verankert ist.)
Ähnlich wie die Möwen, die auf der Jagd nach unbeaufsichtigten Snacks unerschrocken zwischen sandigen Handtüchern umherstreifen, scheinen die beliebten Mädchen immer in Rudeln aufzutauchen und in dem Augenblick zuzuschlagen, in dem man ihnen den Rücken zukehrt. Wie Raubtiere mit prunkvollen Federn lächeln sie voller Anmut, während sie insgeheim Pläne schmieden, wie sie dich vernichten können.
Damit will ich nichts zu tun haben.
Ehrlich, wenn Archer nicht wäre, wäre ich nicht mal hier auf dieser dämlichen Party. Er hat mich mitgeschleppt und darauf beharrt, dass es mehr Spaß machen würde, als am letzten Abend der Frühjahrsferien alleine zu Hause zu sitzen, eine weitere Staffel von The Great British Bake Off zu schauen und dabei Unmengen von massenproduzierten (vermutlich krebserregenden) sauren Gummiwürmern in mich hineinzustopfen, während ich mich über die stümperhafte Art aufrege, wie die Teilnehmer mit dem Fondant umgehen.
»Das ist unser letztes Schuljahr, Jo«, rief er mir ins Gedächtnis und grinste dabei auf diese Weise, die dafür sorgt, dass meine Knie weicher als Buttercreme werden. »Das ist unsere letzte Chance, es vor dem Abschluss noch einmal so richtig krachen zu lassen.«
»Ich verzichte.«
»Komm schon! Lass nicht zu, dass ich mich dieser Horde von Zombies allein stellen muss.« Er zog an einer Locke meines Haars und wickelte sie sich geistesabwesend um einen Finger. Sein Blick war fest auf die Strähnen gerichtet, auf der das schwächer werdende Licht des Nachmittags tanzte. Wir saßen an unserem Platz oben in den Dachsparren des Bootshauses – unser liebstes Versteck vor dem Rest der Welt – und blickten auf den Ozean hinaus. Unter uns plätscherten die Wellen sanft gegen die Seiten des marineblauen Hinckley-Ausflugsboots, für das mein Vater ein Vermögen ausgegeben hatte (obwohl er so gut wie nie da ist, um es zu benutzen), und dahinter sank die Sonne langsam in Richtung des Horizonts.
Wir hatten hier oben Tausende solcher Abende verbracht – mit fest aneinandergepressten Schultern teilten wir Geheimnisse in der Dunkelheit. Doch dieses Mal fühlte es sich anders an. Archer räusperte sich und wirkte ungewöhnlich nervös.
»Wenn du nicht mit zu dieser Party kommst, wer wird sich dann im Stillen mit mir über all die anderen lustig machen? Ich brauche dich, Jo. Ich bin mir nicht einmal zu schade, dich anzubetteln …«
Ich knickte schneller ein als ein verdammter Klappstuhl.
Was soll ich sagen? Ich bin machtlos gegenüber diesem überzeugenden Lächeln. Von dem sanften Ziehen an meinen Haaren und diesen strahlenden karamellbraunen Augen, die er schelmisch auf meine gerichtet hatte, ganz zu schweigen.
Außerdem muss ich zugeben, dass Archer vermutlich recht hat. Das ist wirklich meine letzte Chance, es vor dem Abschluss »noch einmal so richtig krachen zu lassen«, wie er es ausdrückte. In Anbetracht des bevorstehenden Abschlussballs und der Abschlussfeier nimmt unser Leben eindeutig an Fahrt ab. Die letzte Filmrolle wurde in den Projektor eingelegt. Der Vorhang ist kurz davor, sich zu schließen.
Fin.
Ende.
Hasta la vista, baby.
Es ist beinahe greifbar. Man spürt es förmlich. Es liegt etwas in der Luft. Klar, das könnte auch einfach nur der schwach wahrnehmbare Marihuanadunst sein oder der Rauch von der Feuerstelle, der durch die offenen Fenster hereinweht … aber ich denke, dass es mehr als das ist. Wir spüren es alle. Dieses Gefühl der Anspannung, dass ein wichtiges Ereignis bevorsteht, hat sich in unser Leben geschlichen. Wir müssen Verantwortung für unser Leben übernehmen, uns für ein Studienfach, ein College oder einen Beruf entscheiden, und all das stürmt mit voller Wucht auf uns zu. In ein paar Wochen werden wir über eine Bühne schreiten, Direktor Lawrence die Hand schütteln, unsere Abschlusszeugnisse in Empfang nehmen und uns von der Highschool verabschieden.
Wir werden uns von unserer Kindheit verabschieden.
Aber heute Abend … sind wir immer noch siebzehn, sorglos und verrückt, trinken billiges Bier aus angezapften Fässern, tanzen im Mondlicht, baden nackt im Meer und wünschen uns einen Sommer, der nie zu Ende gehen möge. (Oder … in meinem Fall … nun ja, ich verstecke mich in einem Gästeschlafzimmer und höre durch die Bodenbretter des Zimmers über mir zu, wie mein bester Freund seine Jungfräulichkeit verliert …)
Gott, Jo.
Du bist wirklich erbärmlich.
Über mir stößt Sienna ein Stöhnen aus, das laut genug ist, um einen Pornostar die Augen verdrehen zu lassen. Ich schätze, dass Archer ihre Erwartungen tatsächlich voll und ganz erfüllt – und umgekehrt, da die Quietschgeräusche der Matratze nun immer heftiger werden und sich in kreischender Harmonie mit dem dumpfen Pochen meines panischen Pulsschlags verbinden.
Komm doch endlich zum Ende, will ich meinem besten Freund zuschreien und spüre, wie sich mein Herz überraschend schmerzhaft zusammenzieht. Sollten Jungfrauen nicht eigentlich nur ungefähr dreißig Sekunden lang durchhalten? Versuchst du da oben irgendeine Art von Rekord aufzustellen?
Ich ziehe ein Kissen über meinen Kopf, um die Geräusche der beiden zu dämpfen, und wünsche mir zum hundertsten Mal, dass ich irgendeinen Ausweg aus dieser entsetzlichen Situation finden könnte. Wenn ich gewusst hätte, dass sich mein Abend so entwickeln würde, hätte ich niemals eingewilligt mitzukommen. Ich hätte ganz sicher niemals zugelassen, dass Archer uns fährt, weil ich nun keine realistische Fluchtmöglichkeit habe.
»Oh, Archer!«, schreit Sienna mit einer Stimme, die vor Leidenschaft ganz atemlos klingt.
»Ja! Ja! Ja!«
Ich sage mir, dass ich aufstehen muss. Dass...




