E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Reihe: Star Wars
Johnston Star Wars: Schatten der Königin
Neuauflage 2019
ISBN: 978-3-7367-9967-7
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Reihe: Star Wars
ISBN: 978-3-7367-9967-7
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Padmé Naberrie, Königin Amidala von Naboo, am Ende ihrer Amtszeit gebeten wird, künftig Naboos Interessen im Galaktischen Senat zu vertreten, zögert Padmé, da sie sich nicht sicher ist, ob sie der ihr zugedachten Rolle gerecht werden kann. Doch die Bitte, ihrem Volk zu dienen, kann sie einfach nicht ablehnen. Zusammen mit ihren treuesten Dienerinnen muss Padmé nun herausfinden, wie man durch die tückischen Gewässer der Politik navigieren und nebenbei eine neue Identität schmieden kann - jenseits des Schattens der Königin ...
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1. KAPITEL
Padmé Amidala lag sanft und reglos da. Das braune Haar umgab ihren Kopf wie ein Strahlenkranz eine Sonne, hier und dort besetzt mit weißen Blütenblättern, die der Wind zwischen ihre Locken geweht hatte. Ihre Haut war blass und rein, ihr Gesicht friedlich. Ihre Augen waren geschlossen, ihre Hände über ihrem Bauch gefaltet, während sie dahintrieb. Das Leben auf Naboo ringsum ging ohne sie weiter.
Trotzdem wurde sie auch jetzt, am Ende, noch beobachtet.
Nicht, dass etwas anderes zu erwarten gewesen wäre. Seitdem sie die Arena planetarer Politik betreten hatte, war sie unter ständiger Beobachtung. Zuerst hatten ihre Beobachter ihre Interessen und Ideale kommentiert, später dann ihre Wahl zur Königin. Viele hatten an ihrer Stärke gezweifelt, als sie sich einer Invasion gegenübersah, bei der das Leben und das Wohl ihres Volkes als Druckmittel gegen sie eingesetzt werden sollte, um sie zu einer Unterschrift zu zwingen. Aber sie hatte alle Zweifler Lügen gestraft. Sie hatte gut geherrscht, war weiser und erfahrener geworden, und beides sehr schnell. Sie hatte sich den Herausforderungen ihrer Position unerschrocken und furchtlos gestellt. Und jetzt war ihre Zeit zu Ende.
Eine kleine Verwirbelung, eine kaum wahrnehmbare Bewegung auf dem ansonsten reglosen Wasser, war die einzige Warnung, bevor Padmés Angreifer zuschlug. Ein Arm schlang sich um ihre Mitte und zog sie in die klaren Tiefen hinab, wo er sie gerade lange genug festhielt, um ihr zu zeigen, dass sie geschlagen war.
Die Königin von Naboo tauchte wieder auf und spuckte Wasser, während ihre Zofen – ihre Freundinnen – ringsum lachten. Yané und Saché, die während der Besatzung für ihre Welt gelitten hatten. Eirtaé und Rabé, die dafür gesorgt hatten, dass dieses Leid nicht umsonst war. Sabé, die die meisten Risiken einging und ihr deshalb besonders am Herzen lag. Gemeinsam – jung und scheinbar sorglos – formten sie eine Kraft, die oft unterschätzt wurde. Ganz gleich, wie oft sie sich als fähig erwiesen, die Leute nahmen sie einfach nicht ernst; sie beurteilten sie letztlich nur anhand ihrer Jugend und ihrer Kleidung. Aber genauso wollten sie es auch.
Das Seenland war berühmt für seine Abgeschiedenheit. Hier konnte selbst eine Königin unentdeckt bleiben, oder zumindest wurde sie leicht übersehen. Naboos Naturerbe wollte geschützt und geschätzt werden, so war es schon vor den neuen Verträgen mit den Gungans gewesen. Der Trubel der Hauptstadt war weit entfernt, und Padmé konnte ein wenig – aber wirklich nur ein wenig – Zeit für sich selbst haben. Das hieß, für sich und ihre Zofen und die Wachen, die Captain Panaka für nötig befunden hatte, und für das gesamte Hausgesinde. Abgeschiedenheit war eben doch nur ein relativer Begriff.
Vom Ufer aus beobachtete Quarsh Panaka, wie seine Schutzbefohlenen im sonnenbeschienenen Wasser umhertollten. Seine Züge wiesen einen nur allzu vertrauten Ausdruck auf. Er hatte darauf bestanden, sie mit zehn seiner Leute bis an den Rand des Wassers zu begleiten, und Padmé hatte nachgegeben. Nach einer Weile. Dieses Hin und Her zwischen ihnen war er inzwischen gewöhnt, wenn er mit der Königin zu tun hatte – auch wenn ihre Beziehung in letzter Zeit etwas kühler und förmlicher geworden war. Er war ein Profi, also stand er still da und blickte finster drein, wohl wissend, dass Padmé nicht gestört werden wollte, heute noch weniger als sonst.
„Ihr habt mich absichtlich gewinnen lassen“, sagte Saché. Die jüngste der Zofen trug einen Badeanzug nach demselben Schnitt wie der Rest, doch wo die anderen schöne, glatte Haut preisgaben, offenbarte sich bei ihr eine Ansammlung fleckiger Narben, die ihre Arme, Beine und ihren Hals bedeckten. Yané strich mit der Hand durch Sachés Haar.
„Ich hätte dich nicht abwehren können“, erwiderte Padmé. Sie schüttelte den Kopf so heftig, dass Wassertropfen in alle Richtungen flogen, und mit ihnen die letzten der Blütenblätter. Während sie so dastand, bis zur Hüfte im schillernden Wasser des Sees und mit ihrer eigenen Stimme sprechend, hätte man sie für ein ganz normales Mädchen halten können, aber selbst jetzt war etwas an ihrer Haltung, das auf Größeres hindeutete. „Ich hätte höchstens schreien können und das hätte mir auch nicht mehr gebracht als einen Mundvoll Seewasser.“
„Und Captain Panaka hätte sich verpflichtet gefühlt, Euch zu retten.“ Sabé sprach mit Amidalas Stimme, und Saché und Yané richteten sich beide reflexartig auf, bevor Yané zur Vergeltung mit Wasser nach dem älteren Mädchen spritzte. Sabé wischte lediglich eine Blume fort, die dabei auf ihrer Wange landete, und ließ sich weiter unbeeindruckt im See treiben. „Genau genommen habt Ihr also nicht nur seine Würde verschont, sondern auch ein Paar guter Stiefel.“
Sabé sprach sorglos – aber wohlbewusst – und so laut, dass nicht nur die anderen Mädchen im Wasser sie hören konnten, sondern auch einige der Wachen, die nicht wirklich versuchten, ihre Belustigung zu verbergen.
„Ihr habt mich vorzeitig altern lassen, meine Damen“, sagte Panaka. Da war ein Anflug von Wärme in seiner Stimme, aber es blieb eine unüberwindbare Distanz. „Meine Frau wird mich kaum noch wiedererkennen, wenn ich nach Hause zurückkehre.“
„Wenn das das einzige Problem ist“, warf Mariek ein, die drei Schritte neben Panaka stand. Sie trug keine Uniform, weil sie bis eben bei der Königin im See gewesen war. Stattdessen hatte sie sich in einen hellorangenen Sarong gehüllt, der ihre braune Haut in der vormittäglichen Sonne regelrecht glühen ließ. Wasser tropfte von ihrem dunklen Haar auf den Rücken, während der Rest von ihr trocknete.
„Nun“, erwiderte Padmé, während sie zum Ufer ging, Sabé wie immer dicht hinter ihr. „Bald werden wir uns alle ein wenig ausruhen können.“
Und da war es: das Thema, an das sie alle dachten, das bislang aber keiner hatte ansprechen wollen. Denn das Ende nahte, und weder die Schönheit des Seenlandes von Naboo noch die Gesellschaft ihrer Freunde konnte daran etwas ändern. Sobald die Wahl vorüber war, würde man eine neue Königin küren. Padmé Amidala würde sich dann nach einer neuen Berufung umsehen, ebenso wie die meisten derer, die ihr gedient hatten. Manche, so wie Panaka, blickten dem Ruhestand entgegen, sofern es auf Naboo überhaupt so etwas wie Ruhestand gab. Padmé vermutete, dass Panaka bereits mehrere Angebote erhalten hatte, aber die Zeit, als er noch über Persönliches mit ihr geredet hatte, war längst vorbei. Die Jüngeren, so wie Eirtaé und Saché, würden ihren eigenen Weg gehen, ob nun als Musiker, Ärzte, Eltern, Farmer oder was auch immer – für sie war es eine Zeit der Träume. Große Veränderungen standen bevor und sie rückten rasch näher. Aber niemand, nicht einmal Sabé, hatte es gewagt, die Königin nach ihren Plänen zu fragen.
Rabé stand auf und folgte der Königin. Eirtaé tauchte noch ein letztes Mal unter – wie zum Abschied –, dann schloss sie sich den anderen an, während sie sich sammelten und gemeinsam aus dem Wasser stiegen. Eigentlich war es nicht nötig, nicht, wo so viele Wachen in der Nähe waren, aber sie suchten stets die Nähe der Königin, und schon bald würden sie genau das nicht länger tun können.
Abseits des Hauses am See wurde gerade gewählt. Die Zahnräder der Demokratie waren gut geölt und Jahrhunderte der Tradition sorgten dafür, dass dieses zweijährliche Ritual reibungslos ablief, auch wenn diesmal gunganische Wähler mit abstimmen durften – erst zum zweiten Mal in der Geschichte des Planeten. Natürlich würden nur die wenigsten von ihnen tatsächlich ihre Stimme abgeben, aber Padmé wusste, dass die Bemühungen, sie mit einzubeziehen, geschätzt wurden; Boss Nass hatte es ihr selbst gesagt. Naboo war noch nicht so vereint, wie sie es am Ende ihrer Regentschaft gerne gehabt hätte, aber das Volk schien glücklich mit dem, was sie geleistet hatte.
Fast schon zu glücklich, wie sich herausgestellt hatte. Eine Fraktion hatte sich angeschickt, die Verfassung zu ändern, damit Padmé für eine weitere Amtszeit antreten könnte. Das war erst einmal zuvor versucht worden, während einer Zeit großer Umwälzungen in der Vergangenheit von Naboo, und Padmé sah keinen Grund, für etwas zu kämpfen, was sie nicht wollte und auch nicht für richtig hielt. Sie hatte Naboo vier ihrer Jahre gegeben und jetzt war es Zeit für eine neue Vision, eine neue lenkende Hand, die den Kurs in die Zukunft vorgab. Das war das Herzstück von Naboos Demokratie – die Überzeugung, dass Wandel und vergleichsweise kurze Regentschaften besser waren als ein stagnierendes Herrschertum. Padmé war froh, all die Aspekte zu erfüllen, die ihre Rolle verlangte, so auch diesen.
„Gar nicht in Versuchung gekommen?“, hatte Sabé gefragt, als der Bote Padmé einen Entwurf der geplanten Verfassungsänderung gebracht hatte, den sie nach kurzem Überfliegen wieder zurückschickte, ohne ihn zu unterzeichnen. Es war das einzige Mal, dass sie so etwas wie eine Unterhaltung über die Zukunft geführt hatten.
„Natürlich war da eine gewisse Versuchung“, antwortete Padmé, während sie sich auf ihrem Stuhl zurücklehnte und Sabé weiter ihr Haar bürstete. „Während ich den Entwurf durchgelesen habe, sind mir noch mindestens zehn Dinge eingefallen, die ich gern in einer weiteren Amtszeit tun würde. Aber so funktioniert die Thronfolge nicht. Jedenfalls nicht hier. Wir tun unseren Teil und dann geben wir anderen die Chance, ihren zu tun.“
Sabé hatte nichts weiter dazu gesagt.
Am Ufer schlüpften sie nun alle in ihre...




