Jolley | Waterland - Stunde der Giganten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 272 Seiten

Reihe: Waterland

Jolley Waterland - Stunde der Giganten

Band 2
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7336-0371-7
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 272 Seiten

Reihe: Waterland

ISBN: 978-3-7336-0371-7
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kampf im Reich der Wale Kaum sind Jacob, Tristan und Hali auf dem U-Boot der WasserKrieger angekommen, meldet sich eine Trockensiedlung in Not: sie wurden von Flutwesen angegriffen. Doch was macht die Flutwesen plötzlich so aggressiv? Und was hat es mit dem rätselhaften Flutmädchen Aiko auf sich, das die Freunde bewusstlos am Strand gefunden haben? Jacob und Hali machen sich erneut auf den Weg in die Tiefen des Meeres, um Antworten zu suchen. Das Geheimnis, dem sie am Meeresgrund auf die Spur kommen, übertrifft all ihre Erwartungen: Sie müssen erkennen, dass nun nur die größten und mächtigsten Wesen des Ozeans ihnen helfen können: die Wale! Band 2 der packenden Wasserfantasy-Saga! Alle Bände der Serie: Dan Jolley, Waterland - Aufbruch in die Tiefe (Band 1) Dan Jolley, Waterland - Stunde der Giganten (Band 2) Weitere Bände in Vorbereitung

Dan Jolley begann im Alter von 19 Jahren mit dem Schreiben. Er schreibt Comics, Filmromane (z.B. Star-Trek) und Storyboards für Videospiele. Mit »Waterland« startet er eine mehrbändige epische Fantasyserie. Dan lebt mit seiner Frau und einer Handvoll träger Katzen im Nordwesten von Georgia, USA.
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1


Jacob Overland saß tief unten im Ozean im Bauch eines U-Bootes – in Gedanken befand er sich allerdings ganz woanders.

»Jacob! Hallo? Jemand zu Hause?« Hali, ein Mädchen des Flutvolks und Jacobs beste Freundin, klopfte ihm sachte mit einem Finger gegen den Kopf und sah ihn mit ihren großen braunen Augen an. »Sind wir echt so langweilig?«

Jacob erwachte aus seinen Tagträumen und blickte sich um. Sie befanden sich im Speisesaal der , dem riesigen, aus vielen Einzelteilen zusammengebauten U-Boot, das derzeit als Zentrale für die Aktivisten der WasserKrieger diente. Wie quasi jeder andere Raum in dem Gefährt platzte auch der Speisesaal aus allen Nähten, und Jacob saß mit Hali, einem Trockensiedler namens Sim und zwei halb-aquatischen Flüchtlingen aus Ankerhaven, Dexter und Mariko, an einem Tisch.

Um zu verbergen, wie abgelenkt er gewesen war, grinste Jacob breit. »Was?«, sagte er. »Ich hör doch zu! Ihr habt darüber gesprochen, dass es ganz schön schwierig ist, mit schwimmhäutigen Händen Essstäbchen zu benutzen.«

Hali wackelte mit ihren langen, anmutigen Fingern, zwischen denen sich nahezu durchsichtige Schwimmhäute spannten. Sie war voll-aquatisch, hatte langes, dunkelbraunes Haar und kupferfarbene Haut, die von schwarzen Tupfen übersät war. Jacob wusste, dass sie eigentlich viel lieber im Meer umherschwimmen würde, als hier im U-Boot festzusitzen, aber glücklicherweise ermöglichte ihr die feuchte und stark mit Sauerstoff angereicherte Luft in der , auch außerhalb des Wassers zu atmen. »Stimmt, das ist nicht einfach«, antwortete sie. »Aber das Thema haben wir schon vor zehn Minuten abgehakt.«

»Oh«, machte Jacob und wurde rot.

Hali lächelte und stupste ihn spielerisch an. »Jetzt gerade haben wir darüber gesprochen, wie trocken das Essen hier ist.« Sie stocherte in ihrer Schüssel mit Reis und Fisch herum. »Ich muss mit jedem Bissen einen Schluck Wasser trinken, sonst krieg ich das Zeug nicht runter.«

»Trocken?«, rief Jacob ungläubig. »Du machst Witze! Durch die Luft hier es nur so.«

»Das kann auch nur ein Trockensiedler sagen«, schnaubte Hali.

Mariko legte den Kopf schief, und ihre kurzen Locken hüpften auf und ab. Sie und Dexter hatten beide mitternachtsblaue Haut, aber Marikos war von leuchtend gelben Streifen durchzogen, während Dexters Haut große Flecken schillernder Schuppen aufwies, die bei jeder Bewegung im Licht schimmerten. »Also, ich weiß nicht. Für mich ist es genau richtig. Nicht zu trocken, nicht zu matschig«, sagte Mariko.

Dexter nickte. »Ist kein Feinschmeckergericht aus Ankerhaven, aber ich hab nichts zu meckern. Außerdem esse ich lieber fade Mahlzeiten, statt irgendwo als Haifutter zu enden.« Zusammen mit den WasserKriegern hatten Jacob und seine Freunde die Flutwesen Dexter, Mariko und all die anderen halb-aquatischen Bewohner in Ankerhaven vor dem sicheren Tod bewahrt, nachdem die Sauerstoffzufuhr der Stadt zerstört worden war, und sie waren einfach nur dankbar, am Leben zu sein.

»Ihr findet, das hier ist fade?«, fragte Hali überrascht. »Also, viele Leute denken ja, dass Flutwesen verschiedene Geschmäcker gar nicht wahrnehmen können. Aber ich glaube, dass wir unterschiedliche Aromen sogar besser herausschmecken als die Trockensiedler. Es gibt Tausende Arten Fisch, und viele Leute an der Oberfläche denken wahrscheinlich, dass sie alle so ziemlich gleich schmecken, aber für mich gibt es einen meerweiten Unterschied zwischen Forelle und Heilbutt …«

Wieder bemerkte Jacob, dass er in Gedanken von der Unterhaltung abschweifte. Seine ehemalige Lehrerin, Miss Petersyn, hätte ihm wahrscheinlich eins auf die Finger gegeben, weil er nicht richtig zuhörte, doch sie war weit, weit weg. Würde er sie jemals wiedersehen?, fragte er sich plötzlich. So viel hatte sich in solch kurzer Zeit verändert, dass er kaum Gelegenheit gehabt hatte, alles richtig zu verarbeiten. Kaum Zeit gehabt hatte, tatsächlich zu begreifen, dass nichts je wieder wie früher sein würde.

War es wirklich erst ein paar Tage her, dass er als einsamer kleiner Junge hoch oben auf der obersten Etage der Turmfestung, dem gewaltigen, pyramidenartigen Bau, gelebt hatte? Er versuchte, zurückzurechnen, musste jedoch feststellen, dass er alles Zeitgefühl hoffnungslos verloren hatte.

, blaffte eine Stimme in seinem Kopf. Nein, das war nicht fair, dachte er. Er war während seines Lebens in der Turmfestung nicht naiv gewesen. Woher hätte er die Wahrheit denn kennen sollen? Die Wahrheit über das Flutvolk? Er hatte erst Hali und all die anderen Flutwesen treffen müssen, um zu verstehen, wie sie wirklich waren.

Und woher hätte er wissen sollen, dass sein Onkel Sato, der Gouverneur der Turmfestung, eigentlich ein machthungriger, gemeingefährlicher Tyrann war, der das Flutvolk vernichten wollte und dafür sogar bereit war, Jacob und seinen älteren Bruder Tristan – seine eigenen Neffen – zu opfern?

Die Wahrheit lastete schwer auf Jacob. Als müsste er das Gewicht der gesamten Turmfestung auf seinen Schultern tragen. Immer und immer wieder hatte Jacob sich selbst zu überzeugen versucht, dass es nicht seine Schuld war, dass er es nicht hätte ahnen können. Aber das Gefühl wollte trotzdem nicht verschwinden.

Diese Gedanken und auch der an Tristan versetzten ihm einen sorgenvollen Stich.

»Ich hab absolut nichts gegen das Essen«, sagte Sim, als Jacob wieder mit halbem Ohr hinhörte. »Ich würde Reis und Fisch zu jeder Mahlzeit in Kauf nehmen, selbst wenn es matschig wäre. Und wisst ihr, warum? Weil ich hier wenigstens weiß, dass ich mich unter Freunden befinde. Das Essen in der Turmfestung – zumindest das, was wir uns leisten konnten – war sowieso ungenießbar.« Aus dem Augenwinkel sah Jacob, wie Dexter Sim einen festen Knuff in die Seite gab, und nach einem begriffsstutzigen Moment verstand er, dass Dexter den Knuff seinetwegen ausgeteilt hatte. Inzwischen wussten alle, dass Jacob und Tristan Sato Overlands Neffen waren. Die Turmfestung in ihrer Gegenwart zu erwähnen glich dem Herumstochern in einer offenen Wunde. Jacob war Sim jedoch nicht böse. Wahrscheinlich hatte der einfach nicht daran gedacht. Und selbst er daran gedacht hatte, erzählte er nur die Wahrheit. Jacob bezweifelte keine Sekunde, dass das meiste Essen in der Turmfestung wahrscheinlich ungenießbar gewesen war – zumindest das Essen, das normale Leute sich leisten konnten, nicht das, was er, Tristan und Sato oben in ihrem erhabenen Wohnreich verspeist hatten. Der Gedanke verstärkte seine Schuldgefühle nur, jedoch sah er keinen Sinn darin, es zu leugnen, noch nicht einmal vor sich selbst.

Jacob fühlte Halis Blick auf ihm ruhen und wie so oft schien sie seine Gedanken zu lesen, aber er stellte sich vor, dass er eine Mauer in seinem Kopf errichtete, um sie vom Eindringen abzuhalten. Über gewisse Dinge wollte er einfach nicht sprechen, nicht einmal mit ihr. Gerade überlegte er, was er zu Sim sagen könnte, um dessen Gewissen zu beruhigen, als ein markerschütterndes Heulen durch das U-Boot dröhnte. Jacob wollte sogleich von seinem Stuhl aufspringen.

»Bleib locker«, sagte Sim. »Das ist nur die Ankündigung einer Durchsage.«

»Ich bin locker«, entgegnete Jacob und strich seine Kleidung glatt. »Total locker.« Das Herz schlug ihm so heftig gegen die Rippen, dass er schon fürchtete, man würde es mit bloßem Auge erkennen. Er war locker, doch der Schreck hatte ihn zumindest aus seinen düsteren Gedanken gerissen.

»Achtung, bitte!«, hallte eine Stimme kalt und blechern durch ein paar Lautsprecher. »Alle an Bord, die aktuell nicht im Dienst sind, begeben sich bitte augenblicklich für eine Notfallbesprechung zu Gemeinschaftsraum 1.« Der Lautsprecher knackte und verstummte.

Sofort stand Sim auf. »Ihr habt die Durchsage gehört – lassen wir die anderen besser nicht warten.«

Jacob und Hali erhoben sich ebenfalls, kurz darauf gefolgt von Dexter und Mariko. »Worum geht es denn?«, fragte Mariko. »Hat jemand eine Idee?«

Sim schüttelte den Kopf. »Nicht so richtig. Aber es muss ja was mit den WasserKriegern zu tun haben, oder? Und wenn sie eine Notfallbesprechung einberufen, ist es bestimmt wichtig. Also, gehen wir.«

Jacob folgte Hali und den anderen einen schmalen, niedrigen Gang entlang, der zum Bug der führte. Es tat ihm leid, dass es Hali solche Mühe bereitete, sich außerhalb des Wassers zu bewegen. Ihre Beine waren so lang und ihre gerade eben funktionstüchtige Lunge so schwach, dass sie halb gebückt laufen und sich mit beiden Händen an den Metallhandläufen der Gänge festhalten musste. Als sie bei Gemeinschaftsraum 1 angekommen waren, dem größeren der beiden Versammlungsräume, keuchte Hali leise.

Die etwa zwei Dutzend Leute, die nacheinander den Raum betreten hatten, drängten sich nun Schulter an Schulter. Jacob stellte sich auf die Zehenspitzen und hüpfte ein paarmal hoch, um über die Köpfe aller blicken zu können, suchte in der Menge nach Tristan. Doch er konnte ihn nirgends entdecken. Er stupste Hali in den Rücken und fragte: »Siehst du meinen Bruder irgendwo?«

Hali richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, so dass ihr Kopf die Decke streifte, und spähte im Raum umher. »Nein«, sagte sie leise. »Tut mir leid.«

Jacob durchfuhr ein weiterer sorgenvoller Stich. Das war nicht die erste Versammlung, die Tristan verpasste.

Gleich nachdem Jacob und Hali seinen Bruder aus Ankerhaven gerettet...


Jolley, Dan
Dan Jolley begann im Alter von 19 Jahren mit dem Schreiben. Er schreibt Comics, Filmromane (z.B. Star-Trek) und Storyboards für Videospiele. Mit 'Waterland' startet er eine mehrbändige epische Fantasyserie. Dan lebt mit seiner Frau und einer Handvoll träger Katzen im Nordwesten von Georgia, USA.

Sandmann, Sabrina
Sabrina Sandmann (geb. 1985) hat in Düsseldorf Literaturübersetzen studiert und ist seit 2018 als freiberufliche Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen tätig. Besonders gern mag sie Jugendromane, übersetzt aber auch Sach- und andere Bücher. Neben der Literatur gilt ihre Leidenschaft dem Reisen und dem Tanzen.

Sabrina SandmannSabrina Sandmann (geb. 1985) hat in Düsseldorf Literaturübersetzen studiert und ist seit 2018 als freiberufliche Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen tätig. Besonders gern mag sie Jugendromane, übersetzt aber auch Sach- und andere Bücher. Neben der Literatur gilt ihre Leidenschaft dem Reisen und dem Tanzen.
Dan JolleyDan Jolley begann im Alter von 19 Jahren mit dem Schreiben. Er schreibt Comics, Filmromane (z.B. Star-Trek) und Storyboards für Videospiele. Mit 'Waterland' startet er eine mehrbändige epische Fantasyserie. Dan lebt mit seiner Frau und einer Handvoll träger Katzen im Nordwesten von Georgia, USA.

Sabrina Sandmann (geb. 1985) hat in Düsseldorf Literaturübersetzen studiert und ist seit 2018 als freiberufliche Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen tätig. Besonders gern mag sie Jugendromane, übersetzt aber auch Sach- und andere Bücher. Neben der Literatur gilt ihre Leidenschaft dem Reisen und dem Tanzen.
Dan Jolley begann im Alter von 19 Jahren mit dem Schreiben. Er schreibt Comics, Filmromane (z.B. Star-Trek) und Storyboards für Videospiele. Mit »Waterland« startet er eine mehrbändige epische Fantasyserie. Dan lebt mit seiner Frau und einer Handvoll träger Katzen im Nordwesten von Georgia, USA.



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