E-Book, Deutsch, Band 2, 368 Seiten
Reihe: Agatha Oddly
Jones Agatha Oddly (Band 2) - Die London-Verschwörung
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7320-1346-3
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Spannender Detektiv-Roman für Mädchen und Jungen ab 11 Jahren
E-Book, Deutsch, Band 2, 368 Seiten
Reihe: Agatha Oddly
ISBN: 978-3-7320-1346-3
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lena Jones ist ein fiktiver Autorenname. Dahinter steckt ein junges und talentiertes Autorenteam, das zusammen mit dem Verlag Harper Collins die Reihe Agatha Oddly entwickelt hat.
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Der Film war echt irre!«, seufzt Liam zufrieden, als wir aus dem Odeon kommen.
Die Abendluft ist angenehm warm und rund um den Leicester Square wimmelt es immer noch von Menschen.
Liam schaltet sein Handy wieder ein, während ich die letzten Popcornkrümel aus meiner Tüte fische. Wir haben gerade Lieferung um Mitternacht gesehen und können es kaum erwarten, all die Ungereimtheiten und Logikfehler aufzuzählen.
»Ich wusste gleich, dass es der Fensterputzer war«, sage ich grinsend. »Er war viel zu neugierig. Und was den Ermittler angeht – Gott, war der schwer von Begriff. Brianna hätte einen Riesenspaß gehabt! Was hat sie noch mal gesagt, weswegen sie nicht mitkommen konnte?« Liam ist mein bester Freund, aber Brianna kommt gleich danach. Wir drei machen super viel zusammen.
»Oh … äh, ich glaube, sie hatte noch Hausaufgaben zu erledigen«, antwortet Liam.
Ich lache. »Das ist mal wieder typisch Brianna. Der vorletzte Ferientag und sie fängt endlich damit an.« Liam und ich machen unseren gesamten Schulkram immer schon zu Beginn der Ferien, während Brianna lieber alles bis zur allerletzten Sekunde aufschiebt. Ich habe sogar mal gesehen, wie sie noch auf dem Weg zur Schule etwas in ihr Heft gekritzelt hat – im Gehen, wohlgemerkt.
Liam ist zu sehr in sein Handy vertieft, um etwas zu erwidern, also schlendere ich zum nächsten Mülleimer und entsorge meine leere Popcorntüte. Ganz in der Nähe steht ein Pappaufsteller mit einem Poster, das in großen Buchstaben ein GIGANTISCHES FEUERWERKSSPEKTAKEL! ankündigt. Ich überfliege die Angaben. Das besagte Spektakel – »mehr als 15.000 Feuerwerkskörper!« – soll nächsten Sonntag am Themseufer stattfinden.
»Ist September nicht ein bisschen früh für das jährliche Stadtfeuerwerk?«, frage ich, als Liam sich zu mir gesellt. »Findet das nicht sonst immer erst im November statt? Irgendwann rund um die Guy Fawkes Night? Und ich bin mir sicher, dass es bis jetzt immer an einem Samstag war«, sage ich nachdenklich.
Statt einer Antwort hält Liam mir sein Handy unter die Nase und meint: »Guck mal.« Es ist eine Nachrichtenseite:
Während ich die roten Buchstaben lese, spüre ich, wie in mir eine inzwischen vertraute Aufregung hochsteigt. Es ist fünf Wochen her, seit ich meinen letzten Fall gelöst und aufgedeckt habe, woher der rote Schleim kam, der das Londoner Wasser verunreinigt hatte. Es juckt mir in den Fingern, endlich wieder loszulegen. Die letzte Zeit war definitiv zu ruhig für mich. Ohne einen einzigen Fall konnte ich die Sommerferien gar nicht richtig genießen!
Ich nehme Liams Handy und tippe hastig auf den Link. Besonders viele Informationen gibt es allerdings noch nicht:
Heute Abend, kurz nach Ende der Öffnungszeiten, wurde ein Mitarbeiter des British Museum erstochen aufgefunden. Die Polizei hat noch keine Details zur Identität des Opfers veröffentlicht, doch Gerüchten zufolge soll es sich um einen Museumswärter handeln. Erste Indizien deuten darauf hin, dass er einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt haben könnte, denn aus einer der Vitrinen soll ein Ausstellungsstück verschwunden sein.
Ich kann meine Begeisterung kaum verbergen. »Endlich, ein richtiger Fall!« Als ich Liam sein Handy zurückgebe, fange ich seinen Blick auf. »Komm schon – dem müssen wir nachgehen!«
Er mustert mich kritisch. »Agatha, bitte sag mir, dass du dich nicht ernsthaft darüber freust, dass jemand ermordet worden ist …«
Ich laufe knallrot an. Hoffentlich merkt er es nicht. »Natürlich nicht.« Ich betrachte meine Fingernägel, die ich schwarz lackiert und mit silbernen Sternchen verziert habe. Die Sternchen sind mir wirklich gut gelungen …
»Außerdem«, fährt er fort, »ist das eine Mordermittlung. Da kannst du nicht einfach so reinspazieren.«
Das ist exakt die Art von Herausforderung, für die ich lebe. »Und ob ich da reinkomme. ›Kein Fall ist uns zu sonderbar‹, schon vergessen?« Das ist das Motto der Agentur Oddlow, unseres Detektivbüros. Ich hatte die Nase voll davon, dass sich alle ständig über meinen Namen lustig machten (Sonderbar, No-Go, Plumpsklo … Oddly war da fast noch das Netteste), und deswegen beschlossen, dem Ganzen eine positive Note zu verleihen.
»Aber so sonderbar wirkt dieser Fall eigentlich gar nicht …«, erwidert Liam zweifelnd.
Um keine weitere Zeit zu verschwenden, packe ich ihn kurzerhand am Arm und bahne mir mit ihm im Schlepptau einen Weg durch die Menschenmassen am Leicester Square zur U-Bahn. Während Liam hinter mir herstolpert, liest er sich auf seinem Handy den Rest der Meldung durch. »Hier steht, dass sie das gesamte Museumsgebäude abgeriegelt haben. Da kommt also keiner rein – nicht mal du.«
»Wer sagt denn, dass ich den Vordereingang nehme?« Ich drehe mich um und werfe ihm einen vielsagenden Blick zu. Mit meiner freien Hand greife ich nach dem Schlüssel meiner Mum, den ich an einer Kette um den Hals trage. Er ist nicht bloß ein Erinnerungsstück: Der Schlüssel stammt von einer Geheimorganisation namens Torwächtergilde und verschafft seinem Besitzer Zutritt zu den Tunneln und Gängen unter London.
Liam runzelt die Stirn. »Du kriegst echt Ärger, wenn Professor D’Oliveira rausfindet, dass du die Tunnel benutzt, bevor du mit deiner Prüfung begonnen hast.«
Professor D’Oliveira ist meine Kontaktperson bei der Gilde. Wenn ich eine ihrer Agentinnen werden will – eine Torwächterin, wie meine Mum es war (und das will ich wirklich, wirklich sehr) –, muss ich erst die Torwächterprüfung schaffen, die aus drei einzelnen Tests besteht.
Ich seufze. »Ich weiß … aber ich hätte nicht gedacht, dass das so lange dauert! Ich warte jetzt schon seit fünf Wochen!«
»Ja, aber denk doch mal darüber nach, was passiert, wenn sie dich erwischen! Professor D’Oliveira hat ausdrücklich gesagt, dass du keine Torwächterin werden kannst, wenn du dich nicht an die Regeln hältst. Du wärst am Boden zerstört.«
Ich verdrehe die Augen. »Aber ich mache es ja nur dieses eine Mal. Das kriegen sie doch bestimmt nicht mit, oder? Ich bin mir sicher, dass ich ihnen aus dem Weg gehen kann.«
Liam schüttelt meine Hand ab.
»Kommst du nicht mit?«, frage ich überrascht. Normalerweise ist Liam sofort dabei, wenn es etwas Spannendes zu erleben gibt.
»Agatha, du bist meine beste Freundin – aber du redest gerade davon, dich in eine Mordermittlung einzumischen und gleichzeitig deine Chancen, eine Agentin der Gilde zu werden, aufs Spiel zu setzen.«
Ich beschließe, mich ganz auf seinen ersten Einwand zu konzentrieren und den zweiten schlichtweg zu ignorieren. »Ich mische mich nicht ein«, erwidere ich empört, »ich suche lediglich nach Hinweisen …«
»… und kommst dabei möglicherweise der Polizei in die Quere, die ebenfalls genau das tut.«
Ich halte einen Moment inne und überlege, ob ich versuchen soll, ihn auf meine Seite zu ziehen. Doch er hat seinen entschlossenen Gesichtsausdruck aufgesetzt. Und ich weiß: Da ist nichts zu machen.
»Okay«, gebe ich mich geschlagen. »Kein Thema – dann guck du doch einfach, was in den Nachrichten über den Mord berichtet wird, und wir vergleichen unsere Notizen am Donnerstag in der Schule.«
»Wie du meinst … aber sei einfach vorsichtig, ja?«
»Mach dir keinen Kopf. Ich besorge mir einen Löffel und grabe mir meinen eigenen Tunnel«, sage ich in Anspielung auf einen unserer Lieblingsfilme.
»Na, solange du einen Plan hast«, antwortet er mit unüberhörbarem Sarkasmus (auch wenn der gewünschte Effekt dadurch zunichtegemacht wird, dass er sich sichtlich anstrengen muss, nicht loszuprusten).
»Ich habe immer einen Plan.«
»Soll ich dir Bescheid geben, wenn in den Nachrichten weitere Informationen veröffentlicht werden?«, fragt er.
»Oh, das habe ich ganz vergessen, dir zu sagen! Dad hat den losen Ziegelstein entdeckt und ihn festgemauert. Wir können unser Geheimversteck also nicht mehr nutzen.«
»Ernsthaft? Hättest du ihn nicht davon abhalten können?«
Ich zucke mit den Schultern. »Ich habe es erst gemerkt, als er das ›Problem‹ bereits behoben hatte. Wir müssen uns eben etwas Neues überlegen, wie wir einander Nachrichten zukommen lassen können.«
Liam schüttelt traurig den Kopf. »Ich mochte unseren Stein«, seufzt er, als hätten wir einen guten Freund verloren.
Ich zucke erneut mit den Schultern. »Hör mal, ich muss dann jetzt los, okay? Wir sehen uns Donnerstag in der Schule.« Ich winke kurz zum Abschied und jogge dann die letzten Meter zur U-Bahn-Station.
Während ich am Bahnsteig stehe und auf die nächste U-Bahn warte, spüre ich, wie mein Adrenalinspiegel steigt. Heute Abend bin ich nicht Agatha Oddlow, Stipendiatin an einer teuren Londoner Privatschule, sondern Agatha Oddly, Privatdetektivin. Nicht umsonst bin ich nach der weltberühmten Krimiautorin Agatha Christie benannt.
Auf der Fahrt lasse ich mich vom Rhythmus der Bahn dahintragen und lege mir einen Plan zurecht, wie ich ins Museum gelangen kann. Ich verfüge über die nützliche Fähigkeit, mich »wegzappen« zu können: Ich blende aus, was um mich herum vorgeht, um so Zugriff auf andere Bereiche meines Gehirns zu erhalten. Diese Technik wende ich auch jetzt an. Ich schließe die Augen und konzentriere mich ganz auf die bevorstehende Aufgabe. Klar ist schon mal, dass ich ein Kostüm brauchen werde. Und einen plausiblen Grund, warum ich mich nach Ende der Öffnungszeit im Museum aufhalte.
Als ich am Hyde Park ankomme, habe ich alles minutiös ausgearbeitet und kann es kaum erwarten,...




