Jones | Das andere Weltbild | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Jones Das andere Weltbild

Über die größte Bedrohung für das Christentum
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98963-500-5
Verlag: Christliche Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Über die größte Bedrohung für das Christentum

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-98963-500-5
Verlag: Christliche Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



In den letzten Jahrzehnten hat sich ein verhängnisvoller Wandel in der westlichen Welt vollzogen. Unsere Kultur als Ganzes hat die Weltanschauung gewechselt. Nach Peter Jones lassen sich alle Religionen und Philosophien der Welt in zwei Weltanschauungen einteilen, die miteinander konkurrieren. Diese beiden Weltsichten unterscheiden sich grundlegend in ihrem Verständnis von der Wirklichkeit. Ist alles im Wesentlichen eins? Oder gibt es eine fundamentale Unterscheidung zwischen Schöpfung und Schöpfer? In Das andere Weltbild erklärt Jones den Unterschied zwischen dem, was er 'Oneism' (Einsheit) und 'Twoism' (Zweiheit) nennt. Er deckt die heidnischen Wurzeln des Einheitsdenkens auf und zeichnet dessen Verbreitung und Einfluss in der westlichen Kultur nach. Vor allem aber zeigt er uns, warum dieses Einheitsdenken niemanden retten oder die Welt wirklich verbessern kann - und was wir stattdessen brauchen. Schlagworte: Kulturanalyse, Kulturkritik, Neues Heidentum, Sexuelle und spirituelle Revolution, Ganzheitlichkeit oder Heiligkeit?, Gottes- oder Naturverehrung?, Kompromisse mit der Kultur, C. G. Jungs neue Menschheit.

Peter Jones ist außerordentlicher Professor für Neues Testament sowie Scholar in Residence am Westminster Seminary Kalifornien.
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Zielgruppe


Älteste, Mitarbeiter, Studenten


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


KAPITEL 1


EINE FAHRKARTE — ABER WOHIN?


Ein Plan von London und ein Plan des Lebens


Drei meiner Kinder leben in London. Jedes Mal, wenn ich sie besuche, staune ich über die Londoner U-Bahn. Die (Röhre), wie sie auch genannt wird, wurde 1863 eröffnet und befördert heute jedes Jahr mehr als eine Milliarde Fahrgäste in einer der größten Städte der Welt überallhin. Um einen bestimmten Ort schnell zu erreichen, muss man allerdings wissen, wohin der Zug fährt. Sonst kann man tagelang ein- und aussteigen, ohne ans Ziel zu kommen.

Manche Menschen leben so. Bildhaft gesprochen steigen sie in den ersten Zug ein, der kommt, oder in den, den die meisten Menschen nehmen. Nur wenige denken über das Ziel nach, bis sie am Ende der Fahrt an einer Station des Lebens landen, die ihnen gar nicht gefällt, und die Reise schließlich bereuen.

Eine Weltanschauung enthält eine Reihe von Überzeugungen und Schlussfolgerungen über das Wesen der Welt, die unserem Leben eine grundlegende Bedeutung und Orientierung geben, so wie uns ein U-Bahn-Plan durch London leitet. Auch wenn unsere Überzeugungen oft nur aus unbestimmten Ahnungen oder ungeprüften Vermutungen bestehen, haben wir alle eine Weltanschauung. Der einfache Umstand, dass wir den Mund öffnen, um zu sprechen, zeigt, dass wir glauben, dass das Leben eine Bedeutung hat und alles irgendwie zusammenpasst. Eine Übersichtskarte des Lebens zu deuten ist komplizierter als bei der Karte der Londoner U-Bahn. Deshalb geben wir manchmal auf und steigen einfach in den nächsten Zug, der vorbeikommt.

Auch unsere Kultur scheint auf einen Zug aufgesprungen zu sein, der in eine ganz andere Richtung fährt als der, mit dem sie ursprünglich unterwegs war. Vielleicht geschah dies aus der Überzeugung heraus, dass es die falsche Richtung war. Möglicherweise haben wir es auch aufgegeben, darüber nachzudenken, wo wir schließlich landen werden. Doch wie viele Richtungen gibt es letztendlich überhaupt?

Beginnen wir unsere Reise mit einer Momentaufnahme aus meinem eigenen Leben. Der einflussreiche Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung aus dem 20. Jahrhundert, dem wir auf diesen Seiten noch oft begegnen werden, beschrieb einmal einen Traum, in dem er sich in einer regnerischen Nacht in meiner englischen Heimatstadt Liverpool wiederfand, „einer rußigen, dunklen, schmutzigen Stadt“4. Danke, Carl, für diese wenig schmeichelhafte, aber zutreffende Beschreibung! Etwa 30 Jahre nach Jungs Traum fand ich mich an einem untypisch sonnigen Tag mit jemandem wieder, der noch berühmter war als Jung. Es war Mittagszeit an der , und der Gedanke an war für meinen Freund und mich unwiderstehlich. Entgegen der Schulregeln kletterten wir über die Mauer und machten einen 20-minütigen Ausflug zu unserer Lieblingsbude in der .

Der Name verrät es wahrscheinlich: Mein alter Schulkamerad war John Lennon, der später als einer der Beatles bekannt werden sollte. Einmal schrieb er (mit einiger Übertreibung) über den „blauen Vorstadthimmel“ über der . Damals konnte natürlich niemand seine glanzvolle Zukunft vorhersehen – schon gar nicht der Schulleiter, der uns später an diesem Tag völlig unbeeindruckt von uns beiden den Hintern versohlte.

Ich erwähne meine Schulzeit mit John nicht, um etwas von seinem Ruhm abzubekommen, sondern weil ich eine gewisse historische Ironie sehe: Derselbe Schulleiter, der John und mich mit dem Rohrstock schlug, begann jeden Schultag mit Bibellesen und Gebet. war zwar eine staatliche Schule, aber in dieser Hinsicht typisch: Damals war das Christentum die allgemein anerkannte Religion meiner Kultur, und England war ziemlich repräsentativ für den Rest des Westens. Lange nach meiner Zeit in der wurde ich ein christlicher Theologe, der sich besonders der Unterscheidung der biblischen Spiritualität von ihren vielen Fälschungen widmet, insbesondere von denen, die in den heutigen Versionen der östlichen oder New-Age-Spiritualität zum Ausdruck kommen. Ich schreibe Bücher als Beobachter des spirituellen Zustands der heutigen westlichen Welt, der sich seit meiner Zeit an der Highschool dramatisch verändert hat. John hingegen verließ 1956 die , und unsere Wege trennten sich für immer. Er wurde später ein hingebungsvoller Anhänger des Maharishi Mahesh Yogi und ein leidenschaftlicher Verfechter der östlichen Spiritualität.

Obwohl er derselben christlichen Kultur angehörte wie ich, bemühte er sich, das Christentum an den Rand zu drängen. In seinem Hit „Imagine“ fordert er uns beispielsweise auf, uns eine Welt ohne Religionen oder Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod vorzustellen, eine Welt, in der wir unser angeborenes persönliches und soziales Potenzial für endgültigen Frieden und Harmonie verwirklichen könnten. Der Einfluss eines solchen Denkens zeigt sich deutlich in der verbreiteten Äußerung: „Ich bin spirituell, aber nicht religiös.“ Bill und Hillary Clinton baten darum, in der Silvesternacht 2000 auf der „Imagine“ zu spielen, um das dritte Jahrtausend einzuläuten.

1964 ging ich in die Vereinigten Staaten, um zu studieren. Ich kam auf dem in Boston an, kurz nachdem die Beatles nach Amerika gereist waren. Ich kam, um mich weiterzubilden, und entdeckte eine Kultur, die noch offensichtlicher christlich war als die, die ich verlassen hatte. Die „Festung Amerika“ war das Epizentrum des Christentums in der Welt des 20. Jahrhunderts, das Land, das zahllose Missionare bis ans Ende der Welt sandte. Das Christentum war allgegenwärtig; das bewiesen sowohl die unzähligen Radio- und Fernsehsender, Tausende von christlichen Schulen und Hochschulen und unzählige christliche Verlage als auch die Kirchengebäude, so weit das Auge reichte. Ich dachte schon, ich sei gestorben und bereits im Himmel angekommen. So konnten z. B. die Pastoren montags kostenlos Golf spielen, und ich bin sicher, das wird im Himmel auch so sein!

Was den Zauber schließlich brach, war die westliche Kulturrevolution der späten 1960er-Jahre, für die mein Schulkamerad ein so einflussreicher Wortführer war. Damals schien die Revolution gar nicht so besonders revolutionär zu sein. Sie umfasste eine Handvoll Hippies, deren Einfluss vernachlässigbar schien. Ironischerweise sind die meisten der gewaltigen Veränderungen, die wir heute erleben, auf die Überzeugungen und Annahmen dieser Handvoll Außenseiter zurückzuführen – auf ihre Weltanschauung.

Ich habe diese turbulente Zeit von den 1960er-Jahren bis heute sowohl miterlebt als auch aufmerksam beobachtet. Zu meiner Lebzeit hat das Christentum aufgehört, für viele Menschen im Westen die Religion ihrer Wahl zu sein. Wie konnte ein so großer Wandel in so kurzer Zeit stattfinden? Einige Soziologen sprachen in den Sechzigerjahren davon, in einer „überraschungsfreien Welt“5 zu leben, aber direkt vor ihrer Nase explodierte eine ideologische Revolution.

Elizabeth Fox-Genovese, eine angesehene amerikanische Wissenschaftlerin mit einem Doktortitel der , war in den Sechzigerjahren eine bedeutende marxistische und feministische Stimme. Nachdem sie dann jedoch zum Christentum konvertiert war, sagte sie über die Kulturrevolution, an der sie selbst so enthusiastisch teilgenommen hatte: „Innerhalb eines bemerkenswert kurzen Zeitraums … vollzog sich eine dramatische Veränderung des Wesens unserer Gesellschaft.“6 Fox-Genovese ist nicht allein.7 Ein großer Teil meiner Motivation, dieses Buch zu schreiben, besteht darin, den Ursprung und das Wesen dieses Wandels und seine anhaltenden Auswirkungen in der zeitgenössischen westlichen Kultur zu erklären.

Die Regeln haben sich geändert. Die Züge sind entgleist. In unserer Zeit ist der alte Baldachin einer mehr oder weniger christlichen Zivilisation zerstört und durch eine neue, übergreifende Struktur spiritueller Überzeugungen und Praktiken ersetzt worden. Viele der althergebrachten Plausibilitätsstrukturen, die dem Leben unter christlichem Einfluss im Westen Sinn und Bedeutung verliehen haben, sind nicht mehr erkennbar:

1.Moral wird durch unterschiedliche (und oft widersprüchliche) persönliche oder gesellschaftliche Überzeugungen relativiert.

2.Aufrichtigkeit bedeutet, den eigenen inneren Überzeugungen und Sehnsüchten mehr zu vertrauen als den äußeren Bedingungen oder objektiven Fakten.

3.Akzeptable Modelle von Sexualität und Familie lassen verschiedene Kombinationen von Personen und Geschlechtern zu.

4.Die Ehe ist oft praktisch...



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