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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 9, 350 Seiten
Reihe: Die Ritter des Vatikan
Jones DAS HEILIGE KREUZ (Die Ritter des Vatikan 9)
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-639-9
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, Band 9, 350 Seiten
Reihe: Die Ritter des Vatikan
ISBN: 978-3-95835-639-9
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Rick Jones lebt derzeit in Las Vegas und ist der Autor der Bestseller-Serie DIE RITTER DES VATIKAN, welche von Amber Entertainment unter der Regie von Ileen Maisel (Der goldene Kompass) verfilmt wird.
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Kapitel 2
Monsignore Dom Giammacio saß in einem Ohrensessel aus feinstem Leder und rauchte eine Zigarette. Ihm gegenüber saß Kimball Hayden, der beste der Vatikanritter. Als Bonasero Vessucci noch das Amt des Papstes bekleidet hatte, hatte er Kimball gebeten, den Monsignore aufzusuchen, um gemeinsam mit ihm an dem Problem des selbstauferlegten Gefühls, sich jenseits aller Vergebung zu befinden, zu arbeiten. Nun, da Bonasero nicht länger der Bischof Roms war, hatte sich Kimball noch nie so leer gefühlt. Zu Anfang hatte er diese Sitzungen nur auf Drängen des Papstes besucht. Doch nun suchte er die Beratungen des Monsignore freiwillig auf, um zu versuchen, Sinn in einem Leben ohne Bonasero zu finden.
»Sie sagten, Sie fühlen sich leer«, sagte der Monsignore. »Aber fühlten Sie sich nicht ebenso leer, als Sie das Gefühl hatten, keine Vergebung erfahren zu können?«
»Das hat nichts mit Vergebung zu tun«, sagte Kimball. »Sie , worum es geht.«
Der Monsignore nickte. »Sie vermissen ihn.« Das war keine Frage, sondern eine Feststellung.
»Das tue ich. Sehr sogar. Er war mehr ein Vater für mich, als es mein leiblicher Vater je war.«
»Darüber sprachen wir bereits.«
»Ich habe das Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken, Monsignore. Ich bin ein Vatikanritter. Wir beschützen jene, die sich nicht selbst schützen können. Ich verstehe das alles. Aber es findet kein Ende. Kaum haben wir ein Übel niedergerungen, tritt ein anderes auf den Plan.«
»Das Böse kann nicht besiegt werden«, erklärte der Monsignore ruhig. »Es kann nur eingedämmt werden. Wenn Sie Ihre Fähigkeit anzweifeln, weiterzumachen; wenn Sie beginnen, den Sinn ihres Kampfes anzuzweifeln, hat das Böse bereits gewonnen. Bonasero hat das verstanden, und ich bin sicher, dass er, bevor er starb, wusste, dass Sie Ihren Kampf fortführen werden. Aber dafür müssen Sie mit dem Herzen dabei sein, Kimball. Am Ende obliegt diese Entscheidung Ihnen, nicht Bonasero.«
Kimball seufzte und dachte über die Worte nach. »Ich habe darüber nachgedacht, eine Familie zu gründen und dem Vatikan dem Rücken zu kehren«, sagte er dann.
»Ist es das, was Sie wollen?«
Kimball zuckte mit den Schultern. »Ich … ich habe nur darüber nachgedacht.«
»Sie haben Zweifel, was die Zukunft anbelangt, nun, da Bonasero nicht mehr unter uns weilt. Ist Ihnen die Erlösung nicht mehr wichtig?«
Kimball sah dem Monsignore in die Augen. »Ich brauche Führung.«
»Nein, Kimball. Bonasero ist tot. Jetzt ist es an der Zeit, dass Sie auf eigenen Füßen stehen.«
Das war nicht die Antwort, die Kimball hören wollte.
»Hat es etwas in Ihnen ausgelöst, als ich sagte, Sie müssen auf eigenen Füßen stehen?«, fragte der Monsignore dann.
»Bonasero verstand mich. Er kannte mich.«
»Und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, zu lernen, sich selbst zu verstehen.«
Das Leben war so viel einfacherer gewesen, als Bonasero noch an seiner Seite stand, dachte Kimball. Es war so viel einfacher und geradliniger gewesen. Nun schienen sich überall Kurven und Abzweigungen zu befinden.
Der Monsignore beugte sich in seinem Sessel nach vorn, mit seiner Zigarette zwischen den Fingern. Eine dünne Rauchsäule stieg von ihr auf. »Am Ende müssen Sie entscheiden, was das Beste für Sie ist«, sagte er. »Nicht, was Bonasero vielleicht von Ihnen hätte. Seine Seele hat nun ihren Frieden gefunden. Aber ich bin sicher, Kimball, dass er weiter über Sie wacht und nur das Beste für Sie will.«
Kimball sah den Monsignore auf eine Weise an, die dieser weder lesen noch ergründen konnte. Dann fragte der Monsignore: »Wollen Sie Ihre Reise auf der Suche nach dem Licht der Erlösung weiterführen? Ich frage das nur aus zwei Gründen, Kimball: Entweder sind Sie am Ende Ihrer Reise angekommen und glauben, dass Gott Sie endlich in seine Arme geschlossen hat, weshalb Sie über ein Leben außerhalb des Vatikan nachdenken. Oder aber Sie haben akzeptiert, dass Er Sie für immer aufgegeben hat, was bedeutet, dass Sie sich einem Schicksal ewiger Verdammnis ergeben haben.« Der Monsignore fuhr fort, seinen Standpunkt zu verdeutlichen. »Sie stehen an einem Scheideweg, Kimball, zwischen der Dunkelheit und dem Licht, und wissen nicht, welchen Weg Sie einschlagen sollen. Bonasero ist tot. Er hat Ihnen den Weg gewiesen. Nun ist es an Ihnen, den Weg zu erkennen, den er Ihnen aufzeigte, und den Pfad Gottes zu beschreiten, nach dem Sie sich so sehr sehnen. Dieses Recht haben Sie sich verdient. Nehmen Sie es nicht nur mit Ihrem Verstand, sondern auch mit Ihrem Herzen an. Innere Friede wird dort auf sie warten.«
Kimball begann, auf seiner Unterlippe zu kauen. »Ich kann nicht«, sagte er schließlich. »So einfach ist es nicht. Nicht für mich. Ich weiß, dass ich noch nicht an diesem Punkt angekommen bin.«
»An welchem Punkt? Dem Punkt, sich selbst zu vergeben? Oder Gottes Gnade?«
»Beides.«
»Am Ende müssen Sie aber eine Entscheidung treffen, Kimball. Entweder, sich aus dem Vatikan zurückzuziehen, mit dem Gefühl, niemals Erlösung zu erfahren, oder nach ihr zu suchen, denn das ist es, was Sie eigentlich wollen. Die Antwort liegt bereits in Ihnen verborgen. Das ist es, was Bonasero Ihnen all die Jahre begreiflich machen wollte. Das war der Grund, warum er Sie zu mir sandte.«
Stehen oder fallen, das war die Entscheidung, die Kimball zu treffen hatte.
Entschlossen setzte sich Kimball auf. »Seit jenem Tag, als ich meine Mutter ermordet in diesem Flur fand«, sagte er, »begann ich, anders zu ticken als die meisten Menschen. Licht oder Dunkelheit – ich stehe dazwischen und werde es wohl für den Rest meines Lebens tun. Ich lebe in der Grauzone, Monsignore. Und in dieser Grauzone töte ich Menschen. Das ist es, was ich tue. Worin ich gut bin. Nur, dass ich es jetzt tue, um die Schwachen zu schützen.«
»Dieser Umstand wird Sie stets herausfordern«, sagte der Monsignore. »So wirkt das Böse. Es sät Zweifel in Ihnen und lässt sie dort Wurzeln schlagen. Und diese ernsthaften Zweifel können einen behindern. Wenn Sie diese Zweifel hegen, selbst hin und wieder, dann sollten Sie der Kirche den Rücken kehren. Aber wenn Ihr Herz Ihnen etwas anderes sagt, Kimball, dann kämpfen Sie weiter als Ritter des Vatikan. Entscheiden Sie sich für Letzteres, werden diese Zweifel immer Ihr ärgster Feind sein. Denn schlussendlich müssen Sie vom Weg der Kirche einhundertprozentig überzeugt sein.«
Kimball dachte darüber nach, was einige Sekunden in Anspruch nahm. »Ich habe die gleichen Wünsche und Sehnsüchte wie jeder andere auch, Monsignore. Aber ich weiß auch, dass ich anders gepolt bin und in gewisse gesellschaftliche Normen nicht hineinpasse. Ein Vatikanritter zu sein ist das Einzige, was ich kann. Was ich bin. Ich weiß, dass ich außerhalb dieser Mauern mit mir als Person zu kämpfen haben werde.«
»Und das werden Sie auch weiterhin«, sagte der Monsignore, »bis Sie an die Macht des Lichts .«
Kimball erhob sich. »Ich lebe in der Grauzone«, sagte er trocken. »Dort fühle ich mich am wohlsten, und dort gehöre ich wohl hin.«
»Vergessen Sie nicht, was Bonasero Ihnen beibrachte. Machen Sie einen Schritt auf das Licht zu. Nur einen. Manchmal braucht es nicht mehr als nur einen Schritt.«
»Das kann ich nicht«, antwortete Kimball entmutigt. »Dieses Recht habe ich nicht. Nicht jetzt. Und vielleicht niemals. Aber ich kann Ihnen versichern, Monsignore, dass ich mein Bestes tun werde … und was kann mehr von einem Mann verlangen, als sein Bestes zu geben, oder?«
Ohne ein weiteres Wort verließ Kimball den Raum.
***
Kimball kniete vor dem Grab Bonasero Vessuccis unter der Kirche. Die Krypta war klein und beengt, aber unberührt und friedlich. Das Grab bestand aus Marmor, mit Basreliefs von Cherubim und Engeln, die den Weg in den Himmel wiesen. Der Himmel wurde dabei von eingravierten Strahlen repräsentiert, die aus ebenfalls gravierten Wolken herabzufallen schienen.
Kimball senkte den Kopf und dachte:
Eine Pause, von der Dauer eines Herzschlags.
Kimball seufzte. Bonaseros Stimme war so klar. Aber sie klang verändert. Eher wie Kimballs innere Stimme.




