E-Book, Deutsch, Band 2, 328 Seiten
Reihe: Eden
Jones DIE TEMPEL VON EDEN (Eden 2)
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-684-9
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller, Abenteuer
E-Book, Deutsch, Band 2, 328 Seiten
Reihe: Eden
ISBN: 978-3-95835-684-9
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Rick Jones lebt derzeit in Las Vegas und ist der Autor der Bestseller-Serie DIE RITTER DES VATIKAN, welche von Amber Entertainment unter der Regie von Ileen Maisel (Der goldene Kompass) verfilmt wird.
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– 5 –
Am nächsten Tag nahmen John Savage und Alyssa Moore einen von John Hillary finanzierten Charterflug zu einem Inlandsflughafen in der südöstlichen Türkei. Sie landeten drei Stunden später. Kaum ausgestiegen betraten sie einen Helikopter, ihre Anschlussverbindung, in dem sie die letzte Teilstrecke zur Ausgrabungsstätte zurücklegten, was weitere zwei Stunden dauerte.
Aus einer Entfernung von drei Kilometern, in einer Flughöhe von sechzig Metern, konnten John und Alyssa den ausgedehnten Baldachin aus Zeltdächern rings um den Krater erkennen.
Während der Helikopter abdrehte und kreiste, konnten sie förmlich spüren, wie das Adrenalin durch ihre Adern floss wie eine süße Droge. Sie griff nach seiner Hand und drückte sie. Savage wusste allerdings nicht, ob Aufregung oder Angst, oder womöglich eine Kombination aus beidem, diese Geste provoziert hatte.
Der Helikopter schwebte kurz über einer von Steinen und Geröll befreiten Stelle, die als provisorischer Landeplatz diente. Der Abwärtswind der Rotoren ließ Sand und Staubteufel in die Luft steigen. Nachdem John und Alyssa ausgestiegen waren, erhob sich der Hubschrauber und kehrte nach Westen zurück.
Als sich der Staub zu legen begann und die Luft klarer wurde, stand John Hillary am Eingang seines Zelts und winkte sie heran.
John und Alyssa gingen rasch zu ihm. Sie hatten kaum etwas dabei: nur je einen Rucksack.
»Ich sah, wie sich Ihr Helikopter näherte«, rief er ihnen zu. »Sie liegen gut in der Zeit.« Er trat zurück und hob einladend die Zeltklappe an. »Bitte«, sagte er. »Wir haben viel zu besprechen.«
So groß das Zelt auch war, es war dennoch spartanisch eingerichtet. Es gab einige Klappstühle, einen schwächlich aussehenden Tisch mit einem Laptop inmitten verstreuter Papiere, Behälter mit Schriftrollen und ein kleines Bücherregal voller Texte neben einem Feldbett.
»Bitte«, sagte Hillary. »Nehmen Sie Platz. Wo immer Sie wollen.«
John und Alyssa holten sich Klappstühle und stellten sie neben den Tisch.
»Es ist schön, Sie wiederzusehen, Alyssa. Und das, nehme ich an, ist Mr. Savage?« Er streckte John die Hand entgegen. »Ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen.«
Savage ergriff die Hand und schüttelte sie fest. Die Haut des Professors war schwielenlos und recht weich, wie John fand. Seine Hand fühlte sich nach der eines Mannes an, der anderen auftrug, die Arbeit für ihn zu verrichten. »Angenehm«, sagte er.
Nachdem sich Hillary auf den Stuhl an seinem Schreibtisch gesetzt hatte, wandte er sich mit einem Lächeln an Alyssa. »Sie sind gewachsen, seit ich Sie das letzte Mal sah.«
»Das machen Menschen nun mal, Hillary. Sie werden erwachsen.«
Ihr gereizter Tonfall entging ihm nicht, denn sie tat wenig, um ihn zu verbergen. »Alyssa, ich kann Ihre Feindseligkeit mir gegenüber verstehen, da ich alles in meiner Macht Stehende unternahm, um aus dem Schatten Ihres Vaters zu treten. Ich äußerte Dinge, auf die ich nicht stolz bin. Ich ging sogar so weit, unwahre Behauptungen aufzustellen, um ihn in Misskredit zu bringen, damit ich mich über ihn stellen konnte. Und das war falsch. Ihr Vater war ein guter Mann, und ich konnte ihm nie das Wasser reichen. Es war meine eigene Unsicherheit, die mich zum Scheitern verurteilte. Ich hätte darüber stehen sollen.«
»Sie sind nicht gescheitert, Hillary. Wir wissen doch beide, dass Sie ein namhafter Archäologe sind.«
»Ich machte mir einen Namen, weil ich jeder Spur nachjagte, die Ihr Vater mir bot. Ich folgte den Brotkrumen, die er hinterließ. Und dank Ihres Vaters bin ich hier, an diesem Ort, in Eden. Und dank Ihnen.«
Sie seufzte innerlich. Einem Widersacher ihres Vaters zu vergeben, fiel ihr schwer. Diesen wichtigen Moment mit ihm zu teilen, würde also keinesfalls leicht werden.
»Wie ich während unseres Telefonats sagte, möchte ich Ihnen ein Friedensangebot machen. Sie müssen verstehen, dass Ihr Vater als Entdecker Edens anerkannt wird … und dass Ihre Ehre wiederhergestellt ist.«
»Das ist alles sehr nett von Ihnen, Hillary.« Die Anspannung lag noch immer in ihrer Stimme. »Aber warum bieten Sie mir eine Partnerschaft an? Sagen Sie die Wahrheit.«
»Ah.« Er hob einige Papiere von seinem Schreibtisch auf, und darunter kam das Dreieck aus schwarzem Silikat zum Vorschein. Er reichte es Alyssa, als sei es der wertvollste Gegenstand, den er je in Händen gehalten hatte. »Kommt Ihnen das bekannt vor?«, fragte er.
Beim Anblick des glänzenden Glases, der geschickten Gravur und den archaischen Symbolen wurden ihre Augen langsam groß. All das brachte gute und schlechte Gefühle zurück. Doch mehr noch, es brachte ihr eine ungezügelte Aufregung zurück. »Ja«, flüsterte sie und drehte das Relikt um.
»Wissen Sie, was da steht?«, fragte er.
»Nein. Ich kann ein paar Symbole entziffern, aber nicht genug, um einen zusammenhängenden Gedanken zu bilden. Das reicht nicht.« Sie sah ihn an und hielt das Artefakt hoch. »Das ist der Grund, warum Sie eine gemeinsame Expedition wollen?«
»Ich brauche einen Kryptoanalytiker. Aber es muss jemand mit Ihrer scharfsinnigen Übersetzungsfähigkeit sein.« Er nahm das Relikt zurück. »Jemand mit Ihren Fähigkeiten kann die Sache erheblich beschleunigen. Und da ist noch etwas.«
»Und das wäre?«
Er legte das Relikt auf den Tisch. »Wie ich Ihnen bereits erklärte, entdeckten wir das Artefakt am Eingang zu einem Tunnel, dessen Ausgrabung fast einen ganzen Tag dauerte. Wir fanden weitere Fragmente aus schwarzem Silikat, offensichtlich Überreste kunstvoll hergestellter Stücke, aber es war keine Schrift darauf. Als wir auf den Tunnel stießen, war die Sonne bereits untergegangen, daher riegelten wir den Eingang ab und planten, direkt im nächsten Morgengrauen weiterzumachen.«
»Aber?«
»Heute Morgen stellten wir fest, dass die Barriere durchbrochen wurde. Zerstört.«
Alyssa zeigte auf ein unsichtbares Areal jenseits der Zeltwände. »Dort steht eine komplette Zeltstadt«, sagte sie zu ihm. »Was haben Sie denn erwartet? Dass unter den Menschen da draußen kein Einziger auf Schatzsuche aus ist?«
»Ich kann Ihnen versichern, dass das nicht der Fall war.«
»Woher wollen Sie das wissen?«
Er richtete sich in seinem Stuhl auf. »Weil die Barriere nicht von unserer Seite der Ausgrabung her durchbrochen wurde«, erklärte er ihr, »sondern von etwas, das sich gewaltsam einen Weg aus dem Tunnel heraus bahnte.«
Savage beugte sich vor. »Was haben Sie gerade gesagt?«
»Der Durchbruch«, sagte Hillary, »geschah von innen nach außen.«
Das war das Letzte, was John und Alyssa hören wollten.
»Gestern Nacht«, fuhr Hillary fort, »habe ich womöglich den Schatten von etwas gesehen. Nur ein flüchtiger Blick aus dem Augenwinkel, ein Aufblitzen, dann war er fort. Ich schob es einfach auf vom Wind verursachte Staubformen.«
»Das war es aber nicht.«
»Ich bin mir nicht sicher. Aber als wir heute Morgen den Eingang überprüften, war es offensichtlich, dass sich etwas von drinnen nach draußen gekämpft hat. Die Barriere war solide, das verspreche ich Ihnen.«
»Sind Sie sicher?«, fragte Alyssa.
»Ich weiß nur, dass der Sand vor der Öffnung zu weich ist, als dass die hinterlassenen Spuren erkennbar gewesen wären. Aber die Abdrücke, die wir fanden, hatten die Größe von Tellern.«
Alyssa wirkte wie erstarrt.
»Was immer es war«, fuhr Hillary fort, »es hinterließ Sandspuren im Korridor. Vielleicht sechs Meter weit, dann waren sie verschwunden. Vor allem aber entsprach das Muster auf dem Boden dem eines Vierbeiners. Die Schritte waren lang und entschieden gleichmäßig. Wenn wir unser Vorhaben in die Tat umsetzen, besteht die äußerst Möglichkeit, dass wir nicht allein dort drinnen sind. Und angesichts der Geschichten über Ihre Begegnungen beim letzten Mal …« Er ließ die Worte in der Luft hängen. Nach einem Moment schien sich sein Blick jedoch auf etwas unfassbar Wunderbares zu fixieren. »Aber falls da eine Stadt unter unseren Füßen liegt …«, flüsterte er dramatisch. »Können Sie sich das vorstellen?«
»Hillary«, sagte Alyssa.
Der Professor kehrte in die Realität zurück.
»Sie müssen mir den Tunnel...




