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Jones | HEILIGE UND SÜNDER (Die Ritter des Vatikan 11) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 11, 280 Seiten

Reihe: Die Ritter des Vatikan

Jones HEILIGE UND SÜNDER (Die Ritter des Vatikan 11)

Thriller
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-700-6
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 11, 280 Seiten

Reihe: Die Ritter des Vatikan

ISBN: 978-3-95835-700-6
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie sind Elitesoldaten der ganz besonderen Art, denn sie stehen allein im Dienste Gottes: DIE RITTER DES VATIKAN In Genf wird aus der Forschungseinrichtung CERN ein wertvolles Gut gestohlen, welches ungeheures Zerstörungspotenzial birgt. Und nur wenige Kilometer entfernt, in den Bergen der Schweiz, versucht eine feindliche Macht, einen Wissenschaftler aus einem Hochgeschwindigkeitszug zu entführen. Was sie jedoch nicht ahnen ... an Bord des selben Zuges befindet sich auch Kimball Hayden, Kommandeur der Ritter des Vatikan, mit dem Auftrag, einen mysteriösen Fremden nach Rom und in den Vatikan zu eskortieren. Es dauert nicht lange, bis Kimball und die Entführer in dem Zug aufeinander treffen, und wieder einmal muss Kimball auf dem schmalen Grat balancieren, der Sünder von Heiligen trennt, um seinen Auftrag zu erfüllen ... und das Leben der vierhundert Passagiere an Bord zu retten.

Rick Jones lebt derzeit in Las Vegas und ist der Autor der Bestseller-Serie DIE RITTER DES VATIKAN, welche von Amber Entertainment unter der Regie von Ileen Maisel (Der goldene Kompass) verfilmt wird.
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Prolog



Kimball lief ziellos durch die Straßen. Der Mann schien von seiner Umgebung nichts mitzubekommen und taumelte voran wie eine Figur aus einer Zombieapokalypse. Er besaß nichts weiter als seine Kleidung, einen nutzlosen Pass, eine Kreditkarte, die sich schnell ihrem Limit näherte, und ein Handy mit zersplittertem Display.

Er hatte seine Suche nach dem Licht der Erlösung aufgegeben und die Verdammnis gewählt, weil es die einfachere Wahl war. Die Verdammnis war ihm immer schon näher gewesen. Und nun, da er diese Wahl getroffen hatte, wusste Kimball, dass er keinen Handel mehr mit dem Erlöser würde abschließen können. Dieses Recht hatte er bereits verspielt, als er sein erstes Opfer ohne Reue getötet hatte.

Es regnete nun stärker, durchtränkte sein Hemd und seine Haare, aber davon schien der ziellos umherlaufende Mann nichts mitzubekommen.

Dann dachte er über seine Verdammnis nach, und wie leicht sie ihn gefunden hatte, ganz anders als die Erlösung. Hatte der Herr ihm schon all die Jahre mitteilen wollen, dass seine Reise vergeblich war? Waren seine Botschaften nicht immer schon die gewesen, dass er Kimball in die gleiche Dunkelheit werfen würde, die er auch über andere gebracht hatte? Am Ende gab es nur ein Verbrechen auf der Welt: Raub. Hatte Kimball, als er jemanden umbrachte, nicht dessen Leben geraubt? Hatte er nicht eine Mutter oder einen Vater ihres Kindes beraubt? Hatte er Geschwistern nicht den Bruder oder die Schwester geraubt? Hatte er nicht ganze Familienlinien geraubt, als er Menschen tötete, bevor diese die Chance bekamen, selbst Mutter oder Vater eigener Kinder zu werden? Hatte er diesen Menschen nicht das wunderbare Geschenk geraubt, ein erfülltes Leben zu leben?

Kimball hatte noch nie so viel Kummer gespürt. Es fühlte sich wie eine furchtbare Grube an, die sich jedoch nie mit den Bestrafungen füllte, die wiederholt auf ihn niederprasselten. Als Strafe waren ihm all jene genommen worden, die er je geliebt hatte. Der Erlöser hatte Kimball das Gefühl der Zufriedenheit geraubt. Er hatte ihm jeden genommen, zu dem er sich hingezogen gefühlt hatte. Er hatte die Leben von Schwester Abigail und Bonasero Vessucci gefordert. Er hatte das Leben seines Vaters gefordert, gerade, als sie wieder zueinandergefunden hatte. Er hatte auf die gleiche Art von Kimball genommen, wie dieser von anderen genommen hatte, als seine Form der Strafe.

Der Regen peitschte noch stärker herab. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet.

In der Ferne konnte er eine Kirche sehen, eine Kathedrale, ein beeindruckendes Bauwerk mit einem Kirchturm, der weit in den Himmel ragte. Als Kimball sich der Kirche näherte, flackerten grelle Blitze in der Ferne auf, gefolgt von dumpfem Donnergrollen einige Augenblicke später.

Kimball lehnte sich gegen die Wand eines Hauses auf der anderen Straßenseite gegenüber der Kathedrale und blickte zu dem Turm hinauf. Es erinnerte ihn an jenen regnerischen Tag in Malta, als es den Anschein hatte, als würde das Abbild Jesus' von seinem Kreuz auf ihn hinunterweinen. Und er erinnerte sich an seinen Versuch, einen Handel mit Gott abzuschließen. Wenn er Shari Cohen ins Leben zurückbrachte, würde er bis ans Ende seiner Tage ein Vatikanritter bleiben, selbst dann, wenn seine Seele verdammt sein sollte.

Aber sie starb, das wusste er. Gott nahm sie ihm auf die gleiche Weise weg wie all die anderen. Das war seine Bestrafung. Das war seine Verdammnis. Und er wusste, dass Gott keinen Handel mit den Seelenlosen einging.

Das weiß ich jetzt, dachte er bei sich.

Kimball ließ sich an der Wand hinunterrutschen und setzte sich. Der Regen durchnässte seine Kleider, während er zu dem Kreuz hoch oben auf dem Kirchturm hinaufblickte.

Und dann vibrierte sein Handy. Ein Anruf. Er zog das Handy aus seiner Tasche und starrte das zerbrochene Display an, welches die Nummer seltsam verzerrte. Der Anruf stammte von Pater Damelio. Kimball hatte ihn jeden Tag angerufen, um sich nach Sharis Zustand zu erkundigen. Er war nie von ihrer Seite gewichen. Aber er hatte Kimball noch nie angerufen. Das konnte nur bedeuten, dass ihm nun auch Shari endgültig entrissen worden war.

Kimball sah zu dem Kreuz auf dem Kirchturm hinauf, während das Handy weiter vibrierte. Dann nahm er den Anruf an.

»Mr. Hayden?«

»Ja, Pater.«

»Könnten Sie bitte einen Moment dranbleiben?«

Kimball brachte kein Wort hervor. Er spürte, wie sich ihm die Kehle zuschnürte.

»Kimball?« Die Stimme klang müde und rau. »Ich habe dich gehört«, sagte die Stimme. »Du hast jeden Tag angerufen, jeden Tag mit mir gesprochen, und ich habe dich gehört. Ich habe jedes Wort gehört, das du sagtest. Ich hatte solche Angst, Kimball. Es war immer so dunkel. Aber ich habe dich immer an meiner Seite gespürt in dieser Dunkelheit. Du hast mich beschützt. Und jeden Tag, an dem du mit mir gesprochen hast, hast du mich mehr ins Licht zurückgebracht. Das konnte ich spüren. Ich konnte dich spüren. Aber je näher ich dem Licht kam, umso mehr bist du entschwunden. Du bist in der Dunkelheit geblieben. Aber ich wusste nicht wieso. Und als ich schließlich wieder zu mir kam und das Licht in meinem Zimmer erblickte … warst du nicht da.«

Dann piepte das Telefon. Kimball sah auf die Batterieanzeige. Weniger als zwei Prozent. Er presste sich das Telefon wieder an sein Ohr.

»Ich habe dich gespürt, Kimball. Du hast mich zurückgebracht. Und dafür …«

Das Telefon schaltete sich ab.

Kimball sah zu dem Kreuz auf dem Turm hinauf. Ein Blitz zuckte dahinter hinab. Dann sah er in den Himmel. Regen vermischte sich mit Tränen, als der Mann zu schluchzen begann und die warmen Tropfen ihn beinahe an eine Taufe erinnerten. Er hatte einen Handel mit seinem Gott abgeschlossen und ihm versprochen, auf ewig ein Vatikanritter zu bleiben, wenn er sie zu ihm zurückbringen würde.

Am Ende war seine Antwort ein Ja gewesen.

Sharis Stimme hatte sich nie lieblicher angehört.

Kimball weinte.

***

Der alte Priester zündete gerade die Kerzen auf dem Opferständer an, als sich die Kirchentüren öffneten. In dem gebogenen Eingang stand ein Mann, der sich dunkel vor dem stahlgrauen Hintergrund des bewölkten Himmels abzeichnete.

Der Priester schüttelte das Streichholz aus und legte es auf den Opferständer, während er die Gestalt nicht aus den Augen ließ, um deren Füße das Regenwasser zu einer Pfütze zusammenlief. »Kann ich Ihnen helfen?«, erkundigte sich der Priester.

Die Gestalt aber antwortete nicht, rührte sich nicht.

Wasser rann weiter an ihm herab, wie das langsame und nervtötende Tropfen eines defekten Wasserhahns.

Der Priester trat einen Schritt vor und wiederholte: »Kann ich Ihnen irgendwie helfen?«

Kimball lief in das schwache Licht, welches durch die Buntglasfenster der Kathedrale fiel. Er sah völlig abgekämpft aus.

»Bitte«, empfing ihn der Priester. »Kommen Sie herein.«

Kimball lief zu den brennenden Kerzen und sah auf sie hinunter, während ihre flackernden Flammen sich in seinen Augen spiegelten. In dem schwachen Lichtschein schien seine Haut eine kränkliche, gelbliche Färbung anzunehmen.

»Geht es Ihnen gut, mein Sohn?«, fragte der Priester.

Kimball starrte weiter in die Flammen und verfolgte den Tanz des Feuers mit hypnotischem Blick. Der Regen tropfte noch immer von seiner Kleidung und aus seinem Haar. Kleine Tropfen schienen sich gefährlich lang an seinem kantigen Kinn festzuklammern, bevor sie auf den Boden fielen.

»Sind Sie hungrig?«, erkundigte sich der Priester.

Kimball starrte weiter ungerührt in die Flammen.

»Die Kirche unterhält eine Unterkunft ganz in der Nähe.« Die Stimme des Priesters war tröstlich und sanft wie Honig. »Wir können Ihnen Essen und eine Unterkunft anbieten, wenn Sie das möchten.«

Dann sah Kimball zu dem Altar und den kunstvollen Details der Handwerkskunst, die dieser widerspiegelte. Vor einem verzierten Hintergrund war das Bild des Heilands in gekreuzigter Form zu erkennen. Seine Arme waren ausgestreckt, eine Dornenkrone zierte seinen Kopf, und aus der fürchterlich klaffenden Stichwunde, die ihm Longinus' Speer zugefügt hatte, tropfte etwas Blut.

Hier war ein Mann, der für die Sünden der Menschen gestorben war. Hier war ein Mann, der auf Kimball Hayden mit Augen hinabsah, die wie Spiegel reflektierten und ihn musterten.

»Danke«, flüsterte Kimball schließlich der Figur zu.

Der Priester legte Kimball eine Hand auf die Schulter und spürte dabei die ausgeprägten Muskeln unter dem nassen Stoff. »Geht es Ihnen gut?«

»Danke.«

Der Priester konnte nicht genau sagen, ob Kimball zu ihm gesprochen hatte oder so von seiner Umgebung abgeschottet war, dass für ihn nichts weiter als das Abbild Jesus Christus' existierte und die beiden in eine zutiefst persönliche Unterhaltung vertieft waren.

Dann drehte sich Kimball zu dem Priester um und sagte: »Er hat endlich ja gesagt.«

Der Priester schien verwirrt. »Wozu?«

Kimball schloss die Augen, sog tief die Luft durch die Nase ein und ließ sie ebenso lang wieder entweichen, als würde er einem wunderschönen Gedanken nachhängen. »Er nahm mir jeden, der mir etwas bedeutete. Jeden. Also gab ich das Versprechen ab, dass ich, wenn er sie zu mir zurückbrächte, wieder das Licht der Vergebung und den Segen des Vatikan suchen würde.«

Der Priester hatte keine Ahnung, wovon Kimball da sprach und begann, sich zu fragen, ob der Hüne vielleicht unter psychischen Problemen litt. »Vielleicht sind Sie...



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