Jones | Priest and His Anarchist | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 600 Seiten

Reihe: Carpe Noctem

Jones Priest and His Anarchist


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98718-482-6
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 600 Seiten

Reihe: Carpe Noctem

ISBN: 978-3-98718-482-6
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Priest Hayes dachte, er wüsste alles über die Gesellschaft von Gesetzlosen, die nach ihren eigenen Regeln lebten - und gerade hatte er ihren Vorsitz übernommen. Luna Nox war das eine Mädchen, das er nie haben konnte. Doch Liebe ist nicht immer das, was alles überwindet. Manchmal ist sie das Einzige, dem man sich ergibt. Luna wusste, dass sie nur begrenzte Zeit hatte, um sich in einer Welt zu beweisen, zu der sie sich immer zugehörig gefühlt hatte, die sie aber nie wirklich wollte. Doch in Wahrheit hatte sie nie eine Wahl. Der Weg war längst vorgezeichnet und führte direkt zu dem einen Mann zurück, zu dem sie nie wieder zurückkehren wollte.

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Ich weiß noch, wie ich eines Nachts das gedämpfte Flüstern meiner Eltern in der Küche hörte. Ich muss fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein. Sie waren besorgt, weil sie mich noch nie lächeln gesehen hatten. Sie dachten, ich hätte keine Gefühle. Wäre gefühllos. Innerlich tot.

Aber sie wissen nicht, wie sehr ich Luna Nox hasse.

Eine Gänsehaut zieht sich über ihre makellose Haut, als meine Fingerknöchel ihren Nacken streifen. Sie ist jünger als ich. Sie sieht auch so aus. Gekleidet in ein elfenbeinfarbenes Sommerkleid, das dem Teufel den Garaus machen würde, verkörpert sie alles, was ich hasse.

Unschuld, zum Beispiel.

Ihre – bereit, um von mir genommen zu werden. Und das tat ich.

Sie versteift sich, als erinnerte sie sich an meine Berührung. Daran, wie es sich anfühlte, wenn es gut war, und wie süchtig machend, wenn es das nicht war.

»Warum tust du mir das an?«

Ich antworte nicht und ziehe mich von ihr zurück. Gespräche, die ich als Kind heimlich mitgehört habe, hallen in meinem Kopf wider.

Besonders eines, in dem Mom meinen Onkel Daemon, ihren Zwilling, erwähnte. Er war der erste verlorene Junge gewesen. Sie hatte erst später in ihrem Leben von ihm erfahren, nachdem sie Dad kennengelernt hatte. Ich wusste kaum etwas über ihn, weil ich nie zuhörte, wenn sie über ihn sprach. Es war nicht Onkel Daemon, der meine Aufmerksamkeit fesselte. Halen hatte es schon oft gesagt, also überraschte es mich nicht mehr. »Du bist ein richtiger Soziopath, Priest …« Vielleicht.

Also, was zum Fick.

Das war es nicht, was mich hellhörig werden ließ.

Sondern das, was mein Vater flüsterte: »Er ist eben ein Hayes.«

Damals wusste ich noch nicht, was das heißen sollte. Später erfuhr ich, was es bedeutete und wen er damit meinte.

Humphrey Hayes. Der erste Hayes und Schöpfer. Wäre er mit dem jetzigen Zustand zufrieden, wenn man bedenkt, wie sehr sich die Organisation verändert hat? Er hatte eine Armee aufgebaut, zehn Gründungsmitglieder und eine Vision, die nur von den Auserwählten gesehen werden konnte. Es hatte klein angefangen, ein trotziger Akt gegen das System. Er wollte eine Legion schaffen, die sich weder einer Regierung noch einer kriminellen Organisation beugen würde. Eine furchtlose Armee aus Waffen, gekleidet in das Fleisch von Männern, die dafür sorgen würden, dass jeder noch so wehrhafte Bereich der Welt erobert werden würde.

Die Dinge hatten sich über die Jahre nicht geändert, auch nicht die Art, wie mein Vater seine Leute führte. Er war der entschlossenste Anführer, den wir je hatten. Aber das war ein Problem, weil er auch meine Mutter heiratete. Er änderte die Regeln für sie, um ihr und anderen entgegenzukommen.

War ich wütend, dass sie aufgehört haben, die Swans zu töten, und Frauen jetzt tiefer in die Gesellschaft eingeführt werden?

Nein.

Ich habe die feste Absicht, das zu ändern, sobald ich den Hammer in der Hand habe. Denn Mädchen wie Luna Nox gehören nicht hierher. Das werden sie nie, und wenn ich den Hammer nehme, werden sie es bald herausfinden.

»Priest …«, flüstert Luna noch einmal, und ich sehe sie sofort an. So klein und geschmeidig, verzweifelt und bedürftig.

Die Blätter rascheln im Atem der Natur inmitten des fernen Klangs der Musik. Es lenkt meine Gedanken kein bisschen ab. Das ist etwas, das ich einfach nicht loswerde, so sehr ich es über all die Jahre mit ihr auch versucht habe. Nicht jetzt, nicht damals.

Blut quillt zwischen ihren Finger hervor, die sie auf ihre Seite gepresst hat. »Antworte mir. Warum?«

Ich zerre sie an ihrem Arm auf die Füße. Es dauert weniger als zwei Sekunden, bis sie den Halt verliert und gegen einen Baum stolpert. Ich ignoriere ihre Beschwerden und ziehe sie weiter durch den Wald, über umgestürzte Baumstämme und sterbende Blätter. Noch vier Schritte und wir stehen vor dem Auto meines Vaters, während der Vollmond durch die Schatten bricht und uns in sein Licht hüllt.

Luna prallt gegen die Beifahrertür, als ich sie nach vorne ziehe, und rutscht zu Boden. Ihr Haar hat die gleiche Farbe wie die Nacht. Sündhaft, dunkel und doch verführerisch.

Blut spritzt mir ins Gesicht, als sie hustet. »Ich werde sterben, Priest.«

Sorgfältig studiere ich ihr Gesicht und gehe in die Knie. Ich hasse ihre Augen, verdammt. Sie erinnern mich an meine Seele. »Gut, Madness.«

Der Spitzname trifft sie und ihre Züge entgleiten.

»Nenn mich nicht so!«, faucht sie und zum ersten Mal sehe ich einen Hauch von etwas anderem in ihr. Etwas Wildem.

»Was, Madness?«, necke ich, während das Aufwallen in meiner Brust mein Grinsen vertieft. »Bist du das denn nicht?« Ich neige meinen Kopf zur Seite und präge mir jedes Detail ihrer Züge ein.

Ihre babyweichen Wangen bekommen Grübchen, wenn sie lächelt, und ihre Lippen sind so verdammt perfekt, dass ich fast schwach werde.

»Reine Madness?«

»Nein!« Eine tiefe Röte überzieht ihre Wangen, während sie auf ihre Unterlippe beißt.

Ich ziehe sie hoch und schließe das Auto mit dem Schlüssel aus meiner Tasche auf.

»Ich wollte nur …«

Die Art und Weise, wie sie versucht, sich zu beruhigen, ist faszinierend. Mit jedem Einatmen schwillt ihr Brustkorb an. Mit jedem Ausatmen senkt er sich. So menschlich. Ich versuche, mich in dem Amorbogen zu verlieren, der sich in die Mitte ihrer Lippen senkt, aber es ist zwecklos. Ich nehme alles um mich herum wahr, zum Beispiel das Schlagen ihres Herzens gegen meine Brust. Es war eine traurige Melodie. Eine, die man bei einer Beerdigung spielen würde.

»Wäre es dir lieber, wenn ich dich Lunatic nenne?«

»Fick dich!« Sie verschluckt sich an einem Wimmern. »Stimmt es, was man über dich sagt?«

»Was?«, frage ich, neugierig, ob sie wirklich aussprechen wird, was sie denkt. Wahrscheinlich nicht. Ich kenne Luna, seit wir Kinder waren. Ihr Vater gehört zu einer der zehn Gründerfamilien, die mein Vorfahre ausgewählt hatte, aber einer der zehn, die nicht wichtig sind. Es gibt nur drei, die wirklich zählen.

Hayes.

Malum.

Vitiosis.

Es sind die drei, die den Elite Kings Club weiterhin anführen, aus der ersten Reihe, ohne sich hinter irgendjemandem verstecken zu müssen. Die Leute flüstern den Namen des EKC noch immer voller Furcht, doch wenn es um diese drei geht, wird nicht mehr geflüstert.

Dann wird gerannt.

Meine Finger finden ihr Kinn, zwingen sie, mich anzusehen. Verdammt, ihre Augen sind seltsam. Ein Gemisch aus Lavendel und Grau, eine Mischung aus ihrer Mutter, die lilafarbene, und ihrem Vater, der blaue hat.

Sie sieht aus wie eine Flüchtige, die aus einer anderen Dimension verbannt wurde.

Wie der Wahnsinn.

Ich fahre ihre Unterlippe nach und zwinge ihren Mund mit meinem Daumen auf. »Du magst die Wahrheit nicht, hmmm?«

Ihre puppenhaften Züge vereinen sich mit meinen, lassen mein Blut zu Eis und mein Herz zu Stein werden. »Das ist nicht die Wahrheit.«

Sie ist der verdammte Wahnsinn. Völliger und absoluter Wahnsinn.

Ich schiebe mich von ihr weg und öffne die Beifahrerseite. »Steig in das verdammte Auto.« Kaum ist sie drin, knalle ich die Tür zu und gehe auf die andere Seite.

Vadens Stimme hält mich auf, als meine Hand auf dem Türgriff landet.

»Bist du dir da sicher?«

Während ich ihm den Rücken zukehre, zucken meine Lippen. »Du zweifelst an mir?«

Vaden ist immer der Vernünftige von uns. Er entstammt der Vitiosis-Blutlinie und ähnelt weder seinem kalten, gefürchteten Vater noch seiner sonnigen, hexenartigen Mutter. Er ist sein eigenes Ich.

Ein Aushängeschild für Irrsinn und Kontrolle.

»Ich zweifle nicht, nein.« Vaden wählt seine Worte sorgfältig, während der Kies unter seinem Stiefel knirscht. »Aber sie ist Luna. Sie ist nicht austauschbar. Sie ist eine von uns.«

»Kaum.« Ich bin nicht verrückt. Ich habe immer die Kontrolle, aber heute Abend hat der Wahnsinn seine Spuren hinterlassen.

Schneeflocken rieseln von oben herab und schmelzen auf meiner warmen Haut. Wir haben nicht viel Zeit. Die Sonne wird bald aufgehen, wenn sich nicht einmal dein Schatten verstecken kann. »Geh zurück zur Party, Vade.«

»Ich komme mit.« Er wartet nicht auf meine Antwort, eilt zur Beifahrerseite und verschwindet auf dem Rücksitz. Einen Moment lang denke ich über meine Möglichkeiten nach. Ich habe nicht viele, vor allem, wenn es um meinen besten Freund geht. Auch wenn ich zwei habe, ist War ein hoffnungsloser Fall. Er ist zu besessen von meiner Schwester, um jemand anderem gegenüber loyal zu sein, aber Vaden ist immer noch rein. Im Moment. Denn wenn die Zeit kommt, und die Zeit wird kommen, wird es keine Rettung mehr für ihn geben.

»Fuck.« Ich lasse mich auf den Fahrersitz gleiten. Mom hat mir strikte Anweisungen für heute Abend gegeben und gesagt, dass sie keinen Blödsinn will. Sie hat nichts darüber gesagt, dass Luna ein verdammter Tollpatsch ist.

Luna hustet auf dem Beifahrersitz und lehnt ihren Kopf gegen das Fenster.

Vaden pfeift vom Rücksitz. »Ach du Scheiße, verdammt …«

Als ich den Rückwärtsgang einlege, wirbelt der Schnee auf. Ich drehe das Lenkrad herum und verlasse den Parkplatz der Riverside Elite University. Überall stehen Autos herum, bewacht von Sicherheitsleuten an beiden Eingängen. Ich weiß nicht, warum ich dachte, das sei eine gute Idee. Es ist chaotisch. Im Gegensatz zu mir. Aber sie hat mich wütend gemacht – und die anderen.

Luna hustet wieder. Sie hält sich den Bauch und dreht sich zu mir. »Priest, ich werde sterben.«

»Vielleicht.« Ich zucke mit den Schultern. »Zumindest werde ich das Letzte sein, was du siehst.«

Ihre...



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