Jordan | Das große Glück für uns | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Jordan Das große Glück für uns


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-5320-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-7457-5320-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die junge Journalistin Susannah weiß, dass viele im Verlag glauben, sie habe ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Kollegen Richard. Gerüchte, die sie nicht interessieren! Bis sie sich in den neuen Chefredakteur Hazard verliebt. Zu ihrem Entsetzen muss sie erfahren, dass auch ihr Traummann diesen Klatsch glaubt ...

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1. KAPITEL

Die Redaktionskonferenz war zu Ende. Susannah stand unsicher auf und ging hinaus, um in dem winzigen Raum, der ihr als Büro diente, Zuflucht zu suchen.

Sie hatte Kopfschmerzen, und wie immer, wenn etwas sie aus der Fassung brachte, waren ihre Nerven sehr angespannt.

„Unser neuer Herr und Meister hat Ihnen aber ziemlich die kalte Schulter gezeigt, nicht wahr, Darling? Ich frage mich nur, weshalb“, hörte Susannah hinter sich eine weibliche Stimme betont langsam fragen.

Auch das noch! Claire Hunters Neugierde abzuwehren war wirklich das Letzte, was sie, Susannah, jetzt wollte.

Claire Hunter arbeitete bereits seit der Gründung für die Zeitschrift. Sie war eine brillante Journalistin, deren geistreiche und frech-amüsante Artikel über die Schwächen der Modewelt ihresgleichen suchten. In ihrem Beruf machte Claire niemandem etwas vor, und wehe demjenigen, der ihr nicht die gebührende Anerkennung zollte!

Hazard Maine hatte das offenbar versäumt, und jetzt bekam Susannah es zu spüren.

„Keine Ahnung“, wehrte sie die Bemerkung ihrer Kollegin ab. „Ich vermute, ich war zufällig in seiner Schusslinie. Das wird mir eine Lehre sein, nicht wieder in der letzten Minute zu erscheinen und dann in der ersten Reihe sitzen zu müssen.“

Claire schien mit dieser Antwort zufrieden zu sein, und Susannah schloss aufatmend die Tür ihres Büros hinter sich. Verdammter Hazard Maine, der neue „Herr und Meister“, wie Claire sich ausgedrückt hatte. Hazard Maine war erst kürzlich dazu berufen worden, die Chefredaktion der angesehenen englischen Zeitschrift Tomorrow zu übernehmen, der bedeutendsten Publikation des MacFarlaine-Konzerns.

Susannah wusste schon jetzt, dass sie mit Hazard Maine nicht gut auskommen würde, seit dem vergangenen Samstag war ihr das schon klar …

Seufzend schloss sie einen Moment die Augen. Sie hatte wirklich genug eigene Probleme und wünschte sich nichts weniger, als mit ihrem neuen Chef auf schlechtem Fuß zu stehen. Mit Richard hatte sie sich so gut verstanden. Er hatte sie stets ermutigt und ihr geholfen. Richard …

Es war zwecklos, sich zu wünschen, Richard wäre noch ihr Chef. Seine Frau, MacFarlaines einziges Kind, hatte ihm unmissverständlich gesagt, dass sie es leid sei, immer hinter der Arbeit ihres Mannes als Redakteur einer erfolgreichen Zeitschrift zurückstehen zu müssen. Und Richard hatte zögernd akzeptiert, etwas weniger Aufreibendes zu machen. Er würde künftig mit seinem Schwiegervater zusammen im Vorstand arbeiten.

Vielleicht hat Tante Emily doch recht, überlegte Susannah ärgerlich, wenn sie immer behauptet, dass meine kastanienroten Haare schuld an meinen Schwierigkeiten sind. Ich sollte mir an Claire Hunters kühl abschätzender Einstellung zum Leben ein Beispiel nehmen, anstatt mich in die Probleme anderer Leute hineinziehen zu lassen, die dann unweigerlich meine eigenen werden, dachte sie weiter.

Zum Beispiel letzten Samstag. Susannah seufzte wieder und fuhr sich mit den schlanken Fingern durch die widerspenstigen Locken. Am liebsten würde sie die ganze Sache vergessen.

„An allem ist nur David schuld“, schimpfte sie vor sich hin und starrte verdrießlich auf ihre Schreibmaschine.

Es war töricht gewesen, sich auf eine Freundschaft mit David Martin einzulassen, und es tröstete sie keineswegs, dass David nicht nur sie getäuscht hatte. Sich in einen verheirateten Mann zu verlieben, ist so … so beschämend, gestand Susannah sich missmutig ein und dachte zurück an ihre Affäre mit David …

Susannah und David hatten sich bei einer Talkshow des regionalen Rundfunks kennengelernt. David hatte damals fürs Fernsehen gearbeitet und sie für ein Lokalblatt. Sie hatten so viele gemeinsame Interessen, dass sie ohne zu zögern Davids Einladung zum Dinner annahm. Als sie später von einer Freundin erfuhr, dass David verheiratet sei, hatte sie sich bereits in ihn verliebt.

Auf ihre Vorwürfe hatte David ziemlich beschämt reagiert und zugegeben, dass er ihr gegenüber nicht fair gewesen war. Er entschuldigte sich, dass er es anfangs nicht für wichtig gehalten hätte, ihr von seiner Ehe zu erzählen. Und später, später habe er einfach Angst gehabt, sie zu verlieren.

Sie war hin und her gerissen gewesen zwischen ihren Gefühlen für David und den strengen, altmodischen Moralvorstellungen, mit denen sie aufgewachsen war.

Nur wenige Monate nach ihrer Geburt waren ihre Eltern mit dem Boot im Sturm gekentert und ertrunken. Tante Emily, die einzige lebende Verwandte, nahm sie zu sich und erzog sie. Die Erziehung, die sie bei der ältlichen Jungfer – eigentlich schon einer Großtante – erhielt, war allerdings wenig geeignet, sie auf das moderne Leben des zwanzigsten Jahrhunderts vorzubereiten.

Ein anderes Mädchen an meiner Stelle, überlegte Susannah, hätte sicher alle moralischen Skrupel über Bord geworfen und sich genommen, was das Leben ihm bot. Aber sie konnte das nicht. David war an eine andere Frau gebunden, und so schmerzlich es war, sie, Susannah, musste die Beziehung lösen. Sie hatte ihrer Tante eröffnet, sie wolle von nun an auf eigenen Füßen stehen und sich in London nach einem geeigneten Arbeitsplatz umsehen.

Und sie hatte Glück gehabt. Sie bekam einen Job bei einer bekannten Londoner Zeitschrift. Richard, ihr Boss, hatte ein feines Gespür für vielversprechende Jungreporter und war stolz darauf, sie zu fördern und zu ermutigen. Ja, es war wirklich ein Glücksfall gewesen, unter Richards Führung zu arbeiten und alles über das Zeitungswesen von Grund auf zu lernen. Das alte Sprichwort von denen, die Unglück in der Liebe, aber Glück im Spiel haben, schien sich – jedenfalls ungefähr – bei ihr zu bestätigen.

Als sie vor acht Monaten Leicestershire verließ, war sie dreiundzwanzig und so unglücklich, dass sie glaubte, das Leben hätte ihr nichts mehr zu bieten. Über ihre Arbeit hatte sie langsam wieder Selbstvertrauen gewonnen und festgestellt, dass es sich trotz allem zu leben lohnte, auch ohne David. Aber dann war David nach London gekommen.

Sie wusste nicht, wie es ihm gelungen war, Tante Emily die Adresse zu entlocken, doch an einem regnerischen Sommertag stand er spätabends vor der Tür.

An diesem Tag war sie müde, aber in bester Stimmung nach Hause gekommen. Richard hatte sie wegen eines Interviews, das sie mit einem jungen, misshandelten Mädchen gemacht hatte, sehr gelobt. Als sie dann noch zwei ältere, erfahrene Kolleginnen zum Lunch einluden, fühlte sie sich im Kreis der Mitarbeiter voll akzeptiert und war sehr stolz.

Die beiden Journalistinnen erklärten ihr, sie seien fest davon überzeugt, dass sie es in ihrem Beruf noch weit bringen werde.

„Wir Frauen müssen zusammenhalten“, meinten sie, „um uns gegen die Vorherrschaft der Männer in unserer Branche zu behaupten.“

Nach diesem Gespräch beschloss sie, sich von jetzt an ganz auf ihre Karriere zu konzentrieren. Männer, seien sie verheiratet oder ledig, würden in ihrem Leben keinen Platz mehr haben.

Und dann hatte David vor ihr gestanden, und sie hatte entmutigt und erschreckt gespürt, wie sie plötzlich wieder schwach wurde.

David bestand darauf, mit in die Wohnung zu kommen. Er erzählte ihr, er habe Louise, seine Frau, verlassen und sei jetzt frei, mit ihr, Susannah, ein neues Leben zu beginnen.

Die Versuchung war groß, es hatte keinen Sinn, es zu leugnen; und als David erklärte, er wolle über Nacht bleiben, hätte sie beinah nachgegeben. Nur der Gedanke, wie Tante Emily sie ansehen würde, wenn sie das wüsste, hielt sie davon ab. Solche altmodischen Skrupel waren sicher lächerlich, aber sie konnte sich nicht davon freimachen. Als Teenager hatte sie geglaubt, ihre Zweifel bezüglich Sex vor der Ehe würden in dem Augenblick schwinden, wenn sie einen Mann liebte. Nur, so einfach war es nicht.

„Willst du behaupten“, hatte David ungläubig gefragt, „dass wir uns nicht lieben können, solange wir nicht verheiratet sind?“

So ausgedrückt, klang es veraltet oder, noch schlimmer, wie eine Art Handel nach dem Motto: Liebe gegen Ehering.

„Nein, das ist es nicht. Ich bin nur noch nicht bereit dafür, David … Ich kann es dir nicht erklären …“

Sie hatte krampfhaft versucht, die aufsteigenden Tränen zu verbergen. Aber David hatte sie lachend in die Arme genommen und sie geneckt.

„Du bist doch eine kleine Schwindlerin. Was würden die Leute wohl denken, wenn sie wüssten, dass Miss Susannah Hargreaves, die Verfechterin des freien Willens und des Frauenrechts, in Wirklichkeit eine schüchterne kleine Jungfrau ist?“

Sie war zu erleichtert gewesen, um sich über seine männliche Überheblichkeit zu ärgern, das kam erst später. Noch heute fröstelte es sie, wenn sie sich daran erinnerte, wie verlangend David sie bei diesen Worten angesehen hatte. Hatte er sie begehrt, weil er sie wirklich liebte, oder war sie für ihn nur eine Herausforderung?

Aber war das jetzt noch wichtig? Zwischen ihr und David konnte es keine Beziehung mehr geben, und das hatte sie ihm auch damals unmissverständlich klar gemacht.

Da ihre Wohnung zu klein war – es gab nur ein Schlafzimmer –, fuhr David noch am selben Abend nach Leicestershire zurück. Er erklärte aber, er würde am Wochenende wieder kommen und dann mit ihr Pläne für eine gemeinsame Zukunft machen.

Aber bevor David zurückkam,...



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