E-Book, Deutsch, Band 1, 235 Seiten
Jordan Rückkehr nach New Harbor
2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96797-041-8
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 235 Seiten
Reihe: Neue Liebe in New Harbor Beach
ISBN: 978-3-96797-041-8
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Sommer der Sternschnuppen.
Ella ist auf der Flucht vor ihrem alten Leben. Sie verlässt überstürzt New York und will einfach nur noch alles hinter sich lassen. Ihr Ziel: New Harbor, der Ort an dem sie aufgewachsen ist. Dort trifft sie nicht nur ihre Jugendfreundin Tara wieder, sondern lernt auch den gut aussehenden Schriftsteller David kennen. Ella verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Aber dann taucht plötzlich ihr Ehemann Tom auf und will nur eines: Ella zurückgewinnen ...
Ava Jordan wuchs in Westfalen auf. Nach einigen Jahren im Rheinland kehrte sie in die Heimat zurück und bewohnt dort nun mit ihrem Mann und unzähligen Büchern ein kleines Häuschen. Sie schreibt und übersetzt schon sehr lange und kann sich ein Leben ohne das Schreiben einfach nicht vorstellen.
Autoren/Hrsg.
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1. Kapitel
Die Straße führte schnurgerade Richtung Norden.
Ella umklammerte das Lenkrad fester. Da hatte sie sich ja einen schönen Tag ausgesucht, um nach Hause zurückzukommen. Seit Stunden regnete es ununterbrochen. Das Flapp-Flapp des Scheibenwischers zerrte an ihren Nerven. Sie war müde und hielt nach einer Rastmöglichkeit Ausschau.
Endlich tauchte eine Tankstelle am Straßenrand auf. Obwohl es nicht mehr weit war, fuhr sie vor eine Zapfsäule und stieg aus. Sie atmete tief durch. Dann schob sie ihre Kreditkarte in den Schlitz und tankte den Wagen voll.
Irgendwie kam ihr alles so fremd und klein vor.
Sie war vor zwölf Jahren das letzte Mal hier gewesen, als Granma starb und ihr das Haus am Meer hinterließ. Ella hatte es gar nicht schnell genug loswerden können. Ihr Lebensmittelpunkt, dachte sie damals, war New York und nicht das verschlafene Nest an der Atlantikküste. Inzwischen bereute sie allerdings ihren Entschluss. Ein Haus am Meer wäre jetzt für sie der richtige Rückzugsort.
Das Geld aus dem Verkauf hatte sie in die Wohnung in New York gesteckt. Damals kam ihr die Entscheidung erwachsen vor. Sie war erst fünfundzwanzig, hatte gerade nach dem Studium angefangen zu arbeiten und war um diese Anschubfinanzierung froh. Granma hätte es auch gefallen. Sie hatte immer gesagt, man solle nicht an der Vergangenheit hängen.
Ehe sie weiterfuhr, wählte Ella noch einmal die Telefonnummer ihrer Freundin Tara. Wie schon bei den letzten Versuchen meldete sich niemand.
Also dann. Hoffentlich freute Tara sich, wenn Ella sie überfiel. Vorsichtshalber hinterließ sie eine Nachricht auf der Mailbox.
»Hey, Tara, hier ist Ella. Es ist lange her, ich weiß …« Zwölf Jahre. Sie hatte einfach ihre Vergangenheit hinter sich gelassen und keinen Gedanken mehr daran verschwendet. »Jedenfalls bin ich auf dem Weg nach New Harbor und hab noch kein Bett für heute Nacht. Kann ich bei euch schlafen? In ungefähr einer halben Stunde bin ich da. Bis dann!«
Sie legte auf und seufzte. Danach stieg sie in ihren sportlichen Mazda und fuhr weiter.
Das war eine Schnapsidee. Am besten suchte sie sich ein Hotelzimmer und setzte nicht allzu viel Hoffnung auf Tara. Vielleicht stimmte die Handynummer auch gar nicht mehr oder Tara war im Urlaub oder wohnte längst nicht mehr in New Harbor …
Aber irgendwas sagte ihr, dass ihre Freundin noch dort war. Wie der Leuchtturm auf den Klippen, der seit Hunderten von Jahren sein Leuchtfeuer in die Nacht hinaus sandte. Und dieses Leuchtfeuer rief ihr zu: Ella, komm heim. Wann immer du mich brauchst, bin ich hier.
Eine knappe halbe Stunde später erreichte Ella das kleine Fischerdorf, das sich pittoresk an der Küste von Maine erstreckte. Die Touristen, die es im Sommer hierherzog, interessierten sich vor allem für den berühmten Leuchtturm. Das Pemaquid Point Lighthouse befand sich auf einer Granitklippe unweit des Orts. Doch die meisten Sommergäste wohnten in Boothbay oder einem anderen Urlaubsort und kamen allenfalls für einen Tagesbesuch her.
Das Dorf wurde also durch Fremde kaum gestört. Es gab auch nur ein Hotel, das im Winter sogar schloss. Wer herkam, hatte sich entweder verirrt oder war hier geboren und aufgewachsen.
Wie die Lachse, dachte Ella, als sie die Hauptstraße entlangfuhr. Irgendwann kommen sie alle heim.
Sie fand das große Haus, das ihr so vertraut war. Eine überdachte Veranda, verwitterte Holzschindeln. Weiß gestrichen.
Eine bunte Plastikrutsche stand im Vorgarten. Ella starrte darauf, nachdem sie geparkt hatte. Dann holte sie aus der Handtasche ihre große Sonnenbrille, setzte sie auf und wartete.
Es dauerte ziemlich lange, bis das Ziepen im Herz verging.
Erst danach stieg sie aus und lief mit eingezogenem Kopf durch den Regen zum Haus. Vor der Haustür nahm sie die Sonnenbrille wieder ab. Wem wollte sie etwas vormachen? Hatte sie tatsächlich geglaubt, bei Tara sei das Leben stehen geblieben? Natürlich hatte sie einen Mann und Kinder.
Sie klopfte gegen die Fliegengittertür und wartete. Schritte im Haus waren zu hören, schließlich wurde die innere Tür geöffnet und sie standen sich gegenüber.
»Hi, Tara«, sagte Ella.
»Ella!« Tara stieß die Fliegengittertür auf und schloss sie in die Arme. »Mein Gott. Ich bin gerade erst heimgekommen und hab meine Mailbox abgehört. Du siehst müde aus.«
Ella ließ die Umarmung zu, obwohl sie sich merkwürdig fremd anfühlte. Tara roch nach einer Mischung aus Erdbeershampoo, Hackbraten und Waschmittel. »Ich bin die sieben Stunden durchgefahren.«
»Du lieber Himmel. Komm erst mal rein. Pass auf, dass du nicht stolperst, Toby lässt überall seine Sachen liegen.«
Tara hielt die Tür auf, und Ella trat ein. Sie folgte der Freundin in die Küche.
»Hättest du mal früher Bescheid gesagt, dann wäre aufgeräumt. Und ich hätte uns einen Kuchen gebacken. Kaffee?«
Tara wies einladend auf den Küchentisch. Darum standen vier Stühle und eine Bank. Vorsichtig ließ Ella sich auf die Bank sinken.
»Und jetzt erzähl. Das ist ewig her! Meine Mutter hat mir manchmal erzählt, was du machst. Du bist also Lektorin? Macht die Arbeit Spaß?« Bevor Ella antworten konnte, plapperte Tara weiter. »Ich setze uns erst mal Kaffee auf. Ist es okay, wenn ich nebenher koche? Die Jungs kommen gleich aus der Schule, meistens haben sie dann einen Bärenhunger.«
»Bei dir ist auch eine Menge passiert …« Ella verschränkte die Finger.
Tara lachte und schaufelte Kaffeepulver in den Filter. »Du meinst meine Kinder? Ich hab zwei Jungs und ein Mädchen. Frankie ist acht, Toby sechs. Wilde Kerle, manchmal bringen die beiden mich um den Verstand. Tilly liegt oben und schläft. Sie ist drei und vergöttert ihre Brüder, ist aber unser kleines Sorgenkind.« Sie hielt inne. »Das interessiert dich bestimmt nicht, oder? Du hast Karriere gemacht. Darum beneide ich dich, echt.«
Sie klappte die Kaffeemaschine zu und drückte den Schalter. Anschließend kam sie zu Ella und setzte sich an den Tisch.
»Hast du Urlaub? Du kannst natürlich bei uns schlafen, aber ich warne dich – es ist laut, wir sind ein verrückter Haufen. Manchmal wird es sogar mir zu viel.«
»Das ist schon in Ordnung.«
»Du kannst in der Dachkammer schlafen. Ich beziehe dir das Bett. Aber jetzt erzähl! Wie geht es dir in der großen Stadt? Gibt es deinen Mr Perfect noch? Wie hieß er noch gleich?«
»Tom. Ja, den gibt es noch.« Ella lächelte. »Wir haben inzwischen geheiratet.«
»Glückwunsch! Das freut mich für euch. Arbeitet er nach wie vor als Anwalt?«
»Ja, und wenn alles gut läuft, wird er bald Partner in der Kanzlei.«
»Toll. Sieh dich nur an – beruflich erfolgreich, den Traummann an deiner Seite. Ich bin richtig neidisch. Ihr führt bestimmt ein großartiges Leben. Viele Reisen, die besten Restaurants der Stadt …«
»Und keine Kinder«, sagte Ella gedämpft.
»Sag ich doch, perfekt!« Erst als sie bemerkte, dass Ella Tränen über die Wangen liefen, wurde Tara ernst. »Hey … was ist denn los?«
»Nichts«, sagte Ella. »Bloß … wir bekommen keine Kinder.«
»Liebes … Herrje, das tut mir leid! Und ich dumme Kuh schwärme dir was vor von meiner Rasselbande.«
»Ist schon okay.« Ella wischte mit dem Ärmel ihrer Sweaterjacke über Nase und Augen. »Ich sollte mich einfach daran gewöhnen.«
Tara streichelte mitfühlend ihre Schulter. »Ach Mensch, wie ungerecht. Könnt ihr …« Sie sprach nicht weiter.
»Es soll wohl nicht sein«, sagte Ella leise. »Ist ja nicht so, als hätten wir es nicht versucht.«
Taras Blick ging zur Uhr, die über der Tür zum Wohnzimmer hing. »Entschuldige, ich muss mich jetzt ums Essen kümmern. Möchtest du mir erzählen, was passiert ist? Oder wollen wir das auf später verschieben? Du kannst dich auch erst hinlegen und dich ein wenig ausruhen.«
»Okay«, sagte Ella.
»Okay schlafen oder okay erzählen?« Nichts konnte Tara erschüttern. Sie lächelte aufmunternd.
»Kaffee, dann schlafen.« Ella schluckte die letzten Tränen herunter. Sie hatte nicht gedacht, dass sie noch weinen konnte.
»Gut, dann erst Kaffee. Milch und Zucker?«
»Ja, danke.«
Sie war froh, weil Tara ihr Zeit ließ. Den Kaffee tranken sie, ohne miteinander zu reden, doch es war ein angenehmes Schweigen. Nur einmal fragte Ella, was denn nun aus dem Abendessen wurde.
»Ach, kein Problem. Ich lasse uns zwei große Pizzen kommen, und dazu gibt es einen Salat. Die Jungs lieben Pizza.«
Danach holte Ella ihre Reisetasche aus dem Auto, während Tara bereits nach oben ging. Erst jetzt fiel ihr ein, dass sie Tom versprochen hatte, sich nach ihrer Ankunft zu melden. Sie kramte das Smartphone aus der Handtasche und schrieb ihm eine Textnachricht.
Bin gut angekommen, bleibe bei Tara. Lieb Dich!
Sie stieg die Treppen hoch. Im Obergeschoss befanden sich vier Schlafzimmer und zwei Bäder. Eine schmalere Treppe führte ins Dachgeschoss. Hier gab es bloß ein Zimmer mit einem winzigen Bad und auf der anderen Seite den großen Dachspeicher.
Tara bezog gerade das Kopfkissen. In der Kammer standen lediglich ein altes Bett, eine Kommode und ein Schreibtisch.
»Eigentlich wollte Bernie sich hier immer ein Büro einrichten. Er will Romane schreiben«, erzählte Tara.
»Was ist ihm...




