Jordan | Wiedersehen in New Harbor | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 344 Seiten

Reihe: Neue Liebe in New Harbor Beach

Jordan Wiedersehen in New Harbor


2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96797-001-2
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 3, 344 Seiten

Reihe: Neue Liebe in New Harbor Beach

ISBN: 978-3-96797-001-2
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Neues aus New Harbor!

Amanda Walker hat alles, was man sich nur wünschen kann - Erfolg im Job, eine eigene Praxis und einen wundervollen Mann an ihrer Seite, der ihr jeden Wunsch von den Augen abliest. Doch ihre heile Welt bricht zusammen, als sie schwanger wird. Denn sie weiß: sie darf kein Kind bekommen. Zu tief sind die Narben, die sie noch aus der Vergangenheit trägt. Außerdem wollte ihr Mann Carter nie Kinder. Was soll sie tun? Sam braucht Veränderung. Sie muss fort aus New York, weg aus der zerstörerischen Beziehung zu Oliver. Doch ihr fehlt die Kraft für diesen letzten Schritt. Es tut zu weh, ihn zu verlassen ... New Harbor wirkt seinen Zauber, und wieder stehen zwei Frauen am Scheideweg ...



Ava Jordan wuchs in Westfalen auf. Nach einigen Jahren im Rheinland kehrte sie in die Heimat zurück und bewohnt dort nun mit ihrem Mann und unzähligen Büchern ein kleines Häuschen. Sie schreibt und übersetzt schon sehr lange und kann sich ein Leben ohne das Schreiben einfach nicht vorstellen.

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1. Kapitel


Jeden Morgen, wenn Amanda Walker ihr Büro betrat, war die kühle, medizinisch reine und helle Atmosphäre für sie eine Wohltat. Sie genoss es, die ersten zehn Minuten ihres Arbeitstags am Mac zu verbringen, die Daten der Patientinnen aufzurufen, die an diesem Vormittag Termine bei ihr hatten, und den heißen, schwarzen Kaffee zu trinken, den sie sich immer von dem Barista in der Kaffeebar unten an der Ecke in den Thermosbecher füllen ließ. Mit Süßstoff, so wie sie ihn mochte.

Ein dezentes Klopfen ließ sie aufblicken. Ihre Helferin Erin stand in der Tür. Der weiße Kittel war makellos, ebenso die dunkelblaue Hose, die zu ihrer OP-Kleidung gehörte.

»Was gibt’s?«

»Ich störe nur ungern, aber da ist eine Patientin. Könnte ein Notfall sein.«

Sofort wandte Amanda sich dem Mac zu. »Welche Patientin?«, fragte sie geschäftig.

»Tiana Elroy.«

Amandas Finger verharrten über der Tastatur. Sie kannte den Namen. Leider viel zu gut.

»Sie klagt über Schmerzen im Unterbauch.«

»Schick sie rein.«

Vorbei war’s mit der morgendlichen Ruhe. Aber das war Amanda gewohnt.

Erin verschwand. Sofort tauchte das nächste Gesicht in der Tür auf. »Viel zu tun? Oder hast du einen Moment Zeit?«, fragte ihr Kollege Dr. Maurice Brown. Sie arbeiteten seit vier Jahren in dieser Praxis zusammen, und Amanda mochte ihn sehr gern, obwohl er manchmal total verrückte Ansichten vertrat.

Doch fachlich vertraute sie ihm vollkommen und sie hatte in den letzten Jahren viel von ihm gelernt.

»Gleich kommt eine Patientin, ja.«

»Wird wohl nichts mit der gemütlichen Morgenbesprechung.«

»Bist du nachher unten im OP?«

»Ha, heute sind es drei Patientinnen.« Er hielt einen Styroporbecher mit Kaffee in der Hand. Ebenfalls aus der Kaffeebar an der Straßenecke. Aus für Amanda völlig unerklärlichen Gründen weigerte Maurice sich seit jeher, einen Thermosbecher zu benutzen. Dabei schenkte sie ihm jedes Jahr zu Weihnachten einen, und jedes Jahr versprach er ihr hoch und heilig, diesen wirklich regelmäßig zu verwenden. Bis Neujahr hatte er den Vorsatz meist wieder vergessen.

»Dann sehen wir uns heute Mittag.«

Maurice tippte sich an eine imaginäre Schirmmütze, schlug zackig die Hacken zusammen und trat beiseite, damit Erin mit Mrs. Elroy hereinkommen konnte.

Tiana Elroy war ziemlich blass um die Nase. Sie hielt sich krampfhaft den Bauch und schien nicht zu wissen, was sie tun sollte.

Amanda stand auf. Sie legte ihre Kostümjacke ab und schlüpfte in den Arztkittel, der über einem Garderobenständer in der Zimmerecke hing. Erst dann reichte sie der Patientin die Hand. Einer ihrer Grundsätze lautete, dass Patientinnen von ihr in jedem Fall absolute Professionalität erwarten durften.

»Guten Morgen, Mrs. Elroy. Kommen Sie am besten gleich mit nach nebenan, dort schaue ich erst mal, ob alles in Ordnung ist.«

Sie übernahm die völlig verstörte Patientin von Erin und nickte ihrer Sprechstundenhilfe zu.

Durch eine Tür führte sie Mrs. Elroy in das Behandlungszimmer, das direkt an ihr Büro grenzte. Dort gab es neben einer kleinen Umkleide gedämpftes Licht und eine gynäkologische Liege, die allerdings durch das Dämmerlicht ihren Schrecken einbüßte.

»Ziehen Sie sich rasch um, dann wissen wir bald, was los ist.«

Mrs. Elroy verschwand in der Umkleide. Während sie sich auszog und in einen der Patientenkittel schlüpfte, die dort bereit lagen, hörte Amanda sie schniefen.

»Haben Sie Blutungen, Mrs. Elroy?«, fragte sie und rief auf einem Computerterminal in der Zimmerecke die Patientenakte auf.

»Nein … Ich habe nur seit heute Nacht diese Unterleibsschmerzen. Als würde ich bald meine Periode bekommen …«

»Das muss nichts bedeuten.« Aber Amanda wusste, dass die Patientin in dieser Situation nichts beruhigen konnte. Kein Wort, keine Beteuerung, dass alles gut gehen würde. Amanda prägte sich die Daten der Patientin ein: Vor gut drei Wochen Transfer von zwei wunderschönen Embryonen, der Bluttest vor zehn Tagen war positiv gewesen, was für eine intakte Schwangerschaft sprach. Danach waren die Entlassung aus ihrer Praxis und die Überweisung an den Frauenarzt der Patientin erfolgt.

»Warum sind Sie nicht zu Ihrem Gynäkologen gegangen?«

»Der hält mich für verrückt.« Tiana Elroy trat aus der Umkleide und schlich auf Wollsocken zu der Liege. Sie setzte sich und wartete, bis Amanda das Ultraschallgerät vorbereitet hatte.

»Ich mache einen vaginalen Schall«, sagte sie. »Über den Bauch werden wir vermutlich noch nichts erkennen können.«

»Okay.« Mrs. Elroy nickte unter Tränen.

Sie war nicht die erste Patientin, die zu Amanda kam, weil sie in der Frühschwangerschaft Beschwerden hatte. Doch Amanda hasste diese Vorsorge-Untersuchungen. Es gab einen Grund, warum sie Reproduktionsmedizinerin geworden war und nicht als Gynäkologin in einer Praxis oder einer Klinik arbeitete. Leider waren manche ihrer Kollegen bei einigen Patientinnen nicht bereit, sie vor Vollendung der siebten Schwangerschaftswoche zu untersuchen, wenn es zu Problemen kam – und sei es nur, dass die Patientin fürchtete, das Baby zu verlieren.

Amanda dimmte das Licht und drehte den Monitor des Ultraschallgeräts so, dass auch Mrs. Elroy alles sehen konnte. Die Patientin war schon Anfang vierzig und hatte mehrere Fruchtbarkeitsbehandlungen bei verschiedenen Ärzten hinter sich. Erst bei Amanda und Maurice hatte es geklappt, und sie war endlich schwanger geworden.

Amanda sah sofort, wonach sie suchte. Sie veränderte die Einstellungen des Geräts, damit auch Mrs. Elroy alles sehen konnte. »Schauen Sie mal, Tiana«, sagte sie. »Das hier ist die Fruchthöhle. Sieht sehr gut aus. Und dieser kleine helle Fleck darin? Das ist Ihr Baby.«

»Oh …«, machte Tiana Elroy.

»Und hier sehen Sie sogar schon einen Herzschlag. Alles ist zeitgerecht entwickelt. Schauen Sie mal hier …« Sie schallte weiter. Dann lachte sie. »Kein Wunder, dass Sie leichte Beschwerden haben. Da ist ja noch ein zweites!«

»Wie bitte?«

»Ja, hier.« Amanda veränderte den Winkel, sodass sie beide Fruchthöhlen gleichzeitig darstellen konnte. »Sie erwarten Zwillinge!«

»O mein Gott! Mein Gott, wie kann das sein …«

Tiana Elroy brach in Tränen aus.

Amanda gab ihr Zeit, sich zu beruhigen. Sie reichte ihr stumm ein Papiertaschentuch. Dann half sie Mrs. Elroy, sich aufzusetzen, und erklärte ihr, dass die mensähnlichen Schmerzen, die sie spürte, zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft völlig normal seien.

»Solange Sie keine Blutung bekommen, brauchen Sie sich keine Sorgen um Ihre beiden Babys zu machen.«

»Ich glaube das einfach nicht. Wie können es zwei sein?«

»Wir haben zwei Embryos eingesetzt.« Amanda grinste. Manchmal machte ihr Job ja doch Spaß.

»Aber wir haben vorher alles versucht, ich habe gedacht … Wenn sich nur eins einnistet, haben wir großes Glück. Das hier …«

»Wollen Sie nur ein Kind?«, fragte Amanda schärfer als beabsichtigt.

Mrs. Elroy winkte ab. »Nein, nein! Himmel, das wollte ich doch nicht … Zwillinge sind wunderbar. Herrje, wenn ich das meinem Mann erzähle … Er hat sich immer zwei Kinder gewünscht, wissen Sie? Wir waren so froh, dass es überhaupt geklappt hat. Nie hätten wir gedacht, dass wir dieses Glück im Doppelpack bekommen.«

»Denken Sie daran, Ihre Vitamine zu nehmen.« Amanda ließ vom Computersystem ein Rezept ausdrucken und unterschrieb es. »Und dann gehen Sie in zwei Wochen zu Ihrem Frauenarzt. Er wird alles Weitere mit Ihnen klären.«

»Ist so eine Zwillingsschwangerschaft nicht gefährlich in meinem Alter?«

»Keine Sorge. Sie sind schwanger geworden und werden es jetzt auch bleiben.«

Als Mrs. Elroy sich fünf Minuten später von ihr verabschiedete, gab Amanda Erin ein Zeichen. Sie brauchte jetzt erst mal ein paar Minuten für sich allein, bevor sie sich um die anderen Patientinnen kümmerte.

Sie hatte sich gerade auf ihren Schreibtischstuhl fallen lassen, als Maurice wieder ihr Büro betrat.

»Jetzt nicht«, sagte sie mit einem Seufzen.

Er ließ sich nicht beirren und trat an den Schrank, in dem neben einer veritablen Bar auch ein kleiner Kühlschrank verborgen war. Wortlos holte er zwei Dosen eisgekühlte Cola aus dem Kühlschrank und stellte eine vor Amanda auf den Schreibtisch, ehe er seine aufriss.

»Trink«, befahl er.

»Ich brauche jetzt was Härteres.«

»Das gibt’s hier nicht. Du weißt, warum.«

Sie seufzte. Natürlich wusste sie das. Sie redete sich fast täglich im Patientengespräch den Mund fusselig, damit die Paare, die zu ihnen kamen, zumindest während der Behandlungszeit den Konsum von Alltagsdrogen wie Alkohol und Zigaretten einschränkten oder besser noch ganz vermieden, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Die Frauen sollten natürlich nach Eintreten einer Schwangerschaft dauerhaft darauf verzichten. Aber auch da hatte sie schon Dinge erlebt, die ihr völlig unverständlich waren. Eine Patientin hatte sogar mal angefangen zu rauchen, nachdem sie nach einer endlosen Reihe Behandlungszyklen endlich schwanger geworden war. Als Amanda sie fragte, warum sie so einen Quatsch mache, hatte die Patientin keine Antwort gewusst.

Die Cola musste es also richten. Amanda nahm einen...



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