E-Book, Deutsch, 148 Seiten
Juchmann Selbstfürsorge in helfenden Berufen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-17-039804-7
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie Achtsamkeit im Arbeitsalltag gelingt
E-Book, Deutsch, 148 Seiten
ISBN: 978-3-17-039804-7
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ulrike Juchmann ist Diplom-Psychologin und arbeitet als Psychologische Psychotherapeutin, systemische Lehrtherapeutin, Verhaltenstherapeutin, MBCT- und MBSR-Lehrerin in eigener Praxis. Sie leitet die Akademie für Achtsamkeit in Berlin und bietet Einzeltrainings, Kurse und Seminare an. An der Psychologischen Hochschule Berlin und der Berliner Akademie für Psychotherapie ist sie als Dozentin, Supervisorin und Selbsterfahrungsanleiterin tätig.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Die Segel setzen – ein Kompass für dieses Buch
»Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.« (Aristoteles)
Das vorliegende Buch wendet sich an Menschen, die in Pflege, Therapie und Medizin, Unterricht, Pädagogik, Sozialarbeit oder in Entwicklungshilfeprojekten tätig sind. Die hier vermittelten theoretischen und praktischen Anregungen können aber auch in den Berufsfeldern der Feuerwehr, Polizei und in der juristischen Begleitung hilfreich sein. Dabei möchte ich besonders Menschen, die Führungsverantwortung in sozialen und helfenden Organisationen tragen, darin bestärken, durch die eigene Selbstfürsorge ein inspirierendes Modell zu sein. Auch die vielen Menschen, die neben der beruflichen Tätigkeit noch kranke Angehörige pflegen, möchte ich erreichen. Ich würde mich außerdem freuen, wenn das Buch Eingang in die Aus- und Weiterbildung findet.
In all diesen Kontexten ist es herausfordernd, eine Balance zwischen den Erwartungen anderer und den eigenen Ansprüchen zu finden. Es gilt dabei die eigene Selbstfürsorge und Gesundheit wichtig zu nehmen. Achtsamkeitsbasierte Ansätze und Meditation stellen Methoden und innere Haltungen zur Verfügung, die eine bewusstere Selbstwahrnehmung ermöglichen. Sich zu spüren, Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle wahrzunehmen und zu regulieren, ist grundlegend für eine gelingende Selbstfürsorge.
Was Sie in diesem Buch erwartet:
• eine erfahrungsbasierte Einführung in Achtsamkeit und Meditation,
• der Weg zu einer gelingenden und für Sie passenden Selbstfürsorge,
• ein fünfwöchiger, praxisnaher Achtsamkeitskurs mit begleitenden Handouts, Reflexionsübungen und Audiodateien und
• Ideen für die Fortsetzung der Übungspraxis und den Transfer in den Arbeitsalltag.
Kapitel 1 zeigt, wie eine Balance zwischen der Sorge um andere und der Selbstfürsorge gelingen kann. Helfende Berufe bringen besondere gesundheitliche Risiken mit sich. In einem Modell werden persönliche und institutionelle Faktoren zusammengefasst. Die Selbstfürsorge wird als Baum dargestellt, um den Entwicklungsprozess zu veranschaulichen. Es wird deutlich, dass für eine gelingende Selbstfürsorge die Reflexion der eigenen biografischen Wurzeln und der persönlichen Verletzlichkeit unerlässlich ist. Aber auch Ressourcen und nährende, haltgebende Beziehungserfahrungen wollen in den Blick genommen werden. Achtsamkeit ist eine menschliche Basiskompetenz, die oft nicht besonders geübt ist und somit etwas im Verborgenen liegt. Durch Meditation lässt sich Achtsamkeit kultivieren und systematisch stärken. Menschen lernen dabei, sich besser zu fokussieren, die Aufmerksamkeit gezielt auszurichten und auch innere Haltungen von Freundlichkeit und Wohlwollen einzuüben. Es haben sich spezifische Meditationsprogramme entwickelt, die bei Stress, Krebserkrankungen, Sucht und Depression wirken. Die achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung (Mindfulness Based Stress Reduction, MBSR) ist als präventives Vorgehen im Gesundheitswesen etabliert. Besonders im Feld der Heilberufe ist MBSR vielfach erprobt und wissenschaftlich erforscht worden. MBCT (Mindfulness Based Cognitive Therapy) bietet für Menschen mit Depressionen und Ängsten eine Kombination aus Achtsamkeit und Verhaltenstherapie an. Auch das Trainieren von Mitgefühl ist für Menschen in helfenden Berufen unerlässlich. Es gilt, zwischen einer empathischen Einfühlung, die belasten kann, und einem positiven Mitgefühl unterscheiden zu lernen.
Kapitel 2 zeigt auf, wie Gewohnheitsumstellungen gelingen können. Das Trainieren von Selbstfürsorge braucht ein bewusstes Überprüfen alter Strategien. Dabei werden Einstellungen und Alltagsgewohnheiten reflektiert und neue Verhaltensweisen erprobt. Das Erlernen von Achtsamkeit und Meditation ist ein bewusster Lern- und Übungsweg, der eine klare Struktur und eine durchdachte Methodik erfordert. Wie bei jedem Lernprozess gibt es dabei auch Herausforderungen, die mit Geschick, Bewusstheit und Freundlichkeit gemeistert werden wollen. Das Konzept des inneren Teams ist hilfreich, um die persönliche innere Dynamik zu verstehen. Die verschiedenen Stimmen werden hörbar und können differenziert werden. Dabei wird deutlich, welche Botschaften die Selbstfürsorge erschweren oder boykottieren und welche sie unterstützen. Das Etablieren einer bewussten inneren Mitte ermöglicht die Moderation des inneren Chores. Persönlichkeitsanteile können so begrenzt, weiterentwickelt und ermutigt werden. Durch diese bewusste Selbstführung wird ein neues inneres Zusammenspiel im Sinne der Selbstfürsorge möglich. Auch die Kommunikation nach außen wird dadurch klarer und stimmiger.
Letztlich lässt sich die Wirkung von Achtsamkeit und Meditation nicht erlesen, sie will direkt erfahren werden. Deshalb bietet Ihnen das Kapitel 3 einen fünftwöchigen, strukturierten und praxisnahen Achtsamkeitskurs an. Das Training enthält theoretische Impulse, Selbstbeobachtungsaufgaben und Meditationen.
Audiodateien mit angeleiteten Meditationen begleiten Sie beim Üben. Dieses Icon weist auf die Audioaufnahmen hin.
Anregende Fragen und Schreibaufgaben helfen dabei, die eigene Selbstfürsorge bewusst zu reflektieren. Dieses Icon macht auf die Schreibübungen aufmerksam.
Zunächst stärken Sie in der ersten Woche durch den Body Scan und die achtsame Bewegung die Körperachtsamkeit. Sie lernen, die Empfindungen des Körpers zu spüren und sich mit dem Körper anzufreunden. Damit legen Sie die Basis für Ihre Selbstfürsorge. In der zweiten Übungswoche sammeln Sie Ihren Geist durch die Atemmeditation und die Gehmeditation. Die Fokussierung beruhigt den Geist, und Sie werden ausgeglichener. In Woche drei üben Sie sich durch das achtsame Hören und die Beobachtung der Gedanken in einer Erweiterung des Fokus. Das offene Gewahrsein lehrt Sie, allen Erfahrungen akzeptierend Raum zu geben. Damit lockern sich überstarke Identifikationen mit Gedanken und Gefühlen. In der vierten Trainingswoche lernen Sie die Mettameditation (Metta = liebende Güte, Freundlichkeit) kennen und gewinnen neue Zugänge zu Wohlwollen. Die achtsame Bewegung hilft, den Herzbereich zu spüren und zu weiten und bereitet auf die Mettameditation vor. Positive Emotionen, wie Dankbarkeit und Freude, werden kultiviert. In der fünften Übungswoche steht das Selbstmitgefühl im Zentrum. Sie lernen, sich und Ihrem Körper im mitfühlenden Body Scan eine liebevolle Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Auch herausfordernden Erfahrungen von Erschöpfung und Schmerz begegnen Sie mit Freundlichkeit. Durch die Vorstellung eines wohlwollenden Wesens öffnen Sie sich dafür, Hilfreiches anzunehmen und sich stärken zu lassen. Nach dem fünfwöchigen Kurs gilt es, eine individuelle, für Sie passende Übungspraxis aufzubauen. Entscheidend für eine nachhaltige Wirkung ist die kontinuierliche, möglichst tägliche Fortsetzung des Übens.
Im Kapitel 4 werden Ideen aufgezeigt, wie Selbstfürsorge und Achtsamkeit direkt in den Arbeitsalltag integriert werden können. Persönliche Werte und Werte des Arbeitsbereichs werden erkundet und in Beziehung zueinander gesetzt. Die Klärung der eigenen Werteorientierung bahnt den Weg für ein stimmiges, beherztes Handeln. Dankbarkeit und Wertschätzung werden in ihrer Wirkung für Einzelpersonen und Teams genauer in den Blick genommen. So kann die Zusammenarbeit achtsamer gestaltet werden. Die Vorbildfunktion leitender Personen ist dabei zentral. Menschen in Leitungspositionen erhalten wichtige Impulse zur Entwicklung von Achtsamkeit und Selbstführung. Das Kultivieren von Bewusstheit nutzt auch der helfenden Beziehung. Helfende Personen lernen, präsenter im Kontakt zu sein. Sie müssen sich der eigenen Ressourcen genauso bewusst sein wie der eigenen Verletzlichkeit und der eigenen Grenzen. Es ist dabei bedeutsam, regelmäßig zu reflektieren, was das Gegenüber in ihnen auslöst. Damit können auch Grenzsetzungen ruhiger und klarer erfolgen. Die helfende Beziehung wird zu einem wechselseitigen, bereichernden Beziehungs- und Lerngeschehen.
Das Training von Achtsamkeit und Selbstfürsorge macht deutlich, wie wichtig Rhythmus und Balance für das eigene Wohlergehen sind. Pausen zu machen, will gelernt sein. Aktives, beherztes Tun und Muße gelangen in eine Balance und bereichern sich wechselseitig.
Menschen in helfenden Arbeitsfeldern sind oft mit Extremsituationen konfrontiert und unterstützen Personen, die traumatisiert sind. Dies birgt das Risiko einer sekundären Traumatisierung. Das Modell des Toleranzfensters ist hilfreich, um zu erkunden, wie der eigene Wohlfühlbereich aussieht und was an die Belastungsgrenzen führt. Kurze, wirksame Übungen zur Stabilisierung in Belastungssituationen werden...




