E-Book, Deutsch, Band 1719, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Jump Gib dem Glück eine Chance, Melanie
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-86295-288-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1719, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86295-288-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Melanie lebt glücklich und allein mit ihrer Tochter. Nach der Trennung von ihrer High-School-Liebe Cade hat sie sich ihren größten Traum erfüllt und ein Café eröffnet. Nur noch die Scheidung, dann hat sie die Vergangenheit endgültig hinter sich gelassen! Doch dann steht plötzlich ihr 20-jähriges Klassentreffen ins Haus - und Cade vor ihrer Tür, entschlossen, ihre Ehe zu retten. Mit einem einzigen Blick aus seinen blauen Augen bringt er immer noch ihr Herz zum Rasen. Und Melanie muss sich eingestehen: Er ist attraktiver denn je. Aber soll sie wirklich einen neuen Anfang wagen?
Shirley Jump wuchs in einer idyllischen Kleinstadt in Massachusetts auf, wo ihr besonders das starke Gemeinschaftsgefühl imponierte, das sie in fast jeden ihrer Romane einfließen lässt. Lange Zeit arbeitete sie als Journalistin und TV-Moderatorin, doch um mehr Zeit bei ihren Kindern verbringen zu können, beschloss sie, Liebesgeschichten zu schreiben. Schon ihr erstes Buch gewann den Bookseller's Best Award als beste traditionelle Romance 2003. Bis heute hat sie auch viele andere Preise gewonnen. Das Schreiben sieht Shirley außerdem als gute Ausrede, um nicht putzen zu müssen - und finanziert sich damit ihre stetig wachsende Schuhkollektion. Die drei wichtigsten Dinge in ihrem Leben sind Liebe, Familie und Essen - auch wenn die Reihenfolge an vielen Tagen umgekehrt ist ... Als sie ihren Mann kennenlernte, war dieser oft mit der Navy unterwegs. Zum Trost hörten sie beide 'Waiting for you' von Richard Marx und wussten so, dass sie im Herzen immer zusammen sind.
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1. KAPITEL
Würden ihre Finger nicht gerade in cremigem Schokoteig stecken, hätte Melanie Weaver sich auf jeden Fall die Hand vor den Mund gehalten, um es nicht schon wieder zu tun: Ja zu sagen, obwohl sie Nein meinte.
Doch selbst, wenn die Gründe für eine Absage geradezu zwingend waren, entschlüpfte ihr immer wieder dieses fatale Wort mit den zwei Buchstaben.
Möchtest du noch ein Stück von Großmutters Früchtekuchen? Kannst du die Tombola auf dem Wohltätigkeitsball übernehmen? Gefällt dir dieser orangefarbene Pullover?
Sie hasste Früchtekuchen, erstickte fast an den schalen Witzen, mit denen sie den Losverkauf puschen musste, und trug niemals Orange. Trotzdem bedachte ihre Großmutter sie jedes Jahr im Advent mit dem obligatorischen, steinharten Weihnachtsgebäck, von dem sie dann pflichtschuldigst ein Stückchen herunterwürgte und in höchsten Tönen die runzeligen Datteln und trockenen Cherry-Kirschen lobte.
Auf jedem karitativen Event rannte sie den halben Abend mit der Lostrommel unter dem Arm herum, und in ihrem Schrank hingen drei ungetragene orangefarbene Pullover – Geburtstagsgeschenke ihrer Tante Cornelia, die sie irgendwann gründlich missverstanden haben musste.
Es war also zu befürchten, dass Melanie an diesem sonnigen Freitagmorgen durchaus Gefahr lief, sich eine Zusage zum zwanzigjährigen Klassentreffen abringen zu lassen, obwohl ihr Leben ein riesiger Scherbenhaufen war, über den sie mit niemandem diskutieren wollte. Schon gar nicht mit ihren ehemaligen Mitschülern, die Cade und sie noch als „Traumpaar“ in Erinnerung hatten.
Und so kam es dann auch.
„Wie toll, dass wir auf dich zählen können!“, frohlockte Jeannie, eine ehemalige Cheerleaderin so ekstatisch, dass Melanie instinktiv das Handy ein Stück vom Ohr weghielt. „Alle freuen sich wahnsinnig darauf, euch endlich wiederzusehen. Als ich deinen Namen ohne Haken auf der Liste stehen sah, wusste ich gleich, dass deine Anmeldung irgendwie abhanden gekommen sein musste!“
„Wahrscheinlich irgendetwas in der Art …“, murmelte Melanie ergeben.
Sie hatte die Anmeldekarte weder ausgefüllt noch zurückgeschickt, weil sie nicht Gefahr laufen wollte, mit Fragen gelöchert zu werden, warum Cade nicht an ihrer Seite war. Oder, noch schlimmer, Cade dort womöglich mit einer fremden Frau am Arm zu sehen!
Ihre Ehe war am Ende, das hatte Melanie schon lange akzeptiert. Aber hinzunehmen, dass eine andere den Platz ausfüllte, der einmal ihr gehört hatte?
„In einer Woche ist es schon so weit!“, freute sich Jeannie am anderen Ende der Leitung. „Dann sind wir alle endlich wieder vereint. Ist das nicht aufregend?“
„Und wie!“ Melanie bemühte sich, wenigstens eine Spur Enthusiasmus in ihre Stimme zu legen. Natürlich wollte sie ihre alten Freunde wiedersehen und von den Veränderungen in deren Leben hören. Aber der Gedanke, inmitten ehemaliger gemeinsamer Klassenkameraden und dem damit verbundenen Austausch von sehnsüchtigen Erinnerungen an bessere Tage, womöglich auf Cade zu treffen, war unerträglich.
Ihr mühsam aufrechterhaltener Widerstand würde zusammenbrechen, und alle Skrupel wegen der Trennung und ihre uneingestandenen Hoffnungen auf eine zweite Chance würden wieder aufflackern und es ihr unmöglich machen, einen klaren Schlussstrich zu ziehen.
Doch es gab kein Zurück. Sie hatte sich verändert. Inzwischen führte sie erfolgreich einen eigenen Laden und damit auch ein neues Leben. Eines, das Cade nicht länger mit einschloss.
Während Jeannie unverdrossen weiterschwatzte, rollte Melanie mit den Augen, zog die Hände aus dem Teig und drückte mit einem Ellenbogen die Schwingtür zwischen Küche und Café auf.
So früh am Nachmittag war noch nicht viel Betrieb im Cuppa Life. Das wusste auch Cooter Reynolds zu schätzen, der hier täglich in aller Ruhe seinen Caffè Latte genoss, während er sich in die Lawford News vertiefte und mit dem Fuß den Takt der sanften Jazzrhythmen, die im Hintergrund erklangen, auf den Boden klopfte.
Melanie warf einen Blick auf die Uhr über dem Tresen. Eine knappe Stunde blieb ihr, bis die Meute der Collegestudenten das Cuppa Life heimsuchen würde. Hauptsache, Emmie tauchte innerhalb der nächsten fünf Sekunden zu ihrer Dienstagsschicht auf!
Den Teig für die Schoko-Doughnuts hatte Melanie vorsorglich angerührt, in der Hoffnung, ihre Tochter würde jeden Moment auf der Schwelle stehen, um das Backen zu übernehmen. Immerhin war sie seit exakt zwanzig Minuten überfällig. Also, zurück in die Küche, um die klebrige Angelegenheit endlich zu beenden.
„Bist du damals eigentlich gern aufs College gegangen?“, forderte Jeannie, die von ihrem Dauermonolog offenbar genug hatte, erneut Melanies Aufmerksamkeit ein. „Für mich war das jedenfalls nichts. Ich hatte die Schule so satt, als sie endlich vorbei war! Das Letzte, was ich wollte, war, auch noch ein Studium anzuhängen.“ Sie ließ einen dramatischen Seufzer hören, als wäre die Westvale High ein schlimmeres Los gewesen, als im Staatsgefängnis San Quentin einzusitzen.
Während Jeannie sich, ohne auf eine Antwort zu warten, in einem neuen Monolog verlor, spürte Melanie einen feinen Stich im Herzen, als sie an das Ende ihrer Schulzeit zurückdachte.
Seit sie ein kleines Mädchen war, hatte sie davon geträumt, sich eines Tages mit einem eigenen Geschäft selbstständig zu machen. Ihre Sommerferien verbrachte sie damals stets hier in Indiana, um ihren Großeltern in deren kleinem, aber florierenden Antiquitätenladen zu helfen.
Ihr Großvater, dem der wache Unternehmergeist seiner Enkelin nicht verborgen blieb, ermutigte sie von Anfang an, so viel wie möglich aus der Schule mitzunehmen und auf jeden Fall ein Studium anzustreben. Und Melanie, die eine eifrige und gute Schülerin war, errang eines der begehrten Notre-Dame-Stipendien, verbunden mit freier Collegewahl …
Doch dann brachten Heirat und Schwangerschaft sie von ihrem gesteckten Ziel ab. Dabei hatte Cade hoch und heilig versprochen, sie bei einem neuerlichen Anlauf zu unterstützen, sobald der richtige Zeitpunkt gekommen sei. Doch als es so weit war, konnte er sich an ein derartiges Versprechen leider nicht mehr erinnern.
Aber sie wollte sich nicht so einfach kaltstellen lassen. Sobald Emmie aus dem Gröbsten heraus war, belegte Melanie Abendkurse für Betriebswirtschaft und nahm einen Teilzeitjob in der Cafeteria der Universität von Indianapolis an.
Dort fand sie, wonach sie so lange gesucht hatte … ihre Berufung.
Umgeben von Kaffee- und Kuchenduft und im kameradschaftlichen Umgang mit Kollegen und Gästen, lernte sie wieder zu lachen und sich auf den nächsten Tag zu freuen. Und langsam stellte sich das Gefühl ein, das Leben könne doch noch etwas Lohnenswertes für sie bereithalten.
Trotzdem bedurfte es eines schmerzlichen Einschnittes in ihrem Leben, um von dieser Einsicht zu dem Entschluss zu gelangen, ihre Zukunft endlich in die eigenen Hände zu nehmen. Und plötzlich ging dann alles sehr schnell …
Melanie verließ Cade und zog nach Lawford, um im belebtesten Geschäftsviertel der Stadt ihren eigenen Coffee Shop zu eröffnen. Als eine Oase der Ruhe und Entspannung, mit genau der Atmosphäre, die sie in der Universitäts-Cafeteria so sehr geschätzt und genossen hatte.
Ihr Zertifikat als Barista erwarb sie auf einem Kongress für Cafébesitzer. Was bedeutete, dass sie jetzt mit allen Finessen der Kaffeezubreitung vertraut und damit bestens für ihren Job gerüstet war.
Der hatte natürlich wenig bis nichts mit der akademischen Laufbahn zu tun, von der sie während der Highschool geträumt hatte, aber das störte sie nicht. Denn die Zeit, in der sie ihre Tochter bekommen und hatte aufwachsen sehen, hätte Melanie niemals gegen ein Universitätsdiplom eintauschen wollen.
Emmie war jede Anstrengung und jeden Verzicht wert gewesen. Ihr fröhliches Gebrabbel, die ersten unsicheren Schritte und die aufgeschürften Knie von ihren verwegenen Radfahrkünsten …
Selbst die ersten Ehejahre mit Cade waren wunderschön gewesen. Erfüllt von Lachen und improvisierten Mahlzeiten auf dem Fußboden ihres spärlich eingerichteten, winzigen Apartments, in dem anfangs noch dicke Kissen als Sitzgelegenheit dienen mussten. Was an Geld fehlte, wurde mit stimmungsvollem Kerzenlicht, ausgeprägtem Improvisationstalent und viel Liebe wettgemacht.
Melanie seufzte, schüttelte die unwillkommenen Erinnerungen ab und konzentrierte sich lieber darauf, die bereitstehenden Schokochips mit dem fertigen Doughnut-Teig zu vermengen. Unterdessen tönte Jeannies schrille Stimme immer noch aus ihrem Handy, das Melanie – ganz Profi– zwischen rechtem Ohr und rechter Schulter festgeklemmt hielt, um beide Hände für die Arbeit freizuhaben.
„Also, was hast du in all den Jahren gemacht, in denen wir uns nicht gesehen haben?“, wollte ihre ehemalige Klassenkameradin wissen, nachdem sie endlich einmal Luft geholt hatte. „Oh, verflixt! Kannst du einen Moment dran bleiben? Ich bekomme gerade ein Gespräch auf der anderen Leitung …“
Melanie war dankbar für die Pause, in der sie ein schnelles Resümee ihres Lebens ziehen konnte, falls ihre sprunghafte Gesprächspartnerin überhaupt noch an einer Antwort interessiert sein würde.
Also … mit ihren siebenunddreißig Jahren war sie eine fast geschiedene Frau mit eigenem Coffee Shop, der vor drei Monaten endlich den ersten Profit abgeworfen hatte. Gab es sonst noch etwas Interessantes über sie zu berichten? Ah...




