E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Junge Anita Wolfs "Karmatha"
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7519-4293-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Studie
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-7519-4293-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
geb. 1960, Verlagskaufmann, setzt sich seit rund zwanzig Jahren mit dem Werk Jakob Lorbers auseinander und publiziert seit 2004 diesbezügliche Studien.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
IV Einschätzung
1. Literarische Leistung
In einer zum Teil anmutend erhabenen Sprache mit immer neuen Formulierungen werden die Belehrungen bezüglich der vier UR-Wesenszüge (Vater, Gott, Priester, Schöpfer) und der sieben Eigenschaften (Liebe, Geduld, Ernst, Weisheit, Wille, Ordnung, Barmherzigkeit) anschaulich dargeboten. Alles baut aufeinander auf und innere Widersprüche scheint es nicht zu geben. Die eigenständige literarische Leistung dieses religiösen Werkes ist insgesamt beachtenswert.
2. ‚Innere Sehe‘
In Heft 16, dem zweiten Band, wird wie selbstverständlich davon gesprochen, dass der Mensch die „innere Sehe mit dem Segen aufgetan bekommt“ (Karmatha 1955, S. 82). Somit scheint dies auch auf Erden möglich bzw. ein Mensch kann wie Lorber die ‚innere Stimme‘ hören.
3. Himmelsvorstellungen
Anstelle von Wolfs originellem Werk vermitteln Bibel und Gesangbuch christliche Himmelsvorstellungen, so dass die Gläubigen bezüglich der Eschatologie zu christlichen Hoffnungsfantasien, dass sie sich bereits heute auf den Himmel freuen dürfen, der sie nach dem Tod erwarten wird, ermuntert werden (vgl. Pöhlmann 2016, S. 66 ff.).
4. Engelsfürsten als Duale
UR schafft die Engelsfürsten jeweils als Duale. Deshalb werden bei den Personen die Namen des männlichen sowie des weiblichen Engels genannt. Auch das Engelskind Karmatha hat eine himmlische Gefährtin: Sein Dual heißt Sama. Ein Engel kann sich außerdem auf Erden in einem Menschen inkarnieren. Hier ist jedoch die gottgewollte Gemeinschaft die Ehe (vgl. Gen 2,24). Nach theologischem Verständnis hat allein Jesus Christus eine Präexistenz, nicht aber jeder Mensch. Hier kollidieren somit zwei Anschauungen, die von Dual- und die von Ehepartnern, miteinander, wobei Letztere sekundär erscheint. Voraussetzung für dieses Konstrukt ist die Präexistenz der menschlichen Seele. So gilt hier die uneingeschränkte Liebe nicht mehr dem Ehepartner, sondern dem himmlischen Dual. Doch meist finden die inkarnierten Dualpartner sich auf Erden nicht, schon gar nicht in der Ehe. Diesbezüglich sind vielfältige gnostische Hoffnungen und Spekulationen möglich. Betroffene können sich von diesen Vorstellungen meist erst mithilfe von aufklärender Literatur oder der Seelsorge erfahrener Pfarrer lösen.
5. Vierwesenheit statt Dreieinigkeit
Der Name Jesus wird, abgesehen von einer Ausnahme am Ende des dritten Bandes (vgl. Karmatha 1955, S. 210), lediglich deshalb nicht genannt, weil hier UR Jesus der Vater ist. Trotz schlüssiger Erklärung wird hier der Widerspruch zur Bibel offensichtlich.
Damit findet schleichend ein Austausch der Dreieinigkeit gegen die Vierwesenheit statt, deren höchster Name UR sei, der über die Jahrhunderte hinweg weder dem Juden- noch dem Christentum offenbart wurde.
Es stellt sich die Frage, weshalb UR derartig geschickt gegen die Dreieinigkeit argumentiert. Wie kann UR die ‚Neuoffenbarung‘ Jakob Lorbers mit dem Werk „Karmatha“ bestätigen, obwohl diese keineswegs als Grundlage des christlichen Glaubens gelten kann, wie mittlerweile durch einige Arbeiten belegt? Wie konnte UR diese Tatsache entgehen? Mithilfe der Schrift „Karmatha“ lassen sich somit Rückschlüsse auf UR ziehen.
6. Karmathas Erziehung
Ein Engelskind namens Karmatha erhält seine Erziehung im Elternhaus der Eigenschaft Liebe vom Engelpaar Rafael und Agralea. Sie gehören zu den treugebliebenen Engeln, folglich ist auch das Engelskind Karmatha eine nicht gefallene Lichtseele. Weil aus Engelskindern gereifte Engel werden, finden auch gemeinsame Mahlzeiten statt.
Doch geht es hier weniger um das Essen als vielmehr um die Gespräche bzw. die immerwährenden Belehrungen. Belehrungen durch die vier Wesenszüge der UR- Gottheit (Vater, Gott, Priester, Schöpfer) werden als Offenbarungen bezeichnet, an denen das Engelskind reift und zunehmend Erkenntnisse sammelt. Wenn das Engelskind Karmatha selbst zur Belehrung kleiner Engel spricht, spricht durch ihn die Vierwesenheit, so dass von den Hörenden auch dies als Offenbarung bezeichnet wird. Die räumlichen Vorstellungen übersteigen das irdische Fassungsvermögen. Hier wird stets von Sonnen bzw. von Sonnensystemen oder von einer Schöpfung bzw. einer folgenden neuen Schöpfung gesprochen. Mit dank der immerwährenden Belehrungen zunehmender Reife werden die Schöpfungen und deren Gesetze minuziös erklärt. Das Leben scheint aus Belehrungen und anschließenden Aufgaben, in denen das Gelehrte auf Umsetzung geprüft wird, zu bestehen.
Durch die Erkenntnisse dringt das Engelskind Karmatha und somit auch der Leser oder die Leserin immer tiefer in das Verständnis der Vierwesenheit ein. Hier zeigt sich einerseits höchste Erkenntnis und andererseits kindliches Vertrauen zur UR-Gottheit Vater, den es zu lieben gilt. Dies alles findet allein deshalb statt, weil in dieser Kindsschöpfung der große Engel Sadhana seine Freiheitsprobe nicht bestanden hat und deshalb als Zeichen der Barmherzigkeit der Fall in die materielle Schöpfung entstand, damit auch Sadhana eines Tages frei in die von der Vierwesenheit vorbestimmte Herrlichkeit gelangen kann. Die Vierwesenheit, also die UR-Gottheit, opfert sich auf Erden zugunsten der Rückführung. Aber auch Engel opfern sich und gehen auf die Erde. Folglich ist die materielle Schöpfung, insbesondere die Erde, negativ belastet. Das Leben auf Erden ist somit nur ein ‚Probeleben‘, entweder als Opfer für andere oder, bei einer gefallenen Seele, zu deren eigener Läuterung. Je mehr das Gelesene beeindruckt, desto mehr erscheint das Erdenleben nicht mehr als Geschenk Gottes, sondern lediglich als zur Vierwesenheit der UR-Gottheit hinführendes ‚Probeleben‘.
7. Heiliger Geist
Nur im ersten der drei Heften wird einmal der Heilige Geist erwähnt (vgl. ebd., S. 70). Denn bei dem im restlichen Werk überzeugend argumentierenden Geist kann es sich nicht diesen handeln, da er weder Jesus Christus bezeugt noch sich als solcher zu erkennen gibt.
Der Absolutheitsanspruch URs ist keinesfalls konform mit dem des Heiligen Geistes, wenn auch der Empfang frei schien sowie der Erwerb heute frei ist: Lediglich die „Vier Marksteine aus dem Leben Jesu“, „Karmatha“ und „Der Patriarch“ waren zunächst über den Urgemeinde-Verlag ausschließlich kostenpflichtig erhältlich. 1961 wurde durch die VTG sichergestellt, dass von diesem Zeitpunkt an alle Werke Wolfs kostenfrei zu erwerben waren. Dies vermittelt den Eindruck, dass für sie der Empfang ihres Werkes frei geschah und in der Konsequenz auch dessen Erwerb frei sein soll. Der Empfang war jedoch lediglich insofern frei, als sie bereit war, ihre Kritikfähigkeit aufzugeben, wobei es letztlich unerheblich ist, ob dies bewusst oder unbewusst geschah. Dies lässt sich mit folgender Bibelstelle untermauern: „umsonst habt ihr es empfangen, umsonst haben wir es auch weiterzugeben“ (Mt 10,8). Sie ist entnommen der Erzählung von der Aussendung der zwölf Apostel. Diese verfügen, so die Bibel, über die Macht, Kranke zu heilen, Dämonen auszutreiben und Tote zu erwecken. Jede Arbeit ist ihres Lohnes wert und somit sollen sich die Apostel zwar auf die Hilfe Gottes verlassen, aber dennoch selbst arbeiten, um nicht auf die Barmherzigkeit anderer angewiesen zu sein. Teilweise wird die grundsätzliche Kommerzialisierung des Lorber-Werkes für falsch erachtet und Wolf wurde außerdem seitens Bietigheim nicht anerkannt. Somit fand sich für die Führung ein anderer Weg: Die kostenfreie Verteilung des Werkes über die VTG, einhergehend mit der Gefahr, dass auch den Leserinnen und Lesern die Kritikfähigkeit genommen wird. Die versprochene Freiheit Jesu widerspricht dem grundsätzlich: Sie bedeutet Freiheit als Sündenvergebung durch das einmalige Opfer Jesu Christi und nicht Beeinflussung durch kostenfreie Werke, die letztlich in Unfreiheit empfangen wurden.
8. Confessio Augustana
Wird das Pauluswort „denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes“ (1 Kor 2,10) dem Kontext gemäß der Einleitung zur Analyse gerecht?
In diesem Pauluswort geht es um die Weisheit Gottes, die im Geheimen verborgen ist und die Gott den Menschen durch den Geist offenbaren will. Er predigte allein von Jesus Christus, dem Gekreuzigten, denn nur so ist der Glaube auf Gotteskraft gegründet und nicht auf Menschenweisheit. Jedoch erscheint im gesamten Werk „Karmatha“ nie die Formulierung ‚Jesus Christus, der Gekreuzigte‘. Wolf ist in der evangelisch-lutherischen Kirche getauft und konfirmiert, deren Glaubensgrundlage die CA bildet, und war auch bis an ihr Lebensende in Österreich in der Evangelischen Kirche A. B. Als sie ‚sich UR zur Verfügung stellte‘, bemerkte sie wohl nicht die geschickte Argumentation gegen die CA, insbesondere gegen den ersten Artikel ‚Von Gott‘ (vgl. CA 1988, S. 23). Die CA war ursprünglich ein ökumenisches Bekenntnis. Wolfs „Karmatha“ ist keinesfalls im Geist der CA verfasst,...




