E-Book, Deutsch, Band 432, 256 Seiten
Reihe: Historical
Justiss Der Lord und die schöne Pfarrerstochter
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7515-3168-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 432, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7515-3168-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In dieser Saison muss Eliza endlich einen Gatten finden! Sonst wird die mittellose Pfarrerstochter wohl für immer allein bleiben. Als sie auf einem Ball einem betagten Viscount hilft, beginnt der Witwer tatsächlich, sie zu umwerben. Doch sein Sohn, der unnahbare Lord Giles Stratham, hält sie für eine Mitgiftjägerin! Dabei lässt nicht etwa Reichtum, sondern Giles selbst Elizas Herz höherschlagen. Mit seinen dunklen Augen scheint er direkt in ihre Seele zu blicken. Doch kann aus Elizas heimlicher Verliebtheit ein wahres Glück werden, oder zerstört Giles' Misstrauen jede Hoffnung?
Julia Justiss wuchs in der Nähe der in der Kolonialzeit gegründeten Stadt Annapolis im US-Bundesstaat Maryland auf. Das geschichtliche Flair und die Nähe des Meeres waren verantwortlich für zwei ihrer lebenslangen Leidenschaften: Seeleute und Geschichte! Bereits im Alter von zwölf Jahren zeigte sie interessierten Touristen das historische Annapolis, das für kurze Zeit sogar die Hauptstadt der sich von der Kolonialmacht England abspaltenden Vereinigten Staaten war. Verheiratet ist sie mit einem Offizier zur See, den sie auf einer der anderen Attraktionen von Annapolis kennengelernt hat: der Marineakademie. Mit ihm verbrachte sie viel Zeit in Tunesien und Europa. Bevor sie Tunesien, wo sie für die amerikanische Botschaft gearbeitete hatte, verließ erfüllte sie sich einen Traum: einen Regency-Roman zu vollenden. Seitdem hat sie 14 weitere Romane 3 Erzählungen und eine online-Serie veröffentlicht. Mit Preisen für ihre Werke wie dem Golden Quill, National Readers Choice, Romantic Times und All About Romance's Favorite Book of the Year, wird sie nur so überschüttet. Zur Entspannung sieht Julia sich gern Spielfilme an oder arbeitet im Garten ihres wunderschönen, im englischen Stil erbauten Hauses im östlichen Texas.
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1. KAPITEL
London, Mai 1836
Eliza Hasterling verstaute Nadel und Faden, mit denen sie den Riss an ihrem Kleid geflickt hatte, in ihrem Retikül. Der unglückselige Mr. Alborne war ihr auf den Saum getreten. Hoffentlich sah man es nicht! Ihre kargen Mittel reichten nicht aus, um das Kleid durch ein neues zu ersetzen. Sie warf einen letzten Blick in den Spiegel auf ihre wippenden Korkenzieherlocken, dann verließ sie das Damenzimmer und ging auf die Treppe zu, die hinunter in den Ballsaal führte.
Ihre Freundin Lady Margaret, die selten ein Blatt vor den Mund nahm, würde sagen, dass es Elizas eigene Schuld war, weil sie wieder mit Alborne getanzt hatte. Eliza seufzte. Angesichts seines pickeligen Gesichts und des hoffnungsvollen Hundeblicks war es ihr unmöglich, ihn abzuweisen, wie es Maggie und so viele andere junge Ladys taten. Da er weder gutaussehend noch reich war und überdies schrecklich unbeholfen, wurde er als Tanzpartner verschmäht. Eliza wusste, wie es sich anfühlte, verachtet zu werden. Sie hatte Mitleid mit dem unansehnlichen jungen Mann. Und weil sie zu den wenigen gehörte, die ihn nicht brüskierten, forderte er sie immer wieder auf.
Doch selbst sie würde ihn bald abweisen müssen, wenn er ihre begrenzte Garderobe ruinierte.
Inzwischen hatte sie den Fuß der Treppe erreicht und wollte gerade das Vestibül durchqueren, als der ältere Gentleman, dem sie im Vorbeigehen zugenickt hatte, einen Schrei ausstieß. Sie drehte sich um und sah, dass der Gehstock, auf den er sich gestützt hatte, von der ersten Stufe abgerutscht war und zu Boden fiel. Der Gentleman verlor das Gleichgewicht und kippte zur Seite.
Sie eilte zu ihm, um seinen Arm zu ergreifen, war jedoch nicht stark genug, um zu verhindern, dass er auf die Knie sank. Zumindest konnte sie verhindern, dass er der Länge nach zu Boden fiel. Nachdem sie ihm geholfen hatte, wieder aufrecht zu stehen, bückte sie sich, um den Stock aufzuheben.
Sie hatte ihn gerade an den Gentleman zurückgereicht, als zwei Matronen das Vestibül betraten und stehen blieben, um sie neugierig zu beäugen – den Gentleman, der sich vorgebeugt auf seinen Stock stützte, und Eliza, die sich wieder aufrichten wollte. Als sie sah, wie beschämt der Mann errötete, streckte Eliza ihm eine Hand entgegen und sagte rasch: „Wie ungeschickt von mir, zu stolpern! Ich danke Ihnen dafür, mir aufzuhelfen.“
Der Mann verstand, ergriff ihre Hand und drückte dankbar ihre Finger, während sie sich wieder gerade hinstellte. Erst jetzt erkannte Eliza, dass eine der Matronen die überhebliche Lady Arbuthnot war, weshalb sie sich auf einen gehässigen Kommentar gefasst machte.
„Lord Markham, wie gnädig von Ihnen, ihr zu helfen“, sagte die Lady, bevor sie sich an Eliza wandte. „Sie sollten besser aufpassen, Miss Hasterling! Sie hätten Lord Markham umstoßen können.“
„Es ist gar nichts passiert, Mylady“, beteuerte Markham.
Lady Arbuthnot strafte Eliza mit einem verächtlichen Blick, nickte dem Viscount zu und hakte sich bei ihrer Freundin ein, bevor sie mit ihr die Treppe hinaufging. Als die beiden das obere Ende der Treppe erreichten, lästerte Lady Arbuthnot gut vernehmbar: „Die Tochter eines Vikars. Keinerlei Anmut und Grazie, aber was kann man schon anderes erwarten?“
„Sehr gnädig von Markham, sie überhaupt zu beachten. Sie sollte ihren Platz kennen und sich so unauffällig wie möglich verhalten!“, erwiderte ihre Begleiterin und sah sich naserümpfend nach Eliza um.
Eliza presste die Lippen zusammen und spürte, wie ihr die Röte in die Wangen schoss, doch sie war entschlossen, die Bemerkungen zu ignorieren.
„Sind Sie unverletzt, Lord Markham?“, erkundigte sie sich, als die Frauen außer Hörweite waren.
„Ja, dank Ihnen – Miss Hasterling, nicht wahr? Es war sehr hochherzig von Ihnen, mir aus der Verlegenheit zu helfen. Und zu allem Überfluss mussten Sie deswegen auch noch die Unfreundlichkeit von Lady Arbuthnot und deren Begleiterin ertragen. Am liebsten würde ich ihnen folgen, die Sache richtigstellen und die beiden zurechtweisen.“
„Sie möchten doch mein gutes Werk nicht zunichtemachen“, wandte sie lächelnd ein. „Wegen Lady Arbuthnot brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Da sie mich als einfache Tochter eines Geistlichen für weit unter ihrer Würde hält, wird sie mich nicht weiter behelligen. Ich bin bloß froh, dass ich Sie vor einem Sturz bewahren konnte.“
„Sind wir einander überhaupt schon vorgestellt worden? Sie scheinen mich zu kennen, aber ich kann mich leider nicht daran erinnern, Ihnen schon einmal begegnet zu sein. Was für ein unverzeihlicher Fauxpas, sich nicht an eine so reizende junge Lady zu erinnern.“
„Wir sind einander in der letzten Saison vorgestellt worden, aber es war kurz bevor …“, sie zögerte einen Moment, bevor sie weitersprach, „… kurz bevor Sie Ihre Frau verloren haben. Nur zu gut verständlich, dass vieles aus dieser traurigen Zeit Ihnen nur verschwommen im Gedächtnis geblieben ist. Mein herzliches Beileid zu Ihrem Verlust.“
Das Lächeln des Viscounts schwand, und nun lagen Trostlosigkeit und Kummer in seinem Blick. Eliza tadelte sich insgeheim, weil sie ihn an seinen Schmerz erinnert hatte. Warum hatte sie nicht einfach gesagt, dass sie einander bereits vorgestellt worden waren, und es dabei belassen? Sie wusste, dass Markham das Trauerjahr beendet hatte und gerade erst wieder in die Gesellschaft zurückgekehrt war. Nach allem, was man hörte, hatten sich seine verstorbene Frau und er sehr nahe gestanden, und ihr Tod hatte ihn tief bestürzt.
„Verzeihen Sie“, entschuldigte sie sich eilig. „Ich wollte nicht … Ich meine, ich hätte nicht …“
Markham winkte ab. „Kein Grund, sich zu entschuldigen, Miss Hasterling. Es war ein trauriger Verlust, aber ich finde mich allmählich damit ab. Leider erlauben es mir meine Knie nicht, Sie um einen Tanz im Ballsaal zu bitten. Aber vielleicht darf ich Sie in das Erfrischungszimmer begleiten, und wir gönnen uns ein Glas Wein. Ich möchte mich noch einmal für Ihr freundliches und rechtzeitiges Eingreifen bedanken. Wenn Sie mir nicht so schnell zur Hilfe geeilt wären, hätte Lady Arbuthnot mich auf dem Boden ausgestreckt erblickt. Das hätte sie anschließend ausgeschmückt und genussvoll weitererzählt.“
Eliza lachte leise in sich hinein. „Ja, das hätte sie vermutlich getan. Ich schätze mich glücklich, es verhindert zu haben.“
„Wollen wir dieses Glück mit einem Glas Wein feiern?“, fragte Markham lächelnd.
Das Lächeln erwidernd ließ Eliza zu, dass Markham ihre Hand auf seinen Arm legte. Just in diesem Moment kam ein großer dunkelhaariger Mann auf sie zu. „Vater, ist alles in Ordnung? Du bist ziemlich lange verschwunden. Withram hat schon nach dir gefragt.“
„Ich habe mich nur mit dieser bezaubernden jungen Lady unterhalten. Sind Sie schon mit meinem Sohn bekannt, Miss Hasterling?“
Eliza starrte den attraktiven jungen Mann an, der seinen Vater besorgt aus tiefbraunen Augen musterte. Die dezente schwarze Abendgarderobe betonte die schlanke Gestalt und die breiten Schultern. Ein paar dunkle Locken fielen ihm in die Stirn, und unwillig strich er sie nach hinten. Die ausgeprägte Ähnlichkeit zwischen Vater und Sohn war ihr sofort aufgefallen, doch der Neuankömmling wirkte wie eine weit stärkere und vitalere Version des Gentleman, den sie vor einem Sturz bewahrt hatte.
„N…nein, wir sind uns noch nicht vorgestellt worden“, antwortete Eliza.
„Dann habe ich die Ehre, Ihnen meinen Sohn Baronet Stratham vorzustellen, Miss Hasterling.“
Nachdem der junge Baronet sich verbeugt und sie geknickst hatte, ergriff Markham erneut das Wort. „Ich wollte gerade mit Miss Hasterling in das Zimmer mit den Erfrischungen gehen. Du kannst Withram ausrichten, dass ich ihn später aufsuche.“
Geblendet von Strathams athletischer Erscheinung und seinem hübschen Gesicht, bemerkte Eliza erst jetzt, dass er ihr Lächeln nicht erwidert hatte. Stattdessen starrte er mit versteinerter Miene auf die Hand, die sie wieder auf den Arm seines Vaters gelegt hatte.
Einen Moment lang dachte sie, er würde eine Bemerkung dazu fallen lassen. Doch was sollte er schon sagen? Obwohl es nicht im Entferntesten ungehörig war, wenn eine Lady eine Hand auf den dargebotenen Arm eines Gentleman legte, fühlte Eliza einen Anflug von Unbehagen, als sei sie bei einem Fehlverhalten ertappt worden.
„Wollen wir uns ein Glas Wein gönnen, Miss Hasterling? Da der Ball bald endet, möchten Sie danach sicher noch tanzen. Ich möchte nicht, dass Sie sich dieses Vergnügen entgehen lassen.“
Markham nickte seinem Sohn zu, doch anstatt sich zu entfernen, um Withram die Nachricht des Vaters zu überbringen, sagte Stratham: „Ich glaube, ich komme mit und trinke auch ein Glas Wein.“
Die beiden Männer tauschten Blicke aus. Eliza erkannte darin eine gewisse Resignation des Vaters und eine wilde Entschlossenheit des Sohnes.
„Begleite uns ruhig, wenn du willst“, entgegnete Markham nachsichtig.
Sie machten sich auf den Weg. „Erlauben Sie mir bitte, die Lücken in meiner Erinnerung an die Begegnung in der letzten Saison zu füllen, Miss Hasterling“, wandte sich der Viscount an Eliza. „Wo lebt Ihre Familie? Ich entsinne mich nicht, mit Ihrem Vater bekannt zu sein. Er ist Geistlicher, sagten Sie?“
„Ja, aber es ist...




