E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Justiss Mein unwiderstehlicher Earl
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1707-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-1707-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In einer nebligen Herbstnacht flieht Lady Laura vor ihrem grausamen Gatten und lebt fortan als Witwe getarnt auf dem Lande. Sie kann die Fassade aufrechterhalten ... bis der Earl of Beaulieu ihren Weg kreuzt. Dieser Mann ist unwiderstehlich - und sieht mit seinen faszinierenden bernsteinfarbenen Augen direkt in ihre Seele!
Julia Justiss wuchs in der Nähe der in der Kolonialzeit gegründeten Stadt Annapolis im US-Bundesstaat Maryland auf. Das geschichtliche Flair und die Nähe des Meeres waren verantwortlich für zwei ihrer lebenslangen Leidenschaften: Seeleute und Geschichte! Bereits im Alter von zwölf Jahren zeigte sie interessierten Touristen das historische Annapolis, das für kurze Zeit sogar die Hauptstadt der sich von der Kolonialmacht England abspaltenden Vereinigten Staaten war. Verheiratet ist sie mit einem Offizier zur See, den sie auf einer der anderen Attraktionen von Annapolis kennengelernt hat: der Marineakademie. Mit ihm verbrachte sie viel Zeit in Tunesien und Europa. Bevor sie Tunesien, wo sie für die amerikanische Botschaft gearbeitete hatte, verließ erfüllte sie sich einen Traum: einen Regency-Roman zu vollenden. Seitdem hat sie 14 weitere Romane 3 Erzählungen und eine online-Serie veröffentlicht. Mit Preisen für ihre Werke wie dem Golden Quill, National Readers Choice, Romantic Times und All About Romance's Favorite Book of the Year, wird sie nur so überschüttet. Zur Entspannung sieht Julia sich gern Spielfilme an oder arbeitet im Garten ihres wunderschönen, im englischen Stil erbauten Hauses im östlichen Texas.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Der frische Herbstwind wehte den Duft nach feuchtem Laub und würzigen Kräutern zu Laura Martin, aber auch die Geräusche von Hundegebell und gelegentlichen Gewehrschüssen aus der Ferne. Früher an diesem Morgen war eine Jagdgesellschaft an ihrem kleinen Haus vorbeigeritten, und der Sohn des Gutsbesitzers hatte ihr fröhlich zugewinkt. Sie jagten Enten im nahe gelegenen Sumpf.
Laura schnitt ein Büschel Gänsefingerkraut ab, um es für die spätere Verwendung zu trocknen, dann wandte sie sich um und verließ das Kräuterbeet. Misfit, ein ehemaliger Jagdhund des Squires, stupste mit der Nase an ihre Hand. Er hatte sie nicht mehr verlassen wollen, nachdem sie sein Bein geheilt hatte, das er in der Falle eines Wilderers verletzt hatte.
„Frechdachs“, sagte sie lächelnd und kraulte ihn hinter den Ohren.
Der Hund wedelte mit dem Schwanz und schmiegte sich an ihre Hand. Dann erstarrte er plötzlich und sah leise winselnd zu ihr auf.
„Was ist denn?“ Doch in diesem Moment hörte auch sie das schnelle Stakkato sich nähernder Pferdehufe. Einen Augenblick später sah sie einen der Knechte des Squires auf einem schweißbedeckten Pferd auf sich zukommen, ein zweites Pferd führte er an einem Strick bei sich.
Begleitet von schlimmen Vorahnungen, eilte Laura zum Gartenzaun.
„Was ist passiert, Peters?“, rief sie dem jungen Mann entgegen, der die Pferde abrupt zum Stehen brachte.
„Verzeihen Sie, Mrs Martin, aber bitte kommen Sie mit mir! Ein Unfall … eine Flinte ist plötzlich losge…“ Der Knecht unterbrach sich und schluckte heftig. „Bitte, Ma’am!“
„Wie schwer wurde die Person verletzt?“
„Weiß nicht so genau. Der junge Gentleman kriegt ’nen Schuss in die Schulter, und dann is’ Blut überall. Er is’ sofort ohnmächtig und …“
Ihre üble Vorahnung verstärkte sich. „Du solltest besser Dr. Winthrop Bescheid geben. Ich fürchte, bei einem Gewehrschuss kann ich nichts …“
„Bin schon beim Doktor gewesen, Ma’am, und er … kann nicht helfen.“
„Ich verstehe.“ Leider hatte der Dorfarzt einen unglücklichen Hang zu hochprozentigen Getränken und konnte sich allzu oft weder um sich selbst noch um irgendjemand anderen kümmern. So sprang sie schon mal in die Bresche, wenn der Doktor ausfiel. Aber eine Schusswunde? Ihr war klar, dass ihre Kenntnisse dafür nicht ausreichten.
Aber es gab jetzt wirklich niemanden außer ihr, der den Verletzten hätte verarzten können.
„Der junge Herr sagt, ich soll Sie sofort mitbringen.“
„Ist gut, Peters. Hilf mir bitte, meine Tasche zu holen.“
Sie suchte noch eine paar Dinge zusammen, von denen sie glaubte, sie brauchen zu können. Der Knecht trug alles zu den wartenden Pferden und half Laura in den Sattel. Er sprang auf sein Pferd, und dann folgte sie ihm in Richtung der Sümpfe.
In Gedanken ging sie noch einmal alle Heilmittel durch, die sie eingepackt hatte. Es hatte lange gedauert, von dem Leiden zu genesen, an dem sie selbst beinahe gestorben wäre. Damals hatte sie Tante Mary bei der Behandlung von Fieberkrankheiten und Magenbeschwerden oft zugesehen – aber nie bei der Versorgung einer Schussverletzung.
Zu den Medikamenten, die sie immer mitnahm, hatte sie noch ein Pulver hinzugefügt, das Blutungen stillte, und Brandy zum Reinigen der Wunde. Hoffentlich hatte sie nichts vergessen.
Ihr blieb nicht viel Zeit, sich weitere Gedanken zu machen, weil nach der nächsten Biegung der Pfad am Sumpf endete. Eine Menschentraube war am Rand des Wassers versammelt. Laura glitt aus dem Sattel und erblickte inmitten der Umstehenden den Körper eines jungen Mannes reglos auf dem Boden liegen. Seine bleiche Gesichtsfarbe hob sich auffällig von der roten Farbe des Blutes ab, das seinen Mantel durchtränkte. Seine Kleidung war durchnässt, die Beine in den Stiefeln lagen noch halb im eisigen Wasser. Tom, der Sohn des Squires, presste ein zusammengeknülltes weißes Tuch, das sich zusehends rot färbte, auf den Oberkörper des Jungen.
Sie vergaß ihre Aufregung und konzentrierte sich nur auf ihre Aufgabe. Erst musste sie die Blutung stoppen, dann sollte der Verletzte so schnell wie möglich zurück nach Everett Hall zurückgebracht werden.
„Peters, bring mir bitte das Verbandszeug.“
Beim Klang ihrer Stimme schaute Tom auf. „Gott sei Dank, Sie sind gekommen!“ Sein Gesicht war weiß unter den Sommersprossen, und er rückte zur Seite, damit sie sich neben das Opfer knien konnte. „Er blutet so stark … und er antwortet nicht. Wird … wird er sterben?“
„Du kannst mir helfen“, sagte sie ausweichend. „Halte das Tuch fest, während ich es um seine Schulter binde. Ist die Kugel aus dem Rücken wieder ausgetreten?“
„Ich weiß es nicht, Ma’am. Ich … ich habe nicht nachgesehen.“ Toms Augen sahen riesig aus in seinem blassen Gesicht. „Es ist meine Schuld. Ich wollte unbedingt auf die Jagd gehen. Wenn er stirbt …“
„Ganz ruhig … immer weiter drücken.“ Um Tom – und sich selbst – zu beruhigen, fragte sie: „Wie ist es denn eigentlich passiert?“
„Ich weiß es nicht so genau. Die Hunde haben einen Schwarm Enten aufgescheucht, und wir drückten beide gleichzeitig ab. Im nächsten Augenblick griff Kit sich an die Brust, und Blut sickerte zwischen seinen Fingern hervor. Möglicherweise … vielleicht hat eine unserer Kugeln den Felsvorsprung getroffen und ist abgeprallt. Er ist ins Wasser gefallen, und wir haben versucht, ihn an Land zu ziehen, aber wir hatten Angst, ihn weiter zu bewegen, bevor Hilfe zur Stelle war.“
Sie hörte nur mit halbem Ohr zu, denn sie arbeitete, so schnell sie konnte. Besorgt beobachtete sie dabei die graue Gesichtsfarbe und die bläulichen Lippen des Verwundeten. Wenn die Kugel noch im Körper steckte, musste sie schnell entfernt werden, aber im Moment wagte sie es nicht, die Wunde zu untersuchen. Glücklicherweise verlangsamte die Kälte, die ihn betäubte, auch die Blutung. Sie hoffte, dass dieser Zustand anhielt, wenn sie ihn hochhoben, um ihn fortzubringen. Und dass er sich vom Liegen im eiskalten Wasser keine Lungenentzündung geholt hatte …
„Ist er … sagen Sie mir, dass er wieder gesund wird!“
Toms Stimme klang so verzweifelt, dass sie ihn ansah. Aber sie vermied eine klare Antwort und lächelte ihm nur kurz zu. „Wir müssen ihn unbedingt von hier weg und aus der Kälte schaffen. Wurde schon eine Nachricht nach Everett Hall geschickt?“
„Ja. Mein Vater müsste jeden Augenblick hier sein.“
Da hörten sie schon eine herannahende Kutsche. Vorneweg ritt der Squire, ein kleiner, rundlicher Mann auf einem grau gescheckten Pferd. Er begutachtete die Situation für einen Moment, dann stieß er eine dichte Atemwolke aus.
„Gott sei uns gnädig! Was sollen wir tun, Mrs Martin?“
„Wir werden ihn in den Wagen legen und zurück zum Gutshaus bringen.“
Nachdem der Verband sicher befestigt war, wies sie die Knechte an, den Verletzten zur Kutsche zu tragen. Der Bewusstlose stöhnte leise, als sie ihn vorsichtig auf den gepolsterten Sitz betteten.
„Tom, reite voraus und alarmiere Mrs Jenkins. Wir brauchen kochendes Wasser, heiße Ziegelsteine und dergleichen mehr.“ Der Squire hatte eine rote Nase von der Kälte und schaute sehr bedrückt drein. „Und jetzt los … ich bespreche alles später mit dir.“
Tom nickte wortlos und schwang sich auf sein Pferd. Der Squire half Laura, sich neben ihren Patienten in den Wagen zu setzen, dann fragte er zögernd: „Werden Sie sich bei uns daheim auch weiter um ihn kümmern?“
„Selbstverständlich, aber nur so lange, bis ein richtiger Arzt kommt. Ich habe keine Erfahrung mit Schusswunden, und der junge Mann sieht – ehrlich gesagt – nicht gut aus.“
Zu ihrer Überraschung ergriff der Squire ihre Hände. „Sie müssen bleiben, Mrs Martin, und Ihr Bestes tun. Ich will keinen Landarzt bei uns haben! Ich habe bereits dem Bruder des Jungen eine Mitteilung gesandt, damit er sofort kommt und seinen eigenen Arzt mitbringt. Bitte versprechen Sie, dass Sie bleiben, bis er eintrifft!“
Furcht schnürte ihr die Kehle zu. Sie schaute zu dem reglosen Körper an ihrer Seite. War sie dem jungen Mann schon einmal begegnet? „Kommt er aus einer bekannten Familie?“, fragte sie, und ein ungutes Gefühl beschlich sie.
„Jüngerer Bruder des Earl of Beaulieu.“
Einen Augenblick lang schien ihr Herz stillzustehen. „Sie meinen den Puzzlebreaker?“, fragte sie leise. „Freund des Premierministers und einer der Reichsten im Lande?“
„Ja, richtig. Er ist der Gründer des albernen Puzzlebreaker’s Clubs, aber trotzdem ist er äußerst scharfsinnig. Angeblich unternimmt Lord Riverton nichts, ohne ihn vorher zu konsultieren. Ist auf Besuch bei Freunden im Norden, sein kleiner Bruder sollte nächste Woche nachkommen.“ Der Squire seufzte. „Wenn ich mir vorstelle, was Lord Beaulieu denken würde, sollte sein Bruder Kit in meiner Obhut sterben … Ich schwöre, ich bereue den Tag, an dem mein Tom ihm in Oxford über den Weg lief.“
„Sicher würde der Earl Sie nicht dafür zur Verantwortung ziehen.“
Der Squire zuckte mit den Achseln, dann schaute er sie flehend an. „Ich bitte Sie inständig zu bleiben, Mrs Martin. Mit etwas Glück erreicht mein Bote den Earl innerhalb von ein paar Stunden und bringt seinen Arzt mit zurück, hoffentlich noch vor Sonnenuntergang. Den nichtsnutzigen Winthrop möchte ich nicht in Kits Nähe haben, egal ob betrunken oder nüchtern, und Gott...




